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361. München lügt – Teil 9

Sonntag, 26. August 2018 | Autor:

Frankenlied

Liebe Blogbesucher,

es gefällt mir immer wieder wie Manfred Hofmann die Wahrheit schlicht und einfach auf dem Punkt bringt. Das ist ein Merkmal von uns Franken und zeigt auch, dass wir weltoffen und ehrlich alle Probleme ansprechen und da nicht lange herum zu drücken, wie man dies im Süden tut. Daran zeigt sich auch wieder das Franken keine Baiern sind. Wir reden anders und ticken anders, und das ist gut so.

München lügt – (9)

von Manfred Hofmann

Ein schönes Beispiel für den unterschiedlichen Umgang mit der Wahrheit in Franken auf der einen und in Bayern auf der anderen Seite sind die zwischenzeitlich weltberühmten „Stolpersteine“. Es handelt sich um im Boden verlegte kleinen Gedenktafeln, die auf öffentlichen Gehwegen an Menschen erinnern, die in den angrenzenden Häusern gewohnt haben und in der NS-Zeit ermordet wurden.

 

„Keine Nation, die sich eines großen Verbrechens schuldig gemacht hat, gibt sich einer ehrlichen Aufarbeitung und Sühne mit mehr Unerbittlichkeit hin als Deutschland. (…) Die Stolpersteine sind nun überall“ schreibt Roger Cohen in der New York Times.

 

Der Leser der New York Times muss bei einer Deutschlandrundfahrt davon ausgehen, dass es in München zu besonders wenigen Opfern des NS-Regimes gekommen ist. Die Stadtratsmehrheit in dieser Stadt lehnt nämlich Stolpersteine auf öffentlichem Grund zum Gedenken an Naziopfer ab. So ehrlich wie Cohen meint, ist man in Deutschland eben doch nicht überall.

 

Die krampfhafte Münchner Suche nach Gegenargumenten erinnert daran, wie schwer man sich in dieser Stadt mit einem NS-Dokumentationszentrum tut. „München scheut die Aufarbeitung seiner Nazi-Vergangenheit“ und „die ursprüngliche Direktorin (Irmtrud Wojak) hatte vorgeschlagen, ein aufklärerisches, für die Stadt unangenehmes Konzept umzusetzen und blitzte damit ab“ schrieb Spiegel-Online zu diesem Thema am 17.11.2012. Nach Wojaks Konzept sollte danach gefragt werden, warum Hitler gerade in München so schnell politische Karriere machte und warum gerade vor den Toren der Stadt München das erste nationalsozialistische Konzentrationslager errichtet wurde. Nach der Entlassung Wojaks kommt es nun nicht mehr zu den von ihr geplanten Recherchen, um weitere für die Stadt unvorteilhafte Aspekte ihrer Geschichte auszuleuchten.

 

Am 30. April 2015 ist das Dokumentationszentrum schließlich eröffnet worden. Es sei „Zeit ins Land gegangen, mehr Zeit als andernorts“, sagte der seinerzeitige Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), dazu. – Was lange währt wird endlich gut-? In diesem Falle nicht!

 

„Thema 100 Jahre Freistaat Bayern“ aus der Sicht des Fränkischen Bundes e.V.

Das Hauptproblem besteht m.E. darin, dass in der Konstruktion „Freistaat Bayern“ eine offene Gesellschaft kaum stattfindet. Obwohl – oder weil – es sich beim „Bundesland „Bayern“ um den mit Abstand größten Flächengliedstaat der Bundesrepublik handelt, wird so getan, als ob es keine Interessengegensätze der Landesteile geben würde. Die Interessen der Landeshauptstadt München werden mit den Interessen „von ganz Bayern“ gleichgesetzt. Davon, dass der Wohlstand planvoll vom Norden in den Süden verlagert wurde und noch immer wird, hat aber der nördliche Landesteil nichts. Eine offene Diskussion dieser Problematik findet nicht statt.

 

Die Differenzierung wird bereits sprachlich schwierig gemacht, indem man dieses Bundesland, in dem Bayern, Franken und Schwaben leben, schlicht „Bayern“ nennt. Damit hat der Begriff „Bayern“ zwei unterschiedliche Bedeutungen, nämlich „Staatsbayern“ und „Stammesbayern“. Ein schon wegen der Fläche ganz natürlicher Interessengegensatz zwischen Franken und Bayern kann aber nicht durch einen semantischen Taschenspielertrick weg fingiert werden.

 

Was mich persönlich außerdem ganz besonders ärgert, ist der Umstand, dass sich der Gliedstaat „Bayern“ mit dem „Haus der Bayerischen Geschichte“, ein Institut von Legitimationshistorikern hält, die diesen Zustand zu rechtfertigen suchen. Dies, indem behauptet wird, Franken sei „ahistorisch“ und gebe es gleichsam nicht. Wenn da nichts ist, gibt es auch niemanden, dessen Interessen in einer offenen Gesellschaft ausgeglichen werden müssten, soll daraus geschlossen werden.

 

Autor:

Manfred Hofmann

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