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281. Pro fränkische Initiative in „Südthüringen“

Montag, 8. Dezember 2014 | Autor:

Frankenlied

 

 

 

Aufkleber_Wir_sind_Franken_keine_Thueringer

 

 

Lieber Blogbesucher,

als ich vor ca. 2 Jahren von dieser Initiative erfahren habe, kam große Freude auf aber auch gleichzeitig große Bedenken. Denn die Bajuwaren haben auch davon Wind bekommen, und gleich vorsichtig Ansprüche angemeldet.

Man kann nur hoffen, dass hier nicht der Politikfilz aus München sich wieder einmischt und den Willen der Bürger hier in Franken und Henneberg nieder bügelt.

Der große Wunsch aller Bürger hier in der Region ist, dass endlich wieder zusammen findet was zusammen gehört, ohne den Einfluß der Opportunisten aus Bayern.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erkenntnis beim surfen in der sehr interessanten Homepage des Vereins.

 

Henneberg-Itzgrund-Franken e.V.

Sitz des Vereins: Frankenblick

 

Henneberg-Itzgrund-Franken

 

 Henneberg-Franken

 

 

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251. Franken ist einzigartig und einig in seiner Drei-Uneinigkeit

Donnerstag, 4. Juli 2013 | Autor:

Frankenlied

 

 

 Wikipedia-Pegasus2-Walberla_30April_2005

Eine wichtige Bemerkung vorneweg:

Das Franken dreigeteilt ist, ist ein Delikt der Lederhosen-, Oberschenkelpatscher- und Jodlerkompanie aus Oberbayern. Um Franken zu schwächen hat man diese Dreiteilung durchgeführt, und ist jetzt stolz darauf wenn es in Franken Uneinigkeit gibt. Alle wichtigen Stellen in Franken sind von bayerischen Söldner besetzt. Wie kann man als Franke mit einen solchen Volksstamm auskommen, wenn es seit 1806 nur Benachteiligung, und Raub gibt. Mit Hilfe eines Kriegsherrn Napoleon hat man Franken okkupiert und findet dieses Unrecht in Ordnung.

Sie glauben es nicht?

Bereits im Frühjahr 1802 war der Major Ribaupierre im Auftrage Monteglas auf einem Erkundigungsritt durch Franken, wobei er feststellen konnte, dass Franken eines der reichsten Gebiete in Deutschland sei; daraufhin wurde die Entscheidung zur Okkupation Frankens in München gefällt. Vgl. H. H. Hofmann:…..sollen bayerisch werden. Die politische Erkundung des Majors von Ribaupierre durch Franken und Schwaben im Frühjahr 1802. – Kallmünz o.J.(1954).

 

Nachzulesen bei ……

 

 

     

Lederhosenkompanie_by_Meyhome_pixelio.de

Lieber Blog Besucher,

als ich den Artikel im Fränkischen Tag am 29.06.13 von Günter Flegel gelesen habe, habe ich mir gedacht, dass man diese Gedanken einem breiteren Publikum bekannt machen sollte. Aufgrund der freundlichen Genehmigung von Günter Flegel können Sie diesen Artikel nun lesen.

Eines wird hier natürlich wieder ganz deutlich, dass die Franken über sich selbst lachen können und das wir doch einen ganz besonderen Humor haben. Das hat eben damit zu tun, dass der Franke schon vor tausenden Jahren über den Horizont geblickt hat.

Hier fällt mir ein Spruch ein:

Die Baiern haben die Berge, wir Franken den Horizont.

Im Anschluss an den Artikel von Günter Flegel möchte ich Ihnen unbedingt zwei Artikel aus meinen Blog empfehlen, die Ihnen helfen werden, das Verhältnis Bayern  zu Franken besser zu verstehen.

Meine Hoffnung ist es, dass in der Europäischen Union, Gebiete und Stämme wieder den Vorzug vor Okkupation und Gewalt bekommen. Denn Franken ist alleine stark genug in Europa eine gute Rolle zu spielen.

Bamberg_Kaiserdom-elsa-pixelio.de

Hierzu einige Zahlen:

Wussten Sie schon, dass… in einem zukünftigen Europa der Regionen, Franken eine Europaregion werden muss, um sich vom Anhängsel des Münchner Zentralismus zu lösen?

Wussten Sie schon, dass… ein Bundesland Franken von 17 Bundesländern von der Fläche her auf Platz 7, von der Bevölkerung auf Platz 7 und von der Wirtschaftskraft her noch auf Platz 6 stehen würde? Wir müssen uns aber beeilen mit dem Bundesland, denn wirtschaftlich fallen wir im innerbayerischen Vergleich aufgrund der verfehlten einseitigen bayerischen Strukturpolitik seit 1965 stetig zurück!

Wussten Sie schon, dass… bei zwei TED-Umfragen(1993 und 1996) jeweils 81% der Anrufer sich für ein Bundesland Franken aussprachen?

Wussten Sie schon, dass… Franken unter den heutigen Mitgliedstaaten der EU flächenmäßig die Position 20, bevölkerungsreich wie Irland, nehmen wir die Position 18 ein, vor Norwegen, und in Bezug auf das BIP knapp hinter Portugal an 16. Stelle ist?

Wussten Sie schon, dass… Franken so groß wie Belgien ist und eine Einwohnerzahl hat, die der Norwegens oder Irlands entspricht und dass uns Bayern nicht einmal im zukünftigen Europa den Status einer Euroregion zugestehen will?

Wussten Sie schon, dass… die Hansestadt Bremen u.a. nur zum Bundesland wurde, weil sie nach 1945 Ausfuhrhafen für die amerikanische Besatzungszone wurde? Bremen hat gerade mal so viel Einwohner wie Nürnberg und Fürth zusammen.

Wussten Sie schon, dass… selbst Edmund Stoiber 2006 geäußert hat, dass der Föderalismus verteidigt werden muss? Da kann man nur sagen: Na dann, Herr Stoiber, weg mit dem innerbayerischen Zentralismus. Ein Regierungsbezirk Franken mit 4,3 Mio. Einwohnern ist wirtschaftlich so stark wie Tschechien und die Slowakei zusammen. Mehr Selbstverwaltung für die Metropolregion Franken und keine Brosamen vom Münchner Tisch, keinen altbayerischen Rundfunk, sondern einen Frankenfunk.

Das Franken von Bayern in drei Teile zerschlagen wurde hat System. Das muss geändert werden, weil es nur ein Franken gibt.

A copyright www.Frankenland-versand.de

 

Bericht von Günter Flegel

 

Der Tag der Franken ist ein seltsamer Feiertag, unter anderem deshalb, weil er nicht gefeiert wird. Was daran liegen könnte, dass der Franke in sich ruht und keinen besonderen Grund für irgendwelche Feierlichkeiten sieht. Franken? Bassd scho.

In Franken gab es nie einen Volksaufstand, dessen  gedacht oder der gefeiert werden könnte, keinen Unabhängigkeitstag (noch nicht, ha!), keinen Sturm auf die Bastille (hä?) und keinen Nationalhelden oder -heiligen von halbwegs  vorzeigbarem Format. Nie stand ein amerikanischer Präsident auf einer fränkischen Rathaustreppe und rief: „Ick bin ein Franke.“ Noch nicht einmal eine Wiedervereinigung könnten die Franken feiern, das wäre ja auch noch schöner.

Franken ist einzigartig und einig in seiner Drei-Uneinigkeit, die sich nicht nur auf Ober-, Unter- und Mittelfranken bezieht, sondern  sich als roter Faden durch die Geschichte und den Charakter der Region schlängelt wie der Main, als er noch Fluss sein durfte und nicht Bundeswasserstraße. Der Betonkanal ist kein Main mehr, da kann die Landesausstellung in Schweinfurt noch  so jubeln.

Diese kleine Abschweifung führt zurück zum Tag der Franken und der Frage, was den Franken vom Feiern abhält. Ist es vielleicht die Unübersehbarkeit der Tatsache, dass das Fränkische immer weniger wird, abgeschliffen von der Globalisierung, auf Facebook zu Tode gepostet und auf dem Altar der  um sich greifenden  Verblödung geopfert?    Der Preiß’ kommt in München gut zurecht, er muss nur wortlos oft genug anstoßen; und ein Münchner ist unter den Berlinern  kein Exot mehr, wenn er ein paar Brocken Schwäbisch spricht.

Das Leben in Franken ist und bleibt dagegen eine intellektuelle Herausforderung: „Entschuldigen Sie bitte, ich habe Ihren Ausführungen nicht bis ins Detail folgen können; würden Sie die letzten beiden Sätze bitte  noch einmal wiederholen?“ Das heißt, ins  Fränkische übersetzt: „Hä?“

Auf dieser hohen Ebene verstehen sie sich, die Ober-, Unter- und Mittelfranken, ein Volk, das wie seine Sprache ein Kondensat aus allem ist, was wahr und gut und schön und richtig war. Während der klägliche Rest weiterzog und sich rund um Franken niederließ. Franken braucht keinen Feiertag. Jeder Tag ist ein Frankentag!


Günter Flegel
Redakteur

A copyright www.frankenland-versand.de

Hier die zwei Artikel zur Aufklärung

Franken in Bayern ein Problem

 

Franken und Bayern im 19 und 20.Jahrhundert

 

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Thema: Frankens Geschichte | 5 Kommentare

211. Franken im Mittelalter – Edel und Frei

Donnerstag, 26. Juli 2012 | Autor:

Frankenlied

 

 

 

 

Altenburg  – Bernd Deschauer Pixelio.de

 

Lieber Blogbesucher,

als ich den Bericht der Landesausstellung zur Kenntnis bekam erinnerte ich mich sofort an die vielen seltsamen Geschichten die von weiß-blau gefärbten Historikern im Umlauf sind. Es ist schon bezeichnend, dass man auf eine ungute  Art und Weise den Volksstamm der Franken, mit seiner  großen Geschichte madig machen will. Aber das werden noch so viele „Schreiberlinge“ nicht schaffen, dass die Wahrheit verfälscht wird.

Nürnberger Burg – Franken das Land der Burgen und Schlösser

Schloß Weissenstein Pommersfelden

Machen Sie sich selbst ein Bild von der Geschichte der Franken und lesen Sie diesen wertvollen Beitrag aus dem Jahre 2004.

A Franken im Mittelalter Landesausst. Forchheim 2004

Ich bin zutiefst überzeugt, dass Franken wieder eine eigene Einheit werden kann, wenn der Franke in Zukunft sich selbstbewusster zeigt und auf seine Stärken baut.

copyright www.Frankenland-versand.de

Diese sind:

„Frank und Frei“, „Mutig, frech, ungestüm, kühn“ .

 

Ich möchte sinnbildlich „den Franken“ mit diesen Bild einmal darstellen.

 

 

Auch wenn man den Stamm abgehauen hat – der Franke blüht weiter

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184. Franken und Bayern im 19. und 20. Jahrhundert

Montag, 11. Juni 2012 | Autor:

Frankenlied

 

 

Liebe Blogbesucher,

dass ich gleich zu Anfang zwei Bauwerke aus FRanken zeige, hat einen Grund. Welchen, dass werden Sie beim aufmerksamen lesen dieses Artikels auf  jeden Fall heraus finden.

Diese wertvolle Analyse der letzten 200 Jahre  wurde von Prof. Rudolf Endres aus Erlangen verfasst. Er hat mir die Genehmigung erteilt, sein gleichnamiges Buch, das es leider nicht in elektronischer Form gab, in wochenlanger Kleinarbeit(Adlersuchsystem) abzuschreiben.

Ich hoffe, dass besonders viele Franken diese Zeilen lesen, damit Ihnen die Augen geöffnet werden. Leider kann ich die Bilder und Karten hier nicht zeigen, weil von Seiten der Stadtarchive und anderen Behörden hier wenig Bereitschaft zur Mitarbeit sichtbar war.

Franken und Bayern im 19.und 20.Jahrhundert

von

Rudolf Endres

Mit 6 Karten und 12 Bildern

 

Inhaltsverzeichnis

 

Fränkische Klagen und Beschwerden

Die Okkupation und Integration Frankens

Der fränkische Frühliberalismus – Demagogenverfolgungen

Die Revolution von 1848/49 – Aussöhnung

Franken in München

Frankens Anteil an der Kultur und Wirtschaft Bayern

Frankens Probleme

 

„Franken – Bayern zweite Garnitur?“ – unter diesem allerdings mit einem Fragezeichen versehenen Motto(1) werden in der Regel all die vielen Klagen, Beschwerden und Vorwürfe gesammelt und zusammengefasst, die in Franken gegenüber Bayern und dem alt-bayerischen Zentralismus vorgebracht wurden und auch heute noch oder sogar verstärkt wieder erhoben werden: Franken sei zwar immer der Hauptsteuerzahler von Bayern gewesen, sowohl im Königreich als auch im Freistaat Bayern; ganz im Gegensatz dazu sei es aber von München in vielen Bereichen des staatlichen und öffentlichen Lebens eindeutig benachteiligt worden(2), vor allem im kulturellen Leben, etwa im Hochschulwesen oder beim Theater, im Museumsbereich(3) oder im Archivwesen(4) und neuerdings sogar bei großen Landesausstellungen(5).

 

Fränkische Klagen und Beschwerden

 

 

So fordert man im Zuge einer stärkeren Regionalisierung für Franken einen zweiten Hauptsitz für Rundfunk und Fernsehen, was München jedoch strikt ablehnt(6). Man verlangt weiterhin ein Staatstheater auch in Franken, im Bereich der Wissenschaft und Forschung erhofft man entweder ein Max-Planck-Institut oder eine Klasse der Akademie der Wissenschaften. Denn in München seien nicht weniger als 50 große Forschungseinrichtungen angesiedelt, in Mittelfranken dagegen nur vier(7).

 

Auch fordert man – in steter Wiederholung – eine Dezentralisierung der Landesbehörden, die alle der „Wasserkopf München“ an sich gezogen hat. Die „Vorherrschaft Münchens“ und seiner „machthungrigen Ministerialbürokratie“ – so die kämpferische „Fränkische Arbeitsgemeinschaft“ – müsse gebrochen und die Benachteiligung Frankens aufgehoben werden(8). Doch der Vollzug des 1980 gefassten Landtagsbeschlusse, Staatsbehörden aus dem Münchner Raum in die strukturschwachen Grenzlandgebiete zu verlegen, ist auf heftigsten Widerstand gestoßen. Die im Raum München arbeitenden 75 000 Staatsbediensteten weigern sich, in das Grenzland zu ziehen. Bereits in den neu errichteten Universitäten Bamberg, Bayreuth und Passau,  den Fachholschulen Coburg und Schweinfurt sowie in der Beamtenfachhochschule Hof sieht die Staatsregierung einen „bedeutenden Beitrag zur Regionalentwicklung“, der in den fränkischen Gebieten zu gut 10 000 neuen Arbeitsplätzen geführt habe(8a).

 

Der „Franken-Ring“, der 1980 als parteipolitisch und konfessionell neutrale Vereinigung gegründet wurde und der sich die „Wahrung, Förderung und Vertretung fränkischer Belange auf allen Gebieten“ zum Ziel gesetzt hat, sieht seine vordringliche Aufgabe – neben der Unterstützung von Kunst und Kultur, des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalsschutzes“ – in der Beseitigung der Benachteiligung Frankens auf dem Arbeitsmarkt. Er wies darauf hin, dass in Franken im Vergleich zu Südbayern die Arbeitslosenquote beträchtlich höher lag und liegt: Im August 1983 betrug die Arbeitslosenquote in Franken 8,5% gegenüber in Südbayern 6,3%, im Januar 1984 war das Verhältnis gar 11,8% Franken gegenüber nur 9,1% Südbayern. Franken, das einstige Industriezentrum Bayern, ist inzwischen eindeutig vom Großraum München überholt worden. Verantwortlich für diese für Franken negative Entwicklung macht der „Franken-Ring“, die verfehlte Wirtschafts- und Strukturpolitik der Regierung in München(9).

 

Diesem harten Urteil schloss sich der Erlanger Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Karl Heinz Hirsemann an, der in der Benachteiligung Frankens durch die Bayerische Staatsregierung die Ursachen für den überdurchschnittlichen Arbeitsplatzabbau in der mittelfränkischen Region sieht, wie er vom Arbeitsamt Nürnberg in einer „Nürnberger-Studie“ Anfang April 1984 konstatiert wurde. Allein in der Metallindustrie in Nürnberg waren zwischen 1974 und 1982, 14 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Hiersemann forderte in der gleichen Pressekonferenz weiter: „ Man muss verhindern, dass alles, was im Dienstleistungsbereich denkbar ist, in München konzentriert wird“(10).

 

Neuerdings setzt sich sogar Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Urschlechter massiv mit der Münchner Staatsregierung auseinander, indem er die Benachteiligung Nürnbergs beim Finanzausgleich beklagt, da Nürnberg nur „ein um 39 vom Hundert höheres Finanzbedarf pro Einwohner, München jedoch ein solches von 46 vom Hundert zugebilligt wird“(11). Allein durch diese offensichtliche und durch nichts zu rechtfertigende Benachteiligung entgehen der Stadt Nürnberg 15 Millionen DM pro Jahr. Urschlechter fordert, dass die fränkische Metropole bei der Berechnung der Schlüsselzuweisungen genauso behandelt wird wie die Landeshauptstadt. Denn nach Meinung des Oberbürgermeisters erfüllt Nürnberg in Franken die gleichen überörtlichen Funktionen und Aufgaben wie München in Südbayern, weshalb Nürnberg auch der gleiche Finanzbedarf zugemessen werden müsse. Urschlechter ist der Meinung, dass Nürnberg durch die vielen überörtlichen Aufgaben tendenziell sogar noch stärker belastet wird als München, da dort kostenträchtige Aufgaben namentlich im kulturellen Bereich und in der Krankenversorgung durch staatliche Einrichtungen teilweise abgedeckt werden, während diese in Nürnberg ausschließlich durch die Stadt wahrgenommen werden müssen. Er spielt dabei auf die Tatsache an, dass in München rund 5000 Krankenbetten in staatlichen Kliniken zur Verfügung stehen, in Nürnberg dagegen kein einziges, und dass München mit seinen Ausgaben für kulturelle Belange unter den Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern in Deutschland an vorletzter Stelle steht. So errechnete der „Franken-Ring“ für das Jahr 1966, dass Westberlin für kulturelle Aufgaben pro Kopf der Bevölkerung 109.- DM ausgegeben hat, Frankfurt 100.- DM, Hamburg 93.- DM, Nürnberg 61,10 DM, München dagegen nur 20,73 DM(12). Verursacht wird dieser niedrige Satz durch die in München angesiedelten staatlichen Einrichtungen, voran die Staatstheater und die vielen Museen. Allein die Staatsoper in München kostet den Freistaat Bayern 60 Millionen, das Deutsche Theater in München 48 Millionen und die Pinakothek 105 Millionen Mark. „Münchens Kultur zahlt die Provinz“, stellt der „Franken-Ring“ lapidar fest(13). In seinem Schreiben an Minister Streibl macht Oberbürgermeister Urschlechter weiterhin darauf aufmerksam, „dass Nürnberg prozentual stärker mit den Investitionskosten des Flughafens, des Messewesens und des regionalen Personenverkehrs(S-Bahnbau) belastet ist als München“(14). Er spielt dabei auf die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs an, die sich 1979 für Bayern auf 600 Millionen Mark belief, von denen allerdings 400 Millionen sogleich München zugute kamen – der Rest blieb in der Provinz(15).

Bezüglich des Ausgleichs für Sozialhilfe, bei dem sich Nürnberg wiederum durch den Berechnungsmodus um 6 Millionen betrogen fühlt, will die ehemalige Reichsstadt sogar in einem Normenkontrollverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof festgestellt wissen, dass die Verordnung rechtswidrig ist(16).

In dem Zusammenhang all der Klagen und Vorwürfe gegenüber München wird auch stets darauf hingewiesen, dass die besondere liberale und soziale Tradition Frankens sowie seine kulturelle Eigenständigkeit und Eigenart von den Zentralisten in München missachtet werden und das noch immer – und bei der letzten Gebietsreform habe es sich erneut erwiesen – der absolutistische Geist Montgelas in München vorherrsche und regiere. – Der „Fall Ermershausen“, das um seine Selbständigkeit kämpft, sei nur erwähnt.

 

 

Die Okkupation und Integration Frankens

 

Um das gespannte Verhältnis zwischen Franken und Altbayern verstehen zu können – es ist dies auch mit eine Folge der unterschiedlichen Mentalitäten – ist es notwendig, sich noch einmal die Ausgangslage vor Augen zu halten, wie sie zu Beginn des 19.Jahrhunders bestand, als die Integration Frankens in den neuen bayerischen Staat erfolgte. Dabei müssen wir insbesondere die liberalen und „reichischen“ Traditionen in Franken und ihr Fortleben aufgezeigt werden; denn sie allein boten Ansätze für mehr Freiheit und für größere Selbstständigkeit gegenüber der Staatsmacht Bayern. Allein die fränkische Freiheitsbewegung im Vormärz hatte einige Aussichten auf Anwendung und Realisierung des vielzitierten föderativen Prinzips auch innerhalb des Königreichs Bayern(17).

 

Als am 28.Januar 1792 der mit vizeköniglichen Vollmachten ausgestattete Dirigierende Minister Karl August Freiherr von Hardenberg die beiden zollerischen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth nach dem überraschenden Thronverzicht des beliebten Markgrafen Karl Alexander für den König von Preußen in Besitz nahm, schien die weitere Zukunft Frankens entschieden zu sein. Denn Hardenberg machte keinen Hehl daraus, dass er von Ansbach-Bayreuth aus die übrigen fränkischen Gebiete erobern wollte und dann mit einer geschlossenen, modern  verwalteten und militärisch abgesicherten preußischen „Provinz Franken“ ein Gegengewicht in Süddeutschland gegen Kurbayern und gegen das Habsburgerreich schaffen wollte(18).

 

Als erster suchtt er die Reichsritterschaft in Franken zu unterwerfen und selbst die altehrwürdige Reichsstadt Nürnberg war zur Unterwerfung unter preußische Oberhoheit bereit. Doch lehnte der König in Berlin die Übernahme ab, da ihm die Nürnberger Schulden mit 12 Mill. Gulden zu hoch waren. Dann versuchte Hardenberg, die geistliche Territorien Bamberg, Würzburg und Eichstätt zu säkularisieren und zu annektieren um damit Preußens Position in Süddeutschland abzurunden und abzusichern(19).

 

Aber dieses Vorhaben rief den großen Konkurrenten im Kampf um Franken auf den Plan – nämlich Kurbayern, das sich letztendlich im Streit um den Fränkischen Kreis als der große Sieger erweisen sollte. Montgelas, der Schöpfer des neuen Bayern, wurde zum offenen Gegenspieler  Hardenbergs und seiner Politik in Franken. Montgelas suchte und fand dabei die Unterstützung Napoleons und auch den Zaren von Russland, die Preußen territoriale Ausdehnungspläne nach Süddeutschland ablehnten. Damit war Preußens Machtpolitik in Franken gescheitert. Die preußischen Provinzen Ansbach und Bayreuth blieben vorerst nur ein entferntes Außenwerk ohne weitere Bedeutung, und Hardenberg wurde 1798 von Minister Haugwitz, der Preußens Ausdehnung in Norddeutschland betrieb und die Süddeutschlandpolitik ablehnte, nach Berlin abberufen(20). So war das Feld frei geworden für Montgelas und seine Absicht, Bayern zur stärksten Macht in Süddeutschland auszubauen, vor allem durch den Zugewinn der fränkischen Gebiete.

 

Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 sicherte sich Bayern die geistlichen Gebiete Würzburg und Bamberg(21), die es Monate zuvor schon unter massiven Rechtsbruch militärisch okkupiert hatte(22), und mit dem Untergang des Alten Reiches 1806 auch die Reichstädte, Reichsritter, Reichsgrafen und Reichsfürsten in Franken(23). Allerdings musste Bayern für einige Jahre wieder das“ Großherzogtum Würzburg“ herausgeben, da Ferdinand von Toskana ein Bruder des Kaisers, standesgemäß versorgt werden musste(24). Dafür jedoch bekam Bayern das preußische Fürstentum Ansbach zugewiesen und schließlich 1810 auch noch Bayreuth, das bis dahin von Napoleon als militärische Versorgungsbasis ausgelaugt worden war(25). Damit war die militärische Eroberung und Inbesitznahme ganz Frankens durch Bayern vollzogen – das neue Königtum Bayern war zu einer wirklichen Mittelmacht aufgestiegen. Preußen war endgültig aus Süddeutschland verdrängt, und sein Nachfolger war – mit Unterstützung der europäischen Großmächte Frankreich und Russland – das neue Königreich Bayern der Wittelsbacher geworden.

 

Die militärische Eroberungen und Besitzergreifungen waren nur der erste Schritt für die Neugestaltung Frankens. Gleichermaßen wichtig war die schwierige Aufgabe, das Agglomerat von weltlichen und geistlichen Kleinstaaten oder gar Zwergstaaten unterschiedlichster staatlicher Qualität administrativ in das „Reich“ der Wittelsbacher einzugliedern und mit den altbayerischen Stammlanden zu verbinden. Durch eine „Revolution von oben“ wurde die „territoriale Flurbereinigung“ straff zentralistisch vollzogen, wobei auf althergebrachte Rechte und Privilegien, auf kommunale Autonomie oder konfessionelle Verhältnisse  in Franken keinerlei Rücksicht genommen wurde. Die Gebiets- und Verwaltungsreform in Franken unter Montgelas war ein brutaler und gewaltsamer Akt(26). Deshalb waren auch trotz reibungslosem Herrschaftswechsel die anfänglichen Widerstände und antibayerischen Ressentiments in Franken nicht zu übersehen. So herrschen in Würzburg wie in Bamberg eisige Ablehnung, als die Besitzergreifung durch Bayern erfolgte. Überwiegend war die fränkische Bevölkerung der Meinung, dass „das freye Frankenland nun einem fremden Fürsten unterworfen“ sei(27).

Besondere Verbitterung gegenüber der bayerischen Herrschaft erwuchs in Stadt und Land durch die rücksichtlosen Säkularisationsmaßnahmen(28). Bereits wenige Tage nach der bayerischen Zivilbesitzergreifung wurden die Bettelordenklöster geschlossen, und bald wurden die bayerischen Besitzergreifungspatente auch an die alten, reichen und kulturell blühenden Klöster, wie Michelberg, Ebrach und Banz, angeschlagen. Der konfiszierte Haus- und Grundbesitz wurde entweder versteigert oder für staatliche Zwecke verwendet, wobei vor allem die ausgedehnten Klosterwälder den bayerischen Staatswald beträchtlich vergrößerten. Gebäude, die nicht als Pfarrkirchen, Amtsgebäude, Kasernen oder Gefängnisse Verwendung fanden, wurden abgebrochen oder verfielen, wie beispielsweise die prächtige Balthasar-Neumann-Kirche in Münsterschwarzach(29). Zu Schleuderpreisen und bloßem Materialwert versteigerte man wertvolle Kulturgüter und Kunstschätze, voran liturgische Geräte aus Gold und Silber. Allein in Würzburg erbrachte die Versteigerung der Diamanten aus kirchlichem Besitz 48 130 fl. und für die Veräußerung von Monatranzen und Kelchen wurden 17 593 fl. eingenommen(30). Die kostbare Monstranz des Bischofs Konrad von Gemmingen aus dem Eichstätter Dom, deren Wert bereist 1610 auf über 60 000 Gulden geschätzt wurde, wurde zunächst 1805 zur Deckung der französischen Kriegskontributionen verpfändet und kam dann als Pfand an den Münchner Hofbankier Seeligmann. Als für den neuen bayerischen König auch neue Kroninsignien angefertigt werden mussten, zerbrach man die wertvolle Gemmingen-Monstranz und verwendete das Geld und die Perlen für die Insignien des Königreiches. Die wertvollen Kunstschätze und Reliquien wurden ausgesondert und in die Landeshauptstadt gebracht, wie etwa aus Bamberg der Lebrock Kaiser Heinrichs und die Krone der Heiligen Kunigunde(31) oder aus Würzburg das prestigeträchtige fränkische Herzogsschwert und aus Aschaffenburg die Grünwald-Bilder(32). In Ebrach entdeckte der wittelsbachische Kunstexperte Christian von Mannlich unter anderem „eine vollständige Sammlung von Albrecht Dürers Werken und mehrere schöne Handzeichnungen von diesem“, die er für München in Beschlag nahm(33).

Aus den reichen Stifts- und Klosterbibliotheken sonderte der fachkundige Sonderkommissär Johann Christoph von Aretin die wertvollsten Handschriften und Inkunabeln aus und schaffte sie in die kurfürstliche Hofbibliothek nach München. Der Rest wurde zentnerweise verschleudert(34). Allein aus dem Gebiet des Bistums Bamberg sollen aus den Kirchenbibliotheken mindestens 1100 Handschriften, 3000 Inkunabeln und rund 45 000 Bücher konfisziert worden sein, die heute größtenteils in der Bayerischen Staatsbibliothek in München eingesehen werden müssen(35). Auch wurden alle Urkunden in Franken, die vor 1400 entstanden waren, nun nach München ins „Reichs-Archiv“ gebracht. Die reichen Münzsammlungen aus Bamberg und Banz aber bildeten fortan den Kern der Bayerischen Staatlichen Münzsammlung in der Landeshauptstadt(36).

In Nürnberg wurde der städtische Silberschmuck mit dem berühmten Tafelaussatz von Wenzel Jamnitzer verschleudert(37). Das wertvolle Bronzegitter im Rathaussaal aus der Werkstatt Peter Vischers, die „Zier und Schönheit des Saales“, wurde als Bruchmessing verkauft. Nur 4 Originalstücke von figürlichen Teilen des Gitters sind heute noch erhalten und werden im Schloß Montrottier in Hochsavoyen aufbewahrt(38). Selbst das Sebaldusgrab war gefährdet und konnte nur mit großer Mühe vor der Zerschlagung und dem Verkauf gerettet werden(39). Verkauft und abgebrochen aber wurden die Siechköbel St.Peter und St.Leonhard, St.Johannis und St. Jobst. Die Barfüßerkirche ging für 500 fl. an den Kaufmann Bestelmeier, der sie abreißen ließ, und die Dominikanerkirche wurde 1750 fl. an den Fabrikanten Neikam verkauft. Die Salvatorkirche des Karmelitenklosters wurde dem bayerischen Oberpostamt Nürnberg zugewiesen, das Deutschordenhaus der Militärverwaltung, die Moritzkapelle wurde in ein Heumagazin umgewandelt(40). Verständlicherweise tauchten bald Schmähschriften und Pamphlete in Franken auf, in denen die verhaßten bayerischen Kommissäre, die für die rücksichtlosen Säkularisierungs- und Mediatisierungsmaßnahmen verantwortlich waren, aber auch die Mitglieder der Regierung in München als „Spitzbuben und Gauner“ tituliert wurden(41).

 

Noch am 21.September 1837 notierte der Dichter Karl Immermann im Tagebuch seiner „Fränkischen Reise“: Man hätte…bei der Säcularisation der fränkischen Bisthümer die Sachen mit Sammetpfötchen anfassen sollen, da der Regierungswechsel ohnehin schon für die Verhälnisse der Leute drückend ausfallen musste. Aber die bayerische hohe Administration war damals vom Geld- und Aufklärungseifer besessen. Die Kirchen und Klöster wurden aufgehoben, die Stifter und Domcapitel auf’s genaueste beschnitten. Überdies kamen drei oder vier Commissarien von München daher; die nahmen alles Gold und Silber und die Edelsteine aus den Kirchen weg bis auf das zum Cultus unumgänglich Nothwendige. Sobald man diese Saite berührt, strömen alle Lippen scheulos über; denn die Wunde blutet in der Erinnerung dieser kirchlich gesinnten Leute noch immer frisch fort. Dann zeigen sie einem die zwölf hölzernen Apostel, die dazumal von Gold gewesen sein sollen, die leeren Pflöcke, an denen sonst die kostbarsten Messgewänder gehangen haben, die Monstranzen, aus denen die Steine gebrochen sind. So hat Bayern in der Fruchtkammer des Reichs, wie Franken heißt, selbst sein Spiel verdorben, und das Regieren wäre doch gewiss hier sehr leicht gewesen“(41).

 

Ohne die zahllosen okkupierten Kunstschätze aus Franken aber wäre der steile Aufstieg Münchens zu einem kulturellen Zentrum von europäischen Rang kaum möglich gewesen, während die immensen Verluste und Abgaben zur noch heute heftig beklagten kulturellen Provinzialisierung Frankens ganz entscheidend beigetragen haben. Erst seit einigen wenigen Jahren ist ein gewisses Umdenken in der bayerischen Kulturpolitik zu beobachten, wird im Zuge einer Dezentralisierung die zuvor leergeplünderte „Provinz“ wieder etwas stärker berücksichtigt und bedacht(42).

 

Auch der Übergang der beiden protestantischen Markgraftümer Ansbach und Bayreuth sowie vor allem der evangelischen fränkischen Reichstädte an das katholische Königreich Bayern vollzog sich keineswegs unter dem Jubel der Bevölkerung. Als im Winter 1805 erstmals Gerüchte von einem Wechsel an Bayern auftaten, da trafen in Berlin zahlreiche Bittschriften aus Ansbach und Bayreuth ein. Sie flehten „mit blutendem Herzen“ zu ihrem König er möge „das heilige und ehrwürdige Band, welches die Vorsehung seit einem Jahrtausend zwischen den biederen Einwohnern von Anspach und Baireuth und en Brandenburgischen Beherrschern knüpfte“, nicht gewaltsam lösen(43). Bald tauchten eilig gedruckte Schmähzettel auf, auf denen zu lesen stand: „Vivat Preußen! Pereat der lumpige König von Bayern!“(44). In Nürnberg erklärte die Frau des Handelsvorstandes Paul Wolfgang Merkel weinend ihren Kindern: „Jetzt seid ihr Fürstenknechte“, als bayerischen Truppen unter Glockengeläut am 15.September 1806 in die ehemalige Reichstadt einmarschierten(45). – Der Verlust der bisherigen Autonomie und das brutale Vorgehen des aus Ansbach stammenden Polizeidirektors Wurm ließen in Nürnberg die Abneigung gegen das neue Regiment ansteigen. Dazu kamen die verhaßten Konskriptionen der jungen Nürnberger zur bayerischen Armee und die Einstellung der Zinszahlungen an die Bürger für ihre Kapitalien, die sie dem bisherigen Stadtregiment geliehen hatten. Weiterhin wurde mit der Schließung der reichsstädtischen Universität Altdorf das Selbstbewusstsein und der Stolz der Nürnberger empfindlich getroffen(46).

 

Im Fürstentum Bayreuth, das unter französischer Besatzung stand, wuchs indessen die Feindschaft gegen Napoleon und seinen Verbündeten Bayern, eine Einstellung, die sich in gelegentlichen lokalen Ausschreitungen äußerte. Wie groß die Ablehnung Frankreichs und Bayerns war, zeigte sich, als die „Fränkische Legion“, die von dem Freischärler Graf von Nostitz im Frühjahr 1809 aufgestellt wurde, auftauchte. In Bayreuth wie in Bamberg wurde die „fränkische Legion“ mit großem Jubel von der Bevölkerung aufgenommen(47). In Nürnberg entlud sich der aufgestaute Hass sogar in einer offenen Revolte gegen das bayerische Regiment, als die „Kaiserlichen“ vor den Toren erschienen. Die aufrührerischen Nürnberg stürmten die Einquartierungsbüros der Bayern rissen die bayerischen Wappen ab, die an den öffentlichen Gebäuden angeschlagen worden waren. Vor allem aber verfolgten sie „mit Koth und Steinwürfen und auch mit Fußtritten“ den bayerischen Generalkommissär Graf von Thürheim, was der wegen seiner spitzen Zunge gefürchtete Ritter von Lang voll Schadenfreude schilderte und ausmalte. Als die „Fränkische Legion“ nach zwei Tagen abzog, nahm sie Graf Thürheim, Polizeidirektor Wurm und mehrere führende Nürnberger Kaufleute als Geiseln mit nach Bayreuth, wo sie jedoch bald befreit wurden. Wurm konnte sein Amt in Nürnberg wieder antreten, doch Graf Thürheim musste die Stadt verlassen(49).

 

Als am 30.Juni 1810 das Fürstentum Bayreuth dem König von Bayern übergeben wurde, da suchte der Erlanger Theologe Ammon in seiner Festpredigt seine Gemeinde damit zu trösten, dass sie nun mit dem „guten Vater Max“ wieder einen „teutschen Landesvater“ habe und der Bürger endlich wieder wüsste, „wem er angehörte, nachdem er von dem geliebten König von Preußen aufgegeben war“(50). In verklärten Rückerinnern gedacht man der Epoche unter Hardenberg, der kurzen „preußischen Ära“ in Franken, als einer „goldenen Zeit“, und selbstverständlich spielte auch – trotz bayerischem Toleranzedikt – das konfessionelle Moment eine nicht zu unterschätzende Rollen. Denn Preußen galt fortan als Schutzmacht des fränkischen Protestantismus.

Im Verlauf des Befestigungskrieges gegen Napoleon häuften sich in München die Beschwerden und Klagen über die unsichere Haltung der fränkischen Bevölkerung, voran in den evangelischen Gebieten. So musste der bayerische Oberpostmeister Axthelm konstatieren: „In den nördlichen Provinzen kenne man nur zwei Gesinnungen, entweder für Preußen oder für Österreich“(51). Wenn die Russen als Befreier nach Franken kämen, dann sei mit Volksaufständen gegen Bayern zu rechnen. Vor allem verdichteten sich die Gerüchte, General Blücher würde einen Vorstoß nach Franken unternehmen und Ansbach-Bayreuth sowie Nürnberg für Preußen zurückerobern(52). Erst die politische Wende in München auf die Seite der Gegner Napoleons machte den Gerüchten und auch vielen Hoffnungen in Franken ein Ende; Franken musste sich mit dem bayerischen Regiment abfinden.

Nachdem auf dem Wiener Kongress 1815 der territoriale Bestand und die Souveränität Bayerns endgültig und äußere Aufbau des „Reiches Bayerns“ abgeschlossen waren, galt es nun, die neuen Landesteile mit „bayerischem Nationalgefühl“ zu beseelen und auch die „Neubayern“ in Franken zur überzeugten, aktiven Mitarbeit beim Aufbau des modernen Bayern zu gewinnen. Am leichtesten gelang dies bei der Beamtenschaft, die bis auf wenige Ausnahmen in den bayerischen Staatsdienst übertrat und fortan loyal diente. Als Beispiele für die Beamtenkarriere in bayerischen Diensten können etwa Ritter von Lang und der Nürnberger Ratskonsulent Dr.Karl Roth, der zum Präsidenten des bayerischen Oberkonsistoriums aufstieg genannt werden(53).

 

Große Erwartungen und Zustimmung fand die bayerische Herrschaft auch beim wirtschaftenden Bürgertum, voran in der ehemaligen Reichstadt Nürnberg(54), da man dem größeren Wirtschaftsraum Bayern einen deutlichen ökonomischen Aufschwung versprach, der auch wenig später mit Eisenbahnbau und Industrialisierung einsetzte und Franken zum Wirtschaftszentrum und Hauptsteuerzahler im Königreich Bayern werden ließ.

 

 

Der fränkische Frühliberalismus – Demagogenverfolgenungen

 

Neue bayerische Staatsgesinnung erwuchs in Franken aber insbesondere in dem Kreis um Kronprinz Ludwig, dem nach dem Ende des toskansichen Großherzogtums die Schlösser in Würzburg und Aschaffenburg zur Residenz zugewiesen wurden, nicht zuletzt deshalb, um die noch immer antibayerisch gestimmte Bevölkerung in Franken zu gewinnen und auszusöhnen, was dem jungen Kronprinzen tatsächlich gelang(55). Um den „teutschen“ Ludwig sammelten sich bald alle Anhänger der nationalen und konstitutionellen Bewegung aus dem fränkischen Adel und dem frühliberalen Bürgertum, voran aus der Professorenschaft und der studentischen Jugend, die an den Befreiungskämpfen gegen Napoleon teilgenommen hatten. Ludwigs engster und vertrautester Freund war unbestritten der fränkische Standesherr Franz Erwein Graf von Schönborn-Wiesentheid, der von gleicher nationaler Begeisterung war wie der Kronprinz.

Mit Kronprinz Ludwig und seinem frühliberalen Freundeskreis aber wurden auch die noch immer lebendigen Nachwirkungen des Reichspatriotismus in Franken in die bayerische Verfassungsbewegung eingebracht(56). Nicht umsonst fand die liberale bayerische Konstitution vom 26.Mai 1818 ihre begeisterten Anhänger und Publizisten gerade in Franken, wo man endlich große Hoffnungen erfüllt sah. So begrüßte der Erlanger Staatswissenschaftler Harl überschwänglich die Verfassung als Freiheitsbrief, mit dem in der bayerischen Geschichte eine neue Periode begründet werde(57). Selbst der kritische Präsident des Appellationsgerichts in Ansbach, Anselm von Feuerbach, war davon überzeugt, dass erst die Verfassung die von Montgelas gewaltsam vollzogene Staatseinheit in Bayern auch emotional vollendet habe. „Erst mit der Verfassung hat sich unser König Ansbach, Bayreuth, Würzburg und Bamberg und alle anderen fränkischen Lande erobert“(58), schrieb er, und wenig später an seine Freundin: „Es ist in sehr vieler Beziehung jetzt eine große Freude, Bayern anzugehören: der Himmel ist heiter, die Lüfte wehen frisch, die Sümpfe sind bewegt und die Nachteulen fliegen in den Finsternis. Jetzt sollte man einmal kommen und uns zumuten, eine andere Farbe als blau und weiß zu tragen“. (59)

 

Franz Erwein Graf von Schönborn, der liberale Freund des Kronprinzen feierte sogar die Verfassung als „bayerische Magna Charta,…als größte und wirksamste Tat, welche die Geschichte Bayerns und seiner Regenten aufweisen kann“.(60) Zur bleibenden Erinnerung an die Verfassungsverkündigung ließ Graf Schönborn von dem berühmten Architekten Leo von Klenze auf dem Sonnenhügel bei Gaibach eine 30 Meter hohe „Konstitutionssäule“ erreichten, deren Grundsteinlegung am 26.Mai 1821 unter Teilnahme des Kronprinzen Ludwig und der gesamten Prominenz aus Franken stattfand. Die beiden romantischen Freunde, Kronprinz Ludwig und Graf Schönborn, erneuerten den „Bunde für die Verfassung auf Leben und Tod“ und ließen das große Ereignis der Grundsteinlegung im Bilde festhalten.(61)

Aber es fanden sich in Franken auch Stimmen, die der Verfassung zwar nicht ihre grundsätzliche Anerkennung versagten, die sie jedoch für verbesserungswürdig hielten. So wurden im bayerischen Landtag bald die Abgeordneten aus Franken neben den noch radikaleren Pfälzern mit zu den Hauptvertretern des Konstitutionalismus und Liberalismus, wie etwas der gemäßigtere Rudhart aus Weismain(62) und vor allem die herausragenden Wortführer der liberalen Opposition in München, Professor Wilhelm Josef Behr aus Würzburg(63) und Bürgermeister Hornthal aus Bamberg(64).

 

Bild 1 (Mainfränk. Museum Würzburg)Wilhelm Joseph Behr(1775-1851) Staatsrechtler, Bürgermeister und Politiker

Auf dem ersten Landtag 1819 in München gaben Behr und Hornthal bald den Ton an. Die Forderungen der Liberalen aus Franken waren: die Vereidigung des Heeres auf die Verfassung, die Trennung von Justiz und Verwaltung, das Gesetztinitiativen für die 2.Kammer, die Ministerverantwortlichkeit, die Einführung der uneingeschränkten Pressefreiheit, die Mündlichkeit und Öffentlichkeit der Gerichtsverfahren und die Einführung der Gewerbefreiheit(65). Es waren dies also die üblichen Forderungen der süddeutschen Liberalen im Vormärz, die auf die vollständige Ausfüllung der Verfassung und ihrer Möglichkeiten pochten. Außerdem protestierten Behr und Hornthal gegen die finanzielle Bevorzugung Münchens und gegen die Benachteiligung der „äußeren Teile des Staatskörpers“. Behr, dessen Vorlesungen seit den Karlsbader Beschlüssen die Polizei überwachte, wurde 1821 von der Würzburger Bevölkerung demonstrativ zum Bürgermeister gewählt. Um weiterhin als Abgeordneter der Universität im Landtag bleiben zu können, richtete er an den Innenministerium das Gesuch, sein Lehramt beibehalten zu dürfen, was jedoch ohne Angabe von Gründen abgelehnt wurde. Als er im nächsten Landtag dann als Abgeordneter der unterfränkischen Städte einziehen wollte, wurde ihm als Gemeindebeamten hierfür der Urlaub verweigert(67). Selbstverständlich erregte das auch juristisch äußerst fragwürdige Vorgehen der Münchner Ministerialbürokratie in Franken größtes Aufsehen und tiefe Verärgerung.

Helle Empörung schuf dann in Franken die gewaltsame Zerschlagung des sog. „Jünglingsbundes“, der im Frühjahr 1821 gegründet worden war und offenkundig unter dem Einfluss vor allem französischer Liberaler und Republikaner stand. Als Zweck des Bundes hielten die Statuten ausdrücklich „den Umsturz der bestehenden Verfassungen“ fest, „um einen Zustand hereinzuführen, worin das Volk durch selbstgewählte Vertreter sich eine Verfassung geben kann“(68).

Eines der eifrigsten Mitglieder dieses verfassungsfeindlichen Bundes war der Burschenschaftler Johann Georg Eisenmann, ein angehender Mediziner aus Würzburg. Er war schon 1817 unter den Teilnehmern an dem berühmten Wartburgfest der national – gesinnten studentischen Jugend gewesen, und er nahm auch an den Bundestagen des „Jünglingsbundes“ in Bubenreuth und auf dem Kyffhäuser teil. Im Sommer 1823 flog dieser etwas schwärmerische Geheimbund auf, und zwar durch Verrat eines seiner Mitglieder, des Kandidaten der Theologie Johann Andreas Dietz aus Thurnau, der plötzlich Angst bekommen hatte. Auf der Grundlage  der Karlsbader Beschlüsse, die von Metternich nach dem Mord an den Dichter Kotzebue durch den Studenten Ludwig Sand aus Wunsiedel im Deutschen Bund durchgedrückt worden waren, wurden die Mitglieder des „Jünglingsbundes“ verhaftet. Darunter befanden sich – neben Johann Georg Eisenmann – Karl Wilhelm Feuerbach, Professor in Erlangen, Christoph Friedrich Sauber, Pfarramtsverweser in Lipprichtshausen, August Friedrich Wagner. Lehrer in Ortenburg, Stanislaus Fischer, Hofmeister in Ansbach sowie Pfarrvikar Plank aus Weißenburg, dazu noch zahlreiche Studenten aus Erlangen und Würzburg. Erst nach langen Verhören und mehr als einem Jahr Untersuchungshaft wurden die Verdächtigen entlassen. Sie konnten nachweisen, dass es sich bei dem „Jünglingsbund“ nur um ungefährliche, schwärmerische „Jugendsünden“ handelte. Die Entlassung aus dem Gefängnis erfolgte allerdings nur auf Bewährung, was Dr.Eisenmann bald wieder zu spüren bekommen sollte.

Die öffentliche Meinung und insbesondere die Liberalen in Franken setzten nun alle ihre Hoffnungen auf die Thronbesteigung des verehrten Kronprinzen Ludwig. Von ihm erwartete man in Franken einen grundlegenden Wandel der bayerischen Politik, der in den ersten Jahren unter König Ludwig auch vollzogen wurde. Doch die Julirevolution in Paris 1830 und die „Dezemberunruhen“ der Studenten in München ließen den bisher liberalen König Ludwig um seine Thron fürchten, weshalb er dem Drängen Metternichs nachgab und zu einer reaktionären Politik mit Demagogenverfolgungen überwechselte. Aus dem „roten Prinzen“ – so Metternich – war der „schwarze Reaktionär“ geworden. Jetzt häuften sich auch aus Franken die Nachrichten der bezahlten Spitzel über „gefährliche liberale“ oder gar „demokratische“ Umtriebe und Bewegungen(69).

Zu beachtenswerten Aktionen kam es in Franken allerdings erst, als im Frühjahr 1831 die Pressezensur wieder eingeführt wurde und außerdem die drei fränkischen Abgeordneten Behr, Hornthal und Bestelmeyer erneut von der Regierung unter fadenscheinigen Gründen vom Landtag ausgeschlossen wurden(70). In Bittschriften und Adressen an den König bekannten sich Tausende von Würzburgern, Bambergern und Nürnbergern zu ihren gewählten Abgeordneten. Der Magistrat und die Gemeindebevollmächtigten von Nürnberg bezeichneten das Ausschlussdekret glattweg als „verfassungs- und eideswidrig“ und sprachen von „gänzlicher Missachtung der Forderungen der Zeit und des konstitutionellen Regierungssystems“(71). Der radikal-liberale Dr.Victor Amadeus Coremans, der Herausgeben der „Freien Presse“ in Nürnberg, die durch die bayerische Zensur verboten war, ließ nun eine Flugschrift „Die Volksstimme“ erscheinen, die er mit einem Trauerrand umgab. Darin forderte er, dass die gesamte bayerische Camarilla wegen des Ausschlusses der fränkischen Liberalen zur Rechenschaft gezogen werden müsste(72). Noch schärfer reagierte Dr.Gottfried Eisenmann in Würzburg. In seinem „Bayerischen Volksblatt“ schrieb er, dass das Königreich in Bayern nun kein verfassungsmäßiger Staat mehr sei. Selbst das böse Wort von dem „Despoten“ fiel, während die vom Landtag ausgeschlossenen Abgeordneten als politische Märtyrer gefeiert wurden(73).

Dies war eine offene und durchaus ernstzunehmende Sprache aus Franken, die in München einige Bestürzung auslöste. Die Verwirrung wurde noch größer, als aus Franken eine anonyme Schrift bekannt wurde – als Verfasser argwöhnte man den Würzburger Bürgermeister Behr -, in welcher die Gründung einer bürgerlichen Sicherheitsgarde verlangt wurde. Datiert war diese Broschüre unter dem 1.Oktober im 1.Jahr der Republik Franconia“. Gemeint war sicher die Französische Republik, aber die „Republik Franconia“ konnte auch auf eine fränkische Separatistenbewegung bezogen werden, und in München waren weite Kreise willens, diese zweideutige Anspielung auch so zu verstehen und zu interpretieren, vor allem nachdem Würzburger Studenten ihren verehrten Professor Behr nach einer Faschnachtsveranstaltung mit „Vive l’empereur“ gefeiert haben sollen(74).

Einen Höhepunkt erreichte die befürchtete Autonomiebewegung und Separation in Franken mit dem Gaibacher Verfassungsfest im Jahr 1832, das in der liberalen Geschichtsschreibung oftmals sogar mit dem bekannten Hambacher Fest verglichen wird. Am 27.Mai fand die der Konstitutionssäule im Park des Schlosses zu Gaibach die übliche Feier zur Erinnerung an die bayerische Verfassung statt. Das Fest stand unter der Schirmherrschaft des Grafen Schönborn, der als enger Freund des Kronprinzen Ludwig sich durch besondere Loyalität zum Königshaus der Wittelsbacher ausgezeichnet hatte. Teilnehmer waren rund 6000 Bürger und Bauern aus allen Teile Frankens sowie fast alle fränkischen Abgeordneten(75). Nach dem feierlichen Feldgottesdienst sprach zunächst Hornthal über die Verfassungsbewegung speziell in Bayern, und dann hielt Behr ein kurze improvisierte Rede, in welcher er die bayerische Verfassung als dies schlechteste aller existierenden bezeichnete(76). Der Tag war sehr heiß, Graf Schönborn hatte Freibier gestiftet und die Zuhörer waren in Stimmung. Sie packten schließlich Behr und trugen ihn um die Konstitutionssäule, wobei sie angeblich ausriefen: „Dieser soll unser Frankenkönig sein“. Die offizielle Untersuchung ergab später, dass die Versammelten seit dem frühen Morgen „auf das Wohl der ganzen Welt getrunken hatten“(77). Als ernstzunehmende Aktion mit dem erklärten Ziel der Lostrennung Frankens oder gar der Errichtung einer eigenen Fränkischen Monarchie war das Gaibacher Konstitutionfest, auf dem Alkohol eine große Rolle gespielt hatte, keineswegs zu werten. Doch in München sah man die Vorgänge in Franken anders und reagierte überaus empfindlich. Bürgermeister Behr wurde verhaftet und wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung angeklagt und bis 1847 eingesperrt. Vor allem gegen die Universität Würzburg, „als den Feuerherd der Revolution“, richtete sich nun die ganze Wucht der Demagogenverfolgung. Man wollte sogar die Universität  für einige Jahre schließen, bis wieder Ruhe eingekehrt sei, beließ es dann aber doch bei der Suspendierung „aller schädlichen Professoren“, voran des Rektors Cucumus, des Juristen Seuffert und der berühmten Mediziner Schönlein und Textor. Auch der liberale Zeitungsverleger Dr.Eisenmann wurde verhaftet und musste vor dem Bildnis des Königs Abbitte leisten. Auch er wurde erst 1847 aus der Festungshaft entlassen.

Doch nicht nur in Unterfranken gärte es, auch aus Oberfranken kamen beängstigende Nachrichten. So wurde im September 1832 in Kronach, das sich als besonders widerspenstig erwies, der Student Ziegenfelder aus Judenbach verhaftet, da er in Küps die dortigen Arbeiter aufzuwiegeln versuchte, indem er im Wirtshaus die „Sechs Gebote der Deutschen Bundestages“ vorlas. Wegen „Majestätsbeleidigung“ wurde er zur Abbitte vor dem Bild des Königs, zu 10 Rutenhieben und zu einem Jahr Arbeitshaus verurteilt. Trotz der drakonischen Strafen an dem jungen Liberalen bildeten sich in Kronach und Wunsiedel Widerstandsgruppen im Untergrund, die dann in der Revolution 1848 offen an die Oberfläche kamen. Im Herbst 1832 wurden dem Bürgermeister Brandenburg in Wunsiedel mehrere Exemplare der verbotenen Schrift „Die politische Reform Deutschlands“ zugespielt, die der radikale Demokrat Dr. Wirth in Straßburg drucken ließ, da er Oberfranken und Nürnberg hatte verlassen müssen. In Kronach erhielt der Kaufmann Schüttinger ganze Paket mit revolutionären Schriften zugesandt, die er, als Einwickelpapier für seine verkauften Waren unauffällig unter das Volk brachte. Auch gegen den jüdischen Pelzhändler Loppel Rau in Küps wurde ein Verfahren wegen Verbreitung demokratischer Schriften eingeleitet. Besonders hat ging man gegen den Flößer Fillweber vor, der im Juli 1832 im Harmoniegarten in Kronach das Königshaus der Wittelsbacher angegriffen, ja sogar alle 32 deutschen Fürsten „zum Teufel“ gewünscht hatte. (79)

Nur mit Gewalt und Bespitzelungen konnten oppositionelle, ja antimonarchische Stimmen in Franken ausgeschaltet und mundtot gemacht werden. Entschieden schwieriger wurde dies im Verlauf des sog. „Kniebeugestreites“. Es war dies der Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen der katholisch-reaktionären Regierung Abel in München und dem Protestantismus in Franken, wobei sich die Theologische Fakultät in Erlangen als ganz besonders widerspenstig erwies. Als 1838 eine königliche Anordnung verlangte, dass künftig auch protestantische Soldtaten in militärischen Formationen bei Feldgottesdiensten und bei der Fronleichnamsprozession vor dem Allerheiligsten niederknien müssten, da brach der offen Streit aus(80). Die Generalsynoden von Ansbach und Bayreuth beschlossen, eine offizielle Verfassungsbeschwerde einzureichen, unterließen dies dann aber ängstlich, als die Generalkommissäre von Mittel- und Oberfranken dies untersagten. Weniger kümmerten sich um solche Verbote die militanten Protestanten Graf Carl von Giech(81) und Hermann Freiherr von Rotenhan(82) sowie der Erlanger Theologe Professor Adolf Harleß, der Mitbegründer der „Erlanger Theologie“. Harleß war für das akademische Jahr 1844/45 von der Universität Erlangen demonstrativ zum Prorektor gewählt worden, doch verweigerte König Ludwig, auf Betreiben Abels, sein Bestätigung. Seiner Strafversetzung zum Konsistorialrat in Bayreuth konnte sich Harleß nur durch die Annahme eines Rufes nach Leipzig entziehen(83). Graf Giech, der Regierungspräsident von Mittelfranken und Wortführer der Protestanten, berichtete frei und rückhaltlos über „die sehr üble Stimmung aller protestantischen Bewohner von Mittelfranken“ nach München, was ihm ungnädigsten Tadel eintrug. Seiner Entlassung aus dem Amte kam er durch den freiwilligen Rücktritt zuvor(84). Sein Entlassungsgesuch wurde zugleich zu einer Generalabrechnung mit München, wobei er besonders das eklatante Missverhältnis zwischen den von München zugewiesenen Geldern und den übertragenen Aufgaben hinwies sowie von offenkundigen Benachteiligungen Mittelfrankens beim Straßen- und Wohnungsbau sprach und vor allem bei den verschiedenen Bildungseinrichtungen, angefangen von der Universität Erlangen bis zu den Elementarschulen auf dem Lande(85).

Erst 1845 fand sich der König zur Zurücknahem seines Kniebeugeerlasses beriet, und zwar aus finanzpolitischen Gründen. Denn ein neuer Landtag war ausgeschrieben worden, von dem der König mehr Geld für seine Bauten bewilligt haben wollte, wozu er vor allem die Gelder aus Franken brauchte. Außerdem hatten König Ludwig und Abel einsehen müssen, dass sie zu weit gegangen waren. So mussten sie hinnehmen, dass bei Bauernunruhen vor dem Rathaus in Feuchtwangen die zur Niederschlagung abkommandierten Chevaulegers aus Ansbach den Befehl verweigerten. Sie erklärten, sie dächten nicht daran, auf ihre protestantischen Landsleute zu schießen(86).

 

 

Die Revolution von 1848/49 – Aussöhnung

 

Während der Kniebeugestreit und auch die Vorgänge um das Gaibacher Fest rein innerbayerische Angelegenheiten waren, können die Ereignisse der 48er Revolution in Bayern nur in einem gesamtdeutschen Zusammenhang gesehen werden(87). Die vielzitierte Lola-Montez-Affäre brachte die Revolution in München nur zum Ausbruch, die wahren Beweggründe lagen viel tiefer. In Franken muss neben den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Unruhen der Revolution auch das starke Nachleben der reichischen Tradition berücksichtigt werden, insbesondere in den ehemaligen Reichstädten, voran in Nürnberg, das auf einmal eine Chance sah, sogar Hauptstadt des Reiches und Sitz der Reichsregierung zu werden(88).Unübersehbar waren aber auch die in Franken im Verlauf des Kniebeugestreits angewachsenen Hoffnungen auf Preußen als der Schutzmacht des Protestantismus, während man sich von Bayern und Wittelsbacher hintergangen fühlte.

Relativ ruhig verhielten sich während der Unruhen 1848/49 die geruhsamen Beamtenstädte Würzburg, Bayreuth und Ansbach. Hier hatte die meist aus Altbayern stammende Beamtenschaft der Regierungsstellen eine entscheidende Veränderung der Gesellschaftsstruktur wie auch der politischen Gesinnung herbeigeführt. Anders dagegen in Aschaffenburg, Schweinfurt, in Nürnberg und vor allem in Bamberg. In der Bischofstadt feierte man nicht einmal die Proklamation der liberalen Märzfreiheiten durch den neuen König, und wer es wagte, die bayerische Fahne zu zeigen, dem wurden die Fensterscheiben eingeworfen.

Nachdem sich München im Sommer 1848 von den ersten Schrecken langsam erholt hatte, begann es mit Hilfe zuverlässiger altbayerischer Beamten, die nach Franken versetzt wurden, und insbesondere mit Militär aus Altbayern die Unruhen in Franken einzudämmen und zu unterdrücken. „Ihr lutherischen Hunde!“ „Ihr verdammten Ketzer!“ sollen die oberbayerischen Soldtaten in Weißenburg bei einer Wirtshausschlägerei ausgerufen haben(89).

Im Frühjahr 1849 eskalierten wiederum die Spannungen zwischen München und Franken und erreichten ihren absoluten Höhepunkt. Im Landtag gingen  die fränkischen Demokraten, die eine starke Fraktion bildeten, offen zur Opposition über. Sie verlangten vom König die Annahmen der Grundrechte und die Anerkennung der Beschlüsse der Paulskirche. Falls es dies ablehnen sollte, drohten die fränkischen Abgeordneten mit der Lostrennung Frankens von München. Die fränkische Zeitung „Der freie Staatsbürger“ schrieb: „Tausendmal eher wird Franken seine Blicke nach Norden wenden und an ein an für sich gar nicht beliebtes nordisches Königtum sich anschließen, bevor es sich noch einmal unter die erniedrigende Herrschaft jener ekelhaften und verächtlichen Pfaffenpartei beugt… .Die Franken werden sich erinnern, welche Segnungen ihnen die Herrschaft der Dynastie Wittelsbach gebracht hat… und wie man im protestantischen Teil Frankens den protestantischen Geist schmählich unterdrückt“(90). In Nürnberg nannte der radikale Demokrat Diezel, der Begründer des aktiven Politischen Vereins, die wichtigste Aufgabe der Volksbewegung in Franken „die Stärkung des fränkischen Standesbewußtseins auf der Basis des Deutschtums gegenüber dem Baiernthum“(91). Doch der neue bayerische Minister Ludwig von der Pfordten, der aus Franken stammte *– er wurde in Bayreuth geboren -, erteilte der Paulskirche und der Reichsverfassung Ende April 1849 eine entscheidende Absage, indem er auf die besondere Stellung Bayern in Deutschland infolge seiner tausendjährigen Geschichte hinwies.

 * Verräter gab es schon immer

Daraufhin formierten sich in Franken die letzten Kräfte für Deutschland und gegen München. „Wir Franken wollen vor allem freie Deutsche sein, und ferne sei es von uns, Anhänglichkeit an die Sondergelüste eines Herrscherhauses zu heucheln“, hieß es in der Protestadresse an den neuen König Max aus Bamberg. Und weiter: „ Vorwärts ihr Männer von Franken. Die Franken müssen Bayern deutsch und frei machen“. In einem Aufruf an das fränkische Volk, der an allen Straßenecken Bambergs angeschlagen wurde, wurde das „undeutsche und freiheitsfeindliche Treiben der Regierung in München“ angeprangert und gefordert, Franken solle sich von Bayern lösen und direkt der Nationalversammlung unterstellen. Für München war dies Hoch- und Landesverrat und man stellte sich auf einem bewaffneten Aufstand in Franken ein.

Auf einem „Frankentag“ am 13.Mai 1849 in Nürnberg fanden sich schließlich 30 000 Teilnehmer ein, die mit dem Abfall Frankens drohten, falls der König den gewählten radikalen Landtag auflösen sollte. Danach ging man friedlich auseinander; die vorsorglich in Nürnberg stationierten 17 000 altbayerischen Solldaten brauchten nicht einzugreifen(92). In Unterfranken fand auf dem Schwanberg am 17.Mai 1849 ein ähnlicher „Frankentag“ statt; mancherorts kam es sogar zu Volksbewaffnungen, und die Würzburger Studenten stürmten das Rektorat, wo die Gewehre aufbewahrt wurden(93). In Oberfranken dagegen blieb es verhältnismäßig ruhig, weil preußische Truppen an der Grenze einmarschbereit standen. Nur in Wunsiedel machte ein Kaufmann aus Swinemünde, der in Karlsbad zur Kur weilte, von sich reden. Der Landrichter von Bayreuth entsandte gleich 2 Kompanien, um ihn verhaften zu lassen. Die Auflösung des linken Landtags am 19.Juni 1849 durch König Max machte dann aller Opposition ein Ende.

In der letzten Juniwoche 1849 trat das neue Königspaar eine Huldigungsreise durch Franken an, wodurch der Friede mit Franken wiederhergestellt und öffentlich dokumentiert werden sollte(94). Auf dieser Reise wurden die Historiker in Franken angewiesen, verstärkt in ihr Forschungs- und Lehrprogramm die bayerische, d.h. die altbayerisch – wittelsbachische Landesgeschichte einzubeziehen. Die Schulbücher wurden dahingehend revidiert, dass Franken nur ein Teil des ehemaligen bayerischen Nordgaus sei und deshalb mit Fug und Recht wieder nach Bayern heimgeholt wurde(95).

 

In diesen Wochen wurden aber auch zahlreiche führende Demokraten in Franken verhaftet und in Hochverratsprozessen abgeurteilt(95a). Der Würzburger Kaufmann Gätschenberger wurde schon deshalb verurteilt, weil er es in einer Broschüre gewagt hatte, die wirtschaftliche Benachteiligung Frankens anzuprangern. Vor allem wurden alle politischen Vereine aufgelöst, und die freiheitliche Presse in Franken verfiel der Zensur(96).

Bald aber erfolgte die Aussöhnung zwischen Bayern und Franken, und die Einheit zwischen Alt- und Neubayern hielt fortan stand. So blieb die Staatseinheit auch im Bruderkrieg von 1866 ungefährdet, wenn auch das konfessionelle Element nochmals in den Vordergrund rückte. So sollen katholische Bauern im Bezirksamt Ebermannstadt ihren protestantischen Mitbürgern gedroht haben: „Wenn der Österreicher siegt, müsst ihr alle katholisch werden“.  Und in Unterfranken sollen jetzt sogar Pfarrer gepredigt haben: „Wer einen Preußen erschlägt, kommt sofort in den Himmel“(97). In den protestantischen Städten Nürnberg und Bayreuth dagegen wurden die einmarschierenden preußischen Truppen von der Bevölkerung begeistert empfangen, in Nürnberg vom Bürgermeister sogar im Amtsornat. In München war man empört über das Verhalten der fränkischen Protestanten, die sich daraufhin von den Preußen eigens bestätigen ließen, dass sie nicht mehr als nötig gejubelt hätten. Überhaupt schlug auch in den protestantischen Landesteilen unter dem Druck der preußischen Einquartierungen die Stimmung rasch um(98). Die Loyalität, ja Anhänglichkeit gegenüber München wuchs im Verlauf des Krieges spürbar an. Die in München befürchtete und andernorts erwartete „fränkische Irredenta“ blieb aus, das Band zwischen Altbayern und Franken wurde sogar noch enger.

Die Einheit von Franken und Bayern wurde jetzt auch von außen respektiert. So lehnte Bismarck die Lostrennung Frankens von Bayern ab, da er die vielfachen Verflechtungen zwischen Nord- und Südbayern vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet für unauflösbar ansah(99). Die wirtschaftliche Entwicklung in Bayern, Handel, Gewerbe und Industrie setzten ein geschlossenes Staatbayern voraus und machten einen Rückfall in „altfränkische Kleinstaaterei“ illusorisch. Lediglich den Familienerinnerungen des preußischen Königs wurde dadurch Rechnung getragen, dass Hohenzollern und Wittelsbacher ein gemeinsames Wohnrecht auf der Nürnberg Burg eingeräumt wurde und fortan die preußische und die bayerischen Fahne auf der Kaiserburg wehte(100).

Die Einheit von Franken und Bayern hielt auch in den nachfolgenden Jahrzehnten, obwohl gerade der fränkischen SPD, die in Karl Grillenberger, Löwenstein, Dr. Süßheim und Segitz ihre herausragenden Parteiführer hatte, immer wieder der Vorwurf gemacht wurde, sie sei Initiator und Träger einer „Los-von-München“- Bewegung(101). Auch nach der Revolution von 1918/19, als die Regierung der „Ordnungzelle Bayern“ unter von Kahr mehrmals mit einer Trennung von Bayern vom Reich liebäugelte, war es erneut die fränkische SPD, die mit einem Abfall Frankens von Bayern drohte, um die konservative Regierung in München gegenüber der Reichsregierung in Berlin gefügig zu machen. Aber letztlich war dies alles nur verbale Kraftmeierei, wenn auch Gerüchte schon Dr. Luppe von Nürnberg als Staatspräsidenten der künftigen „Republik Franken“ feierten. Oberbürgermeister Dr. Luppe selbst hielt von der „Republik Franken“  überhaupt nichts(102). Bezeichnenderweise war die Regierung Hoffmann in den Wirren der Münchner Revolution im Frühjahr 1919 nach Bamberg geflohen und hatte dort Schutz gefunden. Franken war zu einem sicheren und zuverlässigen Bestandteil des Freistaates geworden.

Alt Nürnberg_by_Marion_pixelio.de

Franken in München

Kennzeichnend für die innere, nachhaltige Aussöhnung zwischen Franken und Bayern seit Mitte des 19.Jahrhunderts ist die Tatsache, dass die Altbayern den Franken das Regieren in Staatsbayern überließen. Obwohl der Bevölkerungsanteil Frankens nur rund ein Drittel betrug, stellten die Franken im Königreich doch genau 43% der zivilen Staatsminister und Ministerverweser in München(103). Die sprichwörtliche Behaltung, dass Bayern von Franken regiert werde, trifft also zu. Denn der „Vorsitzende im Ministerrat“ – erst 1918 wurde der Titel Ministerpräsident eingeführt – wurde seit 1848 praktisch in ununterbrochener Reihenfolge von Franken gestellt.

Es begann mit Ludwig von der Pfordten, der aus einer evangelischen fränkischen Adelsfamilie stammte, in Nürnberg das Melanchthon-Gymnasium besuchte und als Staatsrechtler an der Universität in  Würzburg lehrte. Erst die Kriegswende von 1866 machte seine Trias-Politik unmöglich, die Bayern zur Vormacht in Süddeutschland machen wollte(104). Die Neuordnung der bayerischen Politik brachte den preußenfreundlichen Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, einen fränkischen Standesherrn, an die Spitze der Regierung in  München. Er stieg schließlich über die Statthalterschaft auf(105). 1880 wurde der heftig umstrittene liberale Johann Lutz, ein Lehrersohn aus Münnerstadt, an die Spitze des Münchner Kabinetts berufen. Seine 10jährige Regierungszeit, war ausgefüllt mit heftigen Kulturkampfauseinandersetzungen mit der katholischen Kirche und er Zentrumsmehrheit im Landtag(106). Als er aus Krankheitsgründen zurücktreten musste, folgte ihm Krafft von Crailsheim, ein evangelischer fränkischer Freiherr, der bis in 20.Jahrhundert hinein die Regierungsgeschäfte in München leitete(107).

Unter den fränkischen Ministerpräsidenten wurden auch vorwiegend Franken in das Kabinett berufen, so dass um die Jahrhundertwende fast alle Ministerposten mit Franken besetzt waren. So wirkte von 1881 bis 1907 Max Freiherr von Feilitzsch als Innenminister, der fränkische Pfarrerssohn Emil von Riedel war sogar von 1877 bis 1904 als Finanzminister tätig und Leopold Freiherr von Leonrod leitete von 1877 bis 1902 das Justizministerium(108). Allein das Kriegsministerium blieb einem Altbayern vorbehalten. Die Armee konnte man erst mit Otto Freiherr Kreß von Kressenstein einem Franken überlassen, als es im Weltkrieg ernst wurde(109). Auch die Hof- und Staatsbibliothek vertraute man nur ungern einem Franken an(110) und schon überhaupt nicht das Reichsarchiv oder gar das wittelsbachische Hausarchiv. Hinter die letzten Türen wollte man in München die Franken nicht sehen lassen. Ein etwas anderes Bild als bei den Vorsitzenden des Ministerrates und den Ministern ergibt sich bei der Herkunft der Ministerialreferenten oder leitenden Ministerialbeamten. Hier stellten die Altbayern im 19.Jahrhundert mit gut 50% die weitaus stärkste Gruppe, ihnen folgten die Franken mit 32% und schließlich die Schwaben mit nur 6% (111). Das bedeutet, dass die Franken zwar die politisch verantwortlichen Ministerposten erringen konnten, dass ihnen aber das Eindringen in die Ministerialbürokratie auf breiter Ebene verschlossen blieb, was sowohl politisch wie verwaltungstechnisch nicht ohne Folgen bleiben konnte.

Bei den kirchlichen Spitzen, und zwar bei den katholischen Bischöfen und den protestantischen Oberkonsistorialpräsidenten, war Franken wiederum weit über seinen prozentualen Bevölkerungsanteil vertreten. So überraschte es nicht, dass von den 9 Oberkonsistorialpräsidenten 5 aus dem evangelischen Franken kamen(112). Von den 50 Bischöfen und Erzbischöfen der 8 bayerischen Diözesen in dem Jahrhundert zwischen 1818 und 1918 stammten 16 aus Altbayern, aber bereits genauso viele aus Franken, was konfessionsproportional einen unverhältnismäßig großen Anteil der Franken ausweist. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die soziale Herkunft der Bischöfe: 4 Fünftel der Bischöfe kamen aus dem Bürgertum, 12 stammten aus Handwerkerkreisen, 1 aus einer Hirtenfamilie und 2 aus Soldatenfamilien(113). Die Adelskirche des Alten Reiches war mit der Säkularisation zu Ende gegangen.

Für die politische Einstellung und Haltung Frankens im Bismarck-Reich können am besten die Wahlergebnisse Aufschluss geben. So stellten zur Reichstagswahl von 1881 in den kreisunmittelbaren Städten Mittelfrankens die Liberalen 99,7% der Wahlmänner, in Oberfranken 72% und in dem überwiegend katholischen Unterfranken immerhin noch 68%. In Oberbayern stellten zur gleichen Wahl dagegen die bayerisch-konservative Patriotenpartei 91% der Wahlmänner und in Niederbayern sogar 93% (114). In den Wahlergebnissen werden nochmals die verschiedenen konfessionellen, sozi-ökonomischen und historischen Verhältnisse erkennbar, denn in Franken schlug immer wieder die Erinnerung an die „Reichsfreiheit“ durch. So wurde Franken ganz selbstverständlich zu einem Sammelbecken des Liberalismus der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung. Von dem gebürtigen Ansbacher Karl Brater(115) wurde 1863 die „Deutsche Fortschrittspartei in Bayern“ gegründet, ein Akt, der ihm große  Anfeindungen aus München einbrachte. Die „Deutsche Fortschrittspartei in Bayern“ entsandte schon nach den Wahlen im Gründungsjahr 16 Abgeordnete in den bayerischen Landtag, die fast alle aus dem protestantischen Mittel- und Oberfranken kamen. So wurden in München zu den Wortführern einer liberalen und deutschen-nationalen Politik(116).

Während des Streites um Schleswig-Holstein 1863/64 rückten die Liberalen in Erlangen sogar in den Mittelpunkt des politischen Lebens in ganz Deutschland. Denn auf die Initiative der Professoren Marquardsen und Stintzig sowie des liberalen Abgeordneten Professor Hofmann wurde in Erlangen der „Schleswig-Holsteinische Verein“ gegründet, dem zahlreiche Bürger und Studenten der Universitätsstadt, aber auch Nationalgesinnte von außerhalb beitraten. Bis zu 2000 Teilnehmer erschienen zu den Großveranstaltung(117). Aber auch im Münchner Landtag setzten die Liberalen aus Franken in der Fortschrittspartei ihre Politik erfolgreich fort. So waren sie maßgeblich an der Verabschiedung der Reform- und Sozialgesetzt beteiligt, welche die Gewerbefreiheit, eine spürbare Erleichterung des Heimatrechtes und der Verheiratung sowie der Armenunterstützung brachten. Vor allem forderten die Franken in der Fortschrittspartei energisch den Anschluss an den Norddeutschen Bund, wobei sie auf den erbitterten Widerstand der Alt-Bayerischen Patriotenpartei stießen, die sogar den Eintritt in das Bismarckreich verhindern wollte(118).

Im Deutschen Reich nach 1871 gab es keine liberale Partei, die alle liberalen Kreise in Franken zusammenfasste. Im Reichstag schloss sich die Fortschrittspartei den Nationalliberalen an. Im bayerischen Landtag unterstützte die Fortschrittspartei, die ihren Schwerpunkt in Mittelfranken hatte, die Politik der Ministerial-Regierung. Der staatsparteiliche Honoratioren-Charakter der Liberalen war dabei unverkennbar(119).

Der bedeutendste Politiker im fränkischen Liberalismus war Franz Schenk Freiherr von Stauffenberg(1834-1900)(12), ein geborener Würzburger. Er war 1866 als Abgeordneter Ansbachs in die Zweite Bayerische Kammer gewählt worden, der er bis 1890 angehörte. Von 1871-77 war er sogar Präsident der bayerischen Abgeordnetenkammer. Zugleich war er als Abgeordneter des Wahlkreises Fürth-Erlangen im Reichstag in Berlin, wo er in den Jahren 1878/79 als 1.Vizepräsident des Reichstages amtierte. Als Bismarck zur Schutzzollpolitik und zur Sozialistengesetzgebung überwechselte, versagten ihm die mehr linken Nationalliberalen aus Süddeutschland die Gefolgschaft: Stauffenberg und er Nürnberger Abgeordnete Crämer gründeten 1884 in Nürnberg die „Deutsche Freisinnige Partei“. Der linke Flügel des Liberalismus hatte nun seine Hochburg im protestantischen Franken. In der Reichstagwahl 1893 brach die „Freisinnige Partei“ jedoch über die Caprivische Heeresvorlage auseinander, woraufhin Stauffenberg den Vorsitz des fränkischen Flügels der „Freisinnigen Partei“ niederlegte. Crämer stellte sich der linken Gruppe, der „Freisinnigen Volkspartei“, als Ehrenpräsident zur Verfügung. Aber schon 1904 wurde im „Nürnberger Programm“ die Wiedervereinigung mit dem rechten Flügel, der sog. „Freisinnigen Vereinigung“, vorbereitet, die schließlich auch 1910 in der „Fortschrittlichen Volkspartei“ unter dem Bayreuther Casselmann zustande kam. Der linksliberale Flügel hatte sich letztlich nicht behaupten können, er war von der Sozialdemokratie überflügelt worden(121).

Die Spaltung im fränkischen Liberalismus führte zur entscheidenden Schwächung der liberalen Bewegung insgesamt und zum Verlust zahlreicher Mandate, endgültig dann nach der Wahlreform von 1905. Denn nur aufgrund eines veralteten und längst überholten Wahlrechts sowie aufgrund einer geschickten Wahlkreisgeometrie hatten sich die Liberalen bei den Kommunal- und Landtagswahlen an der Macht halten können. Denn im Gegensatz zu den allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen zum Reichstag war etwa das Gemeindewahlrecht in Nürnberg nur den eingeschriebenen Bürgern vorbehalten, die jedoch nur einen geringen Teil der Einwohner ausmachten. Vor allem blieben die vielen neuzugezogenen Einwohner, die als Arbeiter in der aufstrebenden Industrie ihr Auskommen fanden, von den Wahlen ausgeschlossen, da das Bürgerrecht die Voraussetzung für das kommunale Wahlrecht war und anderseits das Bürger- und Heimatrecht nur gegen ungewöhnlich hohe Gebühren erworben werden konnte. So konnten im Jahr 1871 in Nürnberg von den insgesamt 83 633 Einwohnern zwar 20908 an den Reichstagswahlen teilnehmen, für die Kommunalwahl waren aber nur 6980 Bürger wahlberechtigt(122). Doch nach dem Bündnis von Zentrum und SPD in Bayern 1905 gegen die sog. „liberalen Wahlrechtsräuber“ verloren die Liberalen auf Landesebene mehr als die Hälfte ihrer Sitze im Landtag(123), und selbst in einer so traditionsreichen liberalen Hochburg wie Erlangen ging das Mandat an die SPD verloren. Letztlich hatte sich der bürgerliche Liberalismus in Franken in inneren Auseinandersetzungen und Zersplitterungen geschwächt und aufgebraucht.

 

Frankens Anteil an der Kultur und Wirtschaft Bayerns

 

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Die Abordnung von führenden Politiker und Ministerialbeamten war aber keineswegs die einzige Leistung Frankens im 19. und 20 .Jahrhundert für Gesamtbayern. Auch für die Kunst und Kultur Bayerns kann Franken eine ganze Reihe hervorragender Vertreter vorweisen. Ich erinnere nur an die Dichter und Schriftsteller Jean Paul Richter, Platen, Friedrich Rückert, Jacob Wassermann, Ernst Penzoldt, Leonhard Frank, Leo Weismantel oder Hermann Kesten. Aber sie lassen sich nicht allein mit fränkischen Maßstäben messen, auch wenn heimatliche Themen und Probleme immer wieder anklingen oder sogar abgehandelt werden. Auch Hugo Distler, der Erneuerer der evangelischen Kirchenmusik, komponierte keine „fränkische“ Musik. Gleiches gilt für die Baukunst: Die vorherrschenden Baustile, wie Klassizismus, Neogotik und Jugendstil, waren internationale Bewegungen. Die für die Kunstlandschaft Frankens im Alten Reich so typische Vielfalt und unverkennbare Eigenständigkeit wich jetzt in Staatsbayern einer Nivellierung und Verarmung. Nur in Nürnberg und Würzburg konnte sich noch eine gewisse eigenständige Schultradition erhalten, etwa um Johann Dietrich Carl(1804-1867) und Philipp Wirt(1808-1878). Bemerkenswert ist vielleicht die Entdeckung der fränkischen Landschaft in der Literatur bei Tieck und Wackenroder und in der Malerei durch Rudolf Schiestl, desgleichen die romantische Entdeckung Nürnbergs und vor allem Rothenburgs als altfränkische Idyllen(124).

Entschieden gewichtiger waren ohne Zweifel die Leistungen Frankens auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik. Im Mittelpunkt des geistigen Schaffens standen dabei die Universitäten, von denen Montgelas nur Würzburg und Erlangen hatte bestehen lassen. Würzburg zeichnete sich vor allem durch hervorragende Mediziner aus: hier wirkten etwa Lukas Schönlein, der Begründer der modernen Diagnostik, der Pathologe Virchow und vor allem David Röntgen, der Entdecker der nach ihm benannten Strahlen.

Die Universität in Erlangen, die beinahe Kant berufen hätte und Fichte zumindest kurzzeitig zu ihren Professoren zählte, genoss im 19.Jahrhundert internationalen Ruf auf philosophischen und philologischen Gebiet. Schließlich rückte die „Erlanger Theologie“ in den Vordergrund, die sich der Erneuerung des Luthertums zum Ziele gesetzt hatte. Namen wie Hofmann, Harleß, Höfling und Thomasius verschafften der „Erlanger Theologie“ weltweiten Ruhm(125). Gleiches gilt auch für die Diakonische Arbeit Wilhelm Löhes.

Dem unverkennbar praktischen Sinn der Franken und der langen handwerklich-gewerblichen Tradition eröffneten die moderne Technik und die Industrie ein dankbares Betätigungsfeld. Es sei hier nur auf einige herausragende Industriepioniere hingewiesen: Wilhelm Sattler(126), bekannt geworden durch sein „Schweinfurter Grün“, die Druckmaschinenfirma König & Bauer in Würzburg, Karl Linde mit seinen Kältemaschinen, Lothar von Faber(127) als Unternehmer in der Bleistiftindustrie, die Maschinenbauer Spaeth und Kramer-Klett in Nürnberg(128), Sigmund Schuckert(129) in der Elektroindustrie, Reiniger, Gebbert und Schall in der Fertigung elektro-medizinischer Geräte sowie Hutschenreuther und Rosenthal in der Porzellanindustrie. Sie alle hatten wesentlichen Anteil daran, dass Franken zum industriellen Zentrum Bayerns wurde. Franken war der Ausgangsraum bedeutender industrieller Innovationen, wohingegen Alt-Bayern bis in die Jahre der Weimarer Republik überwiegend agrarisch strukturiert blieb.

Der eigentliche Durchbruch oder, wie man heute sagt, der Take-off der Industrialisierung in Franken setzte jedoch mit dem Eisenbahnbau ein. Zwar wollte Bayern zunächst mit dem Bau des Ludwig -Donau – Main – Kanals(1837-1846) Anteil am Handel zwischen Nordsee und Schwarzem Meer gewinnen, doch für Schiffe mit nur maximal 120 t Tragfähigkeit war der Kanal, wenn auch eine technische Großtat seiner Zeit, der Konkurrenz der Eisenbahn bald nicht mehr gewachsen. 1835 fuhr die erste Eisenbahn in Deutschland zwischen Nürnberg und Fürth(130). Initiiert wurde diese technische Pioniertat von einer Aktiengesellschaft aus Nürnberger und Fürther Kaufleuten, voran Johannes Scharrer und Georg-Zacharias Platner. Doch schon 1840 erklärte sich König Ludwig von Bayern bereit, den Eisenbahnbau in staatliche Regie zu übernehmen. Ludwig hatte die zukunftsweisende Bedeutung des Eisenbahnbaus erkannt, auch wenn er weiterhin an seiner Lieblingsidee, dem Kanal, festhielt. In den Jahren 1842-1848 wurde die Strecke Hof-Bamberg-Nürnberg-Augsburg-Lindau als „Ludwigs-Süd-Nord-Bahn“ erreichtet, in den Jahren 1852-1854 folgte die Westverbindung Bamberg-Schweinfurt-Würzburg-Frankfurt. Die vorrangige Verbindung nach Mittel- und Westdeutschland ergab sich aus den Gegebenheiten und Erfordernissen des Deutschen Zollvereins, wohingegen die Verbindung nach Wien erst mit deutlicher Verspätung zustande kam. Die Oberpfalz und die ehemaligen Reichstädte am Westrand Bayerns, Dinkelsbühl und Rothenburg, bekamen bald zu spüren, dass an ihnen der Eisenbahnbau vorbeiging(131). Dagegen entwickelten sich im Zuge des Eisenbahnbaus in Nürnberg und Fürth, in Schweinfurt und Aschaffenburg, in Bamberg und in Hof neue Industrien, die den fränkischen Städten wirtschaftlichen Aufschwung verliehen.

Der Eisenbahnbau, der entscheidende Anstoß für die „industrielle Revolution“ in Bayern, war zwar von fränkischen Kaufleuten initiiert worden, wurde dann aber in Staatsregie durchgeführt, wobei Franken im Rahmen eines gesamtbayerischen Konzepts berücksichtig wurde. Als Durchgangsland profitierte Franken besonders frühzeitig und reich von Eisenbahnbau; Franken hat diese neue Chance zu nutzen gewusst.

Doch nicht die Industrieregion Franken und seine Metropole Nürnberg erhielten die dringend erforderliche Technische Hochschule, sondern eine Allerhöchste Verordnung wies sie 1864 der Residenzstadt München zu, und zwar mit der Begründung, dass die Technische Hochschule als Stätte der exakten Wissenschaften in das Zentrum der wissenschaftlichen Forschung, der Sammlungen und Bibliotheken gehöre(132).

Um die Jahrhundertwende sah sich infolge des technisch – industriellen Fortschritts und des hohen Bedarfs an Ingenieuren die Regierung gezwungen, entweder die Münchner Technische Hochschule auszubauen oder eine zweite Technischen Hochschule in Bayern einzurichten. Sogleich ergriff Nürnbergs Oberbürgermeister Dr.Schuh die Initiative, um erneut Nürnberg als Standort ins Gespräch zu bringen. Doch diesmal scheiterte er – und damit sind wir bei eigentlichen „fränkischen Problem“ – nicht an München, sondern an der fränkischen Eifersüchtelei. Denn kaum hatte man von dem Vorstoß Nürnbergs erfahren, als auch schon die Universität Würzburg eine Petition einreichte und darin vorschlug, statt eine eigene TH in Nürnberg zu erreichten, besser eine Technische Fakultät der Universität Würzburg anzugliedern, was entschieden billiger wäre. Daraufhin wollte auch Erlangen nicht zurückstehen und wies nun seinerseits darauf hin, welche Vorzüge eine Technische Fakultät in Erlangen bieten würde(133). Jedenfalls lag – wegen mangelnder fränkischer Solidarität und Einigkeit – die Entscheidung wieder einmal bei München, und um niemanden in Franken wehzutun, entschied man sich für einen Ausbau der Technischen Hochschule in München. Franken bekam als Trostpflaster 1907 ein Technikum in Nürnberg zugestanden.

 

Frankens Probleme

 

Damit sind wir beim entschiedenen Problem in Franken und auch im Verhältnis von Franken und Bayern – es gab und gibt kein einheitliches Franken. Franken kann gegenüber München nicht mit einer Stimme reden und die gesamtfränkischen Belange mit dem nötigen Nachdruck vertreten.

Es ist das historische Erbe, das die fränkische Mentalität bis auf den heutigen Tag geprägt hat. Es ist das Erbe der vielen großen und kleinen Territorien, der geistlichen und weltlichen Fürstentümer, der Grafschaften und Reichsstädte sowie der Zwergstaaten der Reichsritter mit ihren wenigen Hintersassen, die alle ängstlich darauf bedacht waren, nichts von ihren Rechten und Privilegien zu verlieren. Seit der Reformation hat dann auch noch die unterschiedliche Konfession selbst unmittelbare Nachbardörfer zu oft erbitterten Feinden werden lassen. Der Fränkische Reichskreis war nur ein lockeres Band, das die vielen unterschiedlichen Herrschaften in Franken zusammenschloss und ein gesamtfränkisches Bewusstsein und Selbstverständnis bestenfalls in Ansätzen erwachsen ließ. Freilich haben gerade diese Vielfalt und Heterogenität den kulturellen Reichtum Frankens bewirkt und ausgemacht.

Erst unter der harten und rigorosen Politik Montgelas die keinerlei Rücksichten auf historisch  gewachsene Strukturen und Verhältnisse nahm, wurde Franken im Königreich Bayern enger zusammen gezwungen und damit zugleich nivelliert. Der Zwerg- und Vielstaaterei wurde beseitigt und erst jetzt erwuchs Franken, insbesondere in der liberalen Bewegung des Vormärz zu größerer Einheit zusammen. Doch mit der Einrichtung der drei Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken(134) 1837 wusste München sehr geschickt die Einheit Frankens nicht zu weit voranschreiten zu lassen. Fortan konnte stets ein Bezirk gegen den anderen ausgespielt werden, und das Regierungsprinzip von „Divide et Impers“ funktioniert bestens. Nicht einmal ein gesamtfränkischer Geschichtsverein kam zustande. Als Hans von Aufseß, der Gründer des Germanischen Nationalmuseums, einen „Historischen Gesamtverein für Ostfranken“ schaffen wollte, erhielt er von den bereits bestehenden Historischen Vereinen Mittelfranken, Unterfranken und Oberfranken sogleich definitive Absagen. Der Historische Verein von Mittelfranken erklärte, in der „Constituierung eines historischen Vereins von Ostfranken“ sehe man nicht den richtigen Weg für die Zukunft, da „die Centralisation die freie Bewegung“ nur hemmen würde(135).

Selbst unter den Nazis, als auf den angeblichen „fränkischen Stamm“ so viel Wert gelegt wurde, verbot der selbsternannte „Frankenführer“ Julius Streicher den Oberfranken im „Gau Ostmark“ auch nur die Verwendung des Namens fränkisch(136).

Die innerfränkische Teilung wiederholte sich 1945, als wiederum die politische Einheit Frankens nicht zustande kam. Es blieben die 3 Regierungsbezirke im Freistaat Bayern weiterhin bestehen, und die bayerische Regionaleinteilung von 1975 hat Franken sogar in 7 Regionen aufgeteilt.

Die eine, große weitgehend autonome „Region Franken“, ja sogar das „eigene Bundesland Franken“, das immer wieder gefordert wurde und noch wird, bleibt eine Illusion(137). Die „Region Franken“ scheitert nicht nur am Widerstand Münchens, sie scheitert vor allem an der fränkischen Zerstrittenheit, Uneinigkeit, Eigenbrötelei und Eifersucht. Zu ängstlich schielt jede Region auf die andere oder sogar jede Stadt auf die Nachbarstadt und passt genau auf, dass sie selbst ja nicht zu kurz kommt. Ich erinnere nur an den Streit um den Standort der neuen Universität in Oberfranken, bis sich schließlich München salomonisch für Bamberg und Bayreuth entschied. Kennzeichnend ist auch der jüngste Streit um den Lithotripter, den Nierensteinzertrümmerer, um den sich Nürnberg und Erlangen sowie Würzburg und Schweinfurt erbitterte Kämpfe lieferten, so dass angesichts der Uneinigkeit wieder einmal München frei entscheiden konnte. Auch auf das von fränkischen Industrie geforderte und massiv finanziell geförderte Zentrum für Mikroelektronik erhoben sofort Nürnberg, Erlangen und Fürth Anspruch, bis schließlich doch die Vernunft siegte und man überein kam, in aller Ruhe den künftigen Standort im mittelfränkischen Ballungsraum auszuwählen(138). Oder, um einen anderen Bereich aufzugreifen, welcher fränkische Regierungsbezirk würde heute auf sein Staatsarchiv verzichten, um einem Fränkischen Hauptarchiv Platz zu machen? Und wo sollte dieses Fränkische Zentralarchiv untergebracht werden? In Nürnberg, in Würzburg oder in Bamberg? Oder wo sollte die Fränkische Landesbibliothek eingerichtet werden? In Bamberg, wie Hanns Meinhart vorschlug? (139) Das würde mit Sicherheit einen Sturm der Entrüstung in Würzburg, Erlangen und Nürnberg hervorrufen.

Welche Region oder welche Stadt wäre heute bereit, auf ihr Kunst- oder Heimatmuseum zugunsten eines Gesamtfränkischen Museums zu verzichten? Wäre diese Vereinheitlichung und Zusammenfassung an einen Ort in Franken nicht genauso unhistorisch wie die Ausstellung fränkischer Kunstschätze und Kulturgüter in München?

Grundsätzlich gefragt: Welche Stadt sollte zur Hauptstadt Franken werden? Selbst der Anspruch Nürnbergs als volksreichste und größte Stadt auf eine führende Rolle in Franken stößt bei anderen Regionen auf heftigsten Widerstand. Für Unterfranken ist Nürnberg – so formuliert es einmal unmissverständlich der dortige Regierungspräsident – „nur ein Verkehrshindernis, nur ein Ärgernis auf dem Weg nach München“ (140), und viele Ober- und Unterfranken teilen diesen Standpunkt. Aber das ist eben typisch fränkisch und macht letztlich Franken aus: seine Uneinigkeit und Eigenbrötelei, seine Eigenwilligkeit und Vielfalt.

München hat diesen fränkischen Charakterzug erkannt und ihn lange Zeit dazu ausgenutzt, um die innerfränkischen Rivalitäten zu pflegen. Neuerdings aber – und dies muss anerkannt werden – beginnt man in München die Vielfalt Frankens in wachsenden Maße zu respektieren und zu akzeptieren. Dies hat zu einer spürbaren Dezentralisierung oder Regionalisierung im kulturellen Bereich geführt, etwa in der Denkmalpflege, im Archivwesen(141) oder in der vielfältigen Museumslandschaft(142), in der sogar drei neue Zweigmuseen(Windsheim, Weißenburg, Kronach) entstanden sind. Für die neuen Galerien und Sammlungen hat man sogar die Magazine und Bestände in  München geöffnet, so dass mancher prähistorische Fund oder Kunstgegenstand wieder in seine Heimat zurückkam.

Nutzen wir die neuen Erkenntnisse und kulturpolitischen Vorstellungen und Leitlinien der Staatsregierung in München und holen wir nach Franken zurück, soviel nur möglich ist. Aber bleiben wir dabei Realisten: Ein einheitliches Franken mit einem gesamtfränkischen Bewusstsein wird es wohl nie geben. Leider wird auch weiterhin vorerst in Geltung bleiben, dass Ober-, Unter- und Mittelfranken nur in München zusammenkommen können. Bleibt nur zu hoffen, dass es in München – wie schon früher – genügend Franken geben wird, die die Belange Frankens adäquat zu vertreten wissen.

Sehr geehrte Blogbesucher,

gestatten Sie mir hier noch folgenden Hinweis. Ich habe absichtlich die alte deutsche Schreibweise übernommen, um das Original nicht zu ändern. Deshalb stören Sie sich nicht daran, wenn manches ungewohnt erscheint.

Die Fußnoten müssen natürlich sein, damit es mir hier nicht so ergeht wie Karl Theodor zu Guttenberg. Es war für mich sehr wertvoll diese Fußnoten minuziös abzutippen, denn dies allein gab viel Aufschluß über die Geschichte unseres Frankenlandes. Von vielen sogenannten „Experten“ wurde mir die letzten Jahre immer wieder gesagt, wie verarmt Franken zu dieser Zeit war. Allein die Fußnote 22 sagt genau das Gegenteil aus. Franken wurde ganz fies ausspioniert und dann ausgeraubt. Das ist die Wahrheit. Aber die will seit über 200 Jahren keiner hören. Selbst die „Bayernfranken“ fühlen sich schon angeekelt, wenn man diese Tatsachen im Gespräch erwähnt. Diese Verhaltensweise ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Bildnachweis

 

Stadtarchiv Erlangen. Bild 4,5 und 11

Firmenarchiv Siemens: Bild 9

Maifränkisches Museum in Würzburg: Bild 1

Photo – Gundermann, Würzburg: Bild 3

Stadtarchiv Bamberg: Bild 2

Firmenarchiv Koenig & Bauer: Bild 6

Stadtarchiv Nürnberg: Bild 7,8 ,10

Bundesbahndirektion Nürnberg: Bild 12

 

*)Erweiterte Fassung eines Vortrags vor der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft, dem Frankenring und dem Frankenbund in Nürnberg.

 

1)       Vgl. hierzu: Franken – Bayerns zweite Garnitur? – Tutzing 1967.(Tutzinger Studien 3, hrsg. Von der Evangelischen Akademie Tutzing).

2)       Siehe die umfangreichen Zusammenstellungen bei H. Meinhart: Franken in Bayern – ein Problem. Nürnberg 1949, S.42 ff.(Schriftenreihe der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft H.1).

3)       So hat München 6 große Staatliche Museen und 5 Staatliche Sammlungen, während sich Franken mit 3 kleinen Zweigmuseen zufrieden geben muss.

4)       Im bayerischen Archivwesen wird seit einigen Jahren eine Dezentralisierungspolitik betrieben, die im deutlichen Gegensatz zur bisherigen Praxis steht. Siehe W.Jaroschka: Beständebereinigung mit Franken. – Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern 20. 1974, S.2-21.

5)       Vgl. die Beiträge in den Nürnberger Nachrichten vom 26.07.1979, 28.07.1979, 09.08.1979, 22.08.1979 und in der Nürnberger Zeitung vom 16.02.1980(Die Wittelsbacher, Mörder und Poeten. Franken ist auch hier im Nachteil).

6)       „Nürnberg soll Hauptsitz(des BR) werden. Wunsch nach einem Zentrum für Nordbayern als Gegenpol zu München für Südbayern“(Nürnberger Nachrichten vom 23.01.1979). „Franken kommt im Rundfunk zu kurz“(Nürnberger Nachrichten vom 30.01.1980). „Das Fernsehen stellte Franken in den Schatten. Nürnberger Kulturreferent protestiert“.(Nürnberger Nachrichten vom 21.03.1984).

7)       Rundbrief des „Franken-Rings“ vom 29.05.1984; vgl. auch Nürnberger Nachrichten vom 27.09.1984: „Der Kulturminister soll sich stärker einsetzten“.

8)       Nürnberger Nachrichten vom 25.07.1977

8a)  Nürnberger Nachrichten vom 05.12.1984

9)       Rundbrief des „Franken-Rings“ vom 29.05.1984 mit Beilagen. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass die Wirtschaftsstruktur Mittelfrankens veraltet ist, da Mittelfrankens Wirtschaft noch immer ganz wesentlich von den traditionellen Branchen geprägt ist, also  von der Elektrotechnik, vom Maschinenbau, von der Eisen- und Blechverarbeitung und den Metallwaren. Die zukunftsweisende Technik aber liegt vor allem in der Mikroelektronik und in jungen, innovativen Unternehmen, wofür im Wirtschaftsraum Mittelfranken ein Nachholbedarf besteht, wenn auch bereits der Strukturwandel sich beschleunigt hat. Vgl. Jahresbericht der Industrie- und Handelskammer vom 03.09.1984.

10)   Nürnberger Nachrichten vom 10.04.1984

11)   Nürnberger Nachrichten vom 28.05.1984, AZ vom 28.05.1984

12)   Rundbrief des „Franken-Rings“ – Informationen

13)   Ebda.

14)   Nürnberger Nachrichten vom 28.05.1984

15)   Aufstellung im Rundbrief des „Franken-Rings“ vom 29.05.1984

16)   Nürnberger Nachrichten vom 06.08.1984

17)   Vgl. hierzu R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“ – Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg(=MVGN) 51.1980, S. 157-183.

18)   R. Endress: Die preußische Ära in Franken. In: Expansion und Integration. Zur Eingliederung neugewonnener Gebiete in den preußischen Staat. Hrsg. Von P. Baumgart. – Köln 1984. S.169-194.

19)   R. Endress: Territoriale Veränderungen, Neugestaltung und Eingliederung Frankens in Bayern. – In: Handbuch der bayerischen Geschichte III/1. – 2. Aufl. München 1979. S.249 ff.

20)   K. Süssheim: Preußens Politik in Ansbach-Bayreuth. – Berlin 1902, S. 301 ff.

21)   Mit der Übernahme von Würzburg legte sich Kurfürst Max Joseph auch sogleich den Titel eines „Herzog von Franken“ zu, wogegen Hardenberg zwar heftig, aber ergebnislos protestierte. R. Endress: Die Eingliederung Frankens in den bayerischen Staat. – In: Wittelsbach und Bayern. Katalog der Wittelsbacher – Ausstellung. München 1980, Bd. III/1, S.83-94.

22)   Bereits im Frühjahr 1802 war der Major Ribaupierre im Auftrage Monteglas auf einem Erkundigungsritt durch Franken, wobei er feststellen konnte, dass Franken eines der reichsten Gebiete in Deutschland sei; daraufhin wurde die Entscheidung zur Okkupation Frankens in München gefällt. Vgl. H. H. Hofmann:…..sollen bayerisch werden. Die politische Erkundung des Majors von Ribaupierre durch Franken und Schwaben im Frühjahr 1802. – Kallmünz o.J.(1954).

23)   Eingehend hierzu H. H. Hofmann: Adelige Herrschaft und souveräner Staat. Studien über Staat und Gesellschaft in Franken und Bayern. – München 1962, bes. S. 211 ff.

24)   A. Chroust: Das Großherzogtum Würzburg(1806-1814). – Würzburg 1914.

25)   E. Deuerling: Das Fürstentum Bayreuth unter französischer Herrschaft und sein Übergang an Bayern 1806-1810. Erlangen 1932.

26)   R. Endress (wie Anm.21), S. 83-88.

27)   Ebda. S. 88 f.

28)   A. M. Scheglmann: Geschichte der Säkularisation im rechtsrheinischen Bayern. Regensburg 3 Bde., 1903-1908; D. Stutzer: Die Säkularisation 1803. – Rosenheim 1978(Franken wird nicht berücksichtigt).

29)   A. Wendenhorst: Der Untergang der alten Abteilkirche Münsterschwarzach 1803-1841 – Würzburg 1953(Mainfränkische Hefte17). E. Schneider: Die barocke Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Neustadt a. d. Aisch 1984.

30)   L. Günther: Der Übergang des Fürstbistums Würzburg an Bayern. – Leipzig 1910, S.125 ff.

30a)H. Ottomeyer: Die Kronissignien des Königreichs Bayern. – München 1979. S.8.

31)   M. Pfeiffer: Beiträge zur Geschichte der Säkularisation in Bamberg. – Bamberg 1907. S.42 f.

32)   G. Hartmann: Die kurmainzischen Kunstschätze des Schlosses zu Aschaffenburg. Aschaffenburg 1933; vgl. auch H. Kreisel, Die Münchner Schatzkammer, mit fränkischen Augen gesehen, in Frankenland 16, 1964, S. 164-178.

33)   P. Weissenberger: Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Maifränkischer Benediktinerklöster. – Mainfränkisches Jahrbuch 2. 1950, S. 288 ff.; F. Friedrich: Dokumente, Gemälde und Reliquienschrein aus dem Nachlass des Ebracher Abtes Eugen Montag. – 113. Berichte des Histor. Verein Bamberg 1977, S. 181 ff.

34)   In Würzburg wurde aus dem Verlauf konfiszierter Bücher ein Erlös in Höhe von 603 120 fl. Erzielt, der nach München überwiesen wurde. L. Günther: Der Übergang des Fürstbistums Würzburg an Bayern. – Leipzig 1910. S. 125 f.

35)   I. Wolf: Die Säkularisation der Stifts- und Klosterbibliotheken im Gebiete des Erzbistums Bamberg. Diss. Erlangen 1952(mschr.).

36)   A. M. Scheglmann: Geschichte der Säkularisation. Bd. 3. Regensburg 1908. S. 280; vgl. auch E. Eichhorn, Fränkische Kunst in der Alten Pinakothek, in: Frankenland 17, 1965, S. 71-92; A. von Reitzenstein, Fränkische Führung durch das Bayerische Nationalmuseum, in: Frankenland 16, 1964, S. 170-178.

37)   Bei der Versteigerung der Kunstschätze im Rathaus wurde der Tafelaufsatz von dem kunstverständigen Marktvorsteher Paul Wolfgang Merkel von Nürnberg für 1250 fl. Erworben. K. Pechstein: Der Merkelsche Tafelaufsatz von Wenzel Jamnitzer.  – MVGN 61. 1974, S.100

38)   Das bedeutende Kunstwerk wurde am 04.November 1806 öffentlich versteigert und für 53 fl. 32 kr. Pro Zentner Bruch von dem Händler Fränkel in Fürth erworben, der das Gitter nach Frankreich weiterverkaufte. J. Lincke: Planungen und Maßnahmen zur Wiederinstandsetzung des Innenraums(Großer Rathaussaal) ab 1977.  – Nürnberger Altstadtberichte 5. 1980, S. 32 ff.(mit Abbildungen).

39)   J. P. Priem: Geschichte der Stadt Nürnberg. – Nürnberg 1875. S. 320.

40)   Ebda. S. 318 ff.; W. Schwemmer: Die Stadt Nürnberg(Kurzinventar). 3. Aufl. Nürnberg 1983, passim.

41)   L. Günther: Der Übergang des Fürstbistums Würzburg an Bayern. – Leipzig 1910, S.133-135.

41a)Zitat in: Würzburg. Eine Geschichte in Bilddokumenten. Hrsg. Von A. Wendenhorst. – München 1981, S. 91 f.

42)   Besonders im Bereich der Denkmalpflege wird Franken, nach Aussage von Finanzminister Streibl, nicht vernachlässigt: Die Staatliche Schlösserverwaltung wendet in den Jahren 1979 und 1980 in Franken rund 35 Millionen auf, für das übrige Bayern rund 39 Millionen. – Nürnberger Nachrichten vom 25.März 1980.

43)   Siehe U. Thürauf: Die öffentliche Meinung im Fürstentum Ansbach-Bayreuth zur Zeit der französischen Revolution und der Freiheitskriege. – München 1918. S. 91 ff.

44)   G. Hirschmann: Das Haus Wittelsbach und Franken im 19.Jahrhundert. – Neujahresblätter der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 38. 1984, S. 8.

45)   Ebda. S.6.

46)   E. Endress: Der „Fränkische Separatismus“. _ MVGN 51. 1980, S. 161 f.

47)   A. Ernstberger: Die deutschen Freikorps 1809 in Böhmen. – Prag 1942. S. 299-345.

48)   K.H. Ritter von Lang: Memoiren, Bd.II, 1842, S.122, Nachdruck Erlangen 1984, mit einer Einleitung von H. von Mosch.

49)   G. Hirschmann: Ära Wurm in Nürnberg 1806-1818.- MVGN 48. 1958, S.286.

50)   Erlangens Huldigung bei der Übergabe des Fürstentums Bayreuth an die Krone Baiern in der Hauptkirche Erlangen, gehalten von Dr.Ch. Fr. Ammon. – Erlangen 1810

51)   M. Doeberl: Bayern und die deutsche Erhebung wider Napoleon I.- München 1907, S. 410 f., Beilage 1.

52)   L. Rieger: Die Stimmung und Haltung der fränkischen Provinzen im Jahr 1813. Diss. München 1921(mschr.).

53)   W. Schärl: Die Zusammensetzung der bayerischen Beamtenschaft von 1806 bis 1918. – Kallmünz 1955. Nr. 369 und Nr. 561.

54)   Vgl. R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“. – MGVN 51. 1980, S. 163-166.

55)   Siehe hierfür: Unterfranken zur Zeit König Ludwigs I. – Ausstellungskatalog 1964; Unterfranken im 19.Jahrhundert. – Würzburg 1965(mainfränkische Heimatkunde 13 mit Beiträgen von M. Hofmann, M. H. von Freeden, O. Meyer u.a.). G. Hirschmann: Das Haus Wittelsbach und Franken im 19.Jahrhundert. – Neustadt a. d. Aisch 1984, S. 10 f.

56)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1844 in Franken. – Würzburg 1951, S. 87 ff.

57)   J.P. Harl: Über einige der wichtigsten Vortheile und Vorzüge der neuen Verfassungs-Urkunde des Königreichs Baiern. 1818.

58)   M. Doebler: Ein Jahrhundert bayerischen Verfassungslebens. – München 1918. S. 58 f.

59)   Zitiert bei G. Radbruch: Paul Johann Anselm Feuerbach. – Göttingen 2.Aufl. 1957, S. 141; siehe auch R. Endress: Mittelfranken und sein Historischer Verein. – 89. Jb. Des Historischen Vereins für Mittelfranken, 1977/1981. S. 1-17.

60)   M. Hofmann: Staat und Bürger im bayerischen Unterfranken. – In: Unterfranken im 19.Jahrhundert. Würzburg 1965. S. 68 f.

61)   R. Endress: Die Eingliederung Frankens(wie Anm.21), S. 91 f.

62)   F. Köppel: Ignaz von Rudhart. – In: Lebensläufe aus Franken V. Erlangen 1936) S.297-310.

63)   M. Domarua: Bürgermeister Behr. Ein Kämpfer für den Rechtsstaat. – Würzburg 1971.

64)   O. Kreuzer: J. P. von Hornthal. – In: Lebensläufe aus Franken III. Würzburg 1927. S.244-277.

65)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1848 in Franken. – Würzburg 1951. S. 104-111.

66)   So führte der Bamberger Abgeordnete Hornthal auf dem Landtag von 1822 aus: „Wenn die Gelder alle von den äußeren Teilen des Königreiches auf einen Punkt zusammenströmen, wenn nicht die Einrichtungen getroffen wird, dass sie in gehörigem Ebenmaße wieder hinausfließen, so werden die äußeren Teile des Staatskörpers krank, kommen herab, der Körper nimmt nach und nach ab und stirbt.“ Lebensläufe aus Franken 3. Würzburg 1927. S. 255.

67)   M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 23 ff.(Siehe Anm. 63).

68)   H. Hoffmann: Johannes Gottfried Eisenmann. Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer. – Würzburg 1967, S. 12-17(Mainfränkische Hefte 49).

69)   R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 168.(Siehe Anm. 17).

70)   Gemeindebeamte mussten aufgrund von § 44 des Edikts über die Ständeversammlung um Urlaub für die Landtagssession beim König nachsuchen.

71)   E. Franz: Bayerische Verfassungskämpfe. – München 1926, S. 160.

72)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung. S. 129.(Siehe Anm. 56).

73)   F. L. von Hornthal(Hrsg.): Broschüren zum bayerischen Landtag von 1831. München 1832.

74)   M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 154 ff.(Siehe Anm. 63).

75)   Hgl. M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 167 ff(siehe Anm. 63); L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung, S. 138 ff.(Siehe Anm.56).

76)   Die Rede erschien im Druck unter dem Titel: „Die vom Hofrat Dr. Wilhelm Joseph Behr am 27.Mai in Gaibach gesprochenen Worte“, Würzburg 1832. Der Würzburger Drucker Thein wurde dafür verhaftet.

77)   Die Untersuchung hatte der Schönbornsche Herrschaftsrichter Joseph Habersack angestrengt, der sich dafür eine Karriere im bayerischen Staatsdienst versprach, was ihm auch gelang. Vgl. M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 172. (Siehe Anm. 63).

78)   H. Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann, S. 28-52. (Siehe Anm. 68).

79)   E. Herrmann: Liberale Bewegungen im frühen 19.Jahrhundert in Oberfranken. – Archiv Oberfranken 60. 1980, S. 151-185.

80)   Graf Carl von Giech: Die Kniebeugung der Protestanten vor dem Sanctissimum der katholischen Kirche in dem bayerischen Heere und in der bayerischen Landwehr. – Ulm 1841. Die Schrift erschien anonym, doch konnte bald als Verfasser Graf Carl von Giech, der Regierungspräsident von Mittelfranken, ausfindig gemacht werden.

81)   Siehe H. Gollwitzer: Graf Carl von Giech 1795-1863. Eine Studie zur politischen Geschichte des fränkischen Protestantismus in Bayern. – Zeitschrift für bayer. Landesgeschichte 24. 1961, S. 102-162.

82)   W. Uhde: Hermann Freiherr von Rotenhan. – München 1933.

83)   F. W. Kantzenbach: Die Erlanger Theologie. – München 1960. S. 115 ff.; Th. Kolde: Die Universität Erlangen unter dem Hause Wittelsbach 1810-1910. Erlangen 1910, S. 352 f.; G: Hirschmann: Das Haus Wittelsbach und Franken im 19.Jahrhundert. – Neustadt a. d. Aisch 1984, S. 18 f.

84)   Siehe R. Endress: Mittelfranken und sein Historischer Verein. S. 10 f.(Siehe Anm. 59).

85)   Graf Carl von Giech: Darlegung der Motive meines Austrittes aus dem Staatsdienst. – Stuttgart 1840. Die Rechtfertigungsschrift ließ Graf Giech in Stuttgart drucken und entzog sie so der bayerischen Zensur.

86)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung, S. 225. (Siehe Anm. 56).

87)   Vgl. die eingehende Darstellung bei L. Zimmermann, Ebd. S.237 ff.; R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 171 ff.(Siehe Anm. 17).

88)   G. Hirschmann: Fortleben reichsstädtischen Bewusstseins in Franken nach 1806. – Jahrbuch für fränkische Landesforschung 34/35. 1975, S. 1041-1058.

89)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung, S. 422. (Siehe Anm. 56).

90)   Ebda., S. 384.

91)   G. Diezel: Bayern und die Revolution, Stuttgart 1849, S. 242

92)   R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 173 f.(Siehe Anm. 17).

93)   A. Huth: Preßfreyheit oder Censur. Würzburg 1975, S. 127 f.

94)   J. H. Wichern(Gesammelte Schriften II, Hamburg 1901, S. 35 ff.) schildert den mehr als nur ergebenen Empfang in Erlangen.

95)   H. Meinhart: Franken in Bayern – ein Problem, S. 77 f. (Siehe Anm. 2).

95a)B. Zinner: Zur Revolution 1848/49 in Oberfranken. „Schwarze und weiße Listen“ der Regierung über das politische Verhalten der Bevölkerung.  – Archiv Oberfranken 63. 1983, S. 97-124.

96)   Hurt: Preßfreyheit oder Censur, S. 153 ff. (Siehe Anm. 93).

97)   E. Ecke: Franken 1866. – Nürnberg 1972, S. 169.(Nürnberger Werkstücke 9).

98)   R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 175 f.(Siehe Anm. 17).

99)   Q. von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen, Bd. 2, Nachdruck 1952, S.327:“….aber gewiss ist, dass 1866 der König auf Ansbach und Bayreuth noch schwerer verzichtete als auf Österreich- Schlesien, Deutsch-Böhmen und Teile von Sachsen“.

100) R. Endress: Die Erbabreden zwischen Preußen und den fränkischen Markgrafen. – Jahrbuch für fränkische Landesforschung 25. 1965, S. 87

101) R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 180 f.(Siehe Anm. 17).

102) H. Hanschel: Oberbürgermeister Herrmann Lupe. Nürnberger Kommunalpolitiker in der Weimarer Republik. – Nürnberg 1977, S. 117 -162.(Nürnberger Forschungen 21).

103) Die Zahlen sind entnommen W. Schärl: Die Zusammensetzung der bayerischen Beamtenschaft von 1806 bis 1918. – München 1955, S. 79-83.

104) E. Franz: Ludwig Freiherr von der Pfordten. München 1938.

105) Ch. Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst: Denkwürdigkeiten. 2Bde., Stuttgart 1907; F.Rachfahl: Fürst Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst, in: Lebensläufe aus Franken 2. Würzburg 1922. S. 215-228.

106) W. Grasser: Johann Freiherr von Lutz(1826-1890). – München 1967; F. Frhr. von Rummel: Das Ministerium Lutz und seine Gegner 1871-1882. Ein Kampf um Staatskirchentum, Reichtstreue und Parlamentsherrschaft in Bayern, – München 1935.

107) M. von Crailsheim: Krafft von Crailsheim. – In: Lebensläufe aus Franken 5. – Erlangen 1936. S. 38-61.

108) W. Schärl: Die Zusammenfassung der bayerischen Beamtenschaft(Kurzbiographien). (Siehe Anm. 53).

109) H. Rumschröttel: Das bayerische Offizierkorps 1866-1914. – Berlin 1973.

110) Siehe die Lebensläufe der Direktoren bei Schärl, S. 227-233. (Siehe Anm. 53).

111) W. Schärl, S. 48-52. (Siehe Anm. 53)

112) Ebda., S.77 f.

113) Ebda., S. 75-77.

114) D.Thränhardt: Wahlen und politische Strukturen in Bayern 1848-1953. Historisch-soziologische Untersuchungen zum Entstehen und zur Neuausrichtung eines Parteiensystems. – Düsseldorf 1973, S. 85-89.

115) NDB 2. S. 538

116) Th. Schneider: Die Deutsche Fortschrittspartei in Bayern und die deutsche Frage 1863-1871. – München 1936.

117) H. Hirschfelder: Der „Schleswig-holsteinische Verein“ in Erlangen. – In: Erlangen. Von der Strumpfer- zur Siemens-Stadt. Hrsg. Von J. Sandweg und Richter. Erlangen 1982. S. 223-227.

118) A. Kraus: Geschichte Bayerns von den Anfängen bis zur Gegenwart. – München 1983, S. 533 ff.; J. Schmidt: Bayern und das Zollparlament. – München 1973.

119) D. Thränhardt: Wahlen, S. 87-89. (Siehe Anm. 114).

120) S. Günther: Franz Frhr. Schenk von Stauffenberg. – In: Lebensläufe aus Franken II. Würzburg 1922. S. 437-440.

121) D. Tränhardt: Wahlen, S.94-96. (Siehe Anm. 114).

122) R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S.179 f. (Siehe Anm. 17). E. Eckert: Liberal- und Sozialdemokratie. – Stuttgart 1968, S.30 ff.; G. Pfeiffer: Das Nürnberger Gemeindebevollmächtigtenkolleg 1818-1819. – MVGN 65. 1978, S. 372-374.

123) D. Tränhardt: Wahlen, S. 348. (Siehe Anm. 114).

124) L. Grote: Die romantische Entdeckung Nürnbergs. – München 1967.

125) Vgl. W. von Loewenich: Die „Erlanger Theologie“. – In: Erlangen. Die Geschichte der Stadt. Hrsg. Von A. Wendehorst und G. Pfeiffer. – München 1984, S. 119-125.

126) Vgl. P. Utsch: Wilhelm Sattler. – In: Fränkische Lebensbilder IV. – Würzburg 1971. S. 230-242.

127) Th. Bitterauf: Lothar Freiherr von Faber. – In: Lebensläufe aus Franken I. München, Leipzig 1919. S. 90-94.

128) Siehe G. Eibert: Unternehmenspolitik Nürnberger Maschinenbauer (1835-1914). – Stuttgart 1979.

129) J. Cassimir: Johann Sigmund Schuckert. – In: Lebensläufe aus Franken II. Würzburg 1922. S. 399-406.

130) Aus der Fülle der Literatur sei verwiesen auf H. Strössenreuther: Nürnberg Eisenbahnverkehr seit 1935. – In: Verkehrsentwicklung Nürnberg im 19. und 20. Jahrhundert. Nürnberg 1972 (Nürnberger Forschungen 17); U. O. Ringsdorf: Der Eisenbahnbau südlich Nürnbergs 1841-1849. – Nürnberg 1978.

131) Vgl. R. Endress: Der Funktionswandel der Messestadt Nördlingen und er Reichsstädte Dinkelsbühl und Rothenburg. – In: Schriftenreihe des Zentralinstituts für Fränkische Landeskunde und allgemeine Regionalforschung an der Universität Erlangen- Nürnberg, Bd. 25, Neustadt 1984, S. 15-27.

132) A. Kluckhohn: Über die Gründung und bisherige Entwicklung der Kgl. Technischen Hochschule zu München. – München 1879; siehe auch G. Pfeiffer: Vier Jahrhunderte Nürnberger Hochschulbestrebungen. – In: Die Nürnberger Hochschule im fränkischen Raum. Hrsg. Von F. W. Schobert. Nürnberg 1955, S. 22 ff.

133) R. Endress: Der „Fränkische Separatismus““, S. 178 f. (Siehe Anm. 17).

134) Regierungsblatt für das Königreich Bayern 1837, Sp. 794.

135) Siehe R. Endress: Mittelfranken und sein Historischer Verein (wie Anm. 59), S. 6-10.

136) M. Hofmann: Vom Ursprung des fränkischen Bewusstseins. – Die Stimme Frankens 27. 1961, H. 2, S. 48

137) Siehe „Die Stimme Frankens“ (Mitteilungsblatt der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft), Nr. 19. – Nürnberg 1977 oder zahlreiche Wandanschriften in Nürnberg.

138) Nürnberger Nachrichten vom 15. August 1984.

139) M. Meinhardt: Franken in Bayern – ein Problem. 1949, S. 86 f. (Siehe Anm. 2).

140) Franken . Bayerns zweite Garnitur? (wie Anm. 1), S. 68.

141) Vgl. W. Jaroschka: Beständebereinigung mit Franken. – Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern 20. 1974

142) So sieht das neue Museumsentwicklungsprogramm der bayerischen Staatsregierung eine stärkere Dezentralisierung vor. Nürnberger Nachrichten vom 08/09. März 1980.

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171. Gründung des Fränkischen Reichskreises Anno Domini 1500

Mittwoch, 23. Mai 2012 | Autor:

Frankenlied

 

 

 

Alt Nürnberg_by_Marion_pixelio.de

Wir in Franken

= Spezial =

Sonderdruck zum Thema

Gründung des

Fränkischen Reichskreises

vor 500 Jahren

Festvortrag von Dr. Peter Schönlein

und andere Beiträge

Festvortrag anlässlich des 500. Geburtstages

= Fränkischer Reichskreis =

am 2. Juli 2000 in der Nürnberger Akademie

Alle Rechte bei und

mit freundlicher Genehmigung von

Dr. Peter Schönlein, Nürnberg

 

 

500 Jahre Reichskreis Franken

Franken bleibt ein europäisches Kernland

 

Festvortrag von Dr. Peter Schönlein

am Frankentag 2. Juli 2000 in der Nürnberger Akademie

Verehrte Festgäste,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

auf den Tag genau vor 500 Jahren wurde der Reichs­kreis Franken gegründet und damit die einzelnen Teile Frankens, bis dahin nur lose miteinander verknüpft, zu einer territorialen Einheit zusammengefügt, die mehr als 300 Jahre Bestand hatte. Auch nach dem jähen Ende zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat der fränkische Reichskreis noch lange nachgewirkt und für Selbstverständnis und Identität Frankens bis heute  eine kaum hinlänglich zu würdigende Bedeutung erlangt. Dieses Ereignisses vor einem halben Jahrtausend zu gedenken besteht also aller Anlass – jedenfalls in Franken.

Diese dauerhafte politische und landschaftliche Verei­nigung Frankens kam im Zuge der spätmittelalter­lichen Reichsreform zu Stande. Dieses Reich, das neue Strukturen bekommen sollte, nannte sich Heili­ges Römisches Reich und später wurde hinzugefügt: Deutscher Nation. Es wäre aber ganz unzutreffend, sich darunter ein Staatsgebilde wie den deutschen Nationalstaat des 19. und 20. Jahrhunderts vorzu­stellen. Das Leben vor 500 Jahren war durch und durch europäisch geprägt. Künstler und Wissen­schaftler, Politiker und Diplomaten, Kaufleute und Handwerker, Geistliche und Militärs, sie alle wirkten in Europa, vor dem Hintergrund seiner Traditionen und Wertvorstellungen, seiner Kultur und seiner christlichen Glaubensüberzeugungen. Und da wir in diesem Jahr auch des großen Philosophen Giordano Bruno gedenken, der vor 400 Jahren in Rom auf dem Scheiterhaufen endete, weil seine Einsichten und Visionen das katholische Weltbild in Frage gestellt hatten, seien die Stationen seines Lebensweges genannt, um die europäische Dimension seiner und vieler anderer Biografien der damaligen Zeit zu verdeutlichen. In Neapel geboren, kam er über Rom in die norditalienischen Städte. Von dort nach Lyon, dann Genf und schließlich Paris. Es folgten Oxford und London und wieder Paris. Er folgt einem Lehrauftrag an die Universität Wittenberg, geht dann nach Prag, später nach Helmstedt. Frankfurt ist schließlich seine letzte Station, bevor er nach Venedig zurückkehrt, wo ihn die Häscher der Inquisition ergreifen und  nach Rom, in den Kerker der Engelsburg bringen: Europa im 16. Jahrhundert!

Und inmitten Europas Franken, auf halbem Wege zwischen Brabant und dem Burgenland, zwischen Burgund und Brandenburg, zwischen Prag und Paris, zwischen den oberitalienischen Städten und den Städten der Hanse und dies erklärt auch, warum Franken als Reichskreis Nummer 1 bezeichnet wurde. Denn nicht Macht und Größe waren dafür so maßgeblich wie vielmehr Zentralität. Franken galt als das Kernland des Reiches! Die anderen Reichskreise Schwaben, Bayern, Niederrhein, Westfalen, Niedersachsen, Burgund, Österreich, Kurrhein und Obersachsen gruppierten sich um den Fränkischen Reichskreis herum.

Geografisch war der Fränkische Reichskreis zu gro­ßen Teilen mit den heutigen drei fränkischen Bezirken identisch. Ausgenommen waren das kursächsische Coburg, das Stift Fulda sowie die zum Kurfürstentum Mainz gehörigen Gebiete um Aschaffenburg und Miltenberg. Andererseits schlossen sich mehrere Grafschaften im fränkisch-schwäbischen Grenzgebiet dem Fränkischen Kreis an, wogegen die Reichsstädte Hall, Dinkelsbühl, Wimpfen und Heilbronn dem schwäbischen Kreis beitraten. Bemerkenswert ist, dass sich die Reichsritterschaft in Franken nicht dem Reichskreis anschloss, sondern einen eigenen Ritterkreis gründete, der auf die Grenzen des Fränkischen Reichskreises keine Rücksicht nahm – ein deutlicher Hinweis darauf, dass es neben der geografischen Dimension immer auch eine ständische gab, die nicht miteinander deckungsgleich war.

Mit der Gründung des Fränkischen Reichskreises, so hat Rudolph Endres geurteilt, „erwuchs eine bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts dauernde und sich bewährende politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Schicksalsgemeinschaft, die auch echtes fränkisches Gemeinschaftsgefühl und Selbstbewusstsein erzeugte und entstehen ließ.“

Dass die Institution Reichskreis eine so starke und dauerhafte Wirkung erzielen konnte, ist alles andere als selbstverständlich. Friedrich Uhlhorn hat in seinem Beitrag für das Handbuch der deutschen Geschichte hervorgehoben, eine wie erstaunlich starke Klammer die Institution Reichskreis für die fränkischen Gebiete gewesen sei, die sie in sich zusammenfasste. Das Staunen der Historiker ist durchaus nachzuvollziehen, war doch der Fränkische Reichskreis Belastungen ausgesetzt, Gefährdungen unterworfen, die hier im Zeitraffer nur angedeutet werden können: Die Gegen­sätze und Spannungen, welche die Reformation und – nicht weniger – die Gegenreformation nach Franken hineintrugen, die zahllosen größeren und kleineren Kriege, die Feldzüge und Raubzüge, von denen Fran­ken heimgesucht war, mit all ihren Verheerungen, Zerstörungen und Plünderungen, Not und Elend im Gefolge führend.

Überaus beachtenswürdig und bisher nur unzurei­chend gewürdigt war bei alledem, dass in mehr als drei Jahrhunderten nur ein einziges Mal ernsthaft ver­sucht wurde, eine beherrschende Machtstellung in Franken mit Waffengewalt zu erreichen. Doch nach Markgraf Albrecht Alcibiades` brutalem und überdies gänzlich missratenem Kriegszug gegen fränkische Nachbarn in den Jahren 1552/53 war diese Art des Umgehens miteinander innerhalb Frankens ein für alle Mal beendet und die nie abreißenden Auseinandersetzungen und aller Streit wurden schiedlich-friedlich und das heißt mit den Mitteln der Politik und nicht der militärischen Gewalt ausgetragen. Was man da –vor allem von außen– als fränkischen Zank zu denunzieren bestrebt war, ist in Wirklichkeit der im Grunde demokratische Austrag von Interessensgegensätzen gewesen und dies auf einem Niveau politischer Kultur, das anderswo in Europa längst noch nicht erreicht war.

Dass  der Zusammenhalt des Fränkischen Reichs­kreises nie ernsthaft gefährdet war, lag sicherlich nicht zuletzt daran, dass der Reichskreis schon im ersten Jahrhundert seines Bestehens immer mehr Aufgaben übertragen bekam oder an sich gezogen hat, die für das Leben der Menschen in Franken spürbare Bedeutung hatten. Stand am Anfang eigentlich nur die Entsendung von Räten für das Reichsregiment und die Wahl von Beisitzern für das Reichskammergericht, so kam schon bald der Schutz des Landfriedens hinzu, wenig später die Übertragung der Aufsicht über das Münzwesen. Schließlich schlossen sich die Frän­kischen Stände sogar zu einem eigenständigen und in sich geschlossenen Agrarmarkt zusammen, mit einheitlichen Getreidepreisen und dem Wegfall aller Getreidezölle und Handelssperren innerhalb der Kreisgrenzen. 1572 wurde eine fränkische Kreispolizei-Ordnung verabschiedet und darin festgelegt, worauf die Hüter der Ordnung ein besonderes Augenmerk zu legen hätten. So zum Beispiel auf Gotteslästern, Hochzeiten, Kindstaufen und Kirchweihen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die Reichskreise auf diese Weise zu wichtigen Stützen der Reichsverfassung und zu Trägern eines Teils der Reichsverwaltung geworden. Erfreulicherweise darf heute festgestellt werden, dass die Funktionstüchtig­keit des Fränkischen Reichskreises die aller übrigen Reichskreise übertroffen hat, geradezu als Modell für die anderen galt. Er war ein Selbstverwaltungsorgan geworden, von dem es mit Recht hieß, dass der Frän­kische Reichskreis „der erst und vurnemst sei, uff den andere ir Achtung haben und sich danach pflegen zu regulieren“.

Franken als eine eigenständige Gebietskörperschaft mit hohem Selbstverwaltungsanteil, wie war dies angesichts aller Unterschiedlichkeiten, aller Gegensätze auch, die dem Fränkischen Reichskreis innewohnten, möglich geworden?

Der Zusammenhalt des Fränkischen Reichskreis resultiert nicht nur aus der gemeinsamen Wahrnehmung gemeinsamer Interessen, sondern auch aus dem Gleichgewicht der Kräfte, die in ihm wirkten. Balance of power bedeutete in Franken, dass keiner seiner größeren Stände stark genug war, um allein eine ständige Führung zu behaupten, andererseits kein Stand zu klein war, um nicht mitreden zu können. Zur Bewältigung anstehender Aufgaben war man letztlich immer zum Kompromiss genötigt und offenbar auch willens und fähig, diese ihrem Wesen nach demokratische Tugend zu begreifen und einzuüben. Dieses Gleichgewicht der Kräfte, diese innere Ordnung des Reichskreises Franken blieb Zeit seines Bestehens unverändert. Von minimalen Ausnahmen abgesehen stand durchgehend fest, welche Fürsten, Grafen und Herren sowie Reichsstädte mit ihren Territorien und Besitzungen zur Körperschaft des Kreises zählten. „Spätere Veränderungen“ so hat Rudolph Endres festgehalten „durch Standeserhöhungen, durch Teilungen in verschiedene Linien oder durch Aufnahme kleinerer Stände waren ohne größere Bedeutung, da sie das Gleichgewicht der Kräfte im Kreis nicht nachhaltig beeinflussen konnten.“

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehörten zum Frän­kischen Reichskreis siebenundzwanzig Stände, getrennt nach Bänken. Die geistliche Fürstenbank war besetzt durch Bamberg, Würzburg, Eichstätt und den deutschen Orden. Auf der weltlichen Fürstenbank nahmen die beiden Häuser Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth sowie sechs weitere fürstliche Adelsgeschlechter Platz. Auf der Grafen- und Herrenbank saßen nicht weniger als neun Grafen und auf der Städtebank waren die Reichsstädte Nürnberg, Rothenburg, Windsheim, Schweinfurt und Weißenburg vertreten.

Das Gremium, das über alle wichtigen Angelegen­heiten zu entscheiden hatte, war die Versammlung der Ständevertreter, der so genannte Allgemeine Kreistag. Rudolph Endres hat zurecht darauf hingewiesen, dass jeder beim Kreis inkorporierte Stand unabhängig von der Größe des Territoriums oder vom ständischen Rang über einen Sitz und eine Stimme verfügte, jedoch in der politischen Realität das Gewicht der Stimmen doch sehr unterschiedlich war.

Um jeder zentralistischen Tendenz von Anfang an entgegenzuwirken, tagten die Kreistage im Turnus in verschiedenen fränkischen Städten, erst im 18. Jahr­hundert wurde Nürnberg schließlich aus Zweck­mäßigkeitsgründen zum ständigen Tagungsort bestimmt.

Viel Kompromissbereitschaft war jedenfalls vonnöten, um im Kreistag zu Mehrheitsbeschlüssen zu kommen, oftmals war es jedoch geboten, sogar einen völligen Konsens herbeizuführen. Denn der Kreistag konnte zwar Beschlüsse fassen, hatte jedoch keine Hand­habe, um die Einhaltung der Beschlüsse zu über­wa­chen oder gar zu erzwingen. Jeder Stand konnte die Anerkennung eines gegen seinen Willen zu Stande gekommenen Beschlusses verweigern und die Beteili­gung an der Umsetzung des Beschlusses ablehnen. Da allerdings die Nichtbeachtung eines Majoritäts­beschlusses die Gefahr hervorrief, bei anderer Gele­genheit dafür abgestraft zu werden und somit das Eigeninteresse Schaden erleiden könnte, gebot es die politische Klugheit, von der Verweigerungsmöglichkeit nur sehr maßvollen Gebrauch zu machen. Alles in allem lässt sich daher sagen, dass das oberste Beschlussgremium des Fränkischen Reichskreises durchaus seiner Leitungsfunktion gerecht geworden ist, auch wenn man Durchführung und Ergebnisse nicht mit den Maßstäben heutiger Perfektion messen darf.

Im Laufe der Jahrzehnte bildete sich in den Reichs­kreisen auch eine Führungsstruktur heraus. Für Fran­ken ist bemerkenswert, dass auch in dieser Hinsicht eine zentralistische Konzentration von Führungs­auf­gaben vermieden wurde. So war Bamberg und Ans­bach außerhalb der Tagungszeiten der Kreistage nur gemeinsam befugt, die Kreistage einzuberufen und die Beratungspunkte sowie Tagungsort und Tageszeit festzulegen. Bamberg wiederum hatte, während die Kreisversammlung tagte allein das Direktorium inne. Der von Bamberg gestellte Kreisdirektor überprüfte die Legitimation der Gesandten, erstellte die Tagesord­nung und leitete die Beratungen.

Die Kreiskasse wiederum verlegte man nach Nürn­berg, wo das reichsstädtische Losungssamt die Ein­nahmen des Kreises verwaltete, nicht immer – um der Wahrheit die Ehre zu geben – zur vollen Zufriedenheit der Mitglieder des Kreistages, und als eine genauere Überprüfung durch Revisoren Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung nachwies, legte die Reichsstadt Nürnberg die Kassenführung demonstrativ nieder. Da sich jedoch kein anderer Stand in Franken bereit fand, die heikle Aufgabe der Kassenführung zu überneh­men, blieb dem Konvent schließlich nichts anderes übrig, als die Kasse in eigene Regie zu übernehmen. Wie lange dies gut gegangen wäre, steht dahin, denn schließlich schreiben wir bereits das Jahr 1793 und das Ende der Reichskreise zeichnete sich am politischen Horizont bereits ab.

Dieses Ende nahte mit schnellen Schritten. Eine erste Erschütterung  des Gefüges erfolgte durch den freiwil­ligen Thronverzicht von Markgraf Carl Alexander, dem zufolge die beiden zollerischen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth dem preußischen Staate angegliedert wurden. Eine beträchtliche Störung des bisherigen Gleichgewichts der Kräfte war die Folge und eine Großmacht außerhalb Frankens fasste im Fränkischen Reichskreis Fuß und beanspruchte prompt mehr Einfluss durch die Übertragung des Kreisdirektoriums an Preußen. Wohl konnte dieser Vorstoß abgewehrt werden, doch der Versuch, den Reichskreis Franken als dritte Kraft zwischen Preußen und Österreich zu etablieren, schlug fehl.

Das drohende Ende abzuwehren nahm eine Gesandt­schaft des Kreises schließlich direkte Verhandlungen mit der französischen Armeeleitung auf, zwei Kreis­gesandte reisten sogar nach Paris, um eine vertrag­liche Regelung zwischen der Revolutionsregierung und dem Fränkischen Kreis zu erreichen. Friedrich Adolf von Zwanziger, Vertreter der kleineren Kreisstände im Kreistag, soll in diesem Zusammenhang die Konzeption einer selbstständigen „Republik Franken“ ausgearbeitet und den Franzosen vorgelegt haben. Doch Franken wurde zur Manövriermasse im Kräftespiel der europäischen Mächte und hat auf die endgültige Entscheidung keinen Einfluss mehr nehmen können. Trotz des Widerstrebens Preußens, dem unverkennbar in manchen Reichsständen Frankens größere Sympathien entgegen gebracht wurden als dem König­reich Bayern, erhielt Bayern den Zuschlag. Mit der Nie­derlegung der Kaiserkrone am 06. August 1806 erlosch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und mit ihm seine Reichsverfassung. „Die weitere Geschichte Main-Frankens ist die von Bayern“, heißt es lapidar im Handbuch der Deutschen Geschichte.

Eine über 300-jährige Geschichte des Fränkischen Reichskreises war damit zu Ende gegangen.

Das Ende des Fränkischen Reichskreises war aber nicht das Ende Frankens. Kultur und Brauchtum, Wirt­schaft und Wissenschaft, eigentlich alles, was gerade in den letzten Jahrhunderten identitätsbildend sich zu­sammengefügt hatte, existierte weiter. Einschnei­dende Veränderungen allerdings erfuhr das politische Leben in Franken. Über die fränkischen Angelegen­heiten wurde nicht mehr in Franken, son­dern in Mün­chen entschieden. „Verordnungen traten an die Stelle von Verträgen oder Beratungen“, hat es Karl Theodor von und zu Guttenberg einmal auf den Punkt gebracht.

Neben dem jähen Verlust an eigenständiger Gestal­tung und Entscheidung über das politische Leben in Franken verursachten die von Montgelas angeordneten rücksichtslosen Säkularisierungsmaßnahmen schmerzhafte Eingriffe in Franken. Ehrwürdige Bauten, die nicht als Kasernen, Amtsgebäude oder Lagerhallen Verwendung finden konnten, wurden kurzerhand abgebrochen oder verfielen. Das Schicksal der Balthasar-Neumann-Kirche in Münsterschwarzach oder der Untergang des blühenden Klosters Ebrach sind nur zwei von vielen Beispielen, die hier genannt werden könnten. Zu Schleuderpreisen oder bloßem Materialwert wurden wertvollste Kulturgüter und Kunstschätze versteigert, liturgische Geräte aus Gold und Silber, Gemälde, Plastiken, Möbel und ganze Bibliotheken, um Geld für die königlich bayerische Kriegskasse verfügbar zu machen. Es ist aus zeitli­chen Gründen und weil kaum vernarbte Wunden nicht immer aus Neue aufge­rissen werden sollen, nicht angezeigt hier darzustellen, welche schwerwiegenden Einbußen Franken nach Ende der Selbstständigkeit im Fränkischen Reichskreis und nach Einverleibung in das Königreich Bayern erlitten hat. Aber es besagt genug, wenn Rudolf Endres Bilanz ziehend zu dem Urteil gekommen ist, dass der Übergang an Bayern in Franken mehr an Kultursubstanz vernichtet hat als der gesamte zweite Weltkrieg.

Dennoch und trotz alledem mehrten sich auch in Fran­ken, insbesondere nach der Bayerischen Verfas­sungsreform vom Mai 1818, die Stimmen, die ein kon­struktives Miteinander und einen versöhnlichen Aus­gleich befürworteten. Es ist schon eine Art Stimmungs­barometer, wenn man berichten muss, dass der Baye­rische König bei seinem ersten Besuch in Franken in Nürnberg noch nicht einmal Halt machte, aus Furcht vor bösartigen Reaktionen der Nürnberger Bürger­schaft, schon wenige Jahre später aber durchaus mit Jubel begrüßt wurde. König Ludwig II. wurden gar sol­che Ovationen in Nürnberg zuteil, dass er für einen Augenblick den verwegenen Gedanken fasste, die Residenz nach Nürnberg zu verlegen, weil die Plebs hier so viel angenehmer sei als in München.

Wie auch immer: Im Jahre 2000 wird man, zurück­blickend auf die Zerschlagung des Fränkischen Kreis­kreises und auf die Einverleibung in das Königreich Bayern, sagen können: Es hätte schlimmer kommen können – und es kam schlimmer! Denn was über Fran­ken unter dem Gauleiter und Frankenführer Julius Streicher hereinbrach, was in endlosen 12 Jahren sich zur größten Katastrophe auswuchs, erfüllt uns noch heute mit tiefem Schmerz.

Bei der Ursachenforschung jedenfalls kann Bayern nicht außer Betracht bleiben. Denn was sich hier seu­chenartig über Deutschland ausbreitete, quoll aus Münchner Bierkellern hervor. Der scharfe Gegensatz, in dem die Bayerische Regierung unter General­staatskommissar Gustav von Kahr zum parlamenta­risch-demokratischen und republikanischen Staats­wesen stand, der bewusste Ausbau Bayerns zur rech­ten, ja rechtsextremistischen Ordnungszelle haben einen erheblichen Anteil daran, dass solche politischen Sumpfblüten den rechten Nährboden fanden und rasch gedeihen konnten. Wenn sich in den Folgejahren Bayern zum Sammelbecken der Rechtsradikalen, zur Zentrale der Putsch- und Mordorganisationen, zum Hort der Opposition gegen Republik und Demokratie gestaltete, so galt dies vor allem für Südbayern und München, weniger für Franken und seine großen Städte.

Und so verstärkten sich zwangsläufig latent eigentlich immer vorhandene politische Strömungen in Franken, die ein Herauslösen Frankens aus dem Bayerischen Staatsgebilde für ein erstrebenswertes Ziel betrach­teten. Diese in Franken durchaus weit verbreitete Stimmung zu Beginn der 20er Jahre kommt in einem Artikel des liberalen Nürnberger Anzeigers zum Aus­druck, wenn es 1921 dort hieß: „Allen wahrhaft frei­heitlich Gesinnten in Franken steht das Deutsche Vaterland höher als das durch Napoleons Gnaden geschaffene Staatsgebilde Neu–Bayern!“

Als am 26. August 1921 der Zentrumsabgeordnete und ehemalige Reichsfinanzminister Mathias Erzberger, dessen Name für die Nationale Rechte zum verhass­ten Symbol eines ungeliebten politischen Systems geworden war, von zwei ehemaligen Offizieren der Bri­gade Erhard ermordet wurde, führten die Spuren der Verschwörung nach München, wo sich die Organi­sation Consul  unter der wohlwollenden Duldung des dortigen Polizeipräsidenten niedergelassen hatte. Auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung erließ nunmehr die Reichsregierung eine Reichsausnahme­verordnung zum Schutze des demokratischen und republikanischen Staates. Den damit verbundenen Eingriffen in Hoheitsrechte Bayerns wollte sich jedoch die Bayerische Regierung nicht fügen und in dem dar­aus entstehenden neuerlichen Konflikt zwischen Bay­ern und dem Reich erinnerten sich nun selbst höchste politische Autoritäten an die Jahrhunderte lang beste­hende Einrichtung eines fränkischen Reichskreises. So erörterte der ehemalige Reichskanzler Hermann Müller-Franken in einem Artikel in der Fränkischen Tagespost vom 6. September 1921 die Frage, wie man der Verfassungsfeindlichkeit Bayerns begegnen könne und erwog unter anderem die Bildung einer Republik Franken im Rahmen des Deutschen Reiches. Den Weg dahin hätte der Artikel 18 der Reichsverfassung geboten, der die Neubildung von Ländern innerhalb des Reiches regelte.

Solche und andere Erwägungen ähnlicher Art blieben jedoch Theorie. Eine Theorie freilich, die schon ein Jahr später erneut in den Mittelpunkt trat, als Reich­saußenminister Rathenau einem von Rechtsradikalen verübten Attentat zum Opfer fiel. Abermals stießen die Republik-Schutzmaßnahmen auf den erbitterten Widerstand der Bayerischen Regierung. Dieses Mal fanden sich sogar 21 Bürgermeister fränkischer Städte zu einer gemeinsamen Aktion zusammen. In gleich lautenden Telegrammen an die Regierung und an den Landtag warnten sie davor, das Verbleiben Bayerns beim Reich zu gefährden und auf diese Weise über Reich, Land und Volk schwerste Erschütterungen zu bringen. Eine Delegation fränkischer Bürgermeister, darunter Oberbürgermeister Dr. Wächter (Bamberg) und Oberbürgermeister Luppe (Nürnberg), reiste sogar nach München, um den fränkischen Anliegen Nachdruck zu verschaffen.

Dieses gemeinsame Vorgehen fränkischer Bürger­meister wurde in München sehr wohl als Warnsignal aufgefasst und noch lange liefen Gerüchte um, dass in Franken an einer Trennung von Bayern gearbeitet werde. Insbesondere dem Nürnberger Oberbürger­meister Hermann Luppe wurde unterstellt, eine maß­gebende Rolle bei der geplanten Errichtung einer Republik Franken zu spielen. Aber weder Hermann Luppe noch andere Bürgermeister in Franken waren ernsthaft entschlossen, die Loslösung von Bayern zu betreiben, zu diesem Urteil kommt jedenfalls Hermann Hanschel in seinen Studien über diese Jahre.

Freilich verstand man es auch in der Folgezeit, die fränkische Karte zu ziehen, wann immer bayerische Politik und fränkisches Selbstverständnis nicht mehr miteinander in Einklang zu bringen waren.

Wenn heute die 23 Fränkischen Oberbürgermeister in ihrer Arbeitsgemeinschaft zusammenkommen, so geht es längst nicht mehr umso dramatische, ja existen­zielle Fragen und schon gar nicht ist eine Fixierung auf München förderlich oder erforderlich. Zwar wird es – solange Franken Bestandteil des Freistaates Bayern ist und dies wird bis zur immer wieder beschworenen Reform der Bundesländer in Deutschland, und möglicherweise auch darüber hinaus, der Fall sein – eine Daueraufgabe bleiben, Frankens berechtigte Ansprüche in Erinnerung zu bringen, eine wahre Sisyphusarbeit. Da uns jedoch Albert Camus gelehrt hat, man müsse sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen, dürfte das Glück in Franken nie ausgehen. Weil Regierungsentscheidungen und Machtausübung weit im Süden Bayerns konzentriert sind, wird immer wieder bewusst zu machen sein, dass die fränkische Stadt Neustadt bei Coburg zwar näher an Berlin als an München liegt, aber dennoch eine zu Bayern gehörende Stadt ist und daher nicht nur die Pflicht hat, in die Bayerische Staatskasse einzuzahlen, sondern auch das Recht, in angemessenem Umfang daraus gefördert zu werden.

Dies bedeutet aber keineswegs, dass der Blick der Franken auf München, den Sitz der Bayerischen Staatsregierung, fixiert ist. Nein, wir Franken starren längst nicht mehr gebannt nach Süden, wir wissen, dass in einer sich verändernden Welt immer weniger auf der nationalen Ebene und noch viel weniger auf der Ebene eines Bundeslandes politisch geregelt werden kann. Im sich vereinigenden und größer werdenden Europa wird Franken immer seinen Platz in der Mitte haben, immer im Zentrum des Europäischen Kräftefeldes liegen. Wie immer politische Grenzen in Zukunft geregelt sein mögen, diesen Vorzug wird niemand Franken wegnehmen können. Die Franken selber  müssen diesen Vorteil zu nützen wissen. Sie dürfen dabei die ungeheure Vielfalt, die Franken innewohnt nicht als Hindernis, sondern als Chance begreifen. Diese Vielfalt gilt, so hat Hans Max von Aufseß geradezu poetisch formuliert, „nicht nur für das verschiedene Aussehen und Herkommen seiner Bewohner, sie gilt auch für die Mannigfaltigkeit seiner Landschaften und den Abwechslungsreichtum seiner Bauten und Stile, und galt einst politisch für das Gewirr seiner ineinander geschachtelten großen, mittleren und kleinen Territorialherrschaften mit ihren geistlichen und weltlichen, städtischen und ritterschaftlichen Herren, über deren Selbstherrlichkeit und hochgehobener Nase fern am Firmament das Funzellicht des kaiserlichen Kronleuchters glimmte.“

Ist diese fränkische Vielfalt nicht ein Spiegelbild euro­päischer Vielfalt, die wie ein Mosaik dennoch sich zu einem Ganzen, zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügt? Kann Franken nicht mit Recht als ein Europa en miniature bezeichnet werden, ein europäi­sches Kernland, in dem sich kristallisiert, was für Eu­ropa so charakteristisch, so liebenswert, so unver­wechselbar ist?  Thomas Dehler hat in seinem „Lob auf Franken“ diese Kernland-Eigenschaft Frankens einmal so beschrieben: „Franken ist niemals trennende Grenzscheide, sondern immer verbindende Klammer gewesen. Es hat seine geistigen Kraftströme nach allen Seiten fließen lassen. So wie seine Flüsse: die Saale nach Norden, die Eger nach Osten, die Naab nach Süden und den Main nach Westen.“

Franken an der Jahrtausendwende! Wie steht es mit der fränkischen Befindlichkeit im Jahre 2000, 500 Jahre nach Gründung des fränkischen Reichskreises? Es wäre eine Anmaßung, hier für alle Franken sprechen zu wollen, doch für mich selbst kann ich sagen:

Ich empfinde es als ein unbeschreibliches Glück, die­sen Planeten bewohnen zu können, diesen einzigarti­gen Himmelskörper, diese kleine blaue Murmel, die in den unermesslichen Weiten des Weltalls in einem Spiralarm unserer Galaxie die Sonne umrundet.

Auf unserer Erde wiederum fühle ich mich zu Europa und zur europäischen Völkerfamilie gehörig, spüre ich den prägenden Einfluss europäischer Kultur- und Gei­stesgeschichte und der daraus hervorgegangenen Wertvorstellungen auf mein Denken und Handeln.

Als Deutscher wiederum weiß ich es zu schätzen, in einem vereinten und demokratischen Rechtsstaat beheimatet zu sein, dem im sich vereinigenden Europa die lohnende Aufgabe zugewachsen ist, eine tragende Säule im Hause der europäischen Völkergemeinschaft zu sein.

So eigentlich zuhause aber bin ich in Franken, dort, wo der Heilige Veit von Staffelstein Durst und Sünde verzeiht und die Schönheit  der fränkischen Lande Herz und Gemüt, Sinne und Geist stets aufs Neue verführt und erlöst.

Meine Damen und Herren,

an der Schwelle zum neuen Jahrtausend wünschen wir diesem Franken und allen Menschen, die dort schon immer ihre Heimat hatten oder neu gefunden haben, Glück und Segen, Wohlstand und Frieden.

 

Der = Fränkische Kreis =

um 1535

 Fränkischer Bund e.V. – Postfach 10 0345 – 95403 Bayreuth

September 2000

Die Fränkische Arbeitsgemeinschaft e.V. (FAG)

und der Fränkische Bund e.V. (FB) luden ein zum:

Frankentag und 500 Jahre Gründung Fränkischer Reichskreis

2. Juli 2000 in Nürnberg –

 

Schon im marmornen Foyer und beim Treppenaufgang wurden die Besucher mit fränkischer Blasmusik empfangen. Und wer zum Marmorsaal im 2. Stock wollte, egal, ob per Treppe oder Aufzug, das wuchtige Gebäude der früheren Landesgewerbeanstalt hatte schon etwas Beeindruckendes.

In der Lobby des Marmorsaales gab es einen kleinen Stehempfang, wobei die Franken gleich etwas Tuchfühlung aufnehmen konnten. Honorige Gäste waren darunter, Mandatsträger aus allen Parlamenten – vom Stadtrat bis zum Europäischen Parlament und viele Mitglieder und Freunde des Fränkischen Bundes.

Feierliche Eröffnung des Festaktes mit einem Klarinettenquartett, Emmi Weiß, 1. Vorsitzende der FAG begrüßte die zahlreichen Gäste, namentlich besonders die Ehrengäste und Vertreter der Parteien auch im Namen des Fränkischen Bundes e.V. Emmi Weiß stellte die FAG als eine Art „außerparlamentarische Opposition“ dar, deren Ziel es sei, Franken als eigenständige Region im vereinten Europa zu etablieren. Der Beifall war immer dann besonders stark, wenn Frau Emmi Weiß oder auch die anderen Redner auf die Benachteiligung und sonstigen Versäumnisse durch München hinwiesen. Schon immer fließt mehr Geld in die Zentrale nach München ab als in umgekehrter Richtung.

Der stellv. Bezirkstagspräsident Fritz Körber (SPD) stellte die Vielfalt als besondere Eigenschaft Frankens heraus. Nach guter und umfassender Gebietsbeschreibung Frankens und des Fränkischen Reichskreises wies er darauf hin, dass hier eine Europäische Union im Kleinformat bereits vor 500 Jahren vorweg genommen wurde.

SPD-MdEP Lissy Gröner betonte in ihrem Grußwort, dass Fran­ken und Europa keine Gegensätze darstellen, sondern dass sich Regionen und Europäische Gemeinschaft durchaus ergänzen können. Sonderapplaus erhielt sie bei der Erwähnung der Vernachlässigung Frankens durch München.

Für die CSU sprach MdB Christian Schmidt mehr Allgemeines über die Regionen in Europa, nicht allzu viel über Franken. Er sprach mehr über Bayern. Allerdings meinte auch er, dass, wer das Ganze stärken will, auch die Region mit Kompetenzen ausstatten müsse.

Für die Grünen/Bündnis 90 sprach Frau Christine Stahl, MdL: „Wenn man als fränkische Abgeordnete im bayerischen Landtag sitzt, weiß man sehr schnell, wo die eigenen Wurzeln liegen“. Mit diesem kritischen Satz wies sie auf die in München geübte Praxis hin, die alt- und oberbayerischen Interessen allzu oft in den Vordergrund zu stellen und damit die fränkischen zu vernachlässigen. Darauf hin erhielt sie viel Beifall!

Für die FDP sprach Stadtrat Utz W. Ulrich, sein hervorragendes und launig formuliertes Grußwort wurde von den Zuhörern bestens aufgenommen und mit dem meistens Applaus bedacht.

„Er geht in kein Lokal mehr, wo er einen Dolmetscher braucht: Knödel statt Klöße, Karotten statt gelbe Rüben, Rotkohl statt Blaukraut usw.“

Den Festvortrag „500 Jahre Reichskreis Franken Franken bleibt ein europäisches Kernland“ hielt Nürnbergs Altoberbürgermeister Dr. Peter Schönlein. Er skizzierte den historischen Werdegang des Fränkischen Reichskreises bis 1806, verschwieg dabei nicht die Probleme, machte aber darauf aufmerksam, dass es in Franken immer ein Gleichgewicht der Kräfte gegeben habe. Keine war zu groß, um die andere dominieren zu können, keine war zu klein, um nicht selbst mitreden zu dürfen. Erst als Preußen durch den Rücktritt des Markgrafen Fuß fassen konnte, war das Ende des Fränkischen Reichskreises nicht mehr abzuwenden.

Als dann die Wittelsbacher im Zuge der Säkularisation und die Gunst Napoleons sich die fränkischen Gebiete einverleibten, ehrwürdige Bauten abrissen, fränkische Kunstschätze verschleu­derten, um die Kriegskasse des bayerischen Königs zu füllen, war es mit der Eigenständigkeit Frankens vorbei. Immerhin, so betonte Schönlein in seinem Ausblick, ist heute aus fränkischer Sicht der Blick nach Europa immer bedeutsamer. Franken sei mit seiner kulturellen Vielfalt „ein Europa en miniature“.

Das Schlusswort sprach Rechtsanwalt und FB-Vorstandsmitglied Günter Geißler. Gewürzt mit weiteren guten Beispielen zum Thema Franken bedankte er sich bei den Gästen und besonders beim Festredner Dr. Schönlein. Er führte weiter aus, so wie der Vatikan das Urteil gegen Galileo Galilei nach 400 Jahren revidiert und festgestellt, dass er sich getäuscht hat, sollte der Freistaat Bayern unter diesen Bedingungen einmal nachdenken und uns Franken die Chance geben, uns selbst darstellen zu können. Er zitiert den bayerischen Ministerpräsidenten: „Subsidiarität – was wir selbst machen können, brauchen nicht andere für uns zu machen.“

 

Resümee

Insgesamt ein gelungener Tag. Von der Organisation, den Rednern, dem Ambiente, der Feierlichkeit, der Musik: Alles bestens. Man merkte ein Parteien übergreifendes Franken-Gefühl: Wir sind doch wer! Allerdings war auch zu hören, dass das fränkische Selbstbewusstsein erst noch wachsen muss, wenn ein Bundesland Franken entstehen soll. Aber immer besonders starker Beifall, wenn über Franken berichtet wurde. Bei echt fränkischem Bier ließ man dann diese Veranstaltung ausklingen.

 

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31. Geschichte Frankens Teil 2 Säkularisation

Samstag, 27. März 2010 | Autor:

Frankenlied


 

 

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Die Säkularisation des Hochstifts Bamberg

Die Säkularisation des Hochstifts Bamberg 1802/1803 (Quelle: Renate Baumgärtel-Fleischmann (Hrsg.), Bamberg wird bayerisch, Bamberg 2003) Zusammengestellt von Friedrich Dörfler Scheßlitz / Peulendorf. Eintrag in der Sterbematrikel der Pfarrei St. Heinrich und St. Kunigunde Burgkunstadt um den 25. November 1803:

„Halte ein, Wanderer! Weinend und klagend betrauert ganz Deutschland den Abschluss des Friedens. Am 23.November 1802 starb nach einjährigem Todeskampf, vom Schlagfluss gerührt, das Fürstentum Bamberg unter seinem Fürstbischof Christoph Franz von Buseck. Totengräber war der bayerische Gesandte von Asbeck. Das gleich Los erlitten alle deutschen Mitrenträger – den von Mainz ausgenommen, den man noch weiter dahinsiechen ließ. So vergeht die Herrlichkeit der Welt“. N. Nieser.

In einem in Amberg abgesandten Schreiben vom 22. August 1802 (vor der Besetzung des Hochstifts Bamberg durch Bayern) an das Churfürstliche geheime Ministerialdepartement der
Auswärtigen Angelegenheiten in München heißt es, „daß auch in diesem Lande (Bamberg) die Kirchenschätze beträchtlich seyen.“ Sie sollten zur Vermehrung der bayerischen Staatseinkünfte dienen. Bald darauf war es soweit.

Die Säkularisation des Klosters Michelsberg

Offizielle Machtübernahme am 29. November 1802 durch das Kurfürstentum Bayern.
Durchführung des Keller- und Bodensturzes = genaue Aufnahme der Wein- und Getreidevorräte. Sie registrierten:

46 Fuder und 7 Eimer Wein (ein Eimer = 90 Liter)

Auf dem Getreideboden befanden sich:

155 Simmer Weizen
626 Simmer Korn
752 Simmer Hafer

Fuder = ca. 10 hl. Alte Maßeinheit. U.a. wurde damit eine „Fuhre“ (ungefähr eine Wagenladung eines zweispännigen Gefährts (von 2 Pferden gezogenen)) bezeichnet.

All dies geschah noch vor der rechtlich gestatteten Inkrafttretung des Reichs-deputationshauptschlusses. Noch im Dezember 1802 war eine Bestandsaufnahme anzufertigen. In 14 Verzeichnissen oder Tabellen hatte das Kloster seinen Personalstand, seine Besitzverhältnisse, seine Stiftungen, die Ein- und Ausgaben, seinen Passiv- und Aktivkapitalstand, den Bestand der Bibliothek und der Gemäldesammlung und vieles mehr darzustellen. Ende März kam ein Kommissär um die Vorgänge zu beschleunigen.

Die großen michelsbergischen Wälder in der Umgebung Bambergs, vor allem der sogenannten Eichwald (= Michelsberger Wald) und der Weipelsdorfer-, Dörfleinser- und Oberhaider-Wald wurden dem kurfürstlichen Forstamt in Bamberg übergeben.

Ergebnis der Versteigerungen der Mobilien 1803:

34 Einzelposten:

Verkauf des Weins, der Weinfässer, der Pferde, der Kutschen, samt Geschirr, des Rindviehs, der Schweine, von Heu, Stroh, Kartoffeln, Orangenbäumen, Zinn (mit Kirchenzinn), Gläsern, Krügen, Spiegeln, Uhren, Porzellan, Musikalien und anderem. Die sehr zahlreichen Gemälde werden zum Teil billigst verkauft oder gar unentgeltlich an das Universitätshaus abgegeben. Die Musikinstrumente und -noten werden ebenfalls versteigert ebenso wie die überaus zahlreichen Paramente. Am Ende der ersten Versteigerungswelle im Juli 1803 werden knapp 25.200 fl. rh. an die geistliche Zentralkasse übergeben, davon allein 12.881 fl. rh. aus dem Weinverkauf.

Alles Gold und Silber aus Kirchenbesitz ist nach Weisung des Kurfürsten zu sammeln und nach München zu schicken. Es wurde in die Schatzkammer des Domes gebracht, dort aufgelistet, gewogen und geschätzt. Um die Edelmetalle möglichst rein nach München zu bringen, mußten die Gegenstände gebrochen und alle Holz- und Eisenteile und andere Metallteile von den Kunst- und Kulturgütern abgeschlagen werden. Sie wurden in 16 Kisten verpackt zum Abtransport bereitgestellt, der jedoch wegen einer Versteigerung in Bamberg nicht erfolgte.

Das meiste Michelsberger Silber befand sich in Kiste VIII, darunter auch der sogenannte Fundationsstab des hl. Otto. Kultgegenstände des Klosters aus Gold befanden sich in Kiste I. Aus der Auflistung kann ersehen werden, wie mit den Gegenständen umgegangen wurde. So befand sich in Kiste I ein goldenes Kreuz, dessen silberne Fassung abgetrennt und in Kiste XVI gesteckt hatte. Weiter wird eine goldene Luna genannt, die man von einer silbernen Monstranz entfernt hatte, die in Kiste II lag. Von einer Mitra hatte man mehr als 10 Lot Perlen abgenommen, dazu besondere Steine, sowie deren Fassungen.

Zur selben Zeit traf im Kloster das von Kurfürst Max IV. Joseph und dem von Minister Montgelas unterzeichnete Aufhebungsdekret vom 13.Juli 1803 ein. Es beginnt mit der Feststellung, daß das Vermögen des Klosters Michelsberg von nun an als zum fürstlichen Kammergut gehörend betrachtet wird und als solches verwaltet wird. In dem Dekret des Kurfürsten wird wiederholt, daß Mobilien und Immobilien, Kostbarkeiten wie Silber, Grundstücke, Gebäude u.a. auf dem Weg der Versteigerung meistbietend zu verkaufen sind und daß bei laufenden Pachtverträgen deren Ende abzuwarten ist.

Kloster Banz und die Säkularisation

Am 30. November 1802, einen Tag nach dem Übergang Bambergs an das Kurfürstentum Bayern, zogen die Kommissare in drei Wellen in Banz ein.

Vereidigung des Abtes auf den neuen Landesherren.

Erstellung des Kassenstandes, Beschlagnahmung der vorhandenen Kassen, Versiegelung des Klosterarchivs, Sichtung der Wertgegenstände, Beschlagnahme der besonderen Stücke, darunter auch die Versiegelung der Weinfässer. Auslieferung eines Verzeichnisses der vorhandenen Sammlungen und der Bibliothek sowie des Naturalienkabinetts.

Verbot etwas zu veräußern

9. April Sonderkommission hebt die Selbstverwaltung des Klosters auf.

5. Mai Verkündigung der bevorstehenden Auflösung des Klosters. Anfang Mai begann der Ausverkauf. In Versteigerungen wurde so ziemlich alles, Bewegliches und Unbewegliches, verkauft. Die Mönche mußten der Zerschlagung ihres Klosters beiwohnen.

25. Juli Beendigung der Klosterökonomie. Pater Ildephons schreibt: Das Kloster glich einer Krambude oder dem Tempel im Evangelium.
Die Gegenstände kamen vor Ort unter den Hammer, oder wurden verpackt und abtransportiert. Was alles versteigert wurde, entzieht sich der Kenntnis. Auch keine Angaben über den Erlös.

Notiz über den Verkauf Banzischer Mobilien vom 19. Juni 1803, über 7000 fl. rh. an die Churfürstliche Central Kasse eingeschickt.

Die beweglichen Gegenstände der Amtshöfe : Buch am Forst und Gleusdorf wurden entweder am Ort versteigert oder nach Banz gebracht und dort versteigert. Die Auktionen zogen sich über einen langen Zeitraum hin. Dem Abt wurden bei seiner Pensionierung zwei Kutschen zugesagt. Als Entschädigung bekam er statt der zwei Kutschen 120 Simmer Hafer

Kirchenschäden: Was nicht für den Gottesdienst nötig war, wurde verkauft, z.B. zwei von den drei vorhandenen Orgeln.
Eine der letzten Aktionen im Zuge der Liquidierung von Sachwerten, war die Zerschlagung der zwei größten Glocken. Alle Bemühungen konnten den Verkauf nicht verhindern. Am 24.2.18o7 wurden die beiden Glocken zerschlagen und abtransportiert. Käufer war ein Frankfurter Handelsbürger.

Verkauf von Realitäten: Auch die Grundstücke wurden verkauft, Höfe, Felder und Wiesen.

Aufzeichnungen vom 8.August 1803: 8 Höfe, 20 Pachthöfe, 815 ½ Morgen Felder, 614 Wiesen, 17 Teiche, 6 Fischwasser, 5 Schäfereien, 9 M Weinberge, 2 Steinbrüche, 3 Thon-Gruben, 3440 als Waldungen.

Der Großteil der Klostergebäude und die Waldungen blieben zunächst von einer Versteigerung verschont.

Gewinn des Staates: ist nicht nachzuvollziehen, da es keine Endabrechnung gibt. Im Vorfeld war das Vermögen der Abtei eingeschätzt worden. Schatt schreibt, daß Schneidawind dieses angegeben hatte mit nur drey Prozent angeschlagen, eine Million sechs mal hundert und drey und sechzig tausend Gulden. Die Totaleinnahmen des Klosters hatte er in seinem Vertrag mit jährlich 58.452 fl. 31 13/16 Xr berechnet. Dem Kurfürsten würde ein Reinertrag von :

32.118 fl. 44/8o Xr. Pro Jahr bleiben …..

Die Höhe der Erträge muß in jedem Fall sehr beachtlich gewesen sein. Die Berechnung von Schneidawind ist ein Beweis, wie kapitalkräftig das Kloster gewesen ist und welche Wirtschaftskraft es besessen hat.

Was außer der Versteigerung verblieb:

Besonders wertvolle Gegenstände wurden eingeschickt und wurden einer anderen Bestimmung zugeführt. Am 6.Mai 1803 wurden mit dem Münzkabinett und den Geldern aus der Abteikasse die 5 wertvollsten Posten: eine Monstranz, ein Kelch, 2 Messkännchen, dazugehörige Teller und ein vergoldetes Kreuz nach Bamberg eingesandt. Die Monstranz, der Stolz des Klosters: ungefähr zwey Schuh hoch, ganz mit getriebener Arbeit, durchaus mit Schmarachten, Diamanten und arabischen Steinen nebst daran befindlichen großen Trauben mit einem darauf befindlichen Kreuz und dem Auge Gottes mit Diamanten nach Angabe von Werthe zu 4o.ooo fl. Dem Gewicht nach gegen 8 Pfund oder etwas darüber geschätzt. Dieses Prachtstück wurde Ende August in Bamberg versteigert, zusammen mit den übrigen Schätzen. Das Abbleiben unbekannt. Das Naturalienkabinett kam nach Bamberg, wurde auch mit dem Langheimer dort vereinigt. Die physikalischen Geräte wurden mit den Langheimern zusammen ins Lyzeum gebracht. 2 große Globen – ein Himmel- und ein Erdglobus – kamen ebenso nach Bamberg (einer wurde unterwegs durch Hagel zerstört).

Die Münzsammlung:

1.004 Stück aus Gold, 56 Silberne vergoldet, 1.585 Stück aus Metall, wurden nach München gebracht, heute beträchtlicher Teil der staatlichen Münzsammlung.

Bibliothek:

Von vielen Gelehrten gerühmt. Um die Jahrhundertwende:

18.000 – 19.000 Bücher, 8.047 Titel, worunter sich nur 34 Codices Manuscripti befanden. Sie wurden verpackt nach Bamberg gebracht, wo sie in die Kurfürstliche Bibliothek kommen sollten. Unklar ist wie viele dort angekommen sind.. Die Bibliotheksschränke und das Banzer Chorgestühl mit reichen Einlegearbeiten verziert und mit vergoldeten und bronzenen Schmuckwerk versehen, kamen in die Kurfürstliche Bibliothek. Als zu groß für die Räume, standen sie in den Gängen und wurden vermutlich herrenlos nach und nach gestohlen.

Brief vom 26. April 1803 an die Kurfürstliche Spezialkommission:
Das Kloster ist schuldenfrei, nennt einen Kirchenschatz im Werte von 200.000 fl. Sein Eigen, einen geringen Personalstand habe, der Pensionsansprüche erheben könne und daß die Felder Wiesen und Höfe gute Summen abwerfen würden. Der Abt: daß wohl kein Kloster in Franken besser dastehe und dies vom Kurfürsten bei der Bewilligung der Pensionen berücksichtigt werden solle.

Das Ende des Klosters Langheim

Im Säkularisationsjahr stand das Kloster Langheim innerlich gefestigt da, äußerlich jedoch in einem teilweise desolaten Zustend.
Ein Großbrand zerstörte vom 6. Auf 7. Mai 1802 die Klausurbauten. Die größere Bibliothek mit etwa 15.000 Bänden verbrannte. Die untere Bibliothek mit 6.265 Büchern wurde gerettet. Langheim hatte unter den Prälatenklöstern des Hochstifts den größten Besitz.

In Form der Erbzinsleihe hatte Langheim rund 1.700 Höfe, Mühlen und Tropfhäuser vergeben Dazu 16.893 Tagwerk Feld, 3.553 Morgen Gärten und Wiesen, 4.95o Acker Wald, 3o Tagwerk Fischteiche; all das verteilte sich auf ca. 230 Ortschaften. 3.421 Haushalte waren dem Kloster Zinspflichtig. Hinzu kamen die 34 Höfe, 4 Mühlen, 3 Ziegeleien, 4 Brauereien, 6 Schäfereien, 27 Häuser und die umfangreichen Flächen, die Langheim in Eigenregie durch Lohn- und Fronarbeiter, oder durch Pächter bewirtschaftete: 2.322 Tagwerk Feld, 5.437 Morgen Wald, 1.542 Wiesen, ferner Hutweiden, Teiche, Hopfengärten. In 20 Ortschaften standen große Scheunen , um den Ertrag der Eigenwirtschaft, Zehnten und den Ertrag und die Abgaben der Zinspflichtigen aufzunehmen.

Im April 1803 ermittelte die Landesdirektion Bamberg die Einkünfte des Klosters. Demnach erbrachten die grundherrlichen Abgaben in zehnjährlichem Durchschnitt 39.226 Gulden, 10 1/8 Kreuzer, wobei auf die Außenämter Kulmbach, Tambach, Scheßlitz, Giechkröttenbach und Haßfurt nur rund ein Drittel entfiel. Die bei weitem größte Verwaltungseinheit bildete das Amt Langheim. Den Einnahmen standen 14.214 Gulden, 38 ¼ Kreuzer an Ausgaben gegenüber.

Durch seine Eigenwirtschaft erzielte Langheim weit mehr, als die Grundherrschaften, nämlich 59.928 Gulden 29 ½ Kreuzer. Das gegen Zins verliehene Kapital des Klosters wurde mit 88.946 Gulden 37 Kreuzer beziffert, was jährlich 4.202 Gulden 39 5/8 Kreuzer an Zinsen einbrachte. Alles zusammen-genommen ergab sich so ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 103.357 Gulden 18 ¼ Kreuzer (dieser Betrag werde sich in der Zeitfolge ungleich mehr vergrößern). Der Mittelwert bei den Ausgaben betrug 95.749 Gulden 36 ¼ Kreuzer. Der jährliche Überschuß folglich 7.607 Gulden 42 ½ Kreuzer.

Am 24.Juni 1803 Aufhebung des Klosters:

Bibliothek: Die untere Bibliothek hatte den Klosterbrand überstanden. Sie wurde 1803 nach Bamberg verbracht und wie die Bibliotheken der anderen Klöster in der Nagelkapelle des Domes gelagert. Nach Banz bildeten die Bücher von Langheim die zweitgrößte Gruppe. Die Naturaliensammlung wurde dem Kurfürstlichen Natu-ralienkabinett eingegliedert. Die namhafte Sammlung von Banz bildete zusammen mit den Stücken der aufgehobenen Universität Bamberg den Grundstock für diese neue Einrichtung. Bedeutsamer war die Sammlung physikalischer Instrumente, sie wurde der Universität zugefügt. Die in den aufgelösten Klöstern vorhandenen altdeutschen Gemälde, Bände mit alten Kupferstichen, Holzschnitten und Zeichnungen wurden gesammelt:

Aus Langheim 21 Bilder, die meisten wurden versteigert. Die physikalischen Instrumente gelangten ins Lyceum. Am 25. April 1803 Versteigerungskommission in Langheim. Zwischen dem 17. Und 26. Mai an meistbietende: Vieh, Kutschen, Möbel, Wein, Bier, Handwerkzeuge gegen Barzahlung

18.7. bis 18.8.1803 weitere Versteigerungen.

Langheim soll in ein Dorf umgeformt werden: aus den Äckern und Wiesen rund um das Kloster, Bildung von 9 Gutshöfen. Als Bauernhöfe sollten Beamtenhäuser südlich und nördlich des Klosters dienen, ebenso der Ökonomiehof und das Schlachthaus innerhalb des Klosters. Im Juni 1803 Verkauf des Brauhauses, der Ochsenmühle, der Schmiede, der Schreinerei und Wagnerei, das Backhaus, die Wassermühle, alles inklusive der Einrichtung. Den Konventsbau verkaufte das Lichtenfelser Rentamt 1811, nachdem es ihn in 5 Abteilungen parzelliert hatte, als Wohnungen. Klostergebäude wurden z.T. abgerissen. 18o3 einen um 1735 fertiggestellten Repräsentationsbau, 1804 die Klosterkirche. 1826 Abtragung eines großen Teiles der alten Abtei, ein Teil des Konventshauses, einige Fensterachsen des Sekretariats. In den Folgejahren verschwanden: die Klostermauer, die 2 Tore, die Orangerie, nach 1857 30 bis 40 Türen und Fenster. Einrichtungen der Abtsräume gehörten Großteils dem Kloster und fielen damit an den Staat.

Versteigerungen im Kloster vom 17. Bis 26. Mai 1803 gegen Höchstgebot und Barzahlung:

17.5. Horn-Vieh: Ochsen, Kühe, Kälber und Schweine

18.5. Pferde, Chaisen, Sättel und Pferdegeschirr

18.5. Versteigerung der 10 Chaisen und 5 Schlitten, zusammen 470 Gulden 50 Kreuzer rh.

20.5. Spiegel, Uhren, Bilder, Sessel, verschiedene Schreinerey an Tischen, Komods, Tresure

23.5. Wein, Bier und Fässer

24.5. Porzellain, Zinn, Kupfer, Messing und Glockenspeiße

26.5. verschiedene Handwerkzeuge für Schreiner, Schlosser, Schmiede und Wagner

Ablieferung des Langheimer Geldvorrats:

5 Mai 1803: 3 Kisten voller Münzrollen an die geistliche Zentralkasse = 24.000 Gulden rh.In dieser Zeit bestand die Abtei noch.

Wie in einem Brief angekündigt wurde, machte dieser Geldtransport nur den Anfang: “Sobald das Silber von Tambach, 14 Heiligen, Kröttendorf, Trieb in Langheim angelangt ist, wird dies mit den vorzüglichen Kirchenornamenten und den Kapitalurkunden (d.h. den SchuldScheinen der Kreditnehmer) eingeschickt“.

Der Ausverkauf der Zisterne Langheim hat begonnen.

Folgen der Aufhebung:

Joachim Heinrich Jaeck entwarf 1826 ein düsteres Bild von den Säkularisationsfolgen in und um Langheim: Von den einst allseitigen, vortrefflichen Chauseen ist keine Spur mehr zu sehen, die Teiche sind ausgetrocknet, das um diese flatternde, zahlreiche Federvieh verschwunden, die durch vielfache Früchte einst prangenden Felder und Wiesen bieten jetzt nur ein fahles Aussehen gegen die goldene Vorzeit dar, und die meisten einst blos zum Frohn-, Tagelöhners- und Handwerksdienste bestimmten Bewohner der um das Kloster zunächst Dorfgenossen von Mistenfeld, Roht, Kröttendorf und Oberlangheim erscheinen so verkümmert, als müßten sie mit den zahlreichen durchziehenden Bettlern und Landsträunern gemeinsame Sache machen. So übertrieben dieses viel zitierte Urteil klingt, es wird im Wesentlichen durch amtliche Quellen bestätigt. In den Dörfern um Langheim, für die mit der Abtei der wesentliche Arbeitgeber zugrunde ging, kehrte für Jahrzehnte Not ein. Über Oberlangheim etwa, wo Arbeiter für die klösterlichen Baumaßnahmen und Tagelöhner für die langheimische Landwirtschaft gelebt und ihr Auskommen gefunden hatten, schrieb 1851 der Uetzinger Pfarrer und der Gemeindevorsteher:
„Daßdie Gemeinde Oberlangheim eine der ärmsten und bedürftigsten des Landgerichtsbezirkes Lichtenfels ist und seit der Aufhebung des Klosters Langheim, wo die Bewohner von Oberlangheim Arbeit und Brod fanden, jährlich mit konskribirten Armen überlastet ist, ist bekannt.“

Die Klöster der Bettelorden in Bamberg

Im Jahre 1223 kamen die Franziskaner (Barfüßer) nach Bamberg .1313 Niederlassung an der Schranne. Ende des 14. Jh. bauten sie dort St. Anna als dreischiffige, langgezogene Basilika mit Strebepfeilern, Seitenschiffe vermutlich gewölbt, niedriger Obergaden im Mittelschiff, flache Holzdecke, 1374 neuer Chor).

1279 Karmeliten (Frauenbrüder). 1589 Übernahme des Klosters St. Theodor am Kaulberg

1310 Dominikaner (Prediger) im Sand. Im 15. Jh. Kirche und Kloster neu gebaut.
Alle drei wurden durch die Säkularisation aufgehoben. Das 1806 aufgehobene Franziskaner-Kloster wird Amtsgebäude. Die Kirche (mit dem berühmten „Bamberger Altar“)wird 1811 abgebrochen .

1341 Klarissen am Zinkenwörth (heute Schillerplatz).Das Kloster bestand bis 1803.

1355 Dominikanerinnen zum Hl. Grab gestiftet. Es wurde aufgehoben und 1806 von der letzten Nonne geräumt. Die Gebäude wurden 1874 weitgehend abgebrochen, die Kirche blieb jedoch erhalten, ebenso wie das Beichtvaterhäuschen. Seit 1926 neuer Konvent.

1619 kam der Kapuzinerorden nach Bamberg Sie bauten auf dem Gebiet des heutigen Claviusgymnasiums und der Martinsschule Kirche und Kloster.1879 wurden Kirche und Kloster abgerissen.

Bestandsaufnahme der Bamberger Glocken

1777 werden die 90 Glocken der Bamberger Kirchen und Kapellen in Word und Bild festgehalten in einem Lusus Campanularum

Verzeichnis der Glocken der aufgelösten Klöster und Stifte:

Um eine Übersicht über die Glocken der aufgelösten Stifte und Klöster zu gewinnen, ließ der Landeskommissar die Glocken vom Dom und St. Michael, der Stephanskirche, St. Jakob, der Franziskanerkirche beschreiben nach Größe, Dichte, Metallgehalt, Gewicht und Name aufzeichnen. Die nicht verkauften von Dom und St. Stephan wurden in der Liste gekennzeichnet.

1807 wurden aus dem Dom verkauft: die Kapitelsglocke, die Vigil- und die Katecheseglockesowie die Johannes und die Pemperlesglocke, von St. Stephan. Die Obere Pfarre tauschte ihre Annenglocke gegen die Kunigundenglocke aus St. Stephan ein. St. Michael behielt seine Glocken.

Glockenversteigerung 24.9.1805:

Die Kurfürstliche Versteigerungskommission ließ alle entbehrlichen Glocken versteigern.

Am 7.2.1806 neuer Termin: angegeben nur das Gewicht der Glocken.

Michelsberg; 167 Zentner, St. Jakob 80 Zentner 60 Pfund, St. Stephan 61 Zentner 30 Pfund,
St. Jakob 80 Zentner, Dom 32 Zentner, Heilig Grab 1 Zentner 80 Pfund, Karmeliten 23 Zentner 90 Pfund, Provinzial-Bauamt 3 Zentner 11 Pfund, Banz 106 Zentner 56 Pfund, 14- Heiligen 74 Zentner 75 Pfund
Einnahme: 6.580 fl.39 5/8 Jr.

Die Säkularisation der Klosterausstattungen:

Das Kollegiatsstift St. Stephan: Die Kirchengerätschaften mit denen aus der Johanneskapelle für 1.630 fl. 37 ½ Kronen verkauft (Aufzählung…)

Kollegiatsstift St. Jakob 1.6.1803 aufgehoben: Die Küchengerätschaften für insgesamt 1.067 fl.2o 1/4 Kr. versteigert, am 22..5. 1805.(Aufzählung….).
9 ausgewählte Gemälde wurden nicht versteigert, sondern ihre Maße wurden an den Generaldirektor Mannlich in München geschickt. 2 große Bilder „Bamberger Dom“ und „Dom von Speier“, Tafelbild Geburt Christi, Anbetung der 3 Könige, Flucht nach Ägypten, Heimsuchung, Krönung Mariä, Himmelfahrt Mariä, Maria auf der Stiege.

Bildhauerarbeiten versteigert: Pastor bonus, Johannes Evangelist, Mariä Empfängnis, Christus im Grab mit Gruft und Sarg, 3 große Kruzifixbilder, 13 andere Kruzifixe, 4 Engel, Lamm Gottes.

Aus dem Kapitelhaus: 6 verschiedene alte Porträts und Bilder, eines ober der Kapitelstür und 3 alte Porträts.

1805 sollte St. Jakob versteigert werden. Am 2.10.1805 wurde sie Aufgrund der Eingaben an den Kurfürsten der Bürgerschaft mit den Glocken vom Michelsberg und Zubehör gegen 2.400 fl. überlassen.

Das Kollegiatsstift zu unserer Lieben Frau und St. Gangolf:

Nach Aufhebung des Klosterstifts dient die Kirche weiter dem Pfarrgottesdienst. Die Ausstattung blieb weitgehend unangetastet, außer dem Kirchensilber.

Das Benediktinerkloster St. Michael:

Die bewegliche Ausstattung aus Konvent und Kirche wurde abgeliefert oder vor Ort versteigert. Aus verkauften Artikeln des Klosters wurden 25.199 fl. 57 ½ Kr. gelöst.

Die Propstei St. Getreu: Aufzählung der reichen Ausstattung: versteigert

Das Franziskanerkloster zu unsrer lieben Frau und St. Anna:

Reiche Ausstattung. Aufzählung; 5 Tafelbilder heute im Bayer. Nationalmuseum !

Das Klarissenkloster St. Klara: Versteigerung von Kirchengut 3,414 fl. 16 Kr. rh.

Das Karmelitenkloster zu unserer Lieben Frau und St. Theodor:

Äußerst reiche Kirchenausstattung, reiche Gemäldesammlung heute z.T. im Nationalmuseum in München. Für Schätzung aller Gegenstände keine Zeit, wegen erfolgter Einquartierung französ. Truppen.

Das Dominikanerkloster zu unserer lieben Frau und St. Christoph: Viele Gemälde, reiche Kirchenausstattung.

Dominikanerinnen zu Hl. Grab: Das Kirchensilber wurde sofort eingezogen. Versteigerung aller Gegenstände

Das Kapuzinerkloster St. Heinrich und St. Kunigunde: Zunächst Aussterbekloster. Alle Gemälde mit den übrigen Mobilien versteigert oder an das Rentamt geliefert.

Die Säkularisierung der Stifts- und Klosterschätze

Die Anzahl der in den Stiften und Klöstern vorhandenen Silbergerätschaften war sehr unterschiedlich z.B. die Kelche:

Der Dom: 41 Kelche
Kloster Banz: 18 Kelche, einer war aus purem Gold
Bamberger Franziskaner: 17 Kelche
Dominikaner: 14 Kelche
Klarissen: 5 Kelche
Dominikaner: 2 Monstranzen, dazu 2 Monstränzlein
Langheimer Zisterzienzer: 1 große Monstranz (5 ½ kg) und eine kleine die 7 Mark und 12 Lot wog.
14 Heiligen: 2 Monstranzen (geh. zu Langheim)
Kapelle des Klosterhofs zu Kulmbach: 1 Monstranz

Andere Gerätschaften wie Meßkännchengarnituren, Ziborien, Leuchter und Ampeln in ausreichender Menge. Altargeräte aus purem Gold nur im Dom und Banz.

Im Dom: die Schatzstücke von Heinrich II., oder die man für Schenkungen hielt, sowie das große goldene Kreuz und ein Kelch mit Messkännchengarnitur.

Kloster Banz übertraf den Dom mit der Anzahl an goldenem Altargerät (wegen des hohen Wertes in der Abteikasse verwahrt).

Es waren: eine zweieinhalb Schuh (ca. 75 cm) hohe Monstranz (Goldgewicht 1.460 3/32 Gramm) (das Gold am Domkreuz nur 1.279 3/3 Gran). Besonders prächtig, mit getriebener Arbeit, durchaus mit Schmarachten, Diamanten, arabischen Steinen 8 Trauben, dem Auge Gottes, darauf stehendem Kreuz mit Diamanten, Wert: 40.ooo Gulden.

Ein mit Steinen und Emalie besetzter Kelch und eine Messkännchengarnitur

Umgang mit dem eingelieferten Silber:

Beschluß des Kurfürsten Max IV. Joseph: Das von den bambergischen Stiften und Klöstern eingelieferte Gold und Silber zum Vermünzen nach München zu bringen.
Alle bedeutenden Gegenstände waren am 23. Juni in Einzelteile zerlegt, die Edelsteine waren abgenommen.

Bericht eines Mönches: Das Zusammenschlagen der Monstranzen, Kelche, Leuchter, Cruzifixen geht unaufhörlich fort, alle Perlen und Edelsteine werden von Heiligtümern getrennt Am Heinrichs und Kunigundenfest .konnte man die Häupter nicht ausstellen, weil ihre Kostbaren Einfassungen und Zierden beraubt sind

Ein Reliquiar haben die Bamberger Bürger vor der Zerstörung bewahrt.: den Hl. Nagel, in seiner spätgotischen Fassung, sie bezahlten den Gegenwert für das Silber und die Edelsteine.

Das Edelmetall-Gewicht der eingelieferten Gegenstände:

Wert der Edelsteine und der Perlen des Bamberger Domkreuzes = 2.287 Gulden

Schätzpreis für den Inhalt der Kisten I und II = 14.380 fl..

Das Gesamtgewicht aller Gegenstände in den Kisten I-XVI betrug 4.812 Kronen an Gold und Silber und 3.991 Mark I Lot und I Quind Silber. Nach dem Schätzen wurde alles in 16 Holzkisten gepackt. Sie sollten nach Würzburg gebracht werden und mit dem Würzburger Silber nach München. Dies war aber schon in München und die Edelsteine längst veräußert. Der Markt in Würzburg und .München war gesättigt. Der Inhalt der 16 Kisten wurde in Bamberg versteigert. Am 31. August 1803 wurden dafür 101.338 fl. 15 Kr. rh. In die fürstliche Zentralbank einbezahlt. Eine verhältnismäßig kleine Summe. Nur der Materialwert, nicht der Kurswert wurde in Betracht gezogen.

Die nach München abgelieferten Objekte aus dem Domschatz:

Die kostbarsten Objekte aus dem Domschatz sind ausgesondert worden und im September 1803 in einer großen Kiste III mit dem Zusatz CMB (d.i. Capitulum maius, das Hohe Domkapitel Bamberg) an das Churfürstliche Geheime Ministerialdepartment nach München abgesandt. Bei der Königlich Preußischen Zollstation Baiersdorf wurden 3 Zentner Silber und Gold angegeben. Die Zollgebühren hatte die Bamberger Domkustorei zu zahlen.

In der Kiste die bedeutensten Objekte des Schatzes:

Vor allem die goldgestickten Gewänder, die man in Bamberg mit den Namen von Hch. II. und Kunigunde verband.

Das Bamberger Rationale = bischöflicher Schulterschmuck auf einer spätgotischen Glockenkasel

Weiter in der Kiste hervorragende Goldschmiedearbeiten wie das Heinrichs Portatile = durch Umschrift als Stiftung Hch. II. ausgewiesen.

Die Kopfreliquiare des Kaiserpaares, sowie 5 hochmittelalterliche Handschriftrn, die nicht wegen ihrer Miniaturen, sondern wegen ihrer goldenen, kostbaren z T. mit Edelsteinen und Perlen besetzten Einbände nach München gebracht wurden

Eine Altargarnitur, Anfang des 17. Jh., Geschenk des Herzogs von Modena, aus Gold gefertigt, mit Rubinen und Smaragden besetzt, mit 2 Leuchtern ebenso kostbar.

Ausgesucht hatte man goldene Gegenstände, die z.T., reichen Edelsteinschmuck trugen und in gutem Zustand waren.

Liturgische Geräte aus Gold waren nicht darunter, die hat es im Bamberger Dom gegeben. Man hat vor allem Wert auf Stiftungen Kaiser Hch. II. gelegt.

Vom Einband der Apokalypse wurde nur die große Achatplatte der Vorderseite des Einbandes abgesandt, das goldene Evangeliar heute in der Staatsbibliothek. Die Kronen des Kaiserpaares, das Heinrichs-Portatile, die Achatplatte, die Altargarnitur des Herzogs von Modena, seit 1803 in der Reichen Kapelle der Münchner Residenz.

Vier der hochmittelalterlichen Gewänder bis 1851 in München, darunter der Sternenmantel Hch.II.

Die Überreste der Bamberger Stifts- und Klosterschätze:

Die Silbergruppe des Hl. Georg zu Pferd fiel der Säkularisation zum Opfer. Die Ostensorien verloren ihren Gold, Silber und Edelsteinschmuck, 4 Reliquienbehälter ihrer Silberappliken beraubt. Der Kunigundenarm und sein Postament aus St. Stephan

Inhaltsverzeichnis der 16 Kisten:

Kiste I : Steine, Gold, Silber und andere Pretiosen

Kiste II: die von allen Institutionen angelieferten Monstranzen

Kiste.III:Das.Domkapitel.besaß.das.meiste Kirchensilber. Es wurde in die Kisten III-VII verpackt.

Kiste VIII-IX: Kloster Michelsberg folgte von der Bestandsmenge her dem Dom. Für sein Silber noch 2 Kisten benötigt (das Rattelsdorfer Tafelsilber eingeschlossen)

Kiste X: für das Silber der Karmelitenkirche

Kiste XI : Dominikaner eine Kiste

Kiste XV: Kloster Banz eine Kiste

Kiste XII: zusammen für die Bamberger und Forchheimer Franziskaner

Kiste XIV: Bamberger Klarenkloster und Kronacher Franziskaner zusammen 1 Kiste

Kiste XIII-XVI: Kirchensilber aus meheren Institutionen

Kiste XIII: Silber von den Stiften St. Stephan, St. Jakob und St. Gangolf sowie Kloster Heilig Grab und weiteres Silber von den Dominikanern

Kiste XVI: neben dem Langheimer Silber, Reste des Domschatzes und von St. Michael, von St. Stephan von Banz und von St. Klara

Kiste XVI: Objekte deren Absendung erst später in die Wege geleitet wurde.

Das Materialgewicht des Goldes bzw. des Silbers:

Kiste I – XVI: 4.812 Kronen Gold und 3.991 Mark ein Lot und 2 Quint Silber.

Kiste I : Wert der Pretiosen und der nicht zerlegten Monstranzen

In Kiste II : 14.380 Gulden

Erlös aus dem Gold-, Silber und Pretiosenverkauf:

Versteigerungserlös: 101.338 fl. 15 Xr. rheinisch.
Angesichts der Vielzahl der Objekte kein allzu großer Betrag. Nur zu Schätzpreisen versteigert..

Das Heinrichs-Portatile:

Ein Tragaltar Hch. II. eine kostbare Arbeit mit Gold, Edelsteinen und Perlen verziert. Die Stifterschrift umzieht einen großen Bergkristall, die das Portatile als Geschenk des Kaisers ausweist. Es wurde einige Male verändert, im 13 Jh. Durch Einsetzen des Bergkristalls. Ob der große Kreuzpartikel zu dieser Zeit noch in der kreuzförmigen Ausbuchtung lag, ist unbekannt. Auch der Reliquienbestand wurde verändert, z.B. vom Rost des Hl. Laurentius, oder die Sebastiansreliquie, dafür legte man andere hinein. 1726 neue Fassung für die Edelsteine und eine durchgreifende Restaurierung,

Perikopenbuch Hch. II.: (zum Weltkulturerbe erklärt)

Es gehörte zu des größten Schätzen des Domes mit 5 weiteren ottonischen Prachthandschriften.Wegen ihrer kostbaren, mit Edelsteinen und Perlen besetzten Einbände im Domschatz verwahrt. So kostbar, daß sie 1553 von der Brandschatzung des Markgrafen Albrecht Alci-biades von Brandenburg verschont wurde.1585 Reparatur durch einen Goldschmied. Bis dahin Aufbewahrung in einem mit Gold, Perlen u. Edelsteinen geschmückten Kasten. Jetzt mit einem Einband versehen mit Schmuckteilen des Buchkastens. 1726 erhielt es die heutige Form. Es wurde im August 1803 auseinandergenommen u. seine Einzelteile in Bamberg versteigert.

Das Gertrudenkreuz:

Dieses Kreuz gehört zu den Gegenständen des Bamberger Domschatzes, die 1803 auseinandergenommen wurden und damit als verloren gelten. In einem Schatzverzeichnis heißt es: Ein Creutz a 1 Schuhe , 4 Zoll lang u. a 11 Zoll breit, desßen oberer Theil von bestem Gold zu 165 ½ Cronen schwehr u. die hintere- u. Nebenseithen aber 2 Markt, 8 Loth, 1 Quint an Silber austragen, womit sich der Hl. Kayser Henricus mit der Hl. Cunigunde vermählet hat.

Eine Besonderheit: eine römische Geldmünze in das Kreuz eingelasen.: 2 ½ Cronen schwer, welche auf einer Seithen vorstellet die Brustbildnus des Kaysers Vespasiani, mit einem Lorbeer-Cranz gecrönt, nebst dieser Umschrift: Vespasianus Aug. Imp. Caesar. Auf der anderen Seithen aber einen Ochsen mit dieser Überschrifft Cos. VII….Die Reliquien: 5 Partikel eines Fingers der Hl.Gertrud in einem Kristallfläschchen verwahrt, in das Kreuz integriert war. 1803 wurde das Kreuz auseinandergenommen, das Gold in Kicte I, das Silber der Rückseite u. der Schmalseiten in Kiste III verpackt. Die Münze wurde zurückbehalten und aufbewahret. Ob sie nach München gekommen ist , ist nicht mehr festzustellen.

Die Cistula der Hl. Kunigunde:

Nicht alle Schatzstücke die man in Bamberg. für Stiftungen des Kaiserpaares hielt überdauerten die Säkularisation. Auch die sogen. Cistula S(ancta) Kunegundis wurde 1803 in Einzelteile zerlegt und versteigert. Außenseiten mit Elfenbeinreliefs mit Themen aus der antiken Mythologie. Nach byzantinischen Vorbildern mit Edelsteinen besetzte Schmuckleisten

Die beiden Kelche der Brüder Mulzer:

Wie auch andere Priester schafften sich die beiden Brüder eigene Kelche an. Sie widersetzten sich ihr Eigentum der Staatl. Komission zu geben. Die Kommission nahm dafür zwei Kelche von den 6 Kelchen, die man dem Stift bis zur Auflösung belassen hatte. Später half dieser Widerstand nichts mehr. Sie kauften ihre Kelche zum Materialwert noch einmal. Sie schenkten sie vor ihrem Tod der Marianischen Sodalität.
Monstranz: 1803 besaß das Bbg. Karmelitenkloster mindestens zwei Monstranzen. Die größere. mit einem Gewicht von 17 Mark mußte sofort abgegeben werden. sie wurde Ende August versteigert. Die kleinere verblieb zunächst dem noch nicht aufgelösten Kloster. Sie wurde erst im März 18o9 versteigert, an bürgerliche Handelsleute und Juden. Sie war von Silber, vergoldet und mit Silber verziert, mit silbernen Figuren besetzt, die 7 Mark u. 2 Qint wog, heute in Röbersdorf. Vom übrigen Kirchensilber der Karmeliten ist nichts mehr aufgetaucht Die Michelsberger Kunigundenkrone: eine kleine Krone. Galt als Festtagskrone der Hl. Kunigunde. 1803 dem Kreuz die Edelsteine und Perlen der Vorderseite genommen.

Paramente und textile Ausstattung der aufgelösten Stifte und Klöster:

Eine vollständige Übersicht über den Bestand aller Kirchen und Klöster kann nicht gegeben werden. Betrachtet man die Paramentenbestände Bamberger Kirchen, Dominikaner, Franziskaner, Klarissen, Michelsberg, St.Gangolf, St. Stephan, St. Martin in Forchheim, Kloster Langheim, Banz, so wird die vielfältige und reichhaltige Ausstattung mit wertvollen Textilien deutlich. Der materielle Wert lag nur geringfügig unter dem der Monstranzen, Kelche und Ostensorien! Sammelstelle aller Textilien war die Domschatzkammer die bald nicht mehr ausreichte, daher wurde auch vor Ort verkauft gegen Schätzpreis (4.226 fl. 35 Kr.).

Verkauf erfolgte während des ganzen Jahres 1804/5 hindurch. Wie die ungeheure Menge an Paramenten und anderen Kirchengeräten aus den Klöstern und Kirchen zu handhaben war, ist schwer vorstellbar, ebenso welche Stimmung sich in diesen Jahren unter der Bevölkerung breitgemacht hat. Kostbare Paramente sonst nur im sakralen Dienst verwende, wurden von nun an, an jedermann verschleudert.

Wikipedia Matthias Kabel _Krone_Heinrich_II_1270

 

„Heinrichskrone“: Sie wurde nicht zu Heinrichszeiten geschaffen, sondern erst gegen 1280 als Attribut für das Büstenrequiar des Kaisers. Zur Zeit der Säkularisation glaubte man an das kaiserliche Geschenk und hat sie deshalb nach München verschleppt. Sie gilt als eine der schönsten Kronen des Mittelalters.

„Kronreif der Hl. Kunigunde“: Sie ist keine Stiftung der Kaiserin. Es war eine Votivkrone, die der Bamberger Bischof Gunther (+ 1065) dem Domkapitel geschenkt hatte. In Jahr 1201, nach der Öffnung ihres Grabes, legte man ihr Haupt getrennt von ihren Gebeinen in ein Kopfreliquiar. Dafür benötigte man ein kaiserliches Attribut in Form einer Krone. Dafür nahm man die umgearbeitete Votivkrone.

„Die jüngere Krone der Kaiserin“: Sie hatte die gleiche Funktion wie die Heinrichskrone, sie war Attribut des Kopfreliquiars der Kaiserin. Alle drei Kronen kamen 1803 nach München, weil man sie für Stiftungen des Kaiserpaares hielt.

„Heinrichs-Portatile : .Durch eingravierte lateinische Inschrift auf seiner Oberseite wird Heinrich ausdrücklich als Stifter genannt. Auf dem Silberblech der Unterseite sind die Reliquien genannt, die in dem Behältnis eingeschlossen waren und wozu es gedient hat: es war ein Tragaltärchen, das bei der Messe auf nicht geweihten Altären aufgesellt wurde, das man bei einerReise mitführen konnte. Das Altärchen war außerordentlich kostbar. Innen ein Eichenholzkern mit Goldblech verkleidet, mit Golddrahtarkaden und –filigran, sowie mit Perlen und Edelsteinen verziert.

„Das Kreuz des Herzogs von Modena“: Eine Altargarnitur, die aus einem Kreuz und zwei Leuchtern bestand (frühes 17. Jh.). Die verwendeten Materialien: Gold, Silber, Bergkristall, Rubine, Smaragde. Sicher kam sie wegen ihrer äußerst kostbaren Materialien 1803 nach München.

Die 5 Codices, die bis 1803 einen geschlossenen Bestand des Bamberger Domschatzes bildeten. Sie wurden wegen ihrer kostbaren Einbände in der Schatzkammer aufbewahrt. Clm 4451 ist das älteste Evangeliar mit goldenem Einband, es stammt noch aus dem 10. Jh.

In der Mitte ein Elfenbeinrelief mit der Taufe Christi im Jordan, umgeben mit zahlreichen Edelsteinen in goldener Fassung, die Zwischenräume mit dichtem Filigran gefüllt.

Die Rückseite des hölzernen Einbandes ist schlicht mit rotem Samt überzogen und mit einem Efenbeinrelief aus der zweiten Hälfte des 10. Jh. geschmückt, das die Verkündigung an Maria und die Geburt Jesu zeigt.

Das Evangeliar Ottos III.: Vorderer Buchdeckel ebenfalls mit vielen Edelsteinen gestaltet in einer regelmäßigen Anordnung in Kreuzform der großen Steine. Das Elfenbeinrelief zeigt den Tod Mariens. Das Sterbelager umstehen die Apostel und Christus, der die Seele Mariens, als kleine Figur dargestellt, trägt und sie zwei von oben herabschwebenden Engeln überreicht.

Evangeliar Clm 4454: Evangeliar aus dem 11. Jh. Vorderdeckel mit kreuzförmiger Anordnung der Edelsteine. Im Schnittpunkt der Kreuzarme ein hochovaler Achat mit einem kleinen eingelassenen Amulettstein markiert. In den 4 Feldern in Gold getriebene Tiere.

Perikopenbuch Hch. II.: Die Vorderseite des Einbandes ziert ein Elfenbeinrelief mit der Kreuzigung Jesu und den Gang der 3 Marien zum Grab. Elfenbeinstreifen mit Blattwerk verziert umrahmen das Ganze. Besonders auffällig in der Umrahmung die Emailleplättchen mit Halbfiguren mit Heiligenschein. Sie stellen Christus und 11 Apostel dar, wie es die griechische Schrift in der Umrahmung besagt. Diese Emmaills sind die Reste einer Krone, auf die sich auch die umlaufende Schrift bezieht: Heinrich II. stiftete noch als König den Codex.

Sakramentar Heinrichs II. : Es trägt einen neueren Einband dessen Entstehung nicht näher einzuordnen ist.

Bamberger Apokalypse: Nicht alle Handschriften der Jahrtausentwende, die 1803 in Bamberg waren, durften ihre alten Einbände behalten. So wurden die Buchdeckel der berühmten Bamberger Apokalypse von St. Stephan, ein Opfer der Säkularisation. Von ihr stammt die Ovale Platte von Chalzedon. Ebenfalls in der Schatzkammer der Münchner Residenz. Der alte Einband trug die Inschrift „….HENRIC ET KVNIOYNT/HAEC TIBI MUNERA PROMVNT“ (Heinrich und Kunigund bringen dir diese Geschenke dar). Durch diese Inschrift ist ausgewiesen, daß das Kaiserpaar wirklich die Schenker waren.

Die Auswahl der nach München gebrachten Gegenstände scheint nicht nach einem bestimmten Prinzip erfolgt zu sein. Der Galeriedirektor Mannlich suchte kostbare, aus Gold gearbeitete Gegenstände aus, die ohne Beziehung zum Kaiserpaar waren, die nur wegen Ihres Wertes

Thema: Frankens Geschichte | 4 Kommentare

26. Bayern biegt weiter an fränkischer Geschichte

Sonntag, 14. Februar 2010 | Autor:

Frankenlied

 


 

 

Im Internet kann man sich zur Zeit über die Planung einer weiteren „Bayerischen Landesausstellung“  des „Hauses der bayerischen Geschichte“ (HdbG) informieren. Nach der katastrophalen Heinrichsausstellung in Bamberg (‚Heinrich hat Bayern ganz sehr geliebt‘) und der ganz ordentlichen Ausstellung ‚Franken im Mittelalter‘ in Forchheim lautet das spannende Thema im nächsten Jahr in Nürnberg ‚200 Jahre Franken in Bayern‘ (www.franken-2006.de).

Das veröffentlichte Ausstellungskonzept fußt nun wieder auf der bekannt einseitigen und damit unwissenschaftlichen bayerischen Geschichtsdarstellung. Aus dem vorhandenen Meinungsspektrum sucht man sich gezielt und ausschließlich heraus, was dem bayerischen Zentralstaat nutzt. Weil der zu groß ist, darf die Bevölkerung nicht optimal informiert werden.

Die Botschaft der vermittelten Geschichte hat zu lauten:

Franken ist nicht dazu in der Lage, sich selbst zu verwalten.

Entsprechend werden zur Beschreibung der Zeit vor der Okkupation Frankens nur Autoren zitiert, die uns für zur Staatsbildung unfähige charakterlose Anpasser halten. Im Konzept tauchen die Namen des Oberpfälzers Karl Bosl und des aus München stammenden Werner Blessing auf. Bosls und Blessings These, die Franken wären erst in Bayern Franken geworden, es habe sie zuvor nicht gegeben, wird genüsslich als wissenschaftlich erwiesene Tatsache hingestellt. Dass es eine gegenteilige Auffassung gibt und dass Blessing selbst mangels ‚ausgedehnter und systematischer Quellenstudien‘ nur von ‚vorläufigen Überlegungen‘ spricht, soll der Bevölkerung nach dem Konzept vorenthalten werden. Weder taucht der Name Rudolf Endres auf, noch wird Jörg Engelbrecht zitiert, der darauf hinweist, dass sich gerade der fränkische Reichskreis durch starken regionalen Zusammenhalt ausgezeichnet hat, in dem ein Bewusstsein dafür bestand, Franke zu sein (Engelbrecht, Interregiones, 3/1994). Um den Gedanken an eine fränkische Unabhängigkeit mit einem unguten Gefühl zu verbinden, werden im Übrigen wieder alle Register der Gehirnwäsche gezogen. So sollen die einzelnen Zeitepochen durch die ‚Bodenstruktur‘ voneinander abgehoben werden. Der „Chronologie entsprechend“ sollen die Besucher zunächst auf Lehmboden laufen, der erst im „modernen Bayern“ moderneren Materialien weicht.

Autor: Manfred Hofmann

Das sagt der Forscher: Ein historisches Franken gibt’s gar nicht!

Historiker Prof. Werner K. Blessing (63) ist beim ‚Tag der Franken‘ skeptisch: „Damit wird eine Tradition erfunden, die es gar nicht gibt.“ Denn ein historisch gewachsenes Franken existiert streng genommen nicht. Blessing: „Im Mittelalter bestand das heutige Franken aus einer Vielzahl kleiner, eigenständiger Territorien z. B. Bistümer, Reichsstädte, Markgrafenschaften. 1500 wurde der Fränkische Reichskreis als gemeinsames Band gegründet. Erst 1806 wurden die Gebiete vom Kurfürstentum Bayern übernommen und zusammengefasst.“

Anmerkung:

Aha! Ein historisch gewachsenes Gebiet gibt es also gar nicht? Na so was! Zitat Enzyklopädie 2000:

„Mindestens seit dem 6. Jahrhundert scheinen die Bayern mit den benachbarten Franken in Konflikt geraten zu sein. Nach längeren Kämpfen behielten die Franken die Oberhand. Das hat spätestens vom 8. Jahrhundert an zu einer systematischen fränkischen Kolonisationstätigkeit in den bayerischen Bezirken nördlich der Donau geführt.“ Das können halt die Altbaiern bis heute nicht vergessen! Haben die Franken doch zu einer Zeit schon gesiedelt, als im altbaierischen Raum noch die Wildsäue suhlten! Warum fragt man nicht kompetente Wissenschaftler wie z. B. Prof. Dr. Endres?

Autor: Norbert Gramlich

Thema: Geschichte Franken

Leserbrief:

Langzeitkurierlesern sind noch Prof. Endres, Inhaber des Lehrstuhls für fränkische Geschichte an der Uni Bayreuth, sowie die NK-Redakteure Alexander Prechtl, Anja Meister und Susanne Schmalz bekannt. Letztere durch brillante Artikel über fränkische Geschichte. In seinen Erlangener Heften wies Prof. Endres den Kampf der fränkischen Bevölkerung um Demokratie und Freiheit in der Zeit nach der Okkupation und Ausplünderung Frankens durch Bayern nach 1806 wissenschaftlich nach.

Nun, den Lehrstuhl gibt es nicht mehr, auch keine entsprechende Lehrerausbildung sowie Unterricht über 1.000 Jahre fränkische Geschichte in unseren Schulen, also über die Region, in der wir hier leben. NK-Artikel dazu à Fehlanzeige! Man möchte uns geschichtslos und damit gesichtslos machen!

Voran das Bayerische Fernsehen: Mit pseudowissenschaftlichen Geschichtssendungen und Leuten wie Prof. Blessing aus München tut man so, als ob Franken schon immer zu Baiern gehörte.

Wir Franken hatten schon ein Weltreich als sich in München noch die Wildschweine den Hintern an den Eichen wetzten. Scherz beiseite, aber dass Herr Blessing bei anderer Gelegenheit ein fränkisches Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich spätestens im 300 Jahre lang bestehenden fränkischen Reichskreis bis zur Ausplünderung Frankens durch die Bayern von Napoleons Gnaden um 1806 herausbildete, leugnet, ist sehr vermessen. Die Grundthese Blessings, die sich durch alle seine Publikationen und auch durch diesen Vortrag zieht, nämlich, dass der Flickenteppich Franken froh sein müsste, dass es Bayern zugefallen sei, ist absurd.

Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen waren damals noch mehr zerstückelt als Franken und sind heute starke Bundesländer! Einfach nur lächerlich auch die These Blessings, Oberfranken habe Luitpold den Aufschwung zu verdanken, wo doch jeder Laie weiß, dass sich während seiner Regentschaft Deutschland in der industriellen Revolution bzw. Gründerzeit befand! Wir dummen Franken hätten das wahrscheinlich ohne Luitpold, dessen Mitwirken beim Ableben des Kinis übrigens bis heute nicht geklärt ist, nicht gemerkt.

Der Abstieg Frankens, Herr Blessing, setzte nicht 1914 ein, sondern 1964, leicht nachzuweisen an der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Es war die Politik von Strauß bis Stoiber. Genau 1964 war erstmals das BIP Oberbayerns größer als das Frankens! Die Schere ging seitdem stetig auseinander. Nun haben wir es zum Schlusslicht in Bayern gebracht.

Sehr schlimm ist es, dass gerade der Frankenbund Historiker wie Prof. Blessing hofiert. Ein Verein, der offensichtlich seine Hauptaufgabe (Internet) darin sieht, sich vom Fränkischen Bund e.V. abzugrenzen.

Als öffentlich geförderter Kulturverein sollte er z.B. unsere Unterschriftenaktion (bis jetzt 10.806 Unterzeichner) zur Rückführung aller geraubten fränkischen Kulturgüter vorwiegend aus Münchner Museen in ihre ehemals fränkischen Standorte (z.B. Domschatz Bamberg) unterstützen!

In Anbetracht der kulturellen Leistungen von Markgräfin Wilhelmine für Bayreuth sollte man den Luitpoldplatz in Wilhelmineplatz umbenennen.

Landesvorstand Fränkischer Bund e.V.

Norbert Gramlich, Manfred Hofmann, Joachim Kalb

Thema: Geschichte Franken

Volksverdummung – und was man dagegen tun kann
Die Volkshochschule der Stadt Forchheim ergänzt mit ihrem aktuellen Programm die lückenhafte bayerische Geschichtsdarstellung anlässlich der diesjährigen bayerischen Geschichtsshow „Franken im Mittelalter“ in der Kaiserpfalz.

Nachdem die Besucher der vom „Haus der Bayerischen Geschichte“ ausgerichteten „Kaiser Heinrich II.“- Ausstellung in Bamberg dümmer raus als reingegangen sind, hat sich die Stadt Forchheim gut auf die für dieses Jahr angedrohte Austellung diese Hauses in den Räumen der Forchheimer Kaiserpfalz mit dem Titel „Franken im Mittelalter“ vorbereitet.

Die Volkshochschule der Stadt Forchheim bietet eine Vielzahl von Vorlesungen zur fränkischen Geschichte an. Insbesondere sollte man sich den 10. Mai 2004 im Kalender anstreichen. Für diesen Tag ist Prof. Rudolf Endres mit der Vorlesung „Zur Geschichte des Fränkischen Reichskreises“ angekündigt. Man erfährt etwas über die fränkisches Geschichte in der Zeit von 1500 bis zum Einmarsch des bayerischen Militärs, also die 300 Jahre der fränkischen Geschichte, die die Landesausstellung u.a. ausspart. In dieser Zeit haben sich die fränkischen Territorien im gut funktionierenden Fränkischen Reichskreis zusammengefasst. Es handelt sich hierbei sozusagen um ein bayerisches Staatsgeheimnis, weil nach Münchner Version der Geschichte Franken vor dem militärischen Anschluss nicht in der Lage war, sich selbst zu verwalten.

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6. Geschichte Frankens Teil 1

Montag, 14. September 2009 | Autor:

Frankenlied

 

Historisches:

Die Franken (= Freie) sind während der Völkerwanderung (ab ca. 250) aus den weserrheingermanischen Stimmen der Chamaven, Ampsivarier, Chattuarier, Brukterer, Tenkterer entstanden. Später kamen noch die Chatten (Hessen) dazu.
Im 4.Jahrhundert siedelten Teile der F. in Toxandrien (Nordbrabant); sie dehnten sich ab 406 nach Flandern bis zur Nordsee aus. Die Besiedlung Galliens durch die Salier (ahd. sala = Herrschaft) begann im 5. Jahrhundert bis zur Seine und Loire. Die Ripuarier setzten sich im Raum südlich von Köln fest, und siedelten ab 455 im Moselgebiet und bis zu den Ardennen.
Seit Chlodwig (466 – 511) begannen sie mainaufwärts ins heutige (Ost-) Franken zu ziehen, welches als einziges Gebiet immer noch diesen Namen trägt (Merowingische Landnahme). Die erste bedeutende Stadtgründung im heutigen Franken war Würzburg (um 560). Funde und auch Ortsnamen deuten darauf hin, daß in der Zeit vor Christi Geburt hier die Kelten siedelten. Namen wie Main = Schlange, Nürnberg = Felsenberg; ehemalige Fliehburgen auf dem Würzburger Marienberg, auf der Ehrenbürg/Rodenstein (=Walberla bei Forchheim) und auf der Houbirg bei Hersbruck zeugen noch heute davon. Auch Ortsnamen mit -ach (=Wasser) oder ‚hall‘ (=Salz) wie Rodach, Schwarzach, Hallstadt und Schwäbisch Hall sind keltischen Ursprungs.
Ab dem 1. vorchristlichen Jahrhundert wurden sie durch die von Norden vordringenden Germanen und die von Süden eindringenden Römer verdrängt oder gingen in ihnen auf. Die Römer selbst kamen nur bis in die Randgebiete des heutigen Franken. Der Limes verlief vom heutigen Miltenberg fast schnurgerade südlich bis zum Neckar (Lorch), von dort aus in einem leichten Bogen nach Nordosten in die Gegend von Gunzenhausen und von dort aus über Ellingen bei Weißenburg wieder nach Südosten über den Jura Richtung Eichstätt und dann weiter nach Kehlheim, wo er an der Donau endete. Römische Dauersiedlungen sind nur westlich und südlich des Limes entstanden wie Biriciani (b. Weißenburg). Nördlich und östlich des Limes war freies Germanien – dort entdeckte Funde wie Münzen oder Waffen sind sogenannte Streufunde, die entweder von Händlern oder Soldaten bei gelegentlichen Ausflügen oder Geschäftsreisen zu den germanischen Stämmen verloren oder zurückgelassen wurden.
Vor der Völkerwanderungszeit lebten im Regnitz-Main-Gebiet die Markomannen, die später nach Böhmen abzogen und als ein Teilstamm der Bajuwaren angesehen werden. Geklärt ist die Herkunft der Bayern aber bis heute nicht, nachgewiesen ist nur, daß sie um etwa 550 n. Chr. an der Donau siedelten und sich aus Resten keltoromanischer Bevölkerung sowie germanischen Söldnern in römischen Diensten zusammensetzten. Germanisiert wurden sie durch die von Nordwesten vorrückenden Franken, denen sie daher den Umstand verdanken, daß sie heute deutsch sprechen. Die häufige Endung der Ortsnamen auf -ing deutet auf enge Beziehungen zu den benachbarten ŕ Alemannen hin.
Der Limes wurde durch die von Norden aus dem Havel-Spree-Gebiet (Raum Berlin) einfallenden Alemannen zerstört (um 250). Aus dieser Zeit stammen Ortsnamen mit -ingen (= Siedlung): Meiningen, Bad Kissingen, Kitzingen, Ellingen, Treuchtlingen. Bevor die Franken von Westen mainaufwärts vorrückten, siedelten hier noch die Thüringer und hinterließen ihre Spuren in den Ortsnamen auf -hausen: Mühlhausen, Rentwertshausen, Sommerhausen; auch die bekannten fränkischen Wurstsorten sind ursprünglich thüringisch.
Aus der Zeit der merowingischen Landnahme kommen die typisch fränkischen Namen auf -heim, -feld, -bach, -dorf wie Ostheim, Windsheim, Forchheim, Scheinfeld, Henfenfeld, Baiersdorf, Dachsbach, Erlbach.
Im 7./8. Jahrhundert sickerten slawische Siedler bis in den Steigerwald und die Frankenhöhe ein. Orts- und Flußnamen mit wind (von ‚Wenden‘ = Fremde) oder -itz wie Wörnitz, Geiselwind, Bad Windsheim, Windsbach, Marktredwitz, Teuschnitz, Selbitz; Pegnitz, Regnitz, Itz deuten heute noch darauf hin. Um 950 (zur Zeit Ottos I.) lag die Slawengrenze bei Forchheim, um 1100 immer noch an der Elbe-Saale-Linie (etwa Lübeck-Hof).
Das Volk der Franken entstand durch einen Zusammenschluss mehrerer rhein- und wesergermanischer Stämme (Brukterer, Tenkterer, Sigambrer, Usipeter, Chattuarier, Chamaven, Ampisavier), denen sich spaeter noch die Chatten (-> Hessen) anschlossen. Sie wurden zum ersten Mal gegen 250 n. Chr. als „Francii“ (= Freie, Kühne) durch roemische Quellen erwaehnt. Etwa zur gleichen Zeit kam es zu den Zusammenschluessen der Alemannen im Havel-Spree-Gebiet (heute Raum Berlin), der Sachsen im Elbbereich (aus Cheruskern, Chauken u. a. und der Thueringer (aus verschiedenen hermundurischen Staemmen).Teile der Franken siedelten im 4. Jahrhundert in Toxandrien (Nordbrabant) – sie dehnten sich ab 406 nach Flandern bis zur Nordsee aus. Im 5. Jahrhundert begann die Besiedlung Galliens durch die Salier, wodurch die Franken mit der keltoromanischen Kultur in Beruehrung kamen und von ihr mitgepraegt wurden. Die Ripuarier setzten sich suedlich von Koeln fest und siedelten ab 455 auch im Moselgebiet und bis zu den Ardennen.

Anfangs standen die Franken unter Gaukoenigen – der angebliche Koenig Pharamund ist jedoch keine historische Figur sondern gehoert zu den fraenkischen Sagengestalten aus der Fruehzeit der Stammesgeschichte. (Deshalb kann er auch Windsheim nicht gegruendet haben – dies ist eine ehemals slawische Siedlung).
Der erste bedeutende Frankenkoenig war Chlodwig, welcher alle uebrigen Gaukoenige ausschaltete und zum roemischen Christentum uebertrat. Damit sicherte er sich auch die Sympathien der gallischen Bevoelkerung und des erstarkenden Papsttums. Des weiteren foerderte er die Verschmelzung von Galloromanen und Franken, woraus im Laufe der Jahrhunderte die franzoesische Kultur entstand.

Chlodwig begann auch mainaufwaerts zu siedeln (Merowingische Landnahme). Dadurch entstand das heutige Ostfranken, welches heute als einzige Region des ehemaligen fraenkischen Grossreiches noch den Namen Franken traegt. Unter Chlodwigs Soehnen wurde auf Grund des fraenkischen Erbrechts die koenigliche Macht immer schwaecher (Es wurde aber die Herrschaft, nicht das Land geteilt).
Die Schwaeche der merowingischen Koenige fuehrte zum Aufstieg der karolingischen Hausmeier (v. lat. „maioram“ = der Obere, Hoehere -> s. Major, Name Maier, maire = frz. Buergermeister). Der erste dieser hohen Hofbeamten, der de facto die Macht im Staat ausuebte, war Karl Martell (= der Hammer), welcher 732 inder Schlacht bei Tours und Poitiers die ueber Spanien eingedrungenen Mauren (Araber) besiegte und damit das Abendland vor der islamischen Eroberung bewahrte. Sein Sohn Pippin setzte den letzten Merowingerkoenig ab und ernannte sich selbst zum Koenig der Franken. Die Unterstuetzung des Papstes erlangte er durch die Pippinische Schenkung (Kirchenstaat) und die Sicherheitsgarantie fuer die roemische Kirche.

Die groesste Ausdehnung und politische Bedeutung errang das Frankenreich unter Karl dem Grossen. Unter seiner Herrschaft kam es zur Befriedung der Grenzen durch Marken (Spanische Mark gegen die Araber, Sorbische Mark gegen die Slawen, Daenische Mark gegen die Daenen und Ostmark gegen die Awaren, welche er in einem Feldzug besiegte). Traurige Beruehmtheit erhielt er durch die Zwangschristianisierung der Sachsen. Karl wurde zum Dank fuer den Schutz der roem.- katholischen Kirche und des Papstes (gegen die Langobarden in Norditalien) im Jahr 800 im Petersdom zum Roemischen Kaiser gekroent und trat damit die Nachfolge der roemischen Caesaren an. Trotz seines strikten, im Falle der Sachsen brutalen Eintretens fuer die Christianisierung vergass Karl jedoch nicht die germanischen Wurzeln und liess alte Sagen und Erzaehlungen sammeln, welche aber durch seinen Sohn Ludwig dem Frommen in religioesen Uebereifer vernichtet wurden.

Waehrend unter Ludwig d. Frommen als einzigen Erben das Reich stabil blieb, begann mit dessen Soehnen der Zerfall. Beguenstigt durch die fraenkische Erbteilung und der kulturellen Auseinanderentwicklung in einen germanischen Ostteil (Ostfranken -> Deutschland) und einen romanischen Westteil (Westfranken -> Frankreich) wurde das Reich in drei Teile aufgeteilt. Den mittleren Teil bekam Lothar (-> Lothringen), den Westteil Karl der Kahle, den Ostteil Ludwig der Deutsche). Nach dem Tod Lothars wurde das Mittelreich zwischen Karl und Ludwig geteilt (Strassburger Eide – erstes altfranzoesisches und althochdeutsches Sprachdenkmal) – es blieb dieses Gebiet jedoch bis in unser Jahrhundert ein staendiger Zankapfel zwischen Franreich und Deutschland. Mit Ludwig dem Kind starb dann die Dynastie der Karolinger aus. Damit wurden beide Landesteile endgueltig eigenstaendige Staaten.

Interessant ist die Entwicklung des Begriffes „deutsch“. Es hat seinen Ursprung im altgermanischen „theudisk“ und wurde als lat „theodiscum“ als Bezeichung fuer die Sprache der germanischen Voelker in Gallien gebraucht. Spaeter ging es auf alle germanischen Voelker im Frankenreich ueber, also auch auf die Sachsen, Friesen, Baiern, Alemannen und Thueringer. Es bedeutet nichts anderes als „volkstuemlich“, „Sprache des Volkes“. Erstes Sprachdenkmal waren die -> Strassburger Eide. Ueber das althochdeutsche „diutisk“ (engl. Dutch, nord. tysk, ital.tedesco, span. tudesco) entwickelte es sich zum neuhochdeutschen Begriff „deutsch“.

Sprachlich und stammesgeschichtlich gehoert das Fraenkische nach wie vor zu den groessten westgermanischen Sprachgruppen und schliesst das Niederlaendische (Holland, Flandern), das Rhein- und Moselfraenkische (Rheinland, Pfalz, Luxemburg, Saarland, Lothringen; Hessen, noerdliches Baden-Wuerttemberg ausser der Tauberregion), Westfaelische und Ost-(auch Main-)fraenkische im Raum Bamberg – Nuernberg – Wuerzburg und Suedthueringen mit ein.

Als Landschaftsbezeichnung hat sich der Name Franken jedoch nur im in Ostfranken (Main-Regnitz-Gebiet) erhalten. Diese Region wurde – wie schon erwaehnt – als letzte fraenkisch besiedelt (ab Chlodwig).
Im heutigen Franken sind Spuren alt- und jungsteinzeitlicher Besiedelung ebenso vorhanden wie bronze- und eisenzeitliche Funde. Als erstes Volk sind die Kelten namentlich nachweisbar. Ortsnamen auf -ach (= Wasser, germ. bach, lat. aqua) wie in Rodach, Schwarzach oder Volkach weisen darauf hin. Der fraenkische Hauptfluss Main ist ebenfalls „Kelte“ (dt.: Schlange -> maeandern). Ein weiteres Indiz sind Ortsnamen auf -hall (= Salz), wie Hallstadt oder Schwaebisch Hall. Die Kelten wurden ab dem 1. vorchristlichen Jahrhundert von den Germanen aus Richtung Norden und den Roemern von Sueden her verdraengt oder assimiliert. Zeugen ihres Rueckzugskampfes sind viele Reste von Fliehburgen wie auf dem Walberla bei Forchheim, dem Wuerzburger Marienberg, der Houbirg bei Hersbruck u. a. Auch der Name Nuernberg ist keltischen Ursprungs und bedeutet „Felsenberg“.
Die Roemer selbst drangen nur in die Randgebiete des heutigen Ostfranken vor.Entlang des Limes entstanden Militaerlager wie das Auxiliarkastell Biriciani (heute Weissenburg). Der Limes wurde dort um 250 von den Alemannen durchbrochen, Biriciani zerstoert, wiederaufgebaut und nach einem weiteren Alemanneneinfall endgueltig aufgegeben.

Von den Alemannen ruehren die Ortsnamen auf -ingen (= Siedlung) her, z. B. Bad Kissingen, Kitzingen, oder Treuchtlingen. Nach den Alemannen siedelten noch die Thueringer im Gebiet zwischen Main und Donau. Neben den bekannten „fraenkischen“ Wurstsorten hinterliessen sie u.a. Siedlungen aufleben, z. B. Essleben bei Wuerzburg.

Das Thueringerreich wurde von den mainaufwaerts ziehenden Franken erobert, welche das Land bis heute sprachlich und kulturell praegen. Aus der Fruehzeit der Merowinigschen Landnahme stammen die vielen Ortsnamen auf -bach, -dorf, -feld und -heim wie in Dachsbach, Erlbach, Baiersdorf, Henfenfeld, Scheinfeld, Ostheim, Forchheim.

Waehrend der Schwaeche der merowingischen Koenige konnten slawische Siedler bis in den Steigerwald und die Frankenhoehe einsickern. Namen mit „wind“ (v.den Wenden = Fremden) oder „itz“ deuten noch darauf hin: Windsheim, Geiselwind, Windsbach, Selbitz, Teuschnitz; Woernitz, Pegnitz, Regnitz, Itz.
Die fraenkischen Koenige liessen ueberall Koenigshoefe errichten (die spaeteren Sachsen- und Salierkaiser fuehrten dies fort). Diese Koenigshoefe dienten als Aufenthaltsort bei Reisen und waren gleichzeitig Gerichtstaetten sowie die Orte, an denen Steuern und Abgaben entrichtet werden mussten. Solche Koenigshoefe waren u. a. Windsheim, (Neustadt/Aisch-)Riedfeld, Rosstal, Forchheim, Fuerth, (Nuernberg-) Moegeldorf, um nur einige zu nennen.

Seit Karl dem Großen begann die planmäßige Ausdehnung nach Osten ins Slawengebiet (Gründung der Ostmark und der Sorbischen Mark) durch die Franken, die dann nach und nach das heutige Gebiet bis ins Fichtelgebirge und an die böhmische Grenze in Besitz nahmen. Im 12. Jahrhundert teilte sich das Stammesherzogtum in West- und Ostfranken; letzteres führt bis heute trotz immer stärkerer Zersplitterung seit Otto I. den Namen Franken. In Westfranken entstanden die späteren Territorien Pfalz, Hessen, Luxemburg.

Der Name Franken hat sich somit ausgerechnet in dem zuletzt von ihnen besiedelten Gebiet erhalten.
In (Ost-)Franken, auch Mainfranken genannt, führten die Fürstbischöfe von Würzburg den Titel ‚Herzog von Franken‘ weiter, aber sie beherrschten nicht einmal ein Drittel des ehemaligen Stammesherzogtums. Es entstanden viele relativ kleine Territorien: die Hochstifte Würzburg und Bamberg, die Burggrafschaft Nürnberg (später: Fürstentümer Ansbach und Bayreuth), die Grafschaften Pappenheim, Henneberg, Hohenlohe, Limburg, Castell, Schwarzenberg (später gefürstet), sowie die bedeutenden Reichsstädte Rothenburg, Schweinfurt, Dinkelsbühl und vor allem Nürnberg mit seinen Ablegern Windsheim und Weißenburg.

Diese Zersplitterung Frankens bewirkte einerseits eine große kulturelle Vielfalt, andererseits förderte sie aber auch das starke Konkurrenzdenken der einzelnen Gebiete und dadurch natürlich den bis heute sichtbaren Lokalpatriotismus der Franken. Die damit einhergehende innere Schwäche versteht man sich andernorts immer noch zunutze zu machen. Die Reformation verstärkte diese Entwicklung noch, weil nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 der jeweilige Landesherr die Religionszugehörigkeit bestimmte. Damit kam zum politischen noch der religiöse Gegensatz. So wechselt bis heute die Religionszugehörigkeit oft von einem Ort zum anderen, also auf Distanzen von manchmal nur ein bis zwei Kilometern.

Im ausgehenden Mittelalter lag aber auch die Blütezeit der vielen kleinen Gebiete und Reichsstädte, wie die vielen Bauwerke der Gotik und Renaissance – vor allem Rathäuser und Kirchen – beweisen (z. B. Rathäuser in Ochsenfurt, Volkach, Coburg, Bamberg, Schweinfurt, Nürnberg sowie die St. Sebaldus und St. Lorenz – Kirche in Nürnberg, die Festung Marienberg in Würzburg, die Veste Coburg, die Kaiserburg Nürnberg, die vielen Würzburger und Bamberger Kirchen usw.). Die Markgrafen von Brandenburg und späteren Könige in Preußen kamen zwar ursprünglich aus dem Schwäbischen (Hohenzollern), Friedrich IV. wurde jedoch als Burggraf von Nürnberg brandenburgischer Kurfürst.

1555 wurde der Fränkischen Reichskreis im heutigen (Ost-)Franken gegründet, der u. a. die Bistümer Würzburg, Bamberg und Eichstätt, die Fürstentümer Ansbach, Bayreuth, Henneberg, Hohenlohe sowie die Reichsstädte Nürnberg, Rothenburg, Schweinfurt, Windsheim und Weißenburg und viele andere kleine Territorien umfaßte und bis 1806 bestand. Kreisausschreibender Fürst war Ansbach-Bayreuth, Sitz des Kreises (Kreishauptstadt) wurde Nürnberg.
Der Dreißigjährige Krieg beendete diese Epoche wirtschaftlicher und kultureller Hochblüte vor allem für die Reichsstädte. Die kaiserliche Macht bestand fast nur noch auf dem Papier, weshalb auch die Reichsstädte immer bedeutungsloser wurden. Die Verlagerung des Welthandels vom Mittelmeer an den Atlantik nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien und der Neuen Welt tat ein übriges. Paradoxerweise haben die Reichsstädte zu dieser Entwicklung durch den Erfinder- und Forschergeist ihrer Bewohner selbst beigetragen (z.B. Globus v. Martin Behaim).

Wie überall im Reich begann auch in Franken nun die große Zeit der Residenzstädte. Bedeutende Meister wie Balthasar Neumann schufen Bauwerke wie die Residenzen von Bamberg, Würzburg, Pommersfelden, Ansbach, Bayreuth. In den ehemals bedeutenden Reichsstädten finden sich kaum nennenswerte Baudenkmäler aus dieser Zeit. So hat Nürnberg nur eine einzige Barockkirche (St. Egidien) und ein paar kleine, wenn auch sehr schöne Barockgärten in Johannis und im Neutorzwinger. Trotzdem blieb auch dort nicht alles stehen. Es entstand z.B. der Pegnesische Blumenorden – eine bis heute bestehende Gesellschaft zur Pflege und Reinhaltung der deutschen Sprache. (Wäre jetzt wieder einmal dringend notwendig wegen der vielen Anglizismen).

1803 kam Franken auf Grund des von Napoleon herbeigeführten Reichsdeputationshauptschlußes zu Bayern, die Reichsstadt Nürnberg folgte 1806 (Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation). Säkularisierung und Mediatisierung bewirkten einen großen kulturellen Aderlaß, dessen Folgen heute noch zu spüren sind. Es entstanden zwar – auf der mittelalterlichen Tradition aufbauend – die bedeutendsten Industriegebiete Bayerns deshalb in Franken (Nürnberg, Schweinfurt, Oberfranken), die bayerische Politik war aber von Anfang an vor allem kulturell einseitig altbaierisch ausgerichtet.


Im 19. Jahrhundert. entstanden auch die drei Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken nach französischem Modell als reine Verwaltungseinheiten ohne nennenswerten politischen Einfluß. (Montgelas).

Während des Dritten Reiches war Franken wie das übrige Deutschland in sogenannte Gaue eingeteilt (Franken, Mainfranken, Bayerische Ostmark). Vor allem die Monumentalbauten der Nazis in Nürnberg und der Missbrauch mittelalterlicher Traditionen wie bei den Reichsparteitagen und natürlich die Nürnberger Gesetze belasten den Namen Franken bis heute. Dabei wichen die Wahlergebnisse von 1933 hier nur unwesentlich vom Reichsdurchschnitt ab. Im Februar 1933 kam es (ca. 3 Wochen nach Hitlers Machtübernahme!) zu einer von den Gegnern des NS-Regimes (hauptsächlich SPD) veranstalteten Großdemonstration in Nürnberg, an der immerhin noch 70.000! Menschen teilnahmen. Wie alle Gebiete büßte auch Franken schwer für die Politik der Nazis. Die Zerstörung von Würzburg und Nürnberg sowie vieler anderer kleinerer Städte und Dörfer führten auch zu einem unersetzlichen Verlust an Kulturgütern. Während jedoch in der sogenannten Weltstadt mit Herz, wie sich München heute hochtrabend nennt, fast alle NS-Denkmäler geschleift wurden (es war ja auch die Hauptstadt der Bewegung, will aber heute nichts mehr davon wissen), wurden sie in Nürnberg unter der bayerischen Staatsregierung unter Denkmalschutz gestellt und beeinflussen das Image der Stadt bis heute mit.
Bedingt durch eine immer mehr Münchenzentrierte Politik der bayerischen Nachkriegsregierungen (leider auch mit Hilfe fränkischer Parlamentarier),die durch die jahrzehntelange Randlage Frankens am Eisernen Vorhang noch gefördert wurde, kommt es seit dem Zweiten Weltkrieg verstärkt zu einer immer größeren Kopflastigkeit zugunsten des Raumes München/Oberbayern.

Als Beispiel seien die Bevölkerungszahlen der beiden größten Städte München und Nürnberg angeführt:

 

Das sind die Folgen einer gezielten zentralistischen Politik

Jahr

München

Nürnberg

Bemerkung

1936

746.000

400.000

1950

831.000

300.000

1961

1.100.000

420.000

1992

1.260.000

500.000

Die Gebietsreform der Jahre 1972/74/78 führte zwar zu einer Verwaltungsvereinfachung für die Ministerialbürokratie, nahm aber in Franken keinerlei Rücksicht auf historische, wirtschaftliche und kulturelle Besonderheiten dieser Landesteile. Als Beispiele seien hier die mittelfränkischen Landkreise Ansbach (Nord-Süd-Durchmesser 62 km = Strecke Nürnberg – Bamberg!) und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim genannt. Neben dem Verlust der Zentralfunktion für viele kleine ehemalige Kreisstädte, (Dinkelsbühl, Feuchtwangen, Rothenburg, Gunzenhausen, Scheinfeld, Uffenheim) verödeten besonders in Westmittelfranken, aber auch anderswo in den fränkischen Regierungsbezirken viele kleinere, jedoch gewachsene Gemeinden als sie entweder zu größeren künstlichen Gebilden ohne logische Struktur wie ‚Rauhenebrach‘? im Steigerwald oder ‚Eckental‘? bei Erlangen zusammengefasst bzw. größeren Nachbarn zugeschlagen wurden. Östlich von Nürnberg wurde aus den Kreisen Lauf, Hersbruck und dem Altkreis Nürnberg um Altdorf der Kreis Nürnberger Land gebildet (Kreissitz: Lauf, Kfz-Kennzeichen LAU), da es dort angeblich keine historische Beziehung zur Stadt Nürnberg gäbe (600 Jahre reichsstädtisches Territorium sind scheinbar nichts). Außerdem verlor Franken den Landkreis und die Stadt Eichstätt an Oberbayern. Dass eine solche ‚Gebietsreform‘ auch keine Spur von Bürgernähe mehr hat, braucht eigentlich nicht extra erwähnt werden. Gerechterweise muss zugegeben werden, dass die altbaierischen Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz sowie der Bezirk Schwaben ebenfalls unter dem Münchener Zentralismus leiden. Im Gegensatz zu Franken hat sich aber dort auf Grund der unterschiedlichen historischen Herkunft und Entwicklung bis heute kein nennenswerter Widerstand gegen die Politik der bayerischen Regierung gebildet.

Die Grenzöffnung im Osten 1989, der Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks und die daraus resultierende Wiedervereinigung Deutschlands haben Franken zwar wieder vom Rand in das Zentrum Europas gerückt, auf Grund der weiterhin Münchenorientierten Politik der bayerischen Staatsregierung und der sie tragenden Partei konnte die fränkische Region bis jetzt noch kein Kapital aus dieser an und für sich positiven politischen Entwicklung in Mitteleuropa schlagen. Die wirtschaftliche Rezession der Jahre 1992 -1995 traf im Landesvergleich gerade die beiden fränkischen Wirtschaftsräume Schweinfurt und Nürnberg am härtesten.

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