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266. Keine Monstertrassen durch Deutschland

Sonntag, 27. Oktober 2013 | Autor:

Frankenlied

 

Lieber Blog Besucher,

die „Energiedepesche“ hat es in ihrer letzten Ausgabe 3/13 klar zum Ausdruck gebracht, dass die Aussage von Frau Merkel: Die Leitungen sind alternativlos unklug ist.

Wir in Franken haben uns über die Probleme unserer Zeit schon immer Gedanken gemacht und sind in der Vergangenheit immer zu einem guten Ergebnis gelangt. Das was Bundesregierung und Stromkonzerne mit diesen Monstertrassen planen zeigt sehr deutlich, wie ideenlos, einfallslos und unwillig unsere Politiker sind. Es gibt viele gute Vorschläge für eine sinnvolle Energiewende. Der Lobbyismus und der Druck der durch die vier großen Energieriesen auf die Politik ausgeübt wird, läßt die Volkesmeinung im Keim ersticken.

Wir in Franken und alle übrigen Bürger in Deutschland dürfen uns diese Monstertrassen und dieses Diktat durch die Stromkonzerne nicht weiter gefallen lassen.

Der Grund warum man diese Stromleitungen bauen will, ist, dass man mit allen Mittel versucht den freien Bürger weiterhin in den Klauen der Strom Maffia zu halten. Hier geht es um viele hunderte Milliarden Euro die man den Bürger in Zukunft aus der Tasche ziehen will.

Ich möchte Ihnen im nachfolgenden Beitrag einen sehr interessanten Beitrag von Matthias Willenbacher zur Kenntnis geben.

Der Frontalangriff:

Stromkonzerne in sieben Jahren versenken!

Matthias Willenbacher wagt den Frontalangriff: Bis 2020 können 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Er sagt auch, wie das geht. Und er weiss, wovon er redet. Denn er baut selbst Solar- und Windparks. Wir stellen sein Buch vor: „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“.

Mattias Willenbacher

 

Brüderle und Rösler wollen den Ausbau der Erneuerbaren sofort stoppen – bekamen dafür auch schon die „Trübe Funzel“ vom Bund der Energieverbraucher e.V. verliehen. Die beiden wissen warum: Denn die Stromkonzerne könnten schon in sieben Jahren völlig überflüssig sein. Sie gebieten heute noch über 70 Prozent aller konventionellen Kraftwerke und über 45 Prozent der Stromlieferungen.

Das unmoralische Angebot

Der Energie-Unternehmer Matthias Willenbacher macht der Kanzlerin in seinem Buch ein „unmoralisches“ Angebot: Er verschenkt seinen Anteil an der von ihm mitgegründeten   juwi-Gruppe an die Energiegenossenschaften, wenn Angela Merkel die vollständige Energiewende umsetzt, ohne wenn und aber – hier und jetzt. Heißt: Bis 2020 kommt unser Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Das sei kein unmoralisches Scheinangebot, weil genau das wirklich geschehen könnte: „Und Sie gehen in die Geschichte ein – als die Bundeskanzlerin, die der Weltgesellschaft ein Zukunft gegeben hat.“ Über die Reaktion der Kanzlerin ist bislang nichts bekannt.

Willenbachers „Zauberformel“:

Energei aus Wind und Sonne so dicht wie möglich am Verbrauchsort erzeugen und dadurch Kosten für Leitungen und Speicher sparen.

 

Willenbachers Plan

Der Plan von Matthias Willenbacher ist aber, abgesehen vom einseitigen Liebeswerben, auch deshalb visionär und bemerkenswert, weil er viele liebgewordene Überzeugung einfach über Bord wirft und zeigt, wie die Energiewende angepackt werden muss:

 

Nicht mehr sondern bessere Windräder als heute, keine zusätzlichen Flächen für Bioenergie, keine neuen Hochspannungstrassen und keine Offshore-Anlagen. Energie aus Wind und Sonne wird da produziert, wo sie gebraucht wird. Wind liefert 60 Prozent, Sonne 25 Prozent, Wasser fünf Prozent zehn Prozent kommen aus Blockheizkraftwerken, die mit Bioenergie betrieben werden. Doch wie sehen die Details aus?

 

 

60 Prozent Windkraft: wie geht das?

Die Windkraft kann in sieben Jahren fünf- bis sechsmal so viel Strom liefern wie heute (320 statt 62 Terrawattstunden (TWh)), ohne dass die Zahl der Anlagen wirklich zunimmt. Dafür sollen die vorhandenen 23.000 Anlagen modernisiert werden, so dass sich ihre Leistung von 31  auf 80 Gigawatt (GW) erhöht und sie somit 320 TWh jährlich erzeugen. Das entspricht 4.000 Volllaststunden (320 TWh / 80 GW). Das bricht mit allen heutigen Vorstellungen darüber, was Windkraft leisten kann. Die heutigen Windräder erreichen meist nur 2.000 Volllaststunden im Jahr.. Faktisch verbirgt sich hinter dieser Vergleichszahlen ein Mix von unterschiedlichen Leistungswerten bei den entsprechenden Windgeschwindigkeiten. Bei den neuen Anlagen reicht schon eine mittlere Brise, um den Generator auf volle Leistung zu bringen. 

4.000 statt 2.000 Volllaststunden

Würde man ein riesiges Windrad mit einem sehr großen Rotor bauen, das sich schon beim kleinsten Windhauch dreht und das dann nur maximal ein Kilowatt Leistung liefert, dann liefe dieses Windrad außer bei völliger Windstille praktisch fast das ganze Jahr auf Nennleistung – entsprechend wäre die Volllaststundenzahl in etwa bei 8.000; leider würde sich der bauliche Aufwand für die geringe Energiemenge nicht lohnen. Das Gedankenexperiment zeigt: Die Volllaststunden sind nicht gottgegeben durch eine bestimmte mittlere Windgeschwindigkeit an einem Standort. Sondern sie ergeben sich zusätzlich aus der Relation zwischen Windradgröße und Generatorleistung. Verkleinert man den Generator im Verhältnis zum Windradrotor, dann wird der Generator für deutlich mehr Stunden im Jahr seine volle Leistung erbringen. Doch verschenkt man durch den kleineren Generator nicht mutwillig Strom? Das ist ein wirtschaftliches Kalkül. Denn der kleinere Generator kostet weniger, macht die Gondel leichter und vermindert auch die Anschlussleistung und damit die Anschlusskosten des Windrads. Die geringere Maximalleistung sowie die längere Laufzeit reduzieren den notwendigen Bau von Stromleitungen und Stromspeichern (siehe J.P. Molly: Leistungsinstallation bei Windturbinen: Was ist richtig?, DEWI Magazin No. 38, Februar 2011, Seite 49).

 

 

 

Auch bei Solaranlagen lassen sich die Volllaststunden erhöhen. Auch hier kann der Wechselrichter und die Anschlussleistung im Verhältnis zur Modulleistung verkleinert werden. Das spart Kosten und erhöht die Volllaststunden von 1.000 auf 2.000 : Man braucht weniger Leitungen und Speicher.

Zuviel Wind?

Wenn mehr Windstrom erzeugt wird, als aktuell nachgefragt wird, können In den Haushalten Tauchsieder Wasser erwärmen und teures Gas oder Öl für die Heizung ersetzen.

Wenn mal kein Wind weht?

Es ist selten, dass in Deutschland überall das gleiche Wetter herrscht. In den 800 Stunden im Jahr, in denen um die Nordsee herum Flaute ist, gibt es im Süddeutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit Wind (Windpotenzial im räumlichen Vergleich, eine Untersuchung der 100 Prozent erneuerbar Stiftung).

 

Biogas Anlage Weisendorf

Blockheizkraftwerke mit Biogas oder Windgas sollen die Flauten überbrücken. Willenbacher: „Mit dem Geld, das in die großen Überlandnetze investiert werden soll – 20 bis 30 Milliarden Euro – und wahrscheinlich mehr wie bei allen Großprojekten – können wir sämtliche zukünftig benötigten Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von 40.000 bis 50.000 Megawatt finanzieren. Würde die Bundesregierung diese Geld nicht in den Netzausbau stecken, sondern damit Blockheizkraftwerke für Unternehmen subventionieren, wäre durch die Einsparung beim Strompreis auch deren internationale Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet.

Unsinn

Falsch ist, dass Wind- und Sonnenstrom keine stabilen Frequenzen und Spannungen halten kann. Diesbezüglich stehen sie den konventionellen Kraftwerken nicht nach.

Falsch ist, dass man die Off-Shore-Windkraftwerke braucht, um genügend Volllaststunden zu erreichen. Die Offhore-Kraftwerke sind viel zu weit weg von den Verbrauchern. Und hohe Volllaststunden lassen sich auch an Land erreichen, ohne die Netze dramatisch ausbauen zu müssen. Offshore ist dreimal so teuer wie Onshore-Windstrom.

Falsch ist auch, dass die Höchstspannungsnetze ausgebaut werden müssen. Denn es muss nicht jede erzeugte Windkraft-Kilowattstunde quer  durch das Land reisen.

Falsch ist, das Verbot von Elektrospeicherheizungen aufzuheben. Denn diese Heizungen erhöhen die notwendige Höchstlast ausgerechnet im Winter ganz beträchtlich.

 

Energiebürger statt Stromkonzerne

Die Energiewende beendet die Abhängigkeit von den Großkonzernen. Genossenschaften, Kommunen, Stadtwerke und engagierte Bürger ersetzen die Konzerne. Das bedeutet mehr Demokratie und macht uns unabhängiger und freier.

Fazit

Willenbacher bringt den Konflikt, in dem die Energiewende heute steckt, auf den Punkt. Er zeigt, welcher Weg die Zukunft führt. Ein mutiger Ansatz, der unser Denken verändert und auf den Kopf stellt. Das ist unbequem, Herr Willenbacher. Dankeschön.

Volllaststunden

Für jedes Kraftwerk gibt es drei entscheidend wichtige Größen:

wieviel Energie, also Kilowattstunden, es im Jahr erzeugt: Jahresenergieabgabe

Spitzenlast, also die höchste Leistung des Kraftwerks. Bei PV-Anlagen ist das bekannt als Peak-Leistung in Kilowatt, bei Windrädern als Nennleistung.

Volllaststunden: Das ist die Energie, dividiert durch die Spitzenlast. Diese theoretisch ermittelte Zahl gibt an, wieviele Stunden im Jahr das Kraftwerk mit voller Last laufen müsste, um die tatsächlich erzeugte Energie im gleichen Umfang zu erzeugen, wenn es die restliche Zeit des Jahres stillstehen würde.  Atomkraftwerke laufen das ganze Jahrr über fast unterbrechungsfrei, also alle 8.760 Stunden des Jahres. Kohlekraftwerke laufen rund 5.000 Stunden, Windkraftwerke bisher rund 2.000 Stunden und Solaranlagen derzeit 1.000 Stunden. Atom- und Kohlelobbyisten sehen in den höheren Volllaststunden ihrer Anlagen deren wichtigsten Vorteil und begründen damit deren Unersetzbarkeit.

Mein unmoralische Angebot an die Kanzlerein

Auszüge aus dem Buch von Matthias Willenbacher.

Ich habe vor achtzehn Jahren auf dem Bauernhof meiner Eltern ein Windrad gebaut. Daraus ist nicht nur ein großes Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien geworden, sondern für mich auch der Sinn meines Lebens – ich möchte, so viel ich kann, dazu beitragen, dass wir von einer dreckigen, abhängigen, umweltzerstörerischen und teuren Energieerzeugung zu einer sauberen und nachhaltigen wechseln…

Bis 2020 vollständig Umsteigen, auch gegen Widerstände

Ich habe so viele Sachen erlebt, bei denen es hieß, das sei unmöglich und könne nicht funktionieren. Mein erstes Windrad: Ich war Student, brauchte dafür eine Million Mark, und alle warfen mir Knüppel zwischen die Beine. Mein Unternehmen: Ich war meine eigene Putzfrau und meine eigene Telefonzentrale – und heute haben wir 1.800 Mitarbeiter. Meine Erfahrungen mit der Politik: Jahrzehntelang hat man mir erzählt, das Wind- und Sonnenstrom ein Hirngespinst seien und überhaupt nicht gehen könnten. Ich habe es trotzdem gemacht, gegen viele Widerstände – und es geht eben doch. So etwas prägt. Ich bin überzeugt, dass wir bis 2020 vollständig auf Erneuerbare Energien umsteigen können und dies nachhaltig, dezentral und preiswert. Das ist nicht unmöglich, das können wir schaffen. Wenn alle mitmachen. Aber es braucht eine, die vorangeht. Das ist unsere Kanzlerin. Deshalb mache ich ihr ein unmoralisches Angebot. Keine Angst, ich möchte ihr kein Geld anbieten. Aber ich bin bereit, alles herzugeben, was ich aufgebaut habe. Konkret: Ich werde alle meine Anteile an meinem Unternehmen juwi verschenken, wenn Bundeskanzlerin Merkel die vollständige Energiewende ohne Wenn und Aber umsetzt. Jetzt und hier.

Es kann geschehen

Nun kann man sagen, dass sei „unmoralisch“ – ein Scheinangebot, weil es ja nicht wirklich geschehen könne. Aber genau darum geht es mir: Es kann geschehen.

Für alle kostengünstiger

Die sofortige und vollständige Energiewende ist für alle dauerhaft besser und kostengünstiger, wenn sie von uns Bürgern gemacht wird, und damit die Abhängigkeit von den Großkonzernen beendet. Wenn die Energieversorgung in Bürgerhand liegt, machen auch die Gewinne nicht mehr wenige Unternehmen, sonder wir alle. Wir alle werden zu Energiebürgern. Darum geht es. Deshalb werde ich, wenn die Kanzlerin mein Angebot annimmt, meine Unternehmensanteile an die über 500 in Deutschland existierenden Energiegenossenschaften verschenken. Denn sie sind die Basis unserer künftigen Energieversorgung. Es gibt schon so viele Energiebürger und Energiegenossenschaften, die an Wind- und Solarprojekten beteiligt sind. Wenn alle diese Energiebürger mit mir für die sofortige und vollständige Energiewende kämpfen und jeder das auch in einem Brief an Kanzlerin Merkel kundtut, dann kann mein Traum Wirklichkeit werden.

Die Kritik an der EEG-Umlage

„Strompreisbremse“ nannte Umweltminister Peter Altmaier (CDU) seinen Versuch, den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen zugunsten von angeblich „billigem“ Kohlestrom. Es wird ein Etikett auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz geklebt, auf dem steht: Das ist der Preis für die Energiewende! Und seither wird diskutiert, ob Bürger und Unternehmen es sich leisten können, diese EEG-Umlage zu bezahlen. Dass die Strompreise längst nicht nur wegen des EEG steigen, versucht, die Politik zu verschleiern. Altmaiers erklärte Absicht, die EEG-Umlage zu deckeln oder festzuschreiben, kann gar nicht gelingen. Die Preise für die Abnahme von Ökostrom sind zwar gesetzlich geregelt, der Börsenpreis aber nicht. Sinkt der Börsenpreis, steigt automatisch die EEG-Umlage. Da aber der Ökostrom zum gleichen Preis wie vorher geliefert wird, müsste der Endverbraucherpreis eigentlich auch fallen. Das tut er aber nicht.

Einsparung wird nicht weitergegeben

Und genau da liegt der Fehler. Die Konzerne geben die Einsparung nicht weiter – sie verdienen daran. Und der normale Haushaltskunde subventioniert, die vier großen Stromkonzerne und die mehr oder minder energieintensive Industrie. Die EEG-Umlage ergibt sich dabei aus einem festen Einspeisetarif und dem aktuellen Börsenpreis. Der Einspeisetarif ist der Preis, bei dem man annimmt, dass es sicht für einen Betreiber wirtschaftlich noch rechnet. Davon wird der Börsenpreis abgezogen.

EEG-Umlage ist falsches Preisschild

Ich stelle in diesem Buch die Frage: Ist das überhaupt das richtige Preisschild? Und selbst wenn dem so wäre: Darf man davon den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien abhängig machen? Wenn man sich diese Mehrkosten genau betrachtet, stellt sich zudem eine weitere Frage: Wie relevant sind sie überhaupt für die Bürger und ihren Lebensstandard? Konkret: Wenn eine Familie 4.000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht, kostet das etwa 1.000 Euro. Für Heizen und Autofahren gibt so ein Durchschnittshaushalt je das Doppelte aus. Die Familie wendet also insgesamt 5.000 Euro für Strom, Wärme und Mobilität auf. Die EEG-Umlage macht davon etwa 200 Euro aus – das sind gerade einmal vier Prozent und entspricht zweimal Volltanken.

Wir brauchen eine Energiewende der Bürger. Und zwar jetzt.

 

Warum gelten Kohlekraftwerke als wirtschaftlich?

Warum sind die Kohlekraftwerke der Energiekonzerne derzeit „wirtschaftlich“? Weil ihre Lobbyisten in Brüssel verhindert haben, dass der Handel mit CO2-Zertifikaten tatsächlich funktioniert, und deshalb die enormen Schäden der Kohlestromproduktion immer noch nicht eingepreist sind. Das wiederum verhindert, dass für die Energiewende unabdingbare flexible Gaskraftwerke auf den Markt kommen können, weil sie dann zu teuer sind. Auch die sogenannte „Strompreisbremse“ ist nichts anderes als der Versuch, Bürgerenergie zugunsten der Konzerne auszubremsen. Altmaier hofft, damit im Wahlkampf zu punkten, aber letztlich befürwortet er so die Bedürfnisse der Großkonzerne und  nicht die Energiewende. Das sind gegenteilige Interessen.

 Die Energiewende oder Chicoree

Anfang 2013 begleitete ich als Vertreter des Wirtschaftsbereichs Erneuerbare Energien die Chile-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auf dem Rückflug von Chile nach Deutschland wollte Frau Merkel noch ein Glas Wein mit uns sechs Wirtschaftsvertretern trinken. Sie sprach dabei über Argentiniens Präsidentin Kirchner, Kubas Raul Castro und plauderte auch über Boliviens Präsident Evo Morales.

„Schreiben Sie mir einen Brief.“

Wir waren zu dem Zeitpunkt erst zwei Stunden unterwegs und hatten bestimmt noch 13 Stunden zu fliegen. Zeit war also genug, und so wollte ich die Chance nutzen, um mit ihr auch über die Energiewende zu sprechen.

Sie hatte vor der Chile-Reise ein Plädoyer für Windkraft im Norden gehalten und das wollte ich mit ihr diskutieren. Ich sagte also zu Frau Merkel: „Könnten wir vielleicht noch ein paar Minuten über die Energiewende sprechen, ich habe da einige Fragen und auch ein paar Ideen?“ Sie sah mich an und sagte nur: „Schreiben Sie mir einen Brief.“

Andere Prioritäten?

Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich doch etwas irritiert und enttäuscht war, als wir dann wieder auf unsere Plätze zurückgingen. Neben mir saß ein Vertreter des Unternehmens Südzucker. Wie alle anderen hatte Merkel auch ihn gefragt, was er in Chile mache. Er sagte, sein Unternehmen pflanze Chicorée an, um daraus Fruchtzucker zu machen. Plötzlich sah ich, wie Merkel den Gang herunter auf mich zukam. Sie stoppte tatsächlich an meinem Platz. Ich dachte: Das ist ja schön, sie hat es sich überlegt und will mit mir doch über die Energiewende sprechen. Aber sie beugte sich über mich hinüber und sagte zu dem Mann von Südzucker, dass sie demnächst mal Chicorée zubereiten wolle und ob er nicht ein paar Tipps hätte. Da dachte ich: Okay. Sie hat andere Prioritäten.

Entweder oder

Es gibt selbst Grünen-Politiker, die sagen, dass wir beides brauchen – die Konzerne und die Bürger. Das ist harmonisch gedacht, aber praktisch nicht möglich. Es gibt keine Zukunft für beide Systeme, für das alte System der Kohlekonzerne und das neue der Bürger. Es gibt nur ein Entweder-oder. Wir brauchen ein neues Zeitalter der Partizipation und der Demokratie. Wir brauchen eine Energiewende der Bürger. Und zwar jetzt.

Teure Abhängigkeit vom Diesel in Entwicklungsländern

Die Kosten für Modultechnologie waren im Jahr 1998 noch etwa zehnmal so teuer wie heute. Der Dieselpreis dagegen ist in der gleichen Zeit um etwa das Dreifache gestiegen. Das zeigt: Die Erneuerbaren Energie werden billiger, fossiler Brennstoff wird teurer. Damit hat sich eine Photovoltaik-Anlage in manchen Fällen bereits in ein bis zwei Jahren gegenüber Dieseltreibstoff amortisiert. Das ist die Entwicklung und daran kann man exemplarisch erkennen, was Zukunft hat und Zukunft bringt.

Unabhängigkeit durch günstige PV-Preise

Das Betreiben eines Dieselaggregats ist so teuer, dass es sich kaum einer leisten kann. Der Diesel muss zudem von weit her über sehr schlechte Straßen an entlegene Orte transportiert werden. Wenn der Ölpreis steigt, wird bereits der Transport unbezahlbar, weil die LKW ja auch Diesel verbrauchen. Die Anschaffung und Installation einer Photovoltaik-Anlage mit Batteriespeicher kostet genauso viel wie eine Dieselfüllung im ganzen Jahr. Doch während der Diesel nach einem Jahr verbrannt ist, läuft die Solaranlage dann noch zwanzig bis dreißig Jahre. Praktisch kostenlos und unabhängig von Dieseltransporten und dem Weltmarktpreis für diesen endlichen Rohstoff.

EEG hat Solartechnik weltweit bezahlbar gemacht

Die Menschen brauchen Hilfe zur Selbsthilfe. Und das geht eben nur, wenn die Anfangsinvestitionen sehr gering sind. Das geht nur mit einfachen modularen Möglichkeiten. Hier zeigt sich deutlich die globale soziale Dimension des Erneuerbare-Energien-Gesetzes: Sie hat Solartechnologie weltweit bezahlbar gemacht.

Konzerne bekämpfen Energiewende

Ich wundere mich daher überhaupt nicht, dass die Vorstände der Energiekonzerne trotz des Klimawandels, des nahenden Endes des fossilen Zeitalters und der beschlossenen Energiewende nicht auf  Erneuerbare umgestiegen sind, sondern sie bekämpfen. Von Ihnen darf man nichts anderes erwarten. Das Perfide ist, dass sie es nicht offen tun, sondern andere für sich kämpfen lassen – von Politikern bis Bürgerinitiativen gegen Windenergie.

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Der Systemkampf seit Fukushima: Sündenbock EEG-Umlage

Es ist richtig, dass der Strom bezahlbar sein muss. Es ist nicht richtig, die EEG-Umlage als alleinigen Faktor für steigende Strompreise zu missbrauchen.

Das EEG ist das zentrale Instrument der Energiewende. Es regelt die Förderung der Erneuerbaren Energien durch garantierte Einspeisevergütungen sowie durch den Einspeisevorrang. Heißt: Jeder, der Strom mit Erneuerbaren Energien produziert, kann ihn zu einem festgelegten Preis ins Stromnetz einspeisen.

Die EEG-Umlage beträgt im Jahr 2013 5,28 Euro pro Kilowattstunde. Für einen durchschnittlichen Familienhaushalt mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden pro Jahr sind das etwa 15 Euro pro Monat.

Stromkosten steigen vorwiegend nicht durchs EEG

Darüber hinaus liegen die Gründe für die steigenden Stromkosten nicht nur bei der EEG-Umlage. Die Großkonzerne benutzen die Umlage als Alibi für die eigene Preistreiberei. Einer Studie der Universität für Technik und Forschung des Saarlandes zufolge haben die Großkonzerne von 2002 bis 2009 ihre Gewinne vervierfacht. Dennoch wird die Sachlage von Ihnen und ihren Protegés seit Jahren auf die Formel reduziert: Ökostrom macht den Strom teuer, Kohlestrom macht den Strom bezahlbar. Was nützt uns die Umwelt, wenn wir den Strom nicht mehr bezahlen können?

Das neue System der Bürger-Energie

Fassen wir zusammen: Wir haben es mit einem klassischen Zielkonflikt zu tun. Das alte System wehrt sich gegen das neue System. Die klassischen Energieversorger bekämpfen die neuen Energiebürger. Denn: Sie leben sehr gut in dem alten System. Je schneller und besser die Energiewende vorankommt, desto schneller fließt das Geld nicht mehr auf die Konten der Energiekonzerne mit ihren alten fossilen Kraftwerken. Denn dezentrale Energieversorgung findet zum großen teil jenseits der großen Energiekonzerne statt.

Energielobby für Bürger fehlt

Laut einer Studie des Instituts trend research besitzen Bürger fast die Hälfte der in Deutschland installierten Erneuerbar-Energien-Anlagen. Exakt sind es 46 Prozent. Das heißt: Sie sind der größte Player auf dem wichtigsten Zukunftsmarkt unserer Gesellschaft. Nun haben selbstverständlich auch die Erneuerbare-Energien-Unternehmen Lobby-Organisationen, die versuchen, die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Allerdings ist das nicht vergleichbar mit dem riesigen, dichten Netz des alten Systems. Was aus meiner Sicht eklatant fehlt, ist eine Lobby für den Energiebürger.

Günstige Energie für alle

Das ist mein Antrieb: Eine Zukunft, in der jeder Mensch einfachen, unabhängigen und günstigen Zugang zu Energie hat.

Deshalb unterbreite ich der Kanzlerin mein unmoralisches Angebot, und deshalb würde ich mich freuen, wenn sie mein Angebot annimmt. Das ist die großartige demokratische und zukunftsbejahende Idee der Erneuerbaren. Nur so ist Weiterentwicklung möglich und am Ende auch ein friedliches globales Zusammenleben.  Wenn wir diese Zukunft wollen, dann müssen wir jetzt die entsprechenden Weichen stellen.

Der Masterplan für Strom, Wärme und Mobilität

So kommen wir in kurzer Zeit zu einer Energieversorgung  ausschließlich mit erneuerbaren Energien.

1. Die Formel des Masterplans lautet: 60 Prozent Wind, 25 Prozent Sonne, 5 Prozent Wasser. Der Rest kommt durch Blockheizkraftwerke, die mit Bioenergie betrieben werden.

2. Wir versorgen uns überwiegend mit Wind- und Sonnenenergie, weil Wind und Sonne unbegrenzt und kostenlos verfügbar sind. Sie machen uns somit unabhängig von teuren Importen und steigenden Preisen für die begrenzten Rohstoffe Öl, Kohle und Gas.

3. Wind- und Sonnenenergie kann rund um die Uhr eine zuverlässige Stromversorgung sichern. Stromlücken im Winter lassen sich mit Bioenergie und gespeichertem Strom abdecken.

4. Die Anlagen werden so konstruiert, dass sie möglichst gleichmäßig möglichst viel Strom liefern. Wir verteilen die Energieanlagen möglichst gleichmäßig über ganz Deutschland. In den Regionen wählen wir die passende Technik für die ertragsstärksten Standorte.

5. Wir brauchen nicht mehr Windräder als heute und keine zusätzlichen Flächen für Bioenergie. Wir verzichten auf neue Hochspannungstrassen, auf die teure Stromproduktion auf dem Meer und reduzieren den Aufwand für die Stromspeicherung.

6. Unsere Energieversorgung wird nicht nur komplett sauber und nachhaltig, sondern bleibt dadurch verlässlich und dauerhaft bezahlbar.

7. Durch die effizientere Nutzung von Strom, Wärme und Mobilität im Zusammenspiel produzieren wir die gesamte Energiemenge nicht erst in Zukunft, sondern schon heute günstiger, als wir allein für den Import von Rohstoffen ausgeben. Mit dem gesparten Geld können wir auf E-Mobilität umsteigen und unsere Häuser dämmen.

Nachwort: Geben Sie der Weltgesellschaft eine Chance, Frau Bundeskanzlerin!

Die Bundesregierung glaubt immer noch, man könne die Wende mit den Konzernen durchsetzen. Das ist ein fundamentaler Irrtum. Eine echte Energiewende mit dezentraler Energie kann nur über den Energiebürger funktionieren. Über Genossenschaften. Über Kommunen und Stadtwerke. Wir haben es mit einem Systemumbau zu tun, von wenigen Konzernen zu Millionen Energie-Bürgern.

Für uns Bürger ist eine Zukunft mit Erneuerbaren Energien preiswerter. Die Energiewende ist aber nicht nur ein Wechsel der Energieformen, der uns aus der Abhängigkeit von atomaren und fossilen, hoch subventionierten Brennstoffen führt. Der Wechsel zu den Erneuerbaren Energien beendet die Abhängigkeit von wenigen Großkonzernen. Er beinhaltet einen Demokratiezuwachs und macht uns unabhängiger und freier. Er gibt unseren Kindern eine Zukunft, indem wir unsere Umwelt und damit die Grundlage für den Fortbestand der globalen Gesellschaften schützen und bewahren. Zudem leisten wir mit der Energiewende einen Beitrag für viele Menschen in der Welt, die heute keinen Zugang zu Energie haben, mit einem Zugang aber eine Zukunft gewinnen.

Dazu beizutragen ist mein persönlicher Antrieb.

Die Blockierer seufzen, die Energiewende sei zwar ehrenwert, aber nicht so schnell realisierbar. Das ist falsch. Die Energiewende ist technisch sehr schnell möglich. Wir können es in sieben Jahren auf 100 Prozent schaffen. Technisch kann man in sieben Jahren auch die Speichermöglichkeiten schaffen. Das meinte auch Umweltminister Altmaier, als er im August 2012 unserem Unternehmen in Wörrstadt einen Besuch abstattete. Während des Gesprächs sagte ich irgendwann zu ihm: „Das Ziel der Bundesregierung von 35 Prozent bis 2020 ist doch gar nichts, Herr Minister.“ Worauf Altmaier antwortet: „Rein technisch gesehen, kann man 100 Prozent bis 2020 schaffen.“

Hier und Jetzt

Eben. Warum sollen wir das größte Problem der Menschheit in die Zukunft verschieben oder mit dem Bau neuer Kohlekraftwerke noch vergrößern, wenn man es doch jetzt und heute lösen kann. Das leuchtet mir einfach nicht ein.

Setzen wir vorrangig auf regional verteile Solar- und Windenergie-Anlagen und bringen wir die Stromerzeugung in die Nähe bereits bestehender Netze und der Verbraucher, dann sparen wir enorm: kein Netzausbau auf Höchstspannungsebene, erheblich weniger Speicherbedarf, keine zusätzlichen Flächen. Und obendrein gibt es Sonnenschein und Windströmungen auch noch kostenlos – überall und unbegrenzt verfügbar.

Und wenn der Wind tatsächlich irgendwo mal nicht weht, an einem trüben Wintertag, dann haben wir Bioenergie, Wasser und lokale Speicher.

 

Schlußbemerkungen von mir:

Solche Querdenken braucht unser Land. Der Bürger sollte sich die Bevormundung durch Lobbyisten und wenige Politiker nicht länger gefallen lassen. Wenn wir die Energiewende tatsächlich wollen, dann muss auch der Bürger ein Wort mit zureden haben. Es kann deshalb nicht sein, dass uns die Strommaffia weiterhin mit Hilfe der Politik vorschreibt wieviel wir für unseren Strom zu zahlen haben bzw. wie wir unseren Strom erzeugen wollen.

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Thema: Regieren ohne das Volk

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