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63. Ein „fränkischer“Minister will uns Franken brüskieren

Sonntag, 4. Juli 2010 | Autor:

Frankenlied

 

 

Flaggenstreit | Seit an fränkischen Burgen und Gebäuden die weiß-blau Bayernfahne weht, sehen Patrioten rot. Der Fränkische Bund macht Front gegen die „Benachteiligungspolitik Altbaierns gegenüber Franken“.

04.09.2008

Hof – Franken ist zurzeit groß im Gespräch. Angefacht wurde die Diskussion durch eine – aus fränkischer Sicht – provokative Anordnung der Staatsregierung in München und durch eine patriotische Gegen-offensive der Interessenvertreter Frankens, die sich aus historischen Gründen nicht als Bayern sehen.

 

Wikipedia Foto Harald Bischoff – Joachim_Herrmann

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, ein gebürtiger Franke*, hat – wie berichtet – verfügt, dass an staatlichen Gebäuden künftig dauerhaft (nicht mehr nur an Feiertagen) die weiß-blaue Rautenbeziehungs-weise Streifenfahne Bayerns und die Bundesflagge gemeinsam wehen sollten. Seit der Minister-Erlass nach und nach in die Tat umgesetzt wird, sehen fränkische Patrioten rot, allen voran die Vertreter des Fränkischen Bundes, der 600 Mitglieder hat und die Interessen der Region Franken seit 1990 mit Vehemenz vertritt.

*Zwischenbemerkung:

Herr Herrmann ist kein gebürtiger Franke, sondern am 21.09.1956 in München geboren. Vater Oberpfälzer, Mutter Münchnerin. Soviel zur Klarstellung. Wenn man verfolgt, wie dieser „Fränkische“ Minster unsere Interessen vertritt, dann braucht man keine weiteren Worte mehr zu machen.

„Es geht um verletzte Gefühle“

In Anspielung auf die Tatsache, dass der fränkische SPD-Landtagsabge-ordnete Wolfgang Hoderlein in der Vergangenheit wiederholt mit dem Vorstoß abgeblitzt ist, die Staatsregierung möge an öffentlichen Gebäuden in Franken auch die Frankenfahne zulassen, stellt Vorstandsmitglied Joachim Kalb die provozierende Frage:

„Sollen wir Franken durch den neuen unnötigen Fahnenerlass und ein Verbot der Frankenfahne an staatlichen Gebäuden erneut mit der gleichen Fahne wie vor 200 Jahren erobert werden?“ Gerade die Nürnberger Burg habe großen Symbolwert für Franken, fährt Kalb fort. „Wir wollen dort unsere Fahne sehen. Es geht hier nicht um Patriotismus, sondern um verletzte Gefühle.“

„Älter als der Freistaat“

Der Abgeordnete Hoderlein erinnert in seinem jüngsten Brief an Innen-minister Herrmann daran, dass Burgen und Schlösser in Franken älter seien als der Freistaat Bayern, ihre Geschichte sei fränkisch, nicht bayerisch. „Wenn der Minister die Beflaggung mit der Bayernfahne anordnet, ist das sein Recht“, betont Hoderlein. Daneben aber zugleich eine Frankenfahne zu hissen, wäre seine Pflicht und seine Schuldigkeit gegenüber der Geschichte und der Kultur Frankens“.

Zwischenbemerkung:

Der Freistaat Sachsen – der zurecht diesen Namen verdient – hat in Abschnitt 1 bei Grundlagen des Staates unter Artikel 2  folgendes festgelegt:

1.Die Hauptsadt des Freistaates ist Dresden

2. Die Landesfarben sind Weiß und Grün

3. Das Landeswappen zeigt im neunmal von Schwarz und Gold geteilten Feld einen schrägrechten grünen Rautenkranz. Das Nähere bestimmt ein Gesetz.

4. Im Siedlungsgebite der Serben können neben den Landesfarben und em Landeswappen Farben und Wappen der Sorben, im schlesischen Teil des Landes die Farben und das Wappen Niederschlesiens, gleichberechtigt geführt werden.

Einen solchen Kompromiss sind die arroganten Baiern nicht bereit einzugehen. Wir Franken – Frank und frei – haben aber einen langen Atem, und werden uns die Bevormundung ,wie eine Kolonie, im 21.Jahrhundert nicht mehr gefallen lassen.

Franken-Patriot Joachim Kalb vom Fränkischen Bund neben den zwölf Wappen der Grafschaften des einstigen Fränkisches Reichskreises

Nein zur Frankenfahne

Herrmann lehnte die Zulassung der Frankenfahne, wie berichtet, wie schon sein Vorgänger im Amt, der jetzige Ministerpräsident Günther Beckstein, mit dem Hinweis ab, nach der einschlägigen Verordnung dürften nur Hoheitssymbole zur Beflaggung staatlicher Dienstgebäude verwendet werden. Für Joachim Kalb und seinen Fränkischen Bund ist die Flaggen-Affäre nur „eine, wenn auch typische Randerscheinung in der zentralistischen Benachteiligungspolitik Altbaierns gegenüber Franken“.

Der 61 Jahre alte Berufsschullehrer und Franken-Patriot aus Weidenberg erinnert daran, dass sich durch die Gründung des Fränkischen Reichskreises im Jahr 1500 ein gesamtfränkisches Bewusstsein gebildet habe, ein starkes fränkisches Zusammengehörig-keitsgefühl, das bis heute existiere. Durch die napoleonische Ära – Kaiser Napoleon schenkte seinem  damaligen verbündeten Baiern die Region Franken, deren Gebietsteile heute in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen liegen – sei Franken „eingegliedert, zersplittert und ausgeplündert“ worden. Viele Kunstschätze – darunter der Bamberger Domschatz und der berühmte „Hofer Altar“ – lagerten noch immer als „Beutekunst“ in München und nicht in Bamberg, Nürnberg, Würzburg oder Hof – dort, wo sie hingehörten als fränkisches Eigentum. In München werden die fränkischen Schätze als „bayerische Kunst“ präsentiert.

„Wäre die Nürnberger Burg nicht zu schwer gewesen, stünde sie heute auch in München“, gibt Joachim Kalb scherzhaft zu bedenken und fügt hinzu: „Die willkürliche Aufteilung in Ober-, Unter und Mittelfranken hat es den Politikern im altbaierischen Speckgürtel bisher leicht gemacht, Franken politisch und wirtschaftlich gegeneinander auszuspielen, um Altbaiern zu stärken.“

Daher lautet die zentrale Forderung des Fränkischen Bundes, dass die drei fränkischen Bezirke zusammengelegt werden müssten zu einem Bezirk Franken, der von der Einwohnerzahl her betrachtet genau so stark wäre wie Oberbayern. Nähme man die Ausgegliederten fränkischen Teile in Württemberg und in Südthüringen (siehe Karte) hinzu, wäre diese Region mit 5,4 Millionen Einwohnern und 27000 Quadratkilometern unter 17 Bundesländern an Position 7 in Deutschland. „Gemessen am Brutto-Inlandsprodukt stünden wir auf Platz 6 hinter Niedersachsen“, sagt Kalb, „trotz der für unsere Region seit Jahren anhaltenden Benachteiligungspolitik durch die Regierung in München, die seit Jahrzehnten das meiste Geld in den Großraum München und nach Oberbayern steckt.“

Das ist die ursprüngliche Region Franken, mit den Gebieten in Württemberg, Südthüringen und Oberbayern, die nach der Eingliederung nach Bayern im Jahr 1806 abgespaltet wurden.

 

„Wir bleiben am Thema“

„Der Fränkische Bund will seine Ziele nicht mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen“, sagt Joachim Kalb, „aber wir bleiben konsequent am Thema:
Unser Ziel ist letzten Endes ein eigenes Bundesland Franken – einer EU-Region, die so groß wie Belgien und wirtschaftlich so stark wie Tschechien und die Slowakei zusammen wäre!“ Nachdenklich fügt der fränkische Patriot unter Hinweis auf den legendären Ausspruch des oberfränkischen FDP-Politikers Thomas Dehler (1897 bis 1967) hinzu: „Wir Franken sind keine Baiern“.

„Drei Bezirke!“

Der Fränkische Bund schlägt in seiner Petition „3 statt 7 Bezirke in Bayern 2010“ vor, den Staat zu straffen und zu verschlanken und die sieben bayerischen Bezirke auf drei zu vermindern. Dies wären nach den Vorstellungen des Vereins Franken und zwei weitere, möglichst gleich große Bezirke wie Niederbayern/Oberfpalz und Oberbayern/Schwaben.

Durch eine solche Verwaltungsstruktur-Reform ließe sich nach Angaben des Fränkischen Bundes Geld sparen, weil Franken dann wie Oberbayern nur eine Bezirksverwaltung benötigen würde (statt der drei für Ober-, Mittel- und Unterfranken). Zudem würde auf diese Weise „das eklatante Süd-Nord-Gefälle im Freistaat deutlich abgeschwächt“.

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Thema: So wird Franken benachteiligt

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10 Kommentare

  1. 1
    Phil 

    Ich finde eure Meinung sehr gut- es ist doch offensichtlich, dass wir zwar Bürger des Landes Bayern, aber deswegen nochlange keine Bayern sind!!! Ich bin auch für ein eigenes Bundesland Franken- oder man könnte eine noch bessere Lösung der deutschen Aufteilung machen: Die Bundesländer nach Dialekten und Kultur und nicht einfach so, wie sie die Besatzungsmächte hinterließen. Nämlich 7: ich fange oben an: Plattdeutschland, Ostniederdeutschland, Rheinfranken, Sachsen, Mainfranken (also wir), Alemmanien und Bayern. Würde maßgebend zur Erhaltung der Dialkte und Regionalkultur beitragen in Zeiten des Dialktsterbens.

    Ich hoffe, ihr lest diesen Beitrag (-;

    Mir sin Frangen, und des is gud so!

    PS: Eventuell möchten die Schwaben in Bayern auch Autonomie und nicht in einem Regierungsbezirk mit den Altbayern sein (-;

  2. 2
    intern 

    Entschuldigen Sie die verspätete Antwort. Aber ich hatte ein technisches Problem.
    Ich danke Ihnen sehr für die ehrlichen und wahrheitsgemäßen Worte.

  1. […] nun auch der Rechen dank der einstimmigen Zustimmung des Landtages auch an staatlichen Gebäuden  (Burgen, Schlössern Regierungsgebäuden) am Tag der Franken aufgezogen werden […]

  2. […] Staatsminister Herrmann erhielt für seine Rede zu populären Themen des öfteren spontanen Beifall. So forderte er “den Erhalt der christlichen Prägung unseres Landes” und sprach die niedrigen Arbeitslosenzahlen in Franken an, die praktisch einer Vollbeschäftigung gleich kämen. Auch bei den Finanzen traf er genau den Ton, den man von ihm erwartete: Jetzt müsse der Westen bei den Investitionen an die Reihe kommen. Im Osten sei genug saniert worden. Wir werden darauf achten , dass die Projekte in FRanken nicht zu kurz kommen” Ein Anliegen sei ihm die Zukunft Europas. Das sei mehr als wirtschaftliche Dynamik und Wechselkurse. Es gehe um die ethischen Werte und den Erhalt des Friedens. Dass die innere Sicherheit “fest in fränkischer Hand” ist, hatte vor ihm schon Staatssekretär Eck betont. […]

  3. […] es denn nicht traurig, dass gerade fränkische Abgeordnete seit vielen Jahren ihren Auftrag für Franken an die zw… Sobald man die Donau überquert hat und München in Sicht ist, denkt man nur noch an die eigene […]

  4. […] 6. Ein Museum für fränkische Landesgeschichte ist auf fränkischen Boden zu errichten. Schluss mit dem gedankenlosen Gebrauch von weiß-blauen Rautenmustern! […]

  5. […] Wie kleinkariert ist dieser Zentralstaat. […]

  6. […] 6. Ein Museum für fränkische Landesgeschichte ist auf fränkischen Boden zu errichten. Schluss mit dem gedankenlosen Gebrauch von weiß-blauen Rautenmustern! […]

  7. […] 6. Ein Museum für fränkische Landesgeschichte ist auf fränkischen Boden zu errichten. Schluss mit dem gedankenlosen Gebrauch von weiß-blauen Rautenmustern! […]

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