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82. Burg Colmberg Fränkisches Juwel

Sonntag, 24. Oktober 2010 | Autor:

Frankenlied

 

 

„Im Frankenland, dem weiten,
an Schönheit wohlbekannt.
Grüßt aus uralten Zeiten
eine Burg, Colmberg genannt.

Sie ist nicht schwer zu finden,
leicht fragst Du Dich da durch!
Von Ansbach her, die Straße
halbwegs nach Rothenburg,
thront sie auf einem 511 Meter
hohen Bergkegel”.

Die Geschichte der Burg Colmberg geht auf das 13. Jahrhundert zurück.

Eine der wichtigsten Urkunden ist – neben der Erwähnung zweier Burgfrauen Sophie und Gertrud 1269 in einem Ratsbuch der Stadt Rothenburg – ein Kaufvertrag vom 17. Juli 1318.
1318 Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg erwirbt die Burg.
1415 Friedrich VI. von Hohenzollern wird Markgraf von Brandenburg.
1791 Colmberg kommt unter preußische Verwaltung.
1806 – 1880 Die Burg wird Sitz des Rentamtes des Königreiches Bayern.
1927 – 1964 Die Burg ist im Besitz des letzten kaiserlichen Konsul in Japan.
1964 Die Colmberger Familie Unbehauen erwirbt die Burg und baut sie zum komfortablen Hotel aus.


Hotel Restaurant
BURG COLMBERG
Familie Unbehauen

An der Burgenstraße
91598 Colmberg

info@burg-colmberg.de

www.burg-colmberg.de



Die Geschichte der Burg Colmberg
Auf dem gleich über dem Dorf Colmberg gelegenen Heuberg (früher Eichelberg) fand man Spuren jungsteinzeitlicher Jäger. Zur Keltenzeit gab es dort möglicherweise sogar eine kleine Siedlung. Das ganze obere Altmühltal bestand am Anfang des Mittelalters auf den Anhöhen aus Urwald und in der Nähe des Flusses und der Bäche aus Sumpf.

Nach 720 wurde die hiesige Gegend von den Frankenkönigen in Besitz genommen und als Jagdgebiet genutzt. Auch Karl der Große soll hier schon Auerochsen gejagt haben, an welche der Ortsname Auerbach heute noch erinnert.

In der Karolingerzeit wurde hier auf dem 511 m hohen und 54 m über dem Talgrund liegenden Bergsporn um das Jahr 770 eine kleine Palisadenburg mit einem hölzernen Turm erbaut, um die gesamte Gegend von der Altmühlquelle bei Hornau bis zur Engstelle bei Frommetsfelden überblicken zu können. Das beweist heute noch die rechteckige Form der inneren Burganlage.

Nach 800 entstand unterhalb der Burg das Dorf Altenstatt an der wichtigen Verbindungsstraße von Ansbach (um 748 gegründet) zum oberen Taubertal. Das Alter des Ortes beweist die Tatsache, dass die hiesige Kirche St. Ursula weit von der Burg entfernt oberhalb dieser Straße und nicht in der Nähe der Burg steht. Das Dorf wurde ab 1375 ebenfalls Colmberg genannt und besaß schon im Mittelalter ein Gericht mit dem jeweiligen Burgherrn als Richter. Aus dem Siegel dieses Gerichts von 1624 entstand das heutige Gemeindewappen von Colmberg.

Das Jagdrecht im gesamten von hier aus überschaubaren Gebiet, dem kaiserlichen Forstbezirk Burgbernheim – Leutershausen mit etwa 225 qkm, schenkte Kaiser Otto III. am 1. Mai 1000 dem Bischof Heinrich von Würzburg.

Die staufischen Kaiser bauten die hiesige Palisadenburg (gleichzeitig auch die im Rothenburger Burggarten) nach 1140 zu einer Reichsburg aus. In dieser Zeit entstanden die unteren Teile des Palas und der Kemenate sowie etwa 100 Jahre später der etwa 32 m hohe Bergfried. Er ist vom Wehrgang der inneren Mauer über einen Steg zugänglich. Seine Mauern sind unten 6 m dick und beherbergten oben vier durch Holzstiege zugängliche Stockwerke und einen Tiefbrunnen. Damals mauerte man mit Buckelquadern, die in der Mitte ein Loch hatten. Sie wurden mit riesigen Zangen gepackt und auf die gewünschte Höhe hinaufgezogen. So eine Zange hängt heute noch an der linken Wand neben dem Eingang ins heutige Burghotel. Später entstand hier die Sage, die Burg sei von Riesen gebaut worden und diese hätten ihre Daumen in die Steine gedrückt.

Weil die Staufer wie alle deutschen Herrscher im Mittelalter ruhelos in ihrem Reich herumzogen, um für Ordnung zu sorgen, wurde die Burg Colmberg und ihr Umland (1304 immerhin 104 Bauernhöfe im Gebiet der oberen Altmühl) immer wieder verliehen, zuerst vermutlich an die Herren von Endsee und später an die Grafen von Hohenlohe, nachweislich aber an die Grafen von Truhendingen, die ihr ursprüngliches Herrschaftsgebiet in der Gegend des Hahnenkammes hatten. In ihrem Stammgebiet lagen die Burgen bzw. Orte Altentrüdingen, Hohentrüdingen und Wassertrüdingen – heute im Süden des Landkreises Ansbach.

Nachdem die Staufer in Italien ihr gewaltsames Ende gefunden hatten, behielten die Grafen von Truhendingen ihr Reichslehen in der langen kaiserlosen, schrecklichen Zeit und sahen es bald als ihr rechtmäßiges Eigentum an. Aber ihnen ging es nun ähnlich wie vorher den Kaisern. Weil der truhendingische Besitz vom Rieskessel bis nach Scheßlitz in Oberfranken reichte, konnten sie nicht überall selbst nach dem Rechten sehen. Sie ließen die Burg Colmberg durch schlecht besoldete Vögte verwalten, die den damaligen rechtlosen Zustand für sich durch selbstherrliche Übergriffe ausnützten. Die „Vögtin“ Sophia von Colmberg, die Frau eines hiesigen Vogtes, muss wegen der vielen Untaten (siehe weiter unten) ihres Gatten ein schlechtes Gewissen gehabt haben, denn sie tätigte 1269 und 1284 nachweislich zwei Stiftungen an das Kloster Heilsbronn und ebenfalls 1269 eine Stiftung an den Johanniterorden in Rothenburg. Leider sind andere Stiftungen von ihr an die hiesige Kirche St. Ursula nicht erhalten geblieben. Weil im Gegensatz zu sämtlichen Kirchen der Umgebung die Colmberger Kirche nach einer weiblichen Heiligen benannt wurde, liegt aber die Vermutung nahe, dass sie als Frau auf dieses Patrozinium gedrängt und zur Gründung der hiesigen Pfarrei mit beigetragen hat. Alle Indizien weisen darauf hin, dass die Pfarrei Colmberg als Tochterpfarrei von Leutershausen um diese Zeit gegründet worden ist. Die Vögtin Sophia von Colmberg starb um 1285.

Die ältesten Gerichtsbücher (Achtbücher) der Reichsstadt Rothenburg bezeugen nach 1274 eine fast endlose Kette von Klagen über Straftaten der Colmberger Amtleute vor dem dortigen Gericht, z.B. über unbezahlte Schulden, nicht eingehaltene Bürgschaften, Hausfriedensbruch, Raub, Freiheitsberaubung, Diebstahl und Brandstiftung. Schließlich wurde 1293 nicht etwa der damalige truhendingische Vogt, sondern die gesamte Burg Colmberg geächtet, ein juristisch hochinteressanter Fall !

Weil die Grafen von Truhendingen in immer größere finanzielle Schwierigkeiten gerieten, trennten sie sich von dieser so schlecht beleumundeten Festung, einer urkundlich belegbaren Raubritterburg. Viele behaupten heute, eine gewesen zu sein, Colmberg war wirklich eine ! Die Verliese, in die viele Unschuldige geschleppt wurden, sind heute nicht mehr zugänglich. Sie befinden sich unter dem Palas (Herrenhaus) im 2. Kellergeschoss. Darüber war die mittelalterliche Küche mit Vorratsräumen untergebracht. Im Erdgeschoss befand sich eine Waffenhalle, aber ohne Zugang zum Burghof. Das war nur durch eine Außentreppe mit Tonnengewölbe auf der Innenseite des Burghofes möglich, die in den 1. Stock des Palas zum damaligen Rittersaal führte.

Colmberg wurde am 13. Juli 1318 zusammen mit der Stadt Leutershausen und dem Umland von Graf Friedrich VIII. von Truhendingen und zwei anderen Mitgliedern seiner Familie für 6200 Pfund (Schwäbisch) Haller Pfennige an den Burggrafen Friedrich IV. von Nürnberg verkauft. Ein Pfund Geld (zu 233,855 g) hatte damals 240 Pfennige, also mussten nicht weniger als 1 488 000 Silberpfennige bezahlt werden. Sie wurden vermutlich nicht gezählt, sondern in Säcken verpackt gewogen (netto 1448,901 kg Silbermünzen).

Weil es sich dabei um ein Reichslehen handelte, bestätigte König Ludwig der Bayer (später Kaiser) 1319 diesen Verkauf und gab es dem Burggrafen zu vollem Eigentum. Als sein Bruder, Herzog Rudolf von Bayern, damit nicht einverstanden war, versprach der deutsche Herrscher im gleichen Jahr dem Burggrafen, sich nicht eher mit seinem Bruder zu vertragen, bis dessen Zustimmung erfolgen würde. Dies geschah nie. Zehn Jahre später starb Herzog Rudolf. Kaiser Ludwig der Bayer einigte sich mit dessen Söhnen und ließ für den Burggrafen eine neue Besitzurkunde für die Burg Colmberg mit Umland ausstellen.

Fast 500 Jahre lang war nun diese Festung mit ihrem Umland ein wichtiger Besitz der Hohenzollern, den sie zwar dreimal verpfändeten (1376 wegen 1500 fl. Schulden an Heinrich Schenk von Leutershausen, 1379 für eine Schuld von 2300 fl. an Konrad von Kirchberg und 1425 wegen 4000 fl. Schulden an Konrad von Rosenberg), aber immer wieder auslösten. Ihre 3 Vögte überwachten von hier aus den Zugang zur Reichsstadt Rothenburg, zu welcher die Burggrafen ein sehr gespanntes Verhältnis hatten.

Die hiesige Burg war 1407 der Sammelort aller hohenzollerischen Lehensleute und ihrer Verbündeten – u.a. Lehensleute des Herzogs Heinrich von Bayern-Landshut, des Grafen Lienhard von Castell, des Bischofs Johann von Würzburg und des Bischofs Albrecht von Bamberg – im Krieg gegen den mächtigen Bürgermeister Heinrich Toppler der eben genannten Reichsstadt. Nun kamen hier mindestens 2727 Ritter zusammen, denn so viele Fehdebriefe hatte Rothenburg vorher erhalten. Jeder brachte noch einige bewaffnete Knechte mit. Von hier aus zog das Heer (geschätzt etwa 10 000 Mann) unter der Führung des Burggrafen zur Belagerung der Reichsstadt. Rothenburg musste schließlich verhandeln und fünf Burgen im eigenen Besitz schleifen (zerstören) lassen, nämlich Endsee bei Steinsfeld, Gailnau bei Wettringen, Habelsee bei Ohrenbach, Nordenberg bei Windelsbach und Seldeneck bei Bettwar.

Nach dem siegreichen Ende des Krieges wurde 1408 hier im Burghof die Beute vom burggräflichen Schreiber notiert und unter Aufsicht des damaligen Amtmanns Dietz (Dietrich) Zobel unter die Kriegsteilnehmer verteilt. Im gleichen Jahr starb Heinrich Toppler im Gefängnis seiner eigenen Stadt, weil man ihm die Schuld an der Niederlage gab.

Weil Kriege schon damals teuer waren, musste sich auch der Sieger einschränken. Burggraf Friedrich VI. regierte von nun an mit seiner Gemahlin Elisabeth von Bayern-Landshut („Schön-Else“) mit einem kleinen Hofstaat hier auf der Burg Colmberg, weil das billiger war als auf der Cadolzburg oder in Nürnberg. Er jagte in den hiesigen Wäldern der Frankenhöhe und wurde von seinem Hofmeister Ehrenfried von Seckendorff verspottet. Der Burggraf würde zu einem „Hasenjäger“ herunterkommen und solle lieber dem König Sigismund von Ungarn gegen die Türken helfen. Friedrich VI. folgte diesem Rat und verabschiedete sich 1409 von seiner Gemahlin. Er verschrieb ihr u.a. die hiesige Burg und noch viele andere Güter testamentarisch als Witwensitz. Nach dem  erfolgreichen Feldzug, in welchem der Burggraf Sigismund bei der Aufgabe eines Brückenkopfes das Leben rettete, wurde dieser 1410 deutscher König (später Kaiser). Als sofortigen Dank für seine Rettung verpfändete er dem Burggrafen die Mark Brandenburg und setzte ihn anschließend dort auch als Statthalter ein. Friedrich VI. weilte 1415 gerade wieder auf der Burg Colmberg bei seiner Gemahlin, als ihm der Reichsherold den endgültigen Dank des Herrschers, nämlich die Belehnung mit der Mark Brandenburg offiziell mitteilte.

Von nun an nannte sich Friedrich Markgraf von Brandenburg. Das bedeutete eine deutliche Standeserhöhung. Er und seine Nachkommen durften die zukünftigen deutschen Kaiser wählen, denn der jeweilige Markgraf war nach dem Reichsgesetz der „Goldenen Bulle“ von 1356 einer der sieben Kurfürsten, die dieses Recht hatten ! Die „Beförderung“ wurde auch in seinem neuen Namen deutlich: Aus dem Burggrafen Friedrich VI. wurde nun der Markgraf Friedrich I.

Wegen des neu gewonnenen Territoriums war er häufig in Norddeutschland und überließ die Regierung der hiesigen Markgrafschaft (nicht mehr Burggrafschaft) seiner Ehefrau, die immer noch hier residierte. Markgraf Friedrich I. setzte 1437 fest, dass u.a. die Burg Colmberg im Falle einer Teilung seiner Besitzungen unter seine Söhne immer zum sogenannten „Niederland“ (spätere Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach) gehören sollte. Als er 1440 starb, wurde die hiesige Burg für zwei Jahre zum Witwensitz der „Schön-Else“. Die Bilder des berühmten Ehepaares finden sich in der Burgkapelle über dem Harmonium.

Ihre Nachkommen wurden 1701 Könige von Preußen und 1871 deutsche Kaiser. Die Burg Colmberg war also das Sprungbrett der Hohenzollern in die Weltgeschichte !

Bekanntlich tritt überall in den Burgen und Schlössern der Hohenzollern eine bestimmte Sagengestalt auf: die sogenannte weiße Frau. Dies ist auch hier der Fall. Die Colmberger Sage handelt von einem armen Burgwächter, dem sie einen vergrabenen Schatz zeigt.

Nach dem Tode der Schön-Else blieb die Burg Mittelpunkt des markgräflichen Oberamts
Colmberg, zu dem das Kasten- und Vogteiamt Colmberg, das Stadtvogteiamt Leutershausen, das Vogteiamt Jochsberg (ab 1630), das Richteramt Brunst und das Kastenamt Insingen gehörten. Die Verwalter des Oberamtes Colmberg wurden als Oberamtsleute oder Vögte (ihre Stellvertreter im hiesigen Vogteiamt) bezeichnet. Im Zuständigkeitsbereich der Oberämter lagen die gesamte Frevelgerichtsbarkeit, die Ziviljustiz, das Wehrwesen und die mannigfachen Aufgaben der Polizei. Der Oberamtmann übte als Blutrichter die Fraisch, das peinliche Hals- und Banngericht aus. Daran erinnert bis heute die Gerichtslaube neben dem Bergfried. Dort sprach der Oberamtmann mit 12 Gerichtsschöffen Recht, von denen sechs aus dem Ort Colmberg und sechs aus dem Vogteiamt Colmberg stammten. So eine Gerichtslaube gab es
früher auch im Burggarten von Rothenburg; heute ist sie nur noch auf dem dortigen Stadtsiegel als kleines Häuschen zwischen den beiden Türmen zu sehen, aber nicht mehr im Wappen.

Auch die Hohenzollern hatten ihre Probleme mit ihren Burgvögten, weil sie diese von Berlin bzw. Ansbach aus nicht ausreichend überwachen konnten. Angeblich hatte der hiesige Vogt Rüd einen mit einem Wagenzug vorbeifahrenden Rothenburger Ratsherren gefangen genommen und ihn im Burgverlies verfaulen lassen. Jedenfalls plünderten 1449 die Rothenburger Soldaten nicht weniger als 18 markgräfliche Dörfer im ganzen oberen Altmühltal aus und brannten sie zusammen mit der Oberen Vorstadt von Leutershausen nieder. Weil sie die Mauern der Festung – die mit Katapulten beschossen wurde – nicht stürmen konnten, wurde das Dorf Colmberg ebenfalls in Asche gelegt. Im Gegenzug ließ Markgraf Albrecht Achilles durch seine Soldaten von hier aus nun ebenfalls viele Rothenburger Dörfer innerhalb der sogenannten Landhege niederbrennen. Dieser Krieg hatte zur Folge, dass die benachbarten Orte Binzwangen, Ober- und Unterhegenau hinter dem Rücken ihres Dorfherrn, des Bischofs von Eichstätt, einen Schutzvertrag mit dem Markgrafen schlossen. Gegen eine jährliche Lieferung von zehn Malter Hafer nach Rothenburger Maß pro Dorf ins hiesige Kastenamt durften diese Einwohner wie die markgräflichen im Kriegsfall in die Burg Colmberg eingelassen werden. Die nächste eichstättische Festung, Wahrberg bei Aurach, war zu ihrem Schutz viel zu weit entfernt.

Albrecht Achilles war oft hier und ließ im 1. Stock des Kemenatenbaues (Frauenhaus im mittleren Burgteil) eine Kapelle einrichten. Er besoldete einen neu eingestellten Burgkaplan mit einem Teil des Zehnten von Colmberg und Unterfelden und den Einkünften von zwei Gütern in Stettberg. Dieser sollte an jedem Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag eine Messe lesen und einen jährlichen ewigen Jahrtag (Seelenmesse) für den Vater des Stifters, den Markgrafen Friedrich I., dessen Gemahlin und beider Vorfahren halten. Das gotische Maßwerk der Kapelle und die Stiftungsurkunde vom 3. Mai 1451 sind noch erhalten.

Die Bedeutung des Burg Colmberg wuchs unter Albrecht Achilles sehr. Weil dieser immer wieder in Kriege und Fehden verwickelt und deshalb oft abwesend war, stattete er den damaligen Oberamtmann Heinrich von Lüchau (in Colmberg 1455 – 1486) mit weitreichenden Befugnissen aus. Er war der bedeutendste Adelige, der je auf der Colmberger Burg saß. Dabei vertrat er den Markgrafen nicht nur im hiesigen Oberamt, sondern auch darüber hinaus, z.B. in Feuchtwangen und Dinkelsbühl. Er begleitete ihn 1462 als markgräflicher Heerführer im 5 Kriege gegen den Herzog Ludwig den Reichen von Bayern-Landshut, ebenso 1474 auf dem Feldzug gegen den Herzog Karl den Kühnen von Burgund, schoss die Armbrüste seines Herrn ein und nahm noch 1485 an einem Turnier in Ansbach teil.

Allerdings legte Heinrich von Lüchau 1465 auch fest, dass jeder Übeltäter nach drei Tagen vom hiesigen Burgverlies nach Leutershausen ausgeliefert und dort abgeurteilt werden sollte. Das lag daran, dass auch der Oberamtmann nur selten in der Burg anwesend war und sich meistens nicht darum kümmern konnte. Deshalb musste sich dann an seiner Stelle der Stadtvogt von Leutershausen mit den Übeltätern befassen. Aus dieser Tatsache entstand die Sage, „die Leutershäuser hätten den Colmbergern den Galgen gestohlen.“ Dies ist zwar nicht wörtlich zu verstehen, aber sinngemäß ist es richtig.

Seine schlichte Grabplatte und die aufwändigere seines Bruders und Nachfolgers als Oberamtmann, Conrad von Lüchau (in Colmberg 1487 – 1497), können beide noch in der Schwanenritterkapelle der Kirche St. Gumbertus in Ansbach besichtigt werden.

An den gut befestigten doppelten Mauerringen der Burg, ihrem Erdwall mit Graben und am Halsgraben zum Bergrücken zu scheiterten alle Angriffe der Feinde, auch die im Bauernkrieg. 1525 biss sich der Bauernhaufen des „Roten Konrad“, dem vorher in Franken um die 200 Burgen und Schlösser zum Opfer gefallen waren, die Zähne aus. Vom damaligen Oberamtmann Wolf von Hessberg ist noch eine Schadensaufstellung erhalten.

Als 1528 in der gesamten Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach die Reformation stattfand, wurde festgelegt, dass der jeweilige Pfarrer von Colmberg immer an den Freitagen in der Schlosskapelle eine Predigt halten musste. Seelenmessen gab es nicht mehr.

Kurz vor dem 30jährigen Krieg baute man noch die vorkragende Bastei mit kleinen Geschützen am südlichen äußeren Mauerring an. Der kaiserliche Feldherr Tilly, durch den Meistertrunk von Rothenburg bekannt, wollte 1631 die hiesige Burg erobern, hatte aber dabei keinen Erfolg. Während der langen Zeit dieses schrecklichen Krieges war die Burg für die umliegende Bevölkerung ein zuverlässiger Schutz. Die hiesigen Kirchenbücher beweisen, dass hier Kinder getauft, Ehen geschlossen und Gestorbene begraben wurden. Die Geflüchteten hausten zwischen den beiden Mauerringen, wobei ihnen der äußere Brunnen Wasser spendete. Nach 1648 zogen die Flüchtlinge wieder ab und die eigentliche Besatzung blieb allein zurück. Das waren meist nur der Vogt des Vogteiamts Colmberg, der Kastner, Kastenmesser, Amtsschreiber, Wildmeister, Amtsknecht, „Torwart“ und der Burgwächter bzw. Nachtwächter.

Der markgräfliche Oberamtmann war in der Barockzeit meist in Ansbach und ließ sich durch den Vogt oder Kastner vertreten. Etwa um 1700 entstand über dem Erdgeschoss des ehemaligen Marstalls der heute noch erhaltene Fachwerkbau auf der rechten Seite des Burghofs, das markgräfliche Kastenamt, wobei alte Teile der Burganlage abgerissen wurden, z.B. die Zugänge zu den Außenabortanlagen. Ebenfalls abgerissen wurde die südliche Mauer des Innenhofs, wodurch endlich die Sonne in den Burghof scheinen konnte. Vorher muss es hier sehr finster, feucht und im Winter kalt gewesen sein. Gegenüber dem inneren Tor wurde an die Außenmauer angelehnt ein Pferdestall errichtet, weil es ja keinen Marstall mehr gab.

Die älteste bekannte Beschreibung der Festung wurde vom markgräflichen Landmesser und Ingenieurleutnant Johann Georg Vetter 1732 verfasst: „Ein hochfürst(lich) ansbachisches, wohl gebautes Schloss, welches mit einem schönen hohen – von puren Quaderstücken gebautem Turm, mit einer Schlosskapelle, Getreidekasten, Kastnerswohnung, Kastenmessers- und Amtsknechtshaus, ingleichen mit einer doppelten Mauer und verschiedenen Türmen versehen, 6 liegt gegen Mitternacht des Fleckens Colmberg auf dem Berg, und soll ehedessen denen Tempelherren (eine Legende !) gehört haben. …(Es) wird dermalen von einem Kastner bewohnt und von gnädigster Herrschaft im baulichen Wesen erhalten, pfarret auch in den hernach beschriebenen
Flecken Colmberg“.

Wie hier nachzulesen ist, konnten sich um diese Zeit die markgräflichen Oberamtleute schon nicht mehr mit der hiesigen Burg anfreunden. Dort wohnten nur noch die niederen Beamten. Die Oberamtleute residierten seit 1720 lieber in der vorher seckendorffischen Wasserburg im benachbarten Jochsberg. Vom Ende der Markgrafenzeit (1787) stammt ein bekannter Kupferstich von Johann Georg Koeppel, der noch den äußeren Mauerring in voller Höhe und den gesamten Berghang unterhalb der Burg ohne jeden Busch- oder Baumbewuchs zeigt. Man wollte bei einem Angriff immer noch freies Schussfeld haben.

Nach der Abdankung des letzten Markgrafen Alexander 1791 stand Colmberg bis 1806 unter preußischer Verwaltung. Als nachher Bayern das von Kaiser Napoleon I. übergebene Gebiet der ehemaligen Markgrafschaft neu organisierte, wurde die Burg Colmberg 1810 Sitz eines Rentamtes im Landgerichtsbezirk Leutershausen. Das war ein Glücksfall. Wenn die königlich bayerische Regierung damals keine Verwendung für die Burg gehabt hätte, wäre sie wie viele andere gnadenlos auf Abbruch verkauft worden und jetzt nicht mehr vorhanden, wie z.B. die Burgen Forndorf bei Wieseth, Jochsberg bei Leutershausen und Weiltingen (das schlimmste Beispiel in unserem Landkreis). Der Hintergrund waren die vielen Kriege an der Seite Napoleons und zuletzt auch gegen diesen, welche viel Geld kosteten. Auch im darauffolgenden Frieden forderte das hiesige königlich bayerische Rentamt immer noch Steuern und Grundrenten der Bauern in Naturalienform ein, die als jährliche zu bezahlende Lasten auf den Gütern lagen (z.B. Zehnten, Gülten), nach 1848 aber durch Geld abgelöst wurden.

Als das Landgericht Leutershausen mit Beginn des Jahres 1880 aufgehoben und das hiesige Rentamt nach Ansbach verlegt worden war, verkaufte der bayerische Staat die für ihn nutzlos gewordene Burg für 14 050 Mark an den Würzburger Kaufmann Rösner. Weil man im Zeitalter des Historismus im neuen Deutschen Kaiserreich mehr Sinn für mittelalterliche Gebäude hatte, wurde die Burg nicht auf Abbruch verkauft, sondern blieb zum Glück erhalten. Rösner investierte große Mittel, um den Bestand der Burg wenigstens zu sichern. Allerdings soll er die obersten Steinschichten der Außenmauer abgebrochen und verkauft haben.

Alexander Freiherr von Siebold erwarb 1888 die immer noch recht heruntergekommene Burg für 40 000 Mark. Er ließ sie mit großem Talent im gotischen Stil restaurieren und brachte hier seine und die Sammlungen seines Vaters unter. Dieser war der in Japan sehr bekannte Forscher Philipp Franz von Siebold, den man dort sogar wegen angeblicher Spionage eingesperrt und nachher verbannt hatte (er war dabei ertappt worden, heimlich Landkarten zu zeichnen). Alexander von Siebold hatte vorher das Kaiserreich Japan als Legationsrat nacheinander in London, Rom und Berlin vertreten, war aber dann aus dessen Dienst ausgeschieden, weil er die japanische Staatsangehörigkeit nicht annehmen wollte. Er pflanzte auch den Gingkobaum, den man am Eingang unmittelbar hinter dem äußeren Tor auf der rechten Seite sehen kann. Dieser Baum gefällt japanischen Besuchern immer sehr, weil er sie an ihre Heimat erinnert. Siebold zog 1896 nach Schloss Leipheim bei Ulm und verkaufte die Burg für 54 000 Mark.

Der nächste Besitzer war ein Major Klingebeil, der 1903 Selbstmord verübte, indem er sich von der äußeren Mauer stürzte. Seine Witwe Käthe Klingebeil-Glüber bewohnte das Schloss noch weitere 24 Jahre. Sie gründete in Ansbach die Fahrzeugfabrik GmbH, welche Kraftdroschken, Omnibusse und Lastwagen herstellte, im Ersten Weltkrieg auch Armeelastwagen. Dem Ansbacher Produktionsbetrieb wurde später noch ein Nürnberger Automobilwerk angegliedert. Von nun an hieß der Betrieb Fahrzeugfabriken Ansbach und Nürnberg (FAUN), Spezialfabriken für Lastkraftwagen und Omnibusse.

Der benannteste private Schlossbesitzer war ab 1927 Dr. Dr. h.c. Ernst Arthur Voretzsch, u.a. deutscher Konsul in Hongkong, Shanghai und Hangkau, sowie später letzter kaiserlicher Botschafter in Tokio, der hier ebenfalls seine wertvollen ostasiatischen Sammlungen unterbrachte. Als am 4. August 1928 ein schweres Unwetter das ganze obere Altmühltal heimsuchte, fegte dieses das Ziegeldach des Bergfrieds herunter. Es wurde nachher durch eine kupferne Haube ersetzt, die heute noch vorhanden ist. Für die vielen Geschädigten der Umgebung leitete Dr. Voretzsch eine großzügige Hilfsaktion ein und war deshalb bei der Bevölkerung sehr beliebt. Im gleichen Jahr kam auch der Gutshof unterhalb des Schlosses in seinen Besitz.

Noch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort Colmberg am 17. April 1945 schwer zerstört. Auch das Schloss wurde von amerikanischen Truppen beschossen. Der Schaden hielt sich aber zum Glück in Grenzen.

Weil Dr. Voretzsch keinerlei Beziehungen zu den Nationalsozialisten unterhalten hatte, diese im Gegenteil sogar verachtete, setzte ihn die amerikanische Militärregierung nach Kriegsende als Vorsitzenden der Spruchkammer für den ganzen Landkreis Ansbach ein. Er urteilte damals über die Nazizugehörigkeit und ihre Abstufungen (Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer und Entlastete) bei sämtlichen Einwohnern dieses Gebiets. Nach der ersten Kreistagswahl 1946 übernahm er den Vorsitz des Personal- und Finanzausschusses. Er wurde 96 Jahre alt. Leider verkauften die Erben nach seinem Tode den größten Teil seiner sehr wertvollen ostasiatischen Sammlungen.

Der Colmberger Maurermeister Hans Unbehauen erwarb 1964 die Festungsanlage und konnte sie zum Glück dauerhaft erhalten und sinnvoll nutzen. Erst 1967 entschied das Oberlandesgericht Nürnberg, dass er Schlossherr von Colmberg mit dem etwa hundert Hektar zum Schloss gehörigen landwirtschaftlichen Betrieb sein konnte. Sein Sohn Otto Unbehauen betreibt hier heute ein vielbesuchtes Burghotel, in dem viele Tagungen, Kongresse und auch ganz normale Familienfeiern (Jubiläen, Taufen, Hochzeiten etc.) stattfinden. Es bildet einen wichtigen Bestandteil der bekannten Burgenstraße, die von Mannheim bis Prag reicht. Ebenso liegt es am Jakobsweg und am Europäischen Wasserscheideweg. Die neu hergerichtete Kapelle, in der sich früher eine Bibliothek mit einem riesigen Buddha befand, ist jetzt wieder für gottesdienstliche Zwecke (meist Hochzeiten) benutzbar. Im Burghof finden auch kulturelle Veranstaltungen statt (z.B. das Burgsingen mit mehreren Gesangvereinen). Der benachbarte Wildpark mit vielen Damhirschen ist eine ansehnliche Ergänzung – auch für die Speisekarte.

Die Burg Colmberg hat – in der Terminologie der untergegangenen DDR – eine günstige Zukunftsperspektive und ist eine der am besten erhaltenen Burgen Frankens. Dies trifft für die beiden anderen Höhenburgen des Landkreises Ansbach, Virnsberg bei Flachslanden und Wahrberg bei Aurach leider augenblicklich nicht zu. Im genannten Gebiet gab es im Mittelalter nicht weniger als 120 Höhen- oder Wasserburgen, die anfangs auch nur aus einem freistehenden Turm mit einem umlaufenden Palisadenzaun oder Wassergraben bestanden, was man heute noch beim sogenannten Topplerschlösschen im Taubertal unterhalb von Rothenburg erkennen kann. Der berühmte Kunsthistoriker Dehio, dessen „Handbücher der Deutschen Kunstdenkmäler“ seit 1905 immer wieder nachgedruckt und auf den neuesten Stand gebracht werden, bezeichnete die hiesige Festung als „sehr schönes Beispiel einer mittelalterlichen Abschnittsburg“.

Claus Broser, Kreisheimatpfleger Leutershausen, den 15.10.2008

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Quellen:

Broser, Claus: Burg Colmberg, In: Flug über Mittelfranken, 2. Aufl., Nürnberg 1982
Ders.: Chronik der Marktgemeinde Colmberg 888 – 1500, Leutershausen 1988
Ders.: Die alten Maße und Gewichte in unserem Bereich, in: Historische Beilage zum Mitteilungsblatt der Marktgemeinde Colmberg v. 18.4.1990
Ders.: Wappen im Landkreis Ansbach, Ansbach 1990

Ders.: Die Ortsnamen von Colmberg, 1. Teil Eichelberg, 2. Teil Altenstatt, 3. Teil Colmberg, in: Historische Beilage zum Mitteilungsblatt der Marktgemeinde Colmberg v. 13.11.1991, 12.2.1992, 14.5.1992 und 28.7.1992

Dallhammer,Hermann: Die Ritter mit dem Schwanenorden, Ansbach 1987
Dehio, Georg u.a.: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken
2. Aufl., München und Berlin 1999
Fehring, Günter: Stadt und Landkreis Ansbach, München 1958

Gumpert, Karl Frühmittelalterliche Turmhügel in Franken, in: HistorischerVerein für Mittelfranken. 70. Jahresbericht, Ansbach 1950
Heine, E.W.: Toppler. Ein Mordfall im Mittelalter, Zürich 1990 von Loringhoven,
Hans Freytag Rund um die Burg Colmberg, in: Ansbach gestern + heute, Nr. 15/16, Ansbach 1978/79
Meyer, Julius und Bayer, Adolf Brügels Onoldina Heft I, Ansbach 1955
Müller, Konrad und Seibt, Ferdinand: Die Goldene Bulle nach König Wenzels Prachthandschrift, Dortmund 1978
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Schötz, Hartmut: Schloß und Gut Colmberg, in: Heimatpflege in Bayern, Nr. 9,
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Schreibmüller,Hermann: Zur älteren Geschichte der Burg Colmberg, in: Heimatblätter für Ansbach und Umgebung, 12. Jg. Nr. 2/3, Ansbach 1936
Schuhmann,Günther: Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Ansbach 1980
Vetter, Johann Georg: Oberamt Colmberg, Ansbach 1732 (Stadtarchiv Leutershausen,
Band 32)
Weigel, Helmut: Die Reichsstadt Rothenburg o.T. und Friedrich VI., Burggraf
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Wild, Hans: Heimatbuch für Leutershausen und Umgebung, Leutershausen 1926

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Thema: Wo Franken Spitze ist

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2 Kommentare

  1. 1
    Bernd Blümlein 

    Herzlichen Dank für diese Info die mich als „Neubürger“ von Colmberg sehr interressiert hat. Allerdings sollte das letzte Bild auf der Seite ausgetauscht werden – es handelt sich dabei um die Burg Hoheneck (über dem Aischtal) im Nachbarlandkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.

    Herzliche Grüße

  2. 2
    intern 

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Das mit dem Bild ist mir schon bewußt und war Absicht, aber Sie haben recht. Wenn jemand zum erstenmal sich für die Geschichte von Burg Colmberg interessiert, dann verwirrt das. Da ich mit vielen anderen Franken der Meinung bin das es nur ein Franken gibt, war ich hier etwas großzügig. Ich nehme es aber heraus, um Klarheit zu schaffen.

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