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17. Partei für Franken „Die Franken“ – Auf Augenhöhe

Freitag, 4. Dezember 2009 | Autor:

Frankenlied

 

 

DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48 – 19. November 2009
http://www.zeit.de/2009/48/LS-Franken B A Y E R N

Auf Augenhöhe

Neuer Schlag gegen die CSU:

Franken gründen eine Partei gegen regionale Benachteiligung
VON WALTRAUD TASCHNER

Zweifellos täte man dem Franken als solchem bitter unrecht, würde man ihn umstandslos zu einem geistigen Verwandten von, sagen wir, Lothar Matthäus erklären. Der ehemalige Nationalfußballer und glücklose Trainer Matthäus, gebürtiger Franke, fiel unlängst auf, weil er den Mangel an öffentlicher Ehrerbietung beklagte, der ihm als ehemaligem Sportstar in Deutschland zuteil werde. Auch der Franke Markus Söder ist möglicherweise nicht typisch für seine Heimatregion, in deren Namen er schon einmal Wiedergutmachung fordert, wenn die Rolle eines fränkischen Fernsehkommissars aus seiner Sicht unvorteilhaft angelegt ist. Nein, mehr oder weniger prominente Zeitgenossen mit seltsamen Ansichten finden sich auch anderswo.

In Franken allerdings haben sie soeben eine Partei gegründet, eine politische Partei mit dem programmatischen Namen »Die Franken«. Man wolle, sagt Parteichef Robert Gattenlöhner, »endlich auf gleicher Augenhöhe sein mit dem Rest von Bayern«. Der 53-jährige Industriemeister kann sich in Rage reden, wenn er an die Zustände in seiner Heimat denkt. Ob es um regionale Wirtschaftsdaten geht, um Infrastruktur oder kulturelle Belange: »Franken spielt immer nur die zweite Geige.« Jüngstes Beispiel: Quelle. Wäre der Firmensitz des mittlerweile insolventen Versandhändlers in München gewesen, meint Gattenlöhner, hätte sich die bayerische Regierung für dessen Rettung stärker ins Zeug gelegt. Das gelte auch für das Aus der Elektroriesen AEG oder Grundig. »Solche Pleiten«, behauptet zumindest der Franken-Chef, »hat es in Oberbayern noch nicht gegeben.«

Nun könnte man einwenden, dass etwa in Unterfranken im vergangenen Jahr ganze 3,9 Prozent ohne Job waren – so wenige wie im prosperierenden Oberbayern. Doch Daten und Zahlen allein können das Phänomen des fränkischen Inferioritätsgefühls nur unzureichend erklären. Seit das bayerische Königreich sich vor 200 Jahren das ehedem unabhängige Franken einverleibte, grollen dessen Bewohner. Kommt doch einmal ein Franke auf den Thron, wie zuletzt Ministerpräsident Günther Beckstein, dann wird dessen trauriges politisches Schicksal schnell zum neuerlichen Beweis der ungebrochenen Vorherrschaft anderer Stämme, namentlich der Oberbayern. Beckstein hatte im Herbst 2008, nach der katastrophal vergeigten Landtagswahl, seinen Hut nehmen müssen, ein Vorgang, der aus fränkischer Sicht weniger der Wahlniederlage als einer Intrige des oberbayerischen BecksteinVorgängers Edmund Stoiber anzulasten ist.

Hatte jener nicht erst 2007 seinen Rückzug angetreten, voll Ingrimm über seinen designierten Nachfolger Beckstein?

Hatte Stoiber nicht in kleiner Runde gedroht:


»Das werden sich meine Oberbayern nicht gefallen lassen«?
Na also!

»Wie die CSU mit dem Beckstein umgegangen ist, war hinterhältig und schäbig«, zetert Robert Gattenlöhners Parteifreund Martin Treml, ein fränkischer Rentner. Nicht dass Treml und Gattenlöhner der Ansicht wären, Beckstein habe sich besondere Verdienste um seine Heimat erworben. Das ist schon per Definition unmöglich. Denn jeder CSUler, der sich für fränkische Interessen einsetzt, glaubt zumindest das einstige SPD-Mitglied Robert Gattenlöhner, »wird sofort ausgebremst« – vom oberbayerisch dominierten Establishment der CSU.

Wer sich je fragte, warum die frühere bayerische Staatspartei bei der Vergabe von Ämtern und Posten einem derartig peniblen Regionalproporz huldigt, der findet in Franken eine Antwort.Die Stärke der Christsozialen, sagt der CSU nahe Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter, habe in der Vergangenheit auch darin bestanden, die »Stammesgegensätze zwischen Altbayern und Franken zu überwölben«.Jetzt, da ihr Nimbus bröckelt, könne auch eine Kleinpartei der CSU Stimmen abjagen.

Die CSU beäugt das Treiben der Franken mit einer Mischung aus Spott und Besorgnis. »Vor denen müssen wir keine Angst haben«, macht sich ein fränkischer Landtagsabgeordneter Mut. Exparteichef Erwin Huber aber mahnt: »Wir müssen das aufmerksam beobachten.«

Frankenfahne1

Ziel der Franken ist ein Erfolg bei der Landtagswahl 2013.

Doch bis dahin ist es noch weit. Zwei Wochen nach ihrer Gründung haben Die Franken zwar ihre Mitgliederzahl vervierfacht, 220 sind sie nun schon. Doch sie haben keine Parteistruktur, kaum Geld – und keine Zugpferde. Ein Manko, dessen sich Parteichef Gattenlöhner und sein Vize Marco Mehl, ein ehemaliger CSUler, durchaus bewusst sind. »Wir brauchen bekannte Köpfe«, räumt Gattenlöhner ein. Die beiden hoffen auf frustrierte CSU-Überläufer. Einen solchen Coup landeten zuletzt die Freien Wähler. Mit der schillernden Exlandrätin Gabriele Pauli an der Spitze gelang der Wählergruppe 2008 der Einzug in den Bayerischen Landtag. Auch wenn Franken-Vize Mehl beim Namen Pauli erschau-dert, ein CSU-Promi mit Glamour-Faktor wäre schon nach seinem Geschmack. »Da gibt’s durchaus welche, die bereits in den Büschen sitzen«, feixt Mehl. Es sei nur eine Frage der Zeit, »bis der eine oder andere Landrat mit Strahlkraft auf uns zukommt«.

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Thema: Partei für Franken

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15 Kommentare

  1. […] ALSO LIEBE FRANKEN, wenn Ihr eine Partei wollt, die fränkische Interessen wirklich vertritt, dann bleibt die derzeit einzige fränkische Partei “Die Franken”, http://www.Partei-fuer-Franken.de übrig. […]

  2. […] reicht zunächst einmal um nachzudenken, und dann ehrlich und fair zu entscheiden, ob das Übel die “Partei für Franken” ist, oder hier Intrigen im Spiel […]

  3. […] Wir können diesen Spuck nur ein Ende machen, wenn wir 2013 die einzige fränkische Partei: […]

  4. […] ganz anders aus. Wir aber sind mit den Brosamen und den angeblichen Wahlgeschenken schon zufrieden. Franken wacht endlich auf! Tags » Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0Thema: Politik gegen […]

  5. […] „Die Partei für Franken“ sieht derzeit mit Besorgnis auf die Entwicklung des Flughafens Nürnberg und das Ausschlachten dieses brisanten Themas für den bevorstehenden Landtagswahlkampf durch die Regierungsparteien CSU und FDP. […]

  6. […] mit ihren Steigbügelhalter FDP und der gesamten Medienlandschaft versuchen mit aller Macht, die Existenz dieser fränkischen neuen Kraft “Die Franken” totzuschweigen. Das nennt man dann in einer Demokratie Pressefreiheit. Ich möchte hier an dieser […]

  7. […] wurde können Sie den folgenden Links entnehmen. Aus diesen Ideen und Vorstellungen würde die “Partei für Franken” bei der Wahl 2013 gerne konkrete Politik für Franken umsetzten. Das diese Partei gegründet wurde […]

  8. […] Es sind fränkische Bürger denen Ihre fränkische Heimat sehr wertvoll ist. Darum haben Sie 2009 in Bamberg am 31.10.2009(Reformationstag) diese neue Partei für Franken, “Die Franken” […]

  9. […] zu werden. Da echte Franken aber nicht so schnell aufgeben, hat sich daran gezeigt, dass die Partei seit ihrer Gründung am 31.10.2009 in Bamberg sich stetig fort entwickelt hat. Deshalb wird jetzt auch die letzte Hürde für die […]

  10. […] Diese neue Kraft für Franken wird bei allen Diskussionen tot geschwiegen. Glauben Sie wirklich, dass das Zufälle […]

  11. […] Partei für Franken wurde aus den einen und einzigen Grund gegründet, nämlich das Ungleichgewicht zwischen Franken […]

  12. […] Deshalb wurde diese neue politische Kraft am 31.10.2009 in Bamberg gegründet. Wenige Tage nach der …Keine andere Partei in ganz Deutschland wird diesen Anspruch des Separatismus mehr gerecht als diese verfilzte und arrogante CSU. Die CSU hat sich dies vor Jahren von einen Institut PRAGMA im eigenen Auftrag bestätigen lassen. Dann nachdem dieses peinliche Ergebnis bekannt wurde, aber schnell wieder verschwinden lassen. […]

  13. […] reicht zunächst einmal um nachzudenken, und dann ehrlich und fair zu entscheiden, ob das Übel die “Partei für Franken” ist, oder hier Intrigen im Spiel […]

  14. […] Eine neue ehrliche fränkische Partei: Die Franken…. […]

  15. […] wenn man bei der nächsten Wahl vielleicht einmal darüber nachdenkt ob es nicht besser wäre eine fränkische Partei zu wählen die fränkische Interessen vertritt und sich auch dafür stark macht. Eine solche Partei […]

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