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5.So schön ist unser Frankenland

Montag, 31. August 2009 | Autor:

Frankenlied

Nur Franken kennen den Wert - Schäuferla

Kuhherde bei Hesselberg

Kuhherde bei Hesselberg

Kultur in Franken - unsere Kühe haben Klopapier

Kreuzberg Sept.09

Kreuzberg September 2009

König Ludwig Kanal 2009

König Ludwig Kanal 2009

Am König Ludwig Kanal Sept.09

Am König Ludwig Kanal September 2009

Schleußenhaus König Ludwig Kanal

Schleußenhaus König Ludwig Kanal

Nürnberg Christkindles Markt Dez.09

Nürnberg Christkindles Markt Dezember 2009

Nürnberg Schöner Brunner Dez.09

Nürnberg Schöner Brunnen Dezember 2009

Forchheim Adventskalender Dez.09

Forchheim Adventskalender Dezember 2009

Bamberg altes Rathaus 2008

Bamberg altes Rathaus 2008

Innenhof Schlenkerla

08.01.09 1
Winter Impressionen
Herbst6 14.10.08

Feldweg Oberreichenbach

08.05.08 8

Frühjahr 09 in Oberreichenbach

Frühling 04 007

Schloßallee Pommersfelden

19.05.07 4

Schloß Weißenstein Pommersfelden

Winter Kirche Pommerf

Dorfkirche in Pommersfelden

Winter Weißenstein 12.99

Winter Schloß Weißenstein Pommersfelden

Winter Mühle  1982

Mühle in Pommersfelden

Park Aug1 05

Schloßpark Pommersfelden

Frühling 04 016

Schloßpark Pommersfelden

Gänse 14.10.08

Hof Impression Oberreichenbach

Radweg 5 10.09.09 23

Ein stolzes Frankendorf

Freiheit für Franken

Freiheit für Franken

Schloß Weißenstein Pommersfelden

Schloßallee im Herbst

Schloß Weißenstein Innenhof

Kellerhaus Cafe Pommersfelden

Kellerhaus Cafe Pommersfelden

Geyerswörthbrücke Bamberg

Rapsblüte 2008

Tanzenhaid

Flur Oberreichenbach

Tanzenhaid Dezember 2009

Kleinziegenfeld

Ein Franke

Staffelberg

Frühjahrsmarkt Nürnberg

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4. CSU – Seehofers Doppelspiel

Montag, 31. August 2009 | Autor:

Frankenlied

Seehofers doppeltes Spiel CSU
04.06.2009, 18:37
Ein Kommentar von Kassian Stroh

CSU-Chef Seehofer will Staatshilfen für Arcandor – und desavouiert den Hoffnungsträger der Partei, Wirtschaftsminister Guttenberg. Das ist riskant.

Wäre es nur ein Spiel, es wäre unterhaltsam anzusehen. Da ist auf der einen Seite Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Bundeswirtschaftsminister gibt die Stimme der ökonomischen Vernunft, die vor leichtfertigen Staatshilfen für schwankende Unternehmen warnt. Erst bei Opel, jetzt bei Arcandor.
Sein Gegenspieler ist der eigene Parteichef, Horst Seehofer. Der ist auch bayerischer Ministerpräsident, und weil Arcandor – anders als Opel – auch einige tausend Arbeitsplätze im Freistaat hat, wirft er sich für den Handelskonzern in die Bresche.
Formal attackiert Seehofer die EU-Kommission, die voreilig Hilfen für Arcandor ausgeschlossen habe. Faktisch lässt er Guttenberg im Regen stehen, der am Dienstag noch schnell mit dem Vorwurf zur Hand gewesen war, die SPD blöke in Sachen Arcandor Heilsversprechen heraus.
Seehofers Kalkül ist klar: Er will die CSU aus der Schusslinie nehmen. Sie soll, nur Tage vor der Europawahl, nicht als herzlose Partei dastehen, die hehre ordnungspolitische Grundsätze über das Schicksal Tausender Menschen stellt, in diesem Fall bei Quelle in Fürth.

CSU: Streit über Arcandor
Guttenberg und Seehofer – ein Riss ist da

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Guttenberg und Merkel
Der Herrin neuer Diener
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Doch dabei gerät umso mehr Guttenberg in die Schusslinie – und für ihn war eigentlich die Rolle des Hoffnungsträgers der strauchelnden CSU vorgesehen. Nicht umsonst sieht, wer dieser Tage durch Bayern fährt, auf den großen Plakatwänden nur die Gesichter von Seehofer und Guttenberg, die bekanntlich beide nicht fürs Europa-Parlament kandidieren.
Es ist ein doppeltes, riskantes Spiel, das die CSU hier aufführt. Denn Guttenbergs als geradlinig empfundene Haltung während der Opel-Verhandlungen findet bei der eigenen Klientel viel Zustimmung. Er gibt all jenen eine Stimme, die Staatseingriffe in die Wirtschaft grundsätzlich skeptisch sehen. In ihm finden sich diejenigen wieder, die beklagen, dass mit Milliardenbeträgen den Großen geholfen werde, während die mittelständischen Betriebe mit ihren Problemen alleingelassen würden. Und er gibt all den Parteianhängern Hoffnung, die einen wie Friedrich Merz in der Union vermissen. Dies alles setzt Seehofer aufs Spiel.


Freilich hatte die CSU noch nie ein Problem damit, zugleich für und gegen eine Sache zu sein. Regierung und Opposition in sich zu vereinen, war stets ihr Erfolgsrezept. Seehofer insbesondere ist ein Großmeister dieses Spiels. Doch diesmal könnte es die CSU teuer zu stehen kommen. Denn es ist allzu offensichtlich, wie schnell sich ihr Fähnchen dreht, wenn es um Arbeitsplätze in Bayern geht. “Was Opel für Rüsselsheim, das ist Quelle für diese Region” – mit diesem Satz hat der aus Franken stammende Markus Söder die Motive der CSU offengelegt. Und alle ordnungspolitischen Grundsätze werden noch viel weniger gelten, wenn erst einmal bayerische Vorzeigefirmen wie Schaeffler offiziell um Hilfe bitten. Bei der Landtagswahl hat die CSU ein Debakel erlitten, weil sie über Jahre an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren hatte. Um das wiederzugewinnen, muss sie ein anderes Spiel aufführen.
(SZ vom 05.06.2009)

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3. CSU – Seehofer wechselt wie der Wind

Montag, 31. August 2009 | Autor:

Frankenlied

Seehofer: Der Meister der plötzlichen Kurswechsel
CSU-Chef sorgt in Berlin mit seinen Finten für Entsetzen und Bewunderung
Seehofer: Der Meister der plötzlichen Kurswechsel

BERLIN – Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat es geschafft, dass seine CSU in Berlin wieder präsent ist. Und dort verfolgt man atemlos seine Finten und unerwarteten Kurskorrekturen.

Der Chef muss mal kurz den Raum verlassen. Horst Seehofer hat seinen Innenminister Joachim Herrmann am Handy, der ihm etwas zu der Bluttat am Landshuter Amtsgericht erzählen will, die sich erst vor ein paar Minuten ereignet hat. Doch der Ministerpräsident befindet sich gerade in der bayerischen Landesvertretung in Berlin im Gespräch mit etwa 50 Hauptstadtjournalisten. Und so bittet er den neben ihm sitzenden Generalsekretär Alexander Dobrindt, solange für ihn einzuspringen. Kein Problem, sollte man meinen.

Peinlicher Moment

Doch nun kommt der peinliche Moment. Keiner hat Lust, den «General« zu löchern. Man traut ihm schlicht nicht zu, dass er im Namen der ganzen Partei verbindlich sprechen kann. Deswegen beginnt der erste Fragesteller nach der Kunstpause auch gleich damit, Dobrindt zu sagen, dass er ja eigentlich die Auskunft gerne vom Chef hätte.

Horst Seehofer ist die CSU und die CSU ist Horst Seehofer. Bei den restlichen Funktionären handelt es sich, bildlich gesprochen, um ein nachgeordnetes Zwergenvolk, das nur eine Fähigkeit mitbringen muss. Die aber bis zur Perfektion: rechtzeitig erkennen, wenn der Ingolstädter mal wieder einen Kurswechsel vorgenommen hat. Das geht manchmal so schnell, dass selbst ein Profi wie Gesundheitsminister Markus Söder nur noch mit hängender Zunge nachkommt und gerade eben vom totalen Nein zur Gesundheitsreform zu einem «Ja, aber« umschwenken kann.

Dominierender als alle anderen

In den Berliner Parteizentralen beobachtet man die Finten Seehofers mit einer Mischung aus Bewunderung und Entsetzen. Bewunderung, weil es Seehofer binnen fünf Monaten geschafft hat, in den eigenen Reihen weit dominierender zu sein als Angela Merkel und Franz Müntefering in ihrer jeweiligen Partei. Entsetzen, weil jederzeit mit völlig unerwarteten Kurskorrekturen zu rechnen ist, was das Regieren nicht einfacher macht.

Beim Auftritt des Ministerpräsidenten in der bayerischen Landesvertretung ist die Irritation mal wieder mit Händen zu greifen. Am Morgen hat die “Financial Times” einen CSU-Vorständler anonym zitiert, wonach Seehofer bei internen Beratungen im Kloster Banz ein drittes Konjunkturpaket gefordert habe. Das könnte Ärger geben, wird zu dem Zeitpunkt in Berlin vermutet, denn die Bundeskanzlerin hat genau solche ergänzenden Programme klar ausgeschlossen.

Doch der Ministerpräsident setzt seine schönste Unschuldsmiene auf, als er danach gefragt wird. Niemals habe er so etwas gesagt. Im Gegenteil, jetzt müssten erst einmal die vorhandenen Konjunkturpakete umgesetzt werden. Alles andere verweist er in den Bereich der Legende: «Ich kenne niemanden im Vorstand, dessen Sinnesorgane so getrübt sind, dass er so etwas gehört haben könnte.«

Sechs Monate Wahlkampf

Horst Seehofer macht kein Geheimnis daraus, dass für die CSU von jetzt bis zum 27. September ununterbrochen ein kompakter Wahlkampf angesagt ist. Erst Europa, dann Bundestag. Fast sechs Monate lang. Später schiebt er lächelnd einen Satz nach, bei dem man als Zuhörer wieder rätseln darf, wie hoch der Satireanteil zu veranschlagen ist: «Wir haben einen sehr engen Schulterschluss mit der CDU.« Der sieht so aus, dass es in der Europa- und in der Steuerpolitik erhebliche Differenzen gibt und dass erst Mahnworte der Kanzlerin zu einer vergleichsweise friedlichen CSU-Klausur in Banz führten.

Eines will dann Seehofer doch noch loswerden. Alexander Dobrindt sei ein ganz hervorragender Generalsekretär. Dem Angesprochenen steigt etwas die Röte ins Gesicht, während der Chef immer weiter lobt. Und zwar genau bis knapp über die Grenze hinweg, wo der Jubel schon wieder verdächtig zu werden beginnt. Soll sich nur keiner zu sicher sein von den Jungen, dass es ohne ihn nicht ginge.

Harald Baumer

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2.Der Sturz eines fränkischen Ministerpräsidenten

Sonntag, 30. August 2009 | Autor:

Frankenlied

Darüber sollten alle Bürger in Bayern bzw. alle Wähler einmal gründlich nachdenken bevor sie eine Wahl treffen.

Edmund Stoiber hat zurückgeschlagen – und darüber wohl vergessen, dass er und seine Fehler entscheidend zum Debakel der CSU beigetragen haben.


Von Peter Fahrenholz

Edmund Stoiber ist der wahre Drahtzieher hinter dem CSU-Drama.

Das Finale wollte er sich nicht entgehen lassen, den letzten Teil seiner Rache wollte er live genießen: Zur Sondersitzung der Fraktion war auch Edmund Stoiber erschienen. “Der Herr Fraktionsvorsitzende hat mich eingeladen, dann komme ich natürlich”, sagte Stoiber.

Und der Ruheständler Stoiber konnte tatsächlich erleben, wie seine Saat aufging. Auch Günther Beckstein musste gehen, er musste resigniert zur Kenntnis nehmen, dass die Bataillone, die Stoiber in Stellung gebracht hatte, zu stark waren. Es war, als ob sich aus dem Grab noch einmal eine kalte Hand herausstrecken würde, um die Erben zu meucheln.

Die Rache des Gestürzten

Seit dem Wahldebakel vom Sonntag hat Stoiber nichts unversucht gelassen, um Rache an seinen Nachfolgern zu nehmen, die ihn im Januar 2007 aus seinen Ämtern gedrängt hatten.
Er hat die Oberbayern-CSU in Stellung gebracht, die den Rücktritt von Huber und Beckstein forderte. Seine Hilfstruppen haben dafür gesorgt, dass die internen Sitzungen breit in den Medien gestreut wurden. Er selbst soll dann in unzähligen persönlichen Telefonaten mit Abgeordneten die Stimmung gegen Beckstein geschürt haben, der wiederum versucht hat, in eigenen Telefonaten mit denselben Leuten seine Haut zur retten.

Endkampf zweier Freunde

Es war der finale Kampf zweier Männer, die einmal enge Vertraute und auch – soweit die Politik diese Kategorie überhaupt kennt – persönliche Freunde waren, und Stoiber hat ihn gewonnen.

Stoibers Rolle in den letzten Tagen sei “diabolisch” gewesen, heißt es in der CSU-Fraktion, es ist vom “Mephisto aus Wolfratshausen” die Rede. Stoibers Rachefeldzug sei “ohne Vergleich in der bayerischen Nachkriegsgeschichte”, sagt ein CSU-Mann.

Kein gutes Wort über Beckstein

Dass Stoiber so unerbittlich Vergeltung geübt hat, sagt viel über ihn aus. Er hat die Demütigung seines Sturzes nie überwunden. Dass sich ausgerechnet seine beiden engsten Getreuen, Beckstein und Huber, gegen ihn verschwören könnten, damit hatte er nie gerechnet. Von seinen Nachfolgern hat Stoiber fortan nichts mehr gehalten. Bei offiziellen Anlässen erwähnte er ihre Namen nur, wenn es unbedingt sein musste, im kleinen Kreis machte er abfällige Bemerkungen über sie.
Und den Beifall auf seiner neunmonatigen Abschiedstournee, den ihm seine Partei noch spendiert hatte, hat er für bare Münze genommen. Für Stoiber war sein erzwungener Rücktritt vor allem eine Verschwörung. Dass es seine eigenen politischen Fehler gewesen sind, die diesen Abgang erzwungen haben, das hat er nie ernsthaft reflektiert.

Mehr zum Thema

Stoiber: Der Königsmörder
Sein Programm heißt: Rache
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Stoiber im Wahlkampf
Von ganzem Herzen teilnahmslos
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Gerüchteküche CSU
Haderthauer: Stoiber kommt nicht wieder

Blind für die eigenen Fehler

Und seine Partei hat es ihm dabei leichtgemacht. Denn dort wird allenfalls nur zart angedeutet, was Gerold Tandler, Stoibers Kompagnon aus gemeinsamen Strauß-Tagen, so unverblümt sagt, wie es immer seine Art gewesen ist. “Der einzige Schuldige an dem Desaster ist Edmund Stoiber.”

So wenig, wie in der CDU eine offene Diskussion darüber geführt worden ist, warum die Bundestagswahl 2005 beinahe verloren worden wäre, so wenig hat die CSU ehrlich über die Gründe diskutiert, warum sich die Wähler so vehement von ihr abgewandt haben.

Es war die Reformpolitik, die Edmund Stoiber im Rausch der Zweidrittel-mehrheit nach 2003 regelrecht durchgepeitscht hat. Bei dieser Politik stand nie im Vordergrund, ob es für die einzelnen Projekte überhaupt hinreichende Gründe gab. Es ging vor allem darum, Stoiber als größten und mutigsten Reformer Deutschlands zu inszenieren.

Sein Ehrgeiz wird zur Hybris

Stoiber wollte Bayern nach seiner knapp verlorenen Wahl gegen Gerhard Schröder im Jahr 2002 zum Musterland machen und damit zeigen, dass er der bessere Kanzler wäre. Und natürlich hoffte er auf eine zweite Chance als Kanzlerkandidat. Die Politik, die die CSU immer mehr von ihren Wählern entfremdete, war maßgeblich vom persönlichen Ehrgeiz Stoibers geprägt, einem Ehrgeiz, der immer mehr in Hybris umschlug.

Die CSU – und das erklärt vielleicht, warum die Diskussion über die eigenen Fehler so kleinlaut geführt wird – hat sich dieser Hybris unterworfen. Zuerst lustvoll, denn Erfolg ist sexy, und Stoiber ließ keine Gelegenheit aus, um der CSU deutlich zu machen, wem sie diesen Erfolg zu verdanken hatte. Später dann immer gequälter, und nach seiner Flucht aus Berlin 2005 wollte man Stoiber nur noch loswerden. Da hatten die meisten endlich erkannt, dass mit ihm kein weiterer Sieg mehr zu holen gewesen wäre.
Wenn also in der Wahlnacht verschämt davon geredet wurde, man habe mit der verheerenden Niederlage die Quittung für die gesamten fünf Jahre erhalten und nicht nur für das letzte Jahr unter Beckstein und Huber, dann zielte das auf Edmund Stoiber. Es müsste aber genauso auf die eigene Schwäche und Feigheit zielen.

Denn kein einziges Projekt Stoibers, das heute für die Verluste mitverantwortlich gemacht wird, hat die CSU verhindert, als sie die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Gegen die brachiale Einführung des achtjährigen Gymnasiums, die allen vorherigen Versprechungen zuwiderlief, hat die damals zuständige Kultusministerin Monika Hohlmeier keinen entschlossenen Widerstand geleistet. Obwohl er sie für sinnlos hielt, führte Günther Beckstein die Polizeireform durch, wenn auch murrend. Bei der Verwaltungsreform ließ die CSU-Fraktion sogar zu, dass Stoibers Adlatus Erwin Huber eine Wählergruppe nach der anderen verärgerte.
Selbst in Einzelfragen fehlte der Mut. Bei der Abstimmung über die Abschaffung des Bayerischen Obersten Landesgerichts, einem der unsinnigsten Anschläge auf gewachsene Traditionen, gingen zahlreiche CSU-Abgeordnete lieber vor die Tür, statt beherzt mit Nein zu stimmen.
Stoiber indes reagiert auf solche Kritik noch heute allergisch. Es dürfte spannend werden, wie viel Nachsicht er seinem Nach-Nachfolger Seehofer diesbezüglich entgegenbringt. Der hat am Montag davon gesprochen, in der CSU müsse nun wieder der Dienst am Menschen im Vordergrund stehen. Gemeint hat er damit: Es muss eine Abkehr von der alten Stoiber-Politik geben.

(SZ vom 02.10.2008/ lawe)

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1.Franken in Bayern – ein Problem!

Donnerstag, 20. August 2009 | Autor:

Frankenlied

Liebe Leser,

als ich dieses Buch gelesen habe, ist in mir der Wunsch entstanden die wichtigsten Passagen einmal zusammen   zufassen. Bitte wundert euch deshalb nicht, wenn der Textverlauf etwas holprig ist.

Das Ergebnis meiner Leseprobe könnt ihr hier in komprimierter Form nachlesen. Noch besser aber wäre es, wenn das Buch neu aufgelegt werden würde, damit jeder an die Gesamtausgabe kommt. Von der FAG(Fränkischen Arbeitsgemeinschaft) wurde es im Frühjahr 1993 zuletzt aufgelegt.

Man braucht viel Liebe gegenüber Bayern, wenn man studiert, wie man mit uns Franken in den letzten 200 Jahren umgesprungen ist.

Ich hoffe und wünsche mir, dass bei vielen Menschen in Franken ein „Ruck durch die Reihen geht“, und wir uns nicht länger als Zahler für die „Schicke micki Region“ München und Oberbayern benutzen lassen.

Das Buch von Dr. Hanns Meinhart im Jahr 1949 geschrieben galt als Vorskizze einer größeren Arbeit, die er bedauerlicherweise nicht mehr zu Ende führen konnte. Seine Sicht der Dinge zeigt uns, wenn wir die Gegenwart kennen und studieren, dass sich im Wesentlichen an der Benachteiligung Frankens wenig geändert hat.

Mein Wunsch mit vielen Gleichgesinnten ist es, das viele Franken auf diese Politik der bayerischen Staatsregierung, z.B. bei Wahlen eine deutliche Antwort geben werden.

Franken in Bayern – ein Problem!
Von Dr.Hanns Meinhart

Mein Kampf gilt nicht Personen, sondern einem System. Die verhängnisvollen Folgen des bayerischen Organisations- und Verwaltungssystems für Franken sollen gezeigt werden.

Die knappe vorliegende Skizze ist ein vorläufiger Versuch, anders als bisher die letzten 150 Jahre „staatsbayerischer“ Geschichte, mehr von volks- und stammesgeschichtlicher Seite zu betrachten.

Mein Kampf gilt nicht Personen, sondern einem System. Die verhängnisvollen Folgen des bayerischen Organisations- – und Verwaltungssystems für Franken sollen gezeigt werden.

Der Hauptzweck meiner Arbeit ist, das Problem: “Franken in Bayern“ – es ist wirklich ein Problem! – weitgehend zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Ich möchte ganz Franken zur Besinnung und Sammlung aufrufen, der Wiederherstellung und Befestigung der gelockerten geistigen Einheit Frankens dienen.

Echter Föderalismus verlangt „Parität der Gesellschaftsschichten, der Konfessionen, der Landschaften, der Stämme“.

Nürnberg, Mai 1949

Göppingen

Allgemeine geschichtliche Grundlagen

S.5

Wir verfallen gewiss keiner verstaubten, weltfremden Romantik, wenn wir auf die Bedeutung der alten deutschen Stämme hinweisen, wenn wir im Zeichen des „Föderalismus“ ein größeres Eigenrecht der Stämme betonen und vertreten.

Franken, in dem von uns behandelten Sinne und Umfang, ist eine geistig kulturelle Einheit mit eigener Note, eigenem Schicksal und typisch eigener Entwicklung und unterscheidet sich wesentlich vom bayerischen und schwäbischen Volkstum.

S.6

Im Übrigen war Bayern mit dem erreichten Gebietsstand nicht zufrieden. Man wollte in dem Kreis um Montegelas noch mehr haben, weitere Gebiete um den Main mit dem Besitz der Mainlinie, mit Frankfurt, Mainz, Hanau usw. Noch auf den Wiener Kongressen findet der bayerische Vertreter die „Entschädigungen für abgetretene Gebiete“ noch immer zu niedrig. „Zu wenig Menschen, zu wenig Steuern“ wird immer wieder erklärt und geradezu „ein komplizier menschenhändlerischer Standpunkt“ vertreten.

Es handelt sich vielmehr um einen „Dreistämmestaat“, denn neben Baiern leben ebensoviel Franken(einschließlich Rheinfranken) und ein kleiner Teil Schwaben. Die Baiern bildeten und bilden nicht einmal die Mehrheit. Auch geographisch ist Südbayern keine natürliche Einheit, sondern nur ein Teil – der größte – Süddeutschlands. Es steht gewissermaßen auf zwei sehr verschiedenen Beinen im Osten und Westen im Reich. Wenn nun auch Baiern und Franken keine Gegensätze sind, so sind sie doch etwas Verschiedenes und anders geartetes, die sich in wesentlichen Dingen unterscheiden.

Diese politische Zerrissenheit mit ihren folgenden Streitereien und Feindseligkeiten, aber auch die ungewöhnlich starke natürliche landschaftliche Gliederung(die bis zur Abgeschlossenheit einzelner Teile führt) haben Gleicherweise in Franken wie in Schwaben eine bunte Vielfalt von Erscheinungen wirtschaftlicher, kultureller, auch weltanschaulicher Art bewirkt. Es tritt hier ein besonders auffälliger Gegensatz zu Kurbayern in Erscheinung.

Neu belebt und wieder aufgefrischt wurde die Erinnerung an die Gemeinsamkeiten der alten Stammesgebiete in Franken und Schwaben durch die sog. „Kreiseinteilung“, die Max I und Karl V auf den Reichstagen von 1495 – 1522 schufen. „Diese überständischen Kreise(ohne Böhmen und Schweiz, 10 an der Zahl) sollten in Zukunft den Landfrieden wahren und die Einheit des Reiches schützen“. So war wieder ein geschlossener fränkischer und schwäbischer Kreis entstanden.

Franken und der fränkische Kreis hatte, das muss gesagt  und betont werden, ein ganz besonderes und inniges Verhältnis zum Reich. Man darf „auf die Bluts- und Geistesströme“ hinweisen, die viele Jahrhunderte, schon seit 1268, „zwischen Franken und Schwaben hin- und herliefen“. Es gab wohl „keine Idee, die nicht vom Fränkischen ins Schwäbische hinüber gesprungen wäre“, und es gab „kein Aufbrausen schwäbischen Blutes“, das nicht im fränkischen Raume zu einer Bewegung geführt hätte.

Merkwürdig wenig bestanden tiefere Beziehungen zwischen Kurbayern, dem eigentlichen Ober- und Niederbayern, und  Franken. Chroust, der Würzburger Historiker, sagt einmal: „Durch ein Jahrtausend sind Franken am Main und die Baiern an der Donau Nachbarn gewesen und doch sind sie einander nicht näher gekommen.

S.8

Bei der damaligen, gewaltsamen Neuordnung wurden lebenswichtige Interessen Frankens und Schwabens verletzt. Am schlechtesten erging es den Franken, weil sie nirgends mehr den „Herrenstamm“ bilden. In Baden zählen sie die Hälfte der Bevölkerung, in Württemberg eine bedeutungslose Minderheit, in Hessen haben sie sogar ihren Stammesnamen verloren. In Bayern bilden sie zwar drei Regierungsbezirke, aber ohne jeden Zusammenschluss, ohne jede höhere Einheit, ohne einen anerkannten Verwaltungs- und Kulturmittelpunkt.

S.9

Kurbayern, das heutige Altbayern, war bei diesem Zusammenschluss mir Franken und Schwaben ein etwas zurückgebliebener, einseitiger Agrarstaat, der keine bedeutenderen gewerblichen Mittelpunkt aufwies.

Seit der Gegenreformation war Bayern von der übrigen deutschen Entwicklung systematisch abgehalten worden, es hatte geradezu ein staatliches Sonderdasein geführt.

Soziologisch gesehen bestand ein bedeutender Unterschied zwischen Altbayern und Franken. Dort fast reines Agrargebiet mit einem teilweise sehr behäbigen, bodenständigen Mittel- und Großbauerntum, mit zahlreichen landwirtschaftlichen Dienstboten, die allerdings in sehr gedrückter sozialer Lage sich befanden. Dünne Besiedlung, wenig Städte, vor allem große Dörfer und Märkte, auch viel weit abgelegene Einzelhöfe.

In Franken dagegen mehr eine kleinbäuerliche, teilweise halb proletarisierte Landwirtschaft, viele Städte mit gewerblicher Basis, freilich auch Gebiete mit einer gewissen Überbevölkerung, die nur mit weit verbreitetet Heimatindustrie existieren konnten.


Der bayerische Staatsmythos in seiner Entwicklung

S.12

„Nur die Sieger wollen im Großen handeln, und sie wollen gerade deshalb, dass alles um sie besonders klein und niedergedrückt ist.“

Ein typischer, ausgeprägter Sonderwille seiner Bevölkerung, konservatives Beharren, Unabhängigkeitswille, eine gewisse räumliche Abgeschlossenheit und spätere systematische Trennung von der gesamtdeutschen Entwicklung, die einheitliche Konfession, alle diese Dinge haben zusammengeholfen, um ein ausgeprägtes, dynastisch verankertes Staatsbewusstsein zu entwickeln und werden zu lassen.

Einen gewaltigen Auftrieb erhielt das bayerische Staatsgefühl durch die großen Gebietserwerbungen in der Napoleonischen Zeit, die ja bei den Wittelsbachern den Gedanken eines größeren „Reiches“ hervorriefen. Dieses Staatsgefühl wurde systematisch gesteigert und mit allen Mitteln gefördert. Erst mit dieser Verfassung tritt Bayern in die Reihe der modernen Staaten, beginnt sein eigentliches Verfassungsleben.

Charakteristisch und für die bayerische Entwicklung außerordentlich bezeichnend ist nun, dass man im Gegensatz zu früheren Verfassungsentwürfen im Jahre 1818 neben der allgemeinen und „Nationalrepräsentation“ keine „Kreisdeputationen“ einführte. Man erklärte: „In einem Staate, der aus so vielen fremdartigen kleineren und größeren Gebietsteilen erst kurz zusammengesetzt sei, müsse das erste Absehen der Regierung dahin gehen, aus diesen ehemals verschiedenen Völkern nun ein Volk, nun eine Nation zu bilden; daher es auch nur eine Repräsentation derselben geben könne.“

Provinzial – bzw. Kreisdeputationen wurden daher ausdrücklich verworfen, weil „durch Nebenversammlungen von Provinzialständen die Einheit des Staates geschwächt, der Provinzgeist aber gestärkt würde“.

S.13

Im Sinne der einheitlichen bayerischen Staatsidee sollten und mussten die FRANKEN so schnell wie möglich zu Bayern und Nurbayern gemacht werden. Monteglas und seine Helfer hatten von Frankreich gelernt. Sie sahen, wie die straffe Zentralisation Frankreich eine gewaltige Schwungkraft, große außenpolitische Erfolge seit langem gebracht hatte. Diese Theorie hat eine Auflockerung der zentralistischen Verwaltungsorganisation bis auf den heutigen Tag verhindert. Man war und ist in München des Glaubens, die bayerische Staatskraft würde durch Gewährung einer stammlichen großen Selbstverwaltung nur geschwächt, ja gefährdet werden. Man darf vom Standpunkt Monteglas und seiner Mitarbeiter aus gesehen nicht vergessen, dass erst wenige Jahre zurücklagen, die Selbstständigkeitsbestrebungen Frankens gesehen hatten. Dazu war die fränkische Bevölkerung teilweise sehr preußenfreundlich, in Erinnerung an die erfolgreiche Tätigkeit Hardenbergs, „der in Franken wie ein Vizekönig regiert hatte“.

S.14

Aber ein Mann wie Monteglas, der wirklichen Volksinteressen ohnedies fernstand und von den Ideen Herders über das „Volkstum“ nicht berührt war, hatte dafür kein Verständnis. Das Volk galt ihm nichts, und von der politischen Reife der Untertanen hielt er erst recht nichts.

Das hohe Beamtentum zeugte eine Bürokratie, die auf das eigentliche Volk herabsah. Die Verfassung brachte in Wirklichkeit nicht dem Volke, sondern nur der hohen Beamtenbürokratie einen gewissen Anteil an der Macht.

S.15

Das zentralistische Prinzip, in der französischen Revolution geboren und ausgebaut, ist „der Todfeind jeder landsmannschaftlichen Eigenart“, jeder echten Selbstverwaltung. Es unterschlägt gewissermaßen jede besondere Wesenheit der verschiedenen Landschaften, der verschiedenen Stämme zugunsten der Staatseinheitlichkeit.

Geradezu eine riesige „Gleichschaltung“ ist das entscheidende und einzige Ziel diese Organisationsprinzips, das nicht danach fragt, ob alte geschichtliche Gegebenheiten unterbrochen und zerschnitten werden, das die gewaltsame Einebnung aller störenden Unterschiede bezweckt letztlich im Interesse „eines rationalen Verwaltungsschemas“. Man denke nur etwa daran, dass König Max von Bayern befohlen hatte, den Code Napoleon als allgemeine Rechtsgrundlage in Bayern einzuführen, ohne jede Rücksicht auf den Volksgeist, der das heimische Recht seit einem Jahrtausend geschaffen hatte. Nur die Gleichschaltung sichert die absolute Überlegenheit der Zentralbehörden, sichert die Übermacht der Staatsspitze.

Die Neuerworbenen fränkischen und schwäbischen Gebiete waren schon flächenmäßig so bedeutend, an Bevölkerung, im wirtschaftlichen Leben, Gewerbe und Handel, sogar dem Altstaate überlegen. Hier könnten Münchener oder bloß beschränkte altbayerische Erfahrungen wenig nützen, kein Vorbild abgeben. Da Montgelas über keine anderen Erfahrungen verfügte, griff er auf seinen Lehrmeister Frankreich zurück. Man konnte eben nicht ungestraft zum Rheinbunde gehören, in welchem Frankreich nach Feuerbach „Als der durch sein physisch und geistige Macht überwiegende Staat, mit Rechten des Protektorates bekleidet, den letzten Schlussstein bildete“.

Franken wurde ziemlich willkürlich in drei Regierungsbezirke, Obermain-, Untermai- und Rezatkreis geteilt mit schweren Mängeln, vor allem mit bewusster Zurücksetzung Nürnbergs, das über ein eigenes größeres Landgebiet verfügt hatte, einst geradezu die Hauptstadt des alten Reiches war.

S.16

Im Zeichen der Postkutsche – konnten diese Größenabmessungen der Regierungsbezirke als angemessen bezeichnet werden. Freilich heute, nach über 140 Jahren  im Zeitalter von Flugzeug und Auto – sind sie vollkommen unzulänglich, längst überholt und bezeichnend für die Versteinerung der innerbayerischen Verwaltungsorganisation.

Obwohl es sich in Wirklichkeit um ein neues Staatswesen handelte, das nur den Namen des alten Kerngebiets beibehielt, wurde nicht etwa ein besonderes Kronland Franken mit einem Statthalter, wie in Österreich geschaffen, auch kein Kronland Schwaben.

So kam es, dass in Bayern die Ministerien viel stärker noch als anderwärts etwa geradezu Gottähnliches erhielten. Sie waren „allmächtig, allentscheidend, geradezu allwissend“.

Es gab keine Sachgebiete, die nicht der Zentralgewalt unterstellt, es gab keine Entscheidungen, die nicht von Zentralstellen letztlich gefällt wurden, auch für Franken und Schwaben. So wurde München in einem seltenen, im übrigen Deutschland fast unbekannten Ausmaß der absolute Mittelpunkt des Staates, wie Paris in Frankreich. München sollte dazu das dritte große Zentrum in Deutschland neben Wien und Berlin werden.

Dazu hatte die altbayerische Beamtenschaft bei der Übernahme der Macht in Franken und Schwaben eine harte Hand gezeigt. Man hatte allzu sehr den Eroberer gespielt. Wir brauchen nur zu erinnern an die Memoiren des Ritters von Lang, der immer und immer wieder seine Empörung darüber zum Ausdruck brachte, wie Teile der Bayerischen Beamtenschaft in ihren höchsten Spitzen sich schamlos in Franken bereichert hatten.

S.17

Zwei Tendenzen zeigten sich weiter sehr bald in der Entwicklung des Landes:

  1. die Vernachlässigung aller übrigen Regierungsbezirke zugunsten des größten, des Isarkreise – Oberbayern.
  2. die besondere Bevorzugung der Königlichen Haupt- und Residenzstadt München gegenüber den übrigen größeren Städten in Franken und Schwaben, gegenüber Nürnberg und Augsburg.

Bald begann daher die Kritik im Landtage, und bereist seit 1820 reißen die Beschwerden über die Benachteilungen der Provinz, die ungleichmäßige Verteilung der Staatsausgaben, den ständigen Ausbau Münchens mit Prachtbauten, den Verfall der Bauten in den Provinzstädten, den miserablen Zustand von Hochschulen und Schulen in Franken, die untragbaren Verhältnisse auf dem Gebiete des Land- und Straßenbaues usw. nicht mehr ab.

S.19

1825 bestieg Ludwig I den Thron. Er leitete wirklich einen neuen Abschnitt der bayerischen Geschichte ein. Vor allem begründete er eine wirkliche grandiose bayerische Kulturpolitik, die sich auf die Ausschmückung und den Ausbau der Landeshauptstadt München zur süddeutschen Metropole auswirkte. Ludwig I griff mit harter Hand in den Verwaltungs- und Beamtenapparat ein, versuchte durch rücksichtloses Streichen der Ausgaben in der Provinz das Budget in Ordnung zu bringen und größere Einnahmen zu erzielen. Im Laufe der Zeit wurden die Überschüsse größer. Aber sie wurden nun nicht in die Einnahmen der nächstfolgenden Jahre aufgenommen, sondern Ludwig I nahm für sich das Recht in Anspruch, über die Überschüsse frei zu verfügen. Es war auf diesem Weg nur noch ein Schritt weiter zu dem sog. System der „Erübrigungen“, einem berüchtigten und leidenschaftlich bekämpften System, wenn die Regierungspraxis in der Folge davon ausging, die Einnahmen möglichst niedrig anzusetzen, um höhere Überschüsse zu erzielen, über die der Monarch dann ohne Genehmigung der Stände verfügen konnte. Auf diese etwas eigenartige Weise finanzierte Ludwig I all die großen Bauten und Prachtstraßen, die das München des 19.Jahrhunderts so entscheidend umgestalteten; Pinakothek, Glyptothek, Odeon, Hof- und Staatsbibliothek, Universität, Ludwigstraße usw.

Er fühlte sich in seinem Herrschergefühl durch die Kritik des Landtages verletzt, vor allem war ihm der Geist der Opposition wie er in Franken in burschenschaftlichen Kreisen, in Würzburg, Bamberg, zutage trat, nicht gleichgültig.

S.20

Ludwig wandelte immer mehr auf reaktionären Wegen, darin bestärkt durch seinen Kabinettssekretär Bernhard Grandaur, einen früheren Landrichter in Karlstadt bei Würzburg. Ludwig I entfernte sich immer weiter von konstitutionellen Gedanken und an Stelle einer organischen Weiterbildung des Bestehenden trat starrste Verneinung alles Fortschritts.

S.21

Ludwig I hatte dazu in einer romantischen Laune die Kniebeugung aller Soldtaten vor dem Sanktissimum der katholischen Kirche angeordnet, was den Sturm gegen Abel(war der erste Mann im Ministerium) aufs höchste entfachte.

S.22

Der zentralistische Verwaltungsaufbau durch Montgelas wurde noch verhängnisvoll verstärkt durch die autokratischen Tendenzen Ludwig I. Seine etwas einseitige Art, die überragende Bevorzugung seiner Landeshauptstadt, ist zur absoluten Tradition der bayerischen Verwaltung geworden.

S.23

Am 30.04.1848 fanden die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankfurt statt. Von den 71 bayerischen Abgeordneten entfielen auf Altbayern 27, auf Franken 25, auf Schwaben 9, auf die Rheinpfalz 10. In Franken um Bamberg, Schweinfurt, Kronach, Lichtenfels, Hof war die Parole ausgegeben: „Kein Adeligen, keine Beamten, keine Pfaffen.“ In Altbayern dagegen ging die Parole um: „Lieber bayerische sterben, als frankfurterisch verderben.“ Die Nationalversammlung, die in Frankfurt zusammen trat, wurde anders als in Altbayern in Franken und Schwaben mit Freuden begrüßt.

S.24

In Franken glaubte und hoffte man, die bayerische Regierung müsse der geplanten Reichsverfassung zustimmen. Schon tauchten teilweise die Gedanken eines freien Franken im Verbande eines neuen deutschen Reiches auf. Ein Sturm der Entrüstung ging daher durch ganz Franken, als die Haltung der bayerischen Regierung näher bekannt wurde und als man erkennen musste, dass eine Anerkennung der Reichsverfassung durch Maximilian II nicht zu erreichen war.

Nun trat Nürnberg in den Mittelpunkt der demokratischen Verfassungsbestrebungen. Der Bezirkskongreß der Arbeitervereine Anfang April 1849 hatte die Augen aller auf die alte Reichstadt gelenkt, wo vor allem der Württemberger Gustav Diezel eine große Propaganda entfaltete. Er forderte Franken auf, gegen die Altbayern aufzustehen und sich nicht länger von München brutalisieren und misshandeln zu lassen. Er sagte, solange Bayern bestehe, werde es Aufgabe der Franken sein, die fränkische Stammeseigentümlichkeit gegen die altbayerische hervorzukehren.

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Eine tiefe Kluft hatte sich aufgetan zwischen Altbayern und Franken – Schwaben, die bis heute nicht geschlossen ist, die sich immer wieder zeigt, die nicht künstlich geschaffen, sondern aus der tiefen Wesensverschiedenheit Altbayerns von Franken und Schwaben, aus der anders gearteten geschichtlichen und politischen Entwicklung Frankens verstanden werden muss.

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Altbayern war im Großen und Ganzen ein geschlossener katholischer Kreis, Franken dagegen hatte die große konfessionelle Aufspaltung. Hier lebten neben treuen Anhängern der katholischen Kirche ebenso eifrige bekenntnistreue Lutheraner in größeren geschlossenen Gebieten mit alter Tradition. Protestantismus ist ja keine eigentliche Weltanschauung, während Katholizismus „bewusste Weltgestaltung“ bedeutet, „Verwirklichung religiöser Ziele auch mit politischen Mitteln“.

Wie sich die Gegensätze herausgebildet hatten, dafür dürfte bezeichnet sein der turbulente Adressenkampf, der im April und Mai 1849 um die Annahme der Reichsverfassung in Bayern tobte.

Für die Verfassung Gegen die Verfassung
9.5. 13.5. 14.5. 15.5. 19.5. 9.5. 13.5. 14.5. 15.5. 19.5.
Oberbayern 3 3 4 4 4 11 12 48 92 278
Niederbayern 1 1 2 2 2 2 3 25 71 174
Oberpfalz 1 1 6 6 7 3 4 18 21 69
Altbayern 5 5 12 12 13 16 19 91 184 521
Oberfranken 17 20 40 40 48 - - - - -
Mittelfranken 22 24 29 29 61 1 1 10 10 21
Unterfranken 19 25 28 33 37 - - 13 23 24
Franken 58 69 97 102 146 1 1 23 33 45
Schwaben 20 22 30 36 49 1 1 8 8 9

Im Ganzen wurden also in Altbayern in der oben erwähnten Zeit abgegeben:

Für die Verfassung:                  47 Adressen

Gegen die Verfassung:             831 Adressen

Interessant ist dabei schon der Unterschied zwischen dem eigentlichen Altbayern(Ober-und Niederbayern) und der Oberpfalz. Man sieht geradezu die Ausstrahlungen Frankens auf die Oberpfalz.

Auf der anderen Seite ist ersichtlich, welche ungeheuere Agitation in Altbayern gegen die Reichsverfassung getrieben wurde.

Wie ganz anders das Bild in Franken und Schwaben, trotz allem behördlichen Druck, trotz aller Gegenagitation.

In der erwähnten Zeit wurden in Franken

Für die Verfassung:                  472 Adressen

Gegen die Verfassung              103 Adressen

Abgegeben. Weitaus die meisten gegnerischen Stimmen in Franken stammen aus den rein katholischen Gebieten Unter- und Oberfrankens.

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Die bayerische staatliche Verwaltungsorganisation hatte ja im Interesse der Staatsraison bewusst Franken aufgespalten in drei Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken, die ein Sonderdasein nebeneinander, geradezu gegeneinander führten, und die gemeinfränkisches Denken und Empfinden abbauen sollten zugunsten staatsbayerischer Art, zugunsten der einheitlichen bayerischen Staatsidee.

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Dem Stammesgedanken  – aus rein praktischen, wenn auch nicht aus demokratischen Erwägungen – durchaus Rechnung tragend, erfolgt in der preußischen Verwaltungsorganisation eine großzügige Dekonzentration der Staatsverwaltung, ein Ausbau der Selbstverwaltung mit weitgehender kultureller Autonomie der Provinzen. Wir erinnern nur an das sog. Provinzialschulkollegium das unter der Oberleitung des Oberpräsidenten weitgehend kulturelle Rechte hatte.

Die preußische Staatskraft hat darunter nicht im Mindesten gelitten, eher noch eine Steigerung erfahren. In Bayern erleben wir das Gegenteil. Hier tritt nach der Krisis von 1848/49 und nachdem nur machomäßig die Erhebung des Volkes niedergeschlagen werden konnte, eine Verschärfung der unsinnigen, auf französischen Wurzeln fußenden Zentralisation ein.

Nach der Gefahr einer Abspaltung Frankens(Schwabens) setzt hier erst recht mit aller Macht die bürokratische Zentralisation ein und Franken und Schwaben werden geradezu noch stärker an die bayerische Staatskandare genommen. Man wollte absolut nicht sehen, dass die Staatstradition, die zentralistischen Verwaltungsorganisation an sich die Gefahr beschwor, dass die  Zentrale übermäßig bevorzugt, die Provinz, die Außengebiete vernachlässigt werden. Wenn man die Zentrale zu sehr mit dem Ganzen identifizierte so musste das auf kulturellem wie auf wirtschaftlichem Gebiet weit reichende Folgen haben.

Automatisch musste dann auch der anders geartete fränkische Kulturraum zurücktreten, konnte die kulturellen Kräfte der Provinz nicht die anteilsmäßige Förderung finden, die notwendig gewesen wäre.

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Auf wirtschaftlichem Gebiete musste durch das zentralistische Verwaltungssystem das natürliche wirtschaftliche Kräfteverhältnis zwischen Franken und Altbayern entscheidend gestört, geradezu von Staats wegen eine große wirtschaftliche Umschichtung eingeleitet werden.

Die ideologische Entwicklung einer besonderen bayerischen Staatsidee, wie sie von München aus propagiert wurde, mit einer Art Mission Bayerns in Deutschland, musste zu einem übersteigerten „Staatsmythos“ führen, der eine wahrhafte Parität der zwei großen Stämme – Baiern und Franken – verhinderte. Berechtigte stammliche Eigenbedürfnisse Frankens mussten notleiden, wurden dadurch geradezu unterdrückt im Interesse der bayerischen Staatsräson.

Selbst alte Städte und Orte Frankens sollten als nähere Ortsbezeichnung und zur Unterscheidung gegen Gleichlautende außerbayerische Orte nicht etwa die Bezeichnung „Fürth/Franken“, Hof/Franken“ führen, sondern man begünstigte „Fürth/Bayern“, „Hof/Bayern“, Weißenburg/Bayern“ usw. Man war eben mit allen Mitteln bemüht, die Bezeichnung Franken, wo irgend möglich, auszuschalten, dafür Bayern zu betonen.

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Gesamtfränkische Forderungen treten jetzt, wo man sich seit einigen Jahrzehnten daran gewöhnt hatte, nur noch als Ober-, Mittel- oder Unterfranken zu denken, zurück. Einzelforderungen der Städte, Bezirke usw. sind an der Tagesordnung.

Einen neuen Abschnitt bedeutete dann die Revolution von 1919. Mit dem Wegfall der Dynastie war für München zum ersten Mal eine gewisse Krisis entstanden. In dem Augenblick, in dem das Volk selbst mehr Anteil an seinem Geschick gewinnen sollte, trat an Stelle der Dynastie die Ministerialbürokratie als Trägerin der Staatstradition. So konnte eine sinnvolle Neugestaltung der überalterten inneren Verwaltung Bayerns unter stärkerer Berücksichtigung landschaftlicher und stammlicher Gesichtspunkte, eine Reform an Haupt und Gliedern nicht entstehen. Es ergab sich die merkwürdige Tatsache, dass an der alten, autoritär zentralistischen Staatsverwaltung nur wenig geändert wurde, dass man an dem Problem des „Dreistämmestaates“ vollkommen achtlos vorüberging.

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An eine Institution, wie den Staatsrat in Preußen oder gar an eine wirkliche Föderativverfassung, wie in Österreich, dachte das zentralistische Bayern 1919 natürlich auch nicht. Der angebliche Vorkämpfer des Föderalismus der bayerische Staat, konnte sich nicht einmal zu einer weitgehenden Dekonzentration der Staatsverwaltung aufraffen.

Die Franken und Schwaben blieben trotz aller demokratischen Erklärungen, stammesmäßig gesehen, wie nur je „Untertanen Staatsbayerns“ in einem demokratischen Staatswesen üblich und  möglich war, weder vor noch nach 1919.

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Worin im Positiven eigentlich – abgesehen von politischen Folgerungen – die besondere Mission Staatsbayerns bestehen sollte, ist nicht klar geworden. Wenn man Bayern vor allem eine besondere Aufgabe in der Vertretung des föderalistischen Staatsgedankens, der Pflege der Heimat- und Stammeskulturen zuwies, dann konnten die Franken und Schwaben in Bayern nach über 100jährigen Erfahrungen mit Recht fragen, wo sich der Föderalismus, die Pfleg der Stammeskulturen innerhalb Staatsbayerns selbst zeigt? Sie konnten die Benachteiligungen des fränkischen und schwäbischen Gedankens auf allen Gebieten nachweisen.

Auch die neueste Verfassung Bayerns, hauptsächlich von Högner und Prof. Nawiasky inspiriert, kann die überalterte staatsbayerische Tradition nicht verleugnen.

Sie spricht wieder nur von der 1000 jährigen bayerischen Geschichte, hat für die ebenso alte selbständige fränkisch-schwäbische nichts übrig. Franken soll, wie nur je, lediglich der verlängerte Arm Altbayern sein. Das Eigenrecht auf die besondere Pflege seiner geschichtlichen Eigenart, der fränkischen Kulturentwicklung, das fränkische Stammesbewusstsein, will man nicht anerkennen.

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Man kam weder zu einer Neuorganisation der Innen- noch des Kulturministeriums. Die elementarsten demokratischen Rechte des fränkischen Stammes wurden weiter im Zeichen des bayerischen Staatsmythos ignoriert.

Zentralisierende Juristen und Bürokraten durften weiter die Fiktion vertreten, dass es vom Königsee bis zum Fichtelgebirge und von den Allgäuer Bergen bis zum Spessart – auch auf kulturellem Gebiete – nur Staatsbayern gebe. Stammliche Unterschiede, das große kulturelle Problem des 3- Stämme- Staates wollte man nicht sehen. Es wurde nicht, wie man von einer erneuerten Demokratie hätte erwarten können, das Kultusministerium grundlegend umgestaltet und  eine altbayerische, eine fränkische Sektion dort geschaffen, die Gewähr für echte Parität gegeben hätten. Konfessionell allzu eng gebundene bayerische Ministerialreferenten – die Franken überhaupt nicht näher kennen, es eher scheuen wegen seiner anderen Mentalität – dürfen weiter ihr Unwesen treiben, nehmen es als selbstverständlich, das Franken auch auf geistigen Gebiete nur Zubringer – und Hilfsdienst für München zu leisten hat.

Das doppelte Manko der bayerischen Organisation:

  1. keine paritätische Berücksichtigung der stammlichen Bedürfnisse Frankens in der Ministerialinstanz.
  2. keine entsprechende Organisation für kulturelle Autonomie der Stämme in einer großen Mittelinstanz,

wirkt verhängnisvoll weiter. Das Volk, die Parteien hatten nicht die Macht, grundlegend Wandel zu schaffen, hier eine reale Demokratie zu verwirklichen. Freilich die „Psychose Wahlen“ von 1946 hatten die absolute Mehrheit einer einzelnen Partei gebracht, die selbst voll innerer Spannungen war.

Echte germanische Demokratie auf föderaler Basis mit liebevoller Pflege der Stammesart kann man nicht bauen mit einem rein französisch zentralistischen Verwaltungssystem, das letzten Endes auf Gedankengängen der großen französischen Revolution beruht.

Anstatt den geänderten Verkehrsverhältnissen und Wirtschafsumschichtungen Rechnung zu tragen, anstatt natürliche Landschaften und geschlossene Stammesgebiete einheitlich zusammenzufassen, geht man geradezu rückwärts durch die höchst unglückliche Bestimmung der Verfassung, dass die alten Kreise wieder hergestellt werden sollen. Also 7 Regierungsbezirke anstatt 3 großen, etwa Franken, Oberpfalz-Niederbayern, Oberbayern.

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Nach zwei Weltkriegen, die die deutschen Stämme durcheinander gewürfelt haben wie noch nie, ist kein Raum mehr für den übersteigerten unnatürlichen Staatsmythos Bayern.

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Nun im Augenblick, da gesamteuropäische Gedankengänge ihre späte und endliche Verwirklichung finden sollen, erscheint der bayerische Staatsmythos wie ein Überbleibsel einer vergangenen Epoche, geradezu wie ein Rückfall. Die Zeit lässt sich aber nicht zurückdrehen.

Wenn der bayerische Staatsmythos nicht neuerdings zum Störenfried werden, nicht geradezu ein Hemmnis für die organische deutsche Weiterentwicklung werden soll, dann muss er endlich abgebaut  und auf seine natürlichen Grenzen zurückgeführt werden.

Franken fordert gebieterisch sein Recht, beileibe kein Vorrecht. Die Eigenrechte der Stämme, ihre besonderen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Belange müssen schon verwaltungsmäßig stärker herausgestellt und, anders als bisher berücksichtig werden.

Die wirtschaftliche Entwicklung Frankens

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Bei vorsichtiger Schätzung darf man sagen, dass die Franken und Schwaben im Großen und Ganzen die gleiche Energiestufe darstellen und wesentlich fortgeschrittenen waren, als das fast rein agrare Altbayern, das noch dazu über ein Jahrhundert von der gesamt-deutschen Entwicklung abgeschlossen war. Altbayerische Beamte wollten nicht in das rührigere arbeitende Franken versetzt werden.
Bezeichnend ist, dass die steuerliche Leistungsfähigkeit Frankens in den ersten Jahrzehnten der staatsbayerischen Zeit bedeutend über der altbayerischen stand.
Vor allem Mittelfranken stach besonders vorteilhaft hervor. Durch die geradezu von Staats wegen erfolgte wirtschaftliche Umschichtung, durch den ständigen Kapitalstrom, der seit Ludwig I nach München floss, sank Franken im Laufe des 19.Jahrhunderts bei allem äußeren Wachstum relativ, während München und Oberbayern aufstiegen.
Dieser Aufstieg Münchens und Oberbayerns ist aber nicht so sehr durch eine eigenständige große Wirtschaft, durch Fleiß und Intelligenz der Bewohner bedingt, sondern auf die Einwirkungen des Staates zurückzuführen. Der Aufstieg ist nicht organisch erwachsen, sondern geradezu künstlich geschaffen. Man hat ständig auch die besten Köpfe Frankens nach München abgezogen. Man darf ruhig sagen, Bayern hat infolge einer gewissen einseitigen Wirtschafts- und Kulturpolitik nicht gleichmäßig alle seine Produktivkräfte in List’schen Sinne entwickelt.
Altbayern, das Gebiet südliche der Donau, abgesehen von Schwaben, hielt in alter Tradition zu lange an seiner rein landwirtschaftlichen Struktur fest.

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Franken kam an sich immer erst an zweiter Stelle, und so ist es verständlich, dass gewisse Unterlassungssünden gegangen wurden. Eine gewisse Industriefeind-lichkeit gehörte geradezu zur Regierungstradition seit Ludwig I. Bei der Armut an Kohle wäre ein rechtzeitiger Ausbau der Wasserkräfte längst eine Notwendigkeit gewesen. Für die verkehrsungünstig gelegenen Teile Oberfrankens, vor allem hat man nicht genügend gesorgt. Die Wirt-schaftspolitik, die Ludwig I vor 100 Jahren einleitete, war nicht immer günstig für Franken. Die meisten Maßnahmen führten zur Schädigung von Franken.

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Das staatsbayerische Wirtschaftssystem war lange Zeit viel zu sehr von höchst persönlichen, politischen Doktrin Ludwigs beeinflusst. In den gewerblichen Gebieten Frankens mussten andere Grundsätze zur Anwendung kommen, als in Altbaiern.
Wir dürfen nicht vergessen, dass in Franken seit alter Zeit ein lebhafter Verkehr nicht nur mit den übrigen deutschen Gebieten, sondern auch mit dem Ausland bestand.

Der Verbrauch von Nürnberger Waren ist fast durch alle Länder der fünf Erdteile verbreitet, von dem Indus und Ganges bis an den La Plata und Mississippi. Fast kein Schiff segelte von dem europäischen Kontinent, ohne seine Ladung mit Nürnberger Spielwaren, Kämmen, Klaviersaiten, leonischen Waren, Beistiften, Nürnberger-Fürther Spiegeln zu vervollständigen. Wir denken an die Aschaffenburger Papier- und Zellstoff-Industrie, seine Kleiderfabriken, die Zellstoffwerke am Untermain, die Würzburger Schnellpressenwerke, die Reichentwickelte graphische Industrie dort, die Schweinfurter Farbwerke, die großen Spezial-Kugel- und Rollenlagerwerke. Wir denken ferner an die Textilindustrie in Erlangen, Forchheim, Bamberg, Kulmbach, Bayreuth, Hof, an die kleineren vielen Textilwerke Oberfrankens, an die Lederindustrie, die große Porzellan-Industrie Oberfrankens, an die Schuhindustrie, die großen fränkischen Brauereien und Mälzereien. Es wäre ferner darauf hinzuweisen, wie wenige der Staat als vielmehr einzelne fränkische Großindustrielle, Institute zur Gewebeförderung stifteten. Wir denken an die bayerische Landesgewerbeanstalt in Nürnberg mit ihren verschiedenen Filialen, deren Prüfeinrichtungen, deren Förderungs-maßnahmen nicht von der Landesregierung geschaffen wurden. Wir danken sie Graf Faber, Feiherr von Cramer Klett usw. Immer wieder müssen wir feststellen, dass von der Staatsregierung Franken nicht mit gleicher Liebe betreut wurde wie München.
Typisch ist auch eine systematische und von der Staatsregierung begünstige Monopolisierung des gesamten Ausstellungswesens in München.

Früher hatte man auch in Nürnberg bedeutende Industrie- und Gewerbe-ausstellungen für das gesamte bayerische Staatsgebiet organisiert, heute konzentriert sich alles, noch mehr als früher, in München, wozu der Mangel an geeigneten Unterkunftsräumen in Nürnberg nach der Katastrophe des 2.Weltkrieges noch beitrug.
Systematisch werden auch sämtliche gewerbliche und industrielle Vereinigungen, Fachverbände usw. ausschließlich in München konzentriert, wo man, räumlich und zeitlich, den Ministerien und Zentralstellen näher liegt. Nur ganz wenige Fachverbände haben ihre Sitze noch in Franken oder Nürnberg. Man müsste auch eingehend die Zentralisation des Geldwesens, der Banken, der großen Versicherungsanstalten usw. in München untersuchen.

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Franken hat auch von jeher sehr ertragreichen Wäldern besessen. Im Spessart z.B. erntete der bayerische Staat das teuerste Holz, das wohl überhaupt in Deutschland verkauft wird, in den wertvollen Eichenbeständen die 5-,6- und 7-Jahrhunderte Wachstum aufweisen. Auch der Frankenwald, das Fichtelgebirge liefern wertvolles Tannen- und Kiefernholz. Der bayerische Staat veröffentlicht keine Unterlagen mehr für Betriebsvergleiche zwischen altbayerischer und fränkischer Forstwirtschaft. Der bayerische Staat hat aus den fränkischen Wäldern große Summen herausgeholt in den letzten 140 Jahren.

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Der Staat hat die Aufgabe, die Wirtschaftskraft aller Gebiete gleichmäßig zu fördern und zu entwickeln, nicht durch zentrale Maßnahmen einseitig zu hemmen.

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Man kann deshalb geradezu von einer Art Vorbelastung im Finanzwissen-schaftlichen Sinne sprechen, der Frankens Industrie und Wirtschaft in den letzten 30 Jahren ausgesetzt war, durch speziell bayerische Maßnahmen.
Der überspanne Steuerdruck als Lastwirkung, schlechtere Standorts-bedingungen usw. haben Franken in seiner wirtschaftlichen Entfaltung gehemmt und geschädigt, haben geradezu seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen deutschen Gebieten beeinträchtigt.
Dazu kommt, dass nur ein Teil seiner Steuererträge nach Franken zurückfloss, ein bedeutender Teil für die übertriebenen Bedürfnisse Münchens und Oberbayerns seit Jahrzehnten Verwendung fand.

Franken ist infolge seiner größeren Städtedichte, bei der Überbesteuerung der Geldeinkommen, der Überbelastung des städtischen Haus- und Grundbesitzes wesentlich ungünstige gestellt als das großräumige, dünner besiedelte Altbayern mit dem steuerlich begünstigten Natural-Einkommen, mit der weitgehenden Schonung des mittel- und großbäuerlichen Besitzes. Es kam geradezu zu einer großen wirtschaftlichen Umschichtung von Staats wegen, die das ursprüngliche wirtschaftliche Kräfteverhältnis zwischen Altbayern und Franken vom Anfang des 19.Jahrhunderts total veränderte, Franken trotz äußeren Wachstum relativ senkte, Oberbayern mit München übermäßig begünstige.

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Wir haben nun leider nicht die entsprechende genauen statistischen Zahlen, um gegenüber dem Steueraufkommen in Franken und Altbayern vergleichen zu können, was an Staatsausgaben einerseits für Altbayern, anderseits für Franken angefallen ist.
Wenn man aber die hunderte von Millionen bedenkt, die seit 1806 in München verbaut wurden für Kunstmuseen, Universität, Technische Hochschule, Theater, sonstige Staatsanstalten und demgegenüber vergleicht, wie jahrzehntelang in Franken notwendige Bauten unterblieben – man denke nur etwa an längst fällige Hochschulbauten in Erlangen – so ist die wirtschaftliche Umschichtung verständlich, die von Staats wegen in Altbayern sich entwickelte. Nach vorsichtigen Berechnungen hat Franken von 1825 bis 1948 mindestens 345 Millionen M zu wenige empfangen. Schwaben etwa 104 Millionen M.
Die schwache wirtschaftliche Basis großer Teile Altbayern, vor allem Oberbayerns, ist durch riesige Staatsaufwendungen und Staatsbauten gewaltig gehoben, künstlich gefördert worden.
Bezeichnenderweise verweigert ja das Ministerium die statistischen Zusammenstellungen der Staatsausgaben nach Regierungsbezirken, damit die einseitige Bevorzugung Münchens nicht allzu sehr die Öffentlichkeit beschäftigen kann.

Bayern war überwiegend Kapitalzuschussgebiet. Wichtig war die Rolle der Bayerischen Staatsbank. Sie war einst als Ansbacher Hofbank 1780 gegründet worden, wurde dann Preußische Bank in Franken und kam mit der Einverleibung Frankens an Bayern. In der Zwischenzeit war die Bank groß geworden und gewachsen, hauptsächlich mit den Einlagen der sparsamen, wohlhabenden fränkischen Bauern der Ansbacher Gegend. Obwohl sie Jahr für Jahr ihre Erträgnisse an den Staat ablieferte, wurde sie von ihm nicht gefördert.
Sie durfte und sollte die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank und die Hofbankiers der Wittelsbacher nicht stören“.

Obwohl die Bank allein in Franken entstanden und emporgewachsen war, nur durch fränkische Spargelder allmählich zu einem bedeutenden Institut geworden , wurde die Direktion(die über 100 Jahre in Nürnberg gewesen)1920 als letztes Zentralinstitut Frankens nach München verlegt. Wahrhaft eine fränkische Tragödie in Bayern.
Gerade weil diese Bankeinlagen sich in erster Linie im fränkischen Gebiet entwickelt hatten, mussten sie zu einer schweren einseitigen Schädigung der fränkischen Bevölkerung führen, der Bevölkerung, die die Bank aufgebaut und geschaffen hatte. Der Landtag, die fränkischen Abgeordneten hätten hier alle Veranlassung gehabt, einen Ausgleich zu verlangen. Aber wie so häufig, versagten die Abgeordneten.
Die Bayerische Staatsbank hat mit der Verlegung ihres Sitzes nach München zur weiteren Zentralisation in Bayern beigetragen. München hat dadurch erneuten Auftrieb erhalten.

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Eisenbahn – und Straßenverhältnisse

Vor allem hat es München verstanden, die Zugführung ganz auf seine Bedürfnisse einzustellen. Dadurch ist es München im Laufe der letzten 75 Jahre gelungen:
1. auf ein unverhältnismäßig großes Gebiet auszustrahlen und eine große wirtschaftliche und kulturelle Einflußsphäre für sich zu schaffen. Der Aufbau Münchens als Handelsmetropole war nur möglich im Zeitalter des Eisen-bahnverkehrs und der entsprechenden Linienführung. Vorher waren z.B. Nürnberg, Augsburg viel bedeutendere Handelsplätze, weil beide Städte am Schnittpunkt großer durchgehender Handelsstraßen lagen, was längst nicht im gleichen Maße von München gesagt werden konnte.
2. Ganz anders sind die Verhältnisse etwa in Nürnberg-Fürth. Man vergleiche den jämmerlichen Nahverkehr, den dieses Halbmillionenzentrum aufweist. Die viel schlechtere Ausstattung mit Triebwagen usw. Die völlige einseitige Zentralisation fast aller Hochschulen, der Ministerien, der Staatsbehörden, des Landtages hat es mit sich gebracht, dass geradezu ein großer Zwangreiseverkehr nach München ständig im Gange ist.
Von Hof bis Aschaffenburg und von dort bis Ansbach und Regensburg usw. sind immer Leute unterwegs, die geschäftlich bei den Ministerien und Zentralstellen, dem Landtag, zu tun haben. Mit diesem zwangsweise geschaffenen Verkehr wird das Bedürfnis nach immer neuen und besseren Verbindungen zur Landeshauptstadt, die bessere Ausstattung mit Wagen. Lokomotiven usw. begründet. Dadurch, dass man München zum überragenden, ausschließlich Kulturmittelpunkt Bayerns gemacht hat, alle bedeutenden Persönlichkeiten systematisch nach München zog, die Provinz, vor allem auch Nürnberg-Fürth immer wieder seiner besten Kräfte beraubte, hat man das Kulturniveau in Franken gesenkt und will geradezu aus Städten von einst weltweiter Bedeutung nur noch reine Industrie- und Gewerbestädte machen.

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Auffällig muss erscheinen, dass der wichtige Bahnknotenpunkt Treuchtlingen, weit nördlich der Donau, bereits im fränkischen Siedlungsraum, der Reichsbahndirektion München untersteht. Wie kommt er zu München? Es mag vielleicht geschichtlich mit der Entwicklung der früheren Eisenbahnämter zusammenhängen. Heute ist Treuchtlingen nichts anderes als geradezu der vorgeschobene Brückenkopf von München, Vorfeld für die Münchener Interessen. Von Treuchtlingen aus hängt man gewissen Züge ab bzw. gestaltet ihre Führung so, dass in erster Linie München bedient wird.
Es ist ein System,
dass man vom Norden kommend, erst nach München hinein und dann wieder von München herausfahren muss, wenn man die besten Verbindungen mit Garmisch, Mittenwald usw. haben will. Es ist geradezu so, als ob bei der Fahrplangestaltung allein die Interessen der Münchener Hoteliers ausschlaggebend wären. Die Fahrpläne werden so gestaltet, dass man wohl oder übel in München übernachten muss.
Demgegenüber betrachte man etwa die Führung der FD- Züge München- Rheinland, die systematisch von Treuchtlingen nicht über Nürnberg- Fürth, sondern über Ansbach – Würzburg geführt werden, angeblich um 23 oder 25 km Umweg zu sparen. In Wirklichkeit nur, um Nürnberg-Fürth zu schädigen. Würde München an der Strecke liegen, dann würde der Umweg nicht gescheut werden, wie ja das Beispiel der Nord- Süd- Züge bei Augsburg schlagend beweist.
Man sehe sich heute etwa an, wie Oberfranken geradezu abgeschaltet wird vom Schnellzugverkehr nach Württemberg und Baden. Viele Monate lang ist überhaupt von Hof über Bayreuth- Nürnberg nicht ein einziges Schnellzugpaar verkehrt. Demgegenüber muss man immer wieder auf die glänzenden Verbindungen hinweisen, die von München aus strahlenförmig nach allen Himmelsrichtungen ausgehen.

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Auch auf dem Gebiet des Straßenbaues ist München und Oberbayern allen anderen Bezirken gegenüber weit bevorzugt worden. Man kann teilweise verstehen, dass mit dem Aufkommen, vor allem des modernen Autoverkehres die Notwendigkeit gegeben war, im Interesse auch des Fremdenverkehrs die Zufahrtsstraßen von München zum Gebirge modern auszubauen bzw. umzubauen. Der Fremdenverkehr in Oberbayern hat jedenfalls auch von Staats wegen einer reichen Förderung sich erfreuen können. Man sehe sich die Hotelpaläste, die sich in den oberbayerischen Fremdenverkehrsorten allmählich herausentwickelten, die großen Fremdenpensionen, Übernachtungsheimen usw. an. Gewiss spielt eine Rolle, dass Oberbayern zugleich auch einen bedeutenden Wintersport-verkehr aufweist.
Aber auch in Franken wären Fremdenverkehrsorte vorhanden, die für den Wintersport geeignet wären. Sie sind weit in ihrer Entwicklung zurück geblieben, längst auch nicht in dem Ausmaß, wie in Oberbayern, unterstützt worden. Die Straßenverhältnisse sind heute noch teilweise sehr ungünstig, wenn wir ans Fichtelgebirge, Frankenwald, Fränkische Schweiz, auch Gegenden in Unterfranken usw. denken. Der elende Zustand vieler Straßen und sonstiger Verkehrsver-bindungswege zeigt, dass Bayern hier an Franken ebenfalls gesündigt hat, besondern, wenn man die Straßenverhältnisse etwa Württemberg und Badens demgegenüber vergleicht. Wenn die Steuerkenn-ziffern von typischen oberbayerischen Fremdenverkehrsorten, wie Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Berchtesgaden usw. so unver-hältnismäßig in die Höhe kletterten, so hängt das alles mit der reichen, staatlichen Förderung zusammen.

Kriegsveränderungen neue Wirtschaftsziele

Der zweite Weltkrieg hat in Franken gewaltige Kriegschäden verursacht. Altbayern ist wesentlich günstiger weggekommen als Franken.
In München liegen vielmehr Zerstörungen und Schäden am Staatsbesitz, als am Privatbesitz vor. Nürnberg und Würzburg ist der private Hausbesitz größtenteils vernichtet. Das führt im ganzen wieder zu einer wesentlich größeren Schädigung Frankens, die wohl beachtet werden muss. Die gesamten Gebäudeschäden in Franken betragen 4 Milliarden in Altbayern 1 Milliarde, hier größtenteils Staatsbesitz. Außer diesen Gebäudeschäden, der vollständigen oder teilweisen Vernichtung des Hausrats der Bewohner, der Zerstörung von Fabrikanlagen, hat auch die fränkische Bevölkerung blutmäßig große Verluste erlitten.
Wir sehen ja, wie rigoros München seinen eigenen Wiederaufbau betreibt und wie der zentralistische bayerische Staat bevorzugt für München eingesetzt wird. Hatte München schon früher unter normalen Zeiten gegen Franken, besonders gegenüber Nürnberg- Fürth, eine gewissen destruktive Neid – und Raffpolitik betrieben, wie viel mehr noch wird es jetzt, wo es selbst „von den Schauern der Vernichtung geschüttelt wurde“, an sich selbst denken. Bei seiner niedrigen Steuerkraft und der angespannten Finanzlage erklärt sich der bayerische Staat außerstande, Franken in großem Maßstabe helfen zu können. Man muss feststellen, dass es eine über 100 Jahre staatsgefährdende Benachteiligung Frankens(Schwabens) gibt. Münchens Haupt-interesse konzentriert sich auf seinen eigenen beschleunigten Wiederaufbau und Ausbau. Wir sehen wie München auch um „wertvoller Sekundanten-dienste willen“ lieber Regensburg zu fördern sucht als Würzburg.
Wenn Hunderte von Millionen allein wieder in Oberbayern verbaut werden, dann muss gefordert werden, dass gleiche Beträge auch in Franken zugute kommen für die Main-Donau-Großschiffahrtsstraße.

Folgende Probleme stellen sich der fränkischen Wirtschaft:

1. Ausbau der Elektro- Industrie
2. Intensive Förderung der weitverzweigten fränkischen Export Industrei
3. Ausbau der fränkischen Schuhindustrie
4. Ausbau der fränkischen Konserven- Industrie, Fleisch-, Obst- und Gemüsekonserven.
5. Wiederaufbau der Spielwarenindustrie
6. Verstärkung der Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen
7. Graphische Fächer, Druckgewerbe und Nebenbetriebe.Hier droht Nürnberg einst führend, immer mehr zurückzubleiben gegenüber München. Durch die Zentralisation aller Behörden in München werden große Druckaufträge nur an die Münchener Betriebe vergeben.
8. Ausbau der Energie-Versorgungsanlagen

Dabei darf aber eines nicht übersehen werden, die anteilsmäßigen Verschiebungen am Sozialprodukt wie sie seit 1919 durch die ungeheure Aufblähung des Staatsapparates, durch schematische Gehaltserhöhungen der Beamten, durch übermäßige Ausdehnung der Beamteneigenschaft auf alle möglichen Gruppen Staatsbediensteter entstanden sind. Der Moloch Staat droht immer mehr vom Sozialprodukt für sich zu verschlingen.

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Eine vertiefte sozial- und finanzwissenschaftliche Betrachtung sagt uns nun, dass bei der Beurteilung der zuletzt genannten Steuerkraftziffern bzw. bei einen Vergleich von Altbayern und Franken eine ganze Reihe von Momenten zu berücksichtigen sind, um eine wirkliche reale Vergleichs-möglichkeit zu schaffen.
Weiter, und das ist wesentlich entscheidend, kommt hinzu, dass in Alt-bayern die seit über 100 Jahren so ungeheuer geförderte Landeshauptstadt München mit 800.000 Einwohner enthalten ist, die einzigartig in ganz Deutschland, als Verwaltungsmetropole, als Stadt sämtlicher Hochschulen, Theater, als Kunststadt, als bewusst gefördertes Fremdenverkehrszentrum eine „künstlich erhöhte“ Steuerkraft besitzt, die nicht auf eigenständiger, selbst geschaffener Wirtschaftskraft, beruht.
Alle Städte in Franken sind auf Grund eigener Leistungen gewachsen.

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Ein ständiger Kapitalstrom floss gewissermaßen zwangsweise seit über 100 Jahren aus Franken ab und wurde München und im weiteren Sinne Oberbayern und Altbayern zugeschanzt.

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Aus der einseitigen Bevorzugung Münchens und damit Oberbayerns, das geradezu die Oberbayern zum Herrenstamm machte, muss ein Neues werden, ein sinnvolles Neben- und Miteinander der verschiedenen Stämme, ein edler Wettstreit auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens.
Ein größerer Provinzialverband Franken, eine gesamtfränkische Landschafts-verwaltung, kann auch, anders als bisher, Möglichkeiten schaffen, dass nicht ständig Franken seine besten und fähigsten Köpfe nach München und anderwärts verliert. Man kann dann Sorge dafür tragen, dass auch die Hochschulen in Würzburg und Erlangen besser ausgestattet, nicht ständig gegenüber München hintangesetzt, mit reicheren Mitteln für Forschungs- und Spezialaufgaben versorgt werden, gegebenen falls aus Landschaftsmitteln.

Dazu ist aber grundlegend notwendig ein Umbau der zentralistischen Staatsverwaltung, ein entsprechender Abbau an der Staatsspitze, an den Ministerien.
Ferner die Schaffung einer großen Mittelinstanz mit weiten ausreichenden Kompetenzen und eine großzügige Selbstverwaltung Frankens, Schwabens, Altbayern.
Konstant Frantz, der klassische Föderalist, hat gesagt:
„Entweder müssen die alten Kernstämme der Sachsen, Franken, Baiern und Schwaben, der Thüringer und Hessen schon in sich selbst abgestorben sein und dann ist eine Wiedergeburt Deutschland überhaupt unmöglich – oder sie haben noch Lebenskraft, dann muss sie auch zur Geltung gelangen, oder die Wiedergeburt Deutschlands bleibt ein leeres Gerede“.
Was hier für Deutschland gesagt, gilt auch für Staatsbayern als 3-Stämmestaat.

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Zur kulturellen Lage Frankens

Eine Kulturpolitik, die organisch sein will, muss dann neben dem Altstamme auch den neuen Stämmen oder Stammesteilen entsprechend Rechnung tragen.
Aus einem gewissen Staatsethos heraus, zur Stärkung und Kräftigung des bayerischen Staatsmythos, ging die bayerische Kulturpolitik darauf aus, die Franken und Schwaben möglichst in ihrer stammlichen Eigenart zu hemmen. Es sollte ja in erster Linie der bayerische Nationalgeist gefördert werden. Jede landsmannschaft-liche fränkische oder schwäbische Bewegung wurde als Provinzialismus abgelehnt, diffamiert, als minderwertig und letzten Endes als staatsschädlich unterdrückt.
Man war bei der Schaffung Staatsbayerns seit 1806/15 des etwas naiven Glaubens, dass Franken und Schwaben ihre selbständige, eigene geschichtliche und kulturelle Entwicklung vergessen, geradezu ihre stammliche Sonderart aufgeben mussten bzw. würden.
Ein Akt geradezu gewaltsamer geistiger Gleichschaltung vollzog sich, konsequent unaufhörlich, beginnend in den Schulen, Kirchen, über Armee, Berufsorganisationen usw.
Der Raum Nürnberg – Würzburg – Bamberg trat nun immer mehr zurück gegenüber München, das alle Kräfte an sich zog, von Staats wegen mit allen Mitteln gefördert wurde.

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Savigny, der Begründer der rechtshistorischen Schule in Deutschland, klagte während seines kurzen Aufenthaltes als Professor in Landshut: „Über die provinzielle Beschränktheit des altbayerischen Volkes und so auch der Universität. Deutschland wird nicht genannt und nicht gefühlt, und solange nicht Fremde hierher kommen, wird keine Universität werden“.
München besaß damals keine wissentliche Bedeutung, hatte keinerlei Hochschulen, kaum ein paar Buchhandlungen gegenüber Nürnberg und Augsburg, keine bedeutenden Druckereien oder Verlagsanstalten.
In politischer Hinsicht zeigte sich in München unter König Max jener extreme bayerische Nationalismus, der fast eine krankhafte Überspannung des Souveränitätsgehdankens offenbarte.

Die fränkischen Studierenden, die bisher in starken Maße außer in Würzburg, Erlangen, Altdorf, in Leipzig, Wittenberg, Jena, Halle, vor allem mehr und mehr nach München geleitet und verloren ihre Beziehungen zu norddeutschen Hochschulen.

Es trat überhaupt eine Einengung der Freizügigkeit der Studierenden in Erscheinung. Für Besuche einer nichtbayerischen „Ausländischen“ Universität wurde eine besondere Erlaubnis nötig, die von den Kreisregierungen erteilt wurde. Man geht besonders seit 1848 daran, auf den Schulen, Volks- wie höheren Schulen, das fränkische Stammesempfinden verschwinden zu lassen. Besonders den höheren Schulen wird nun schärfstens die pflichtmäßige Aufgabe gemacht, „das bayerische Nationalgefühl zu wecken, die Anhänglichkeit an die Dynastie zu fördern“.
Am 24.Februar 1853 bestimmte eine Ministerialentschließung ein ganz erhebliches Stundenmaß ausschließlich für den Unterricht in der bayerischen Geschichte(d.h. altbayerischen Geschichte).
Die staatsbayerischen Lehrbücher enthalten allmählich nichts oder nichts mehr von fränkischen- schwäbischer Geschichte. Allein die altbayerische Geschichte, die Geschichte der Wittelsbacher, steht auf der Tagesordnung mit der Tendenz, Staatsbayern als organische und natürliche Erweiterung Stammesbaierns zu behandeln.

Der große fränkische Theologe Löhe, der Begründer der Anstalten in Neuen-dettelsau, wahrlich kein Politiker, sondern ein Mann, der mit strengem Wahrheits- und Gerechtigkeitsempfinden, ein Mann , der mit unbekümmertem Freimut an die Dinge heranging, beanstandete im Jahr 1848, dass „ die fränkischen Kinder nichts von ihrem Stamm und von der fränkischen Geschichte erfahren“, dass sie geradezu erzogen werden, als „wären sie baierischen Stammes“. Sollte dieses Urteil nicht zu denken geben?
Wir wollen über das Ungewöhnliche der Finanzierung seiner Kulturpolitik hinwegsehen, wir haben schon kurz diese Dinge gestreift.
Schlimmer noch als der gewaltige Neu- und Aufbau Münchens – nicht zuletzt mit fränkischen Steuergeldern – war eine geradezu systematische Ausplünderung Frankens, auch Schwabens. Die Kunstsammlungen, Büchereien, Institute Frankens wurden durchgesiebt und die wertvollsten Stücke kamen nach München.
Was ist alles aus Nürnberg, Würzburg, Aschaffenburg, Bamberg, Bayreuth südwärts gewandert? Wieviele wertvolle Kunstgegenstände gingen Franken verloren? Woher kommt die Überfülle in München?
Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, dass seit 1806 Franken durch München viele einzigartige Kunstwerke und Kulturschätze genommen, diese verschleppt, oft verschleudert, teilweise sogar sinnlos zerstört wurden.
Bibliotheken, „in Jahrhunderten gesammelt“, in alle Winde zerstreut. Archivmaterialien, z.T. nach der Landeshauptstadt überführt, zum Teil nach dem Gewicht an Buchbinder und Papiermühlen verkauft“. Nürnberger Schmuckstücke des Mittelalters, von geradezu einziger Art, zerschlagen in Kisten nach München verbracht, um den Metallwert eingeschmolzen. Der Würzburger Dom blieb nur erhalten, weil sein Materialwert angeblich die Abbruchkosten nicht lohnte.

Wie viel wurde zerstört, abgerissen, wie wenig Neues Gleichwertiges dafür in Franken geschaffen. Immer und immer wieder kamen wertvollste Schätze aus Franken in die Münchener Museen, werden dort als bayerische bezeichnet. Wir erinnern etwa an das Bayerische Nationalmuseum. Von der Ruine Homburg bei Gössenheim stammen einzigartige Skulpturen und Grabsteine. Von dem berühmten Kloster Ebrach im Steigerwald viele Kunstschätze, die das Museum um den Preis von 3000 Gulden von einem Bamberger Sammler erstand. Dieser hatte als Entgelt für seine Schätze eine jährliche Leibrente von 1500 Gulden gefordert.
Man muss gleichzeitig daran denken, dass auch die reichen alten Kunststiftungen in Franken, die Jahrhunderte bestanden, der berüchtigten bayerischen Generaladministration des Stiftung- und Gemeindevermögens zum größten Teile zum Opfer fielen.
Die größten Veränderungen vollzogen sich in Altbayern, das bisher rein katholisch, keine Protestanten geduldet hatte. In München musste Max I persönlich eingreifen, als der erste Protestant, ein Pfälzer Weinwirt, seinen Gewerbebetrieb eröffnen wollte.
Man kann einwenden, dass doch häufig auch Franken als Minister und hohe Beamte diese zentralistische bayerische Politik mitführten und unter-stützten. Das ist richtig.
Wir dürfen auch das menschliche Buhlen vor der Macht nicht vergessen. Nur in München gab es den Hof, Beförderungsmöglichkeiten, Orden, Auszeichnungen, Adelsprädikate, Titel.

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Bezeichnend dürfte sein, dass Dr. Heim der einstige Führer des bayerischen Bauernbundes, ein Mann, der gewiss unverdächtig in München war am 30.12.1932 an die Aschaffenburger Zeitung schrieb. „Wie vereinbart es sich, dass eine Regierung, die das Prinzip der Föderalismus bei jeder Gelegenheit vertritt, kulturpolitisch-rohesten Zentralis-mus treibt? Die Ausplünderung der kurerzbischöflichen Galerie im Aschaffenburger Schloss zu Gunsten Münchens ist heute noch nicht gut gemacht. Die wertvollsten Bestandteile der Sammlungen hat das Kultusministerium annektiert.”

Kein Wunder, dass Guido Hartmann schreiben konnte:
„ So stehen wir vor der ungeheuerlichen Tatsache, dass ein alter Kulturstaat ein historisches und kunsthistorisches Denkmal zerstörte, dass er klare verbriefte Rechte und den geheiligten Willen eines Toten in einer alle Moralbegriffe missachtenden Form entrechtete, dass er eine Jahrhunderte alte Tradition zertrümmerte.
Die ganze deutsche Kulturgeschichte kennt kein Beispiel gleich rücksichtlosere, heuchlerischer Kunstausbeutung ähnlicher Art, die gegenüber der Provinz des eigenen Landes durch die Landeshauptstadt je verübt worden wäre“.

Bei der Verteidigung des Bildraubes hatte Kultusminister Goldenberger die ungeheuerliche Äußerung getan. „Münchens Kunstsammlungen dürfen nicht verdorren“, dabei ist diese München längst überfüllt und übersättigt. Freiherr von Cramer-Klett hatte auf das riesige Depot in Schleißheim hingewiesen, wo in den Parterreräumlichkeiten des Schlosses – unabhängig von der dortigen Galerie – Tausende von Bildern nicht gerade sachgemäß aufgestapelt waren.

Ein anderer Kampf musste in Franken auf dem Gebiet des Theaterwesens mit München durchgefochten werden. Bayreuth war die Stadt Richard Wagners geworden und im Laufe der Zeit wurden die Bayreuther Festspiele zu einem festen Begriff in der ganzen Kulturwelt. München wollte die künstlerische Einzigartigkeit Bayreuths, der kleinen Stadt in Franken nicht anerkennen, und die Spannung zwischen Bayreuth und München wurde immer schärfer. Grunsky erzählt, dass man behauptete, um den Schutz des Prinzregenten zu gewinnen, das ´Festspielhaus in Bayreuth sei baufällig. Das Ministerium des Innern schickte daraufhin nach Bayreuth einen besonderen Ausschuss, der des Festspielhaus eingehend untersuchte, es dabei jedoch im besten Zustand und viel sicherer fand als irgend ein anderes Theater in Bayern.

Bezeichnend für die bayerischen Kulturpolitik ist es auch gewesen, dass keine des bestehenden Bibliotheken in Franken etwa als „Fränkische Landesbibliothek“ bezeichnet oder einge-richtet worden wäre, als besondere Sammel- und Zentralstelle des fränkischen Schrifttums.

Eine derartige Bibliothek besteht bis heute nicht, obwohl gewissermaßen die Bayerischen Staatsbibliothek in Bamberg den Grundstock dazu geliefert hätte. Die beiden Universitätsbibliotheken Würzburg und Erlangen haben ja ihre besondere Aufgabe. Gerade die Bibliothek in Bamberg, wegen der zentralen Lage der Stadt, wäre berufen gewesen, die Fränkische Landes-bibliothek zu werden.

Aber sie darf nur als „bayerische Staatsbibliothek“ von neben-sächlicher Bedeutung bestehen. Anstatt sie entsprechend auszubauen, wurde sie ihrer wertvollsten Schätze zugunsten der Hof- und Staatsbiblio-thek in München beraubt.
Unverständlich bzw. für die bayerischen Zentralisationswut charakteristisch war es, dass auch sämtliche Frühurkunden aus Franken(auch Schwaben) bis zum Jahre 1400 einschließlich, auch die umfangreichen Nürnberger Urkunden, nach München abgeliefert werden mussten, um dort zentralisiert aufbewahrt zu werden.
Dieser Zustand dauert bis heute an, obwohl nun Franken seit 140 Jahren zu Bayern gehört. Wann wird Franken seine Archivalien der Frühzeit einmal selbst verwalten dürfen? Der Zustand ist noch heute im demokratischen Volkstaate unverändert, wenn auch anzuerkennen ist, das etwa seit 1920 die Münchener Urkunden mit größerem Entgegenkommen zur wissenschaftlichen Benützung nach Franken versandt werden.

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So wurde und wird überall, heute noch, die ebenso tausendjährige fränkische und schwäbische Geschichte geradezu unterschlagen, vernachlässigt und gegenüber der altbayerischen zurückgesetzt.
Es sollen ja auch nur Bayern erzogen werden, keine Franken und Schwaben, selbst wenn sie sich ehrlich zu Bayern zählen. Es dürfte bezeichnend sein, dass bis heute an zwei Universitäten in Franken(es sind offiziell bayerische Universitäten in Franken, keine fränkischen Universitäten) weder ein Lehrauftrag geschweige denn ein Lehrstuhl für fränkische Geschichte besteht. Es gibt nur Lehrstühle für bayerische Landesgeschichte.

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Es wäre Aufgabe des Landtages, besonders der gesamten fränkischen Abgeordneten, hier umsomehr ein Wort zu sprechen, als ja, wie schon erwähnt, bis heute weder in Würzburg, noch in Erlangen ein Lehrstuhl, ja nicht einmal ein bezüglicher Lehrauftrag für fränkische Geschichte besteht. Es bleibt ein Ruhmesblatt der Würzburger und Erlanger Historiker, dass sie auch ohne amtlichen Auftrag und ohne besondere Unterstützung von München, soweit möglich, fränkische Forschungen betrieben haben.

Schlussbetrachtung

Besonders betont muss werden, dass es auch in der allerneuesten Zeit und Gegenwart, nach der schweren Katastrophe des zweiten Weltkrieges nicht besser geworden ist in Franken. Allenthalben erheben sich Klagen, wurden Proteste laut wegen Benachteiligung auf dem Ernährungssektor, wegen Wiederaufbau usw. Immer wieder musste sich der Landtag mit der Frage beschäftigen, wie die Zurücksetzung Frankens zu beheben ist.
Wir denken etwa auch an den Bayerischen Rundfunk, der großausgestaltet, mehr und mehr zu einem Münchener Rundfunk wird. Nicht nur, dass er in weit überwiegenden Maße seine Finanzmittel den Münchener Kultureinrichtungen zur Verfügung stellt, sondern auch dadurch, dass er das bayerische Volkstum weit in den Vordergrund schiebt. In der großen bayerischen Symphonie vernehmen wir viel zu wenig die fränkischen Töne.
Wir glauben noch unverbrüchlich an ein gesamt- und gemein-fränkisches Denken und Empfinden, an eine gemeinfränkische Seele. Dieses gemeinfränkische Denken ist nur in den letzten 150 Jahren teilweise verschüttet worden und in den Hintergrund getreten. Es muss stärker als bisher wider belebt und gepflegt werden, im Interesse des echten Heimatgedanken, im Interesse einer wahrhaften Demokratie auf föderaler Basis. Die mehr als tausendjährige eigenständige fränkische kulturelle und wirtschaft-liche Entwicklung darf nicht länger mehr geschmälert werden.

Bayern als die Zusammenfassung vor allem der zwei Stämme Baiern und Franken, wird auf Dauer nur dann bestehen können und nur dann als Vertreter föderalistischer Gedanken bei anderen deutschen Ländern Beachtung finden, wenn es mit dem Föderalismus selbst einmal erst im eigenen Hause beginnt.

Wir Franken fordern ebenfalls unsere natürlichen Rechte auf allen Gebieten! Wir wollen nicht länger die Stiefkinder Bayern bleiben! So wenig wir Vorrechte wollen, ebenso wenig dulden wir länger, dass wir von einer machthungrigen Ministerialbürokratie, mit überlebter Tradition stets benachteiligt und hintangesetzt werden. Stammesmäßig sind und bleiben wir Franken.

Der bayerische Staatsmythos in seiner Übersteigerung darf Franken nicht mehr länger hemmen und künstlich nieder-halten! Wir fordern, ohne das über Einzelheiten damit ein letztes Wort gesprochen werden soll, die Dekonzentration der bayerischen Staatsver-waltung, die Bildung eines einheit-lichen Staats- Verwaltungsbezirk Franken wird zugleich als Selbstverwaltungs-bezirk gestaltet.

Dem Oberpräsidium ist ein fränkischer Provinztag mit 25-30 Mitgliedern beizugeben.

Die Allmacht des zentralisierenden Kultusministerium muss gebrochen werden und umgestaltet werden.
Wenn dazu eine Reihe von Kompetenzen der bisherigen Ministerien dem Oberpräsidium übertragen würden, dann könnten die meisten Angelegen-heiten der Verwaltung in Franken selbst entschieden werden. Die vielen jetzt notwendigen Reisen nach München könnten unterbleiben, zum Vorteil der fränkischen Bevölkerung.
Es kann nicht länger geduldet werden, dass allein im Rahmen des
Kultusministeriums Franken jährlich 4-5 Mio. DM gegenüber Altbayern vorenthalten werden. Man bedenke nur, welche Summen sich allein hier in 10, 20, 30 Jahren ergeben.
Franken hat anders als Altbayern bzw. München, nicht nur einen Anspruch auf Wiederaufbau, auf Wiederherstellung zerstörter Kulturbauten, es hat auch noch, ähnlich wie Schwaben, einen Anspruch auf Wiedergutmachung.
Es muss das Unrecht, das jahrzehntelang an Franken auf kulturellen und wirtschaftlichen Gebiete begangen wurde, irgendwie ausgeglichen werden, bevor man stur und schematisch alle Gebäude in München wieder aufbaut.
Franken hat schon einmal, weil es damals wirtschaftlich weiterentwickelt und steuerkräftiger war, München und Oberbayern geholfen. Nur mit den fränkischen(schwäbischen) Steuermitteln konnte der großzügige Aufbau und die Ausgestaltung Münchens als Stadt der Künste, der Museen, der Wissenschaft usw. erfolgen. Altbayern hätte nie die großen finanziellen Mittel allein aufbringen können.
Last not least, es muss ein eigener Frankensender geschaffen, entsprechend finanziell dotiert und lebensfähig gestaltet werden und bevor eine 4. Universität in Regensburg erreichtet wird, hat Franken Anspruch auf eine Technische Akademie für Maschinen-, Motorenbau und Elektrotechnik.

Wir brauchen einen bayerischen Ministerpräsidenten, der ein wirklicher Staatsmann ist, der nicht nur Exponent einer politischen Partei ist, sondern in einer wahrhaft schöpferischen Tat eine organische Neuordnung der Staatsverwaltung durchführt.

Befreit uns von den Baiern

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