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3. CSU – Seehofer wechselt wie der Wind

Montag, 31. August 2009 | Autor:

Frankenlied

 


 

Foto J.Patrick Fischer – Wikipedia

 

 

Seehofer: Der Meister der plötzlichen Kurswechsel
CSU-Chef sorgt in Berlin mit seinen Finten für Entsetzen und Bewunderung
Seehofer: Der Meister der plötzlichen Kurswechsel

BERLIN – Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat es geschafft, dass seine CSU in Berlin wieder präsent ist. Und dort verfolgt man atemlos seine Finten und unerwarteten Kurskorrekturen.

Der Chef muss mal kurz den Raum verlassen. Horst Seehofer hat seinen Innenminister Joachim Herrmann am Handy, der ihm etwas zu der Bluttat am Landshuter Amtsgericht erzählen will, die sich erst vor ein paar Minuten ereignet hat. Doch der Ministerpräsident befindet sich gerade in der bayerischen Landesvertretung in Berlin im Gespräch mit etwa 50 Hauptstadtjournalisten. Und so bittet er den neben ihm sitzenden Generalsekretär Alexander Dobrindt, solange für ihn einzuspringen. Kein Problem, sollte man meinen.

Peinlicher Moment

Doch nun kommt der peinliche Moment. Keiner hat Lust, den «General« zu löchern. Man traut ihm schlicht nicht zu, dass er im Namen der ganzen Partei verbindlich sprechen kann. Deswegen beginnt der erste Fragesteller nach der Kunstpause auch gleich damit, Dobrindt zu sagen, dass er ja eigentlich die Auskunft gerne vom Chef hätte.

Horst Seehofer ist die CSU und die CSU ist Horst Seehofer. Bei den restlichen Funktionären handelt es sich, bildlich gesprochen, um ein nachgeordnetes Zwergenvolk, das nur eine Fähigkeit mitbringen muss. Die aber bis zur Perfektion: rechtzeitig erkennen, wenn der Ingolstädter mal wieder einen Kurswechsel vorgenommen hat. Das geht manchmal so schnell, dass selbst ein Profi wie Gesundheitsminister Markus Söder nur noch mit hängender Zunge nachkommt und gerade eben vom totalen Nein zur Gesundheitsreform zu einem «Ja, aber« umschwenken kann.

Dominierender als alle anderen

In den Berliner Parteizentralen beobachtet man die Finten Seehofers mit einer Mischung aus Bewunderung und Entsetzen. Bewunderung, weil es Seehofer binnen fünf Monaten geschafft hat, in den eigenen Reihen weit dominierender zu sein als Angela Merkel und Franz Müntefering in ihrer jeweiligen Partei. Entsetzen, weil jederzeit mit völlig unerwarteten Kurskorrekturen zu rechnen ist, was das Regieren nicht einfacher macht.

Beim Auftritt des Ministerpräsidenten in der bayerischen Landesvertretung ist die Irritation mal wieder mit Händen zu greifen. Am Morgen hat die „Financial Times“ einen CSU-Vorständler anonym zitiert, wonach Seehofer bei internen Beratungen im Kloster Banz ein drittes Konjunkturpaket gefordert habe. Das könnte Ärger geben, wird zu dem Zeitpunkt in Berlin vermutet, denn die Bundeskanzlerin hat genau solche ergänzenden Programme klar ausgeschlossen.

Doch der Ministerpräsident setzt seine schönste Unschuldsmiene auf, als er danach gefragt wird. Niemals habe er so etwas gesagt. Im Gegenteil, jetzt müssten erst einmal die vorhandenen Konjunkturpakete umgesetzt werden. Alles andere verweist er in den Bereich der Legende: «Ich kenne niemanden im Vorstand, dessen Sinnesorgane so getrübt sind, dass er so etwas gehört haben könnte.«

Sechs Monate Wahlkampf

Horst Seehofer macht kein Geheimnis daraus, dass für die CSU von jetzt bis zum 27. September ununterbrochen ein kompakter Wahlkampf angesagt ist. Erst Europa, dann Bundestag. Fast sechs Monate lang. Später schiebt er lächelnd einen Satz nach, bei dem man als Zuhörer wieder rätseln darf, wie hoch der Satireanteil zu veranschlagen ist: «Wir haben einen sehr engen Schulterschluss mit der CDU.« Der sieht so aus, dass es in der Europa- und in der Steuerpolitik erhebliche Differenzen gibt und dass erst Mahnworte der Kanzlerin zu einer vergleichsweise friedlichen CSU-Klausur in Banz führten.

Eines will dann Seehofer doch noch loswerden. Alexander Dobrindt sei ein ganz hervorragender Generalsekretär. Dem Angesprochenen steigt etwas die Röte ins Gesicht, während der Chef immer weiter lobt. Und zwar genau bis knapp über die Grenze hinweg, wo der Jubel schon wieder verdächtig zu werden beginnt. Soll sich nur keiner zu sicher sein von den Jungen, dass es ohne ihn nicht ginge.

Harald Baumer

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Thema: So wird Franken benachteiligt

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3 Kommentare

  1. […] Seehofer, hat man diese Wendung voll durchgezogen. […]

  2. […] solchen Vorgang nennt man in Bayern Demokratie. Das schlimme dabei ist, dass sich das Volk so eine Wählertäuschung gefallen lies. Jetzt herrscht […]

  3. […] schon erlebt, dass man Ihre Meinung mißachtet oder Ihre Aussagen falsch wieder gegeben hat. Die Listigkeit hat in unserer Gesellschaft des 21.Jahrhunderts System. Wer dies nicht bemerkt, hat schon verloren […]

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