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184. Franken und Bayern im 19. und 20. Jahrhundert

Montag, 11. Juni 2012 | Autor:

Frankenlied

 

 

Liebe Blogbesucher,

dass ich gleich zu Anfang zwei Bauwerke aus FRanken zeige, hat einen Grund. Welchen, dass werden Sie beim aufmerksamen lesen dieses Artikels auf  jeden Fall heraus finden.

Diese wertvolle Analyse der letzten 200 Jahre  wurde von Prof. Rudolf Endres aus Erlangen verfasst. Er hat mir die Genehmigung erteilt, sein gleichnamiges Buch, das es leider nicht in elektronischer Form gab, in wochenlanger Kleinarbeit(Adlersuchsystem) abzuschreiben.

Ich hoffe, dass besonders viele Franken diese Zeilen lesen, damit Ihnen die Augen geöffnet werden. Leider kann ich die Bilder und Karten hier nicht zeigen, weil von Seiten der Stadtarchive und anderen Behörden hier wenig Bereitschaft zur Mitarbeit sichtbar war.

Franken und Bayern im 19.und 20.Jahrhundert

von

Rudolf Endres

Mit 6 Karten und 12 Bildern

 

Inhaltsverzeichnis

 

Fränkische Klagen und Beschwerden

Die Okkupation und Integration Frankens

Der fränkische Frühliberalismus – Demagogenverfolgungen

Die Revolution von 1848/49 – Aussöhnung

Franken in München

Frankens Anteil an der Kultur und Wirtschaft Bayern

Frankens Probleme

 

„Franken – Bayern zweite Garnitur?“ – unter diesem allerdings mit einem Fragezeichen versehenen Motto(1) werden in der Regel all die vielen Klagen, Beschwerden und Vorwürfe gesammelt und zusammengefasst, die in Franken gegenüber Bayern und dem alt-bayerischen Zentralismus vorgebracht wurden und auch heute noch oder sogar verstärkt wieder erhoben werden: Franken sei zwar immer der Hauptsteuerzahler von Bayern gewesen, sowohl im Königreich als auch im Freistaat Bayern; ganz im Gegensatz dazu sei es aber von München in vielen Bereichen des staatlichen und öffentlichen Lebens eindeutig benachteiligt worden(2), vor allem im kulturellen Leben, etwa im Hochschulwesen oder beim Theater, im Museumsbereich(3) oder im Archivwesen(4) und neuerdings sogar bei großen Landesausstellungen(5).

 

Fränkische Klagen und Beschwerden

 

 

So fordert man im Zuge einer stärkeren Regionalisierung für Franken einen zweiten Hauptsitz für Rundfunk und Fernsehen, was München jedoch strikt ablehnt(6). Man verlangt weiterhin ein Staatstheater auch in Franken, im Bereich der Wissenschaft und Forschung erhofft man entweder ein Max-Planck-Institut oder eine Klasse der Akademie der Wissenschaften. Denn in München seien nicht weniger als 50 große Forschungseinrichtungen angesiedelt, in Mittelfranken dagegen nur vier(7).

 

Auch fordert man – in steter Wiederholung – eine Dezentralisierung der Landesbehörden, die alle der „Wasserkopf München“ an sich gezogen hat. Die „Vorherrschaft Münchens“ und seiner „machthungrigen Ministerialbürokratie“ – so die kämpferische „Fränkische Arbeitsgemeinschaft“ – müsse gebrochen und die Benachteiligung Frankens aufgehoben werden(8). Doch der Vollzug des 1980 gefassten Landtagsbeschlusse, Staatsbehörden aus dem Münchner Raum in die strukturschwachen Grenzlandgebiete zu verlegen, ist auf heftigsten Widerstand gestoßen. Die im Raum München arbeitenden 75 000 Staatsbediensteten weigern sich, in das Grenzland zu ziehen. Bereits in den neu errichteten Universitäten Bamberg, Bayreuth und Passau,  den Fachholschulen Coburg und Schweinfurt sowie in der Beamtenfachhochschule Hof sieht die Staatsregierung einen „bedeutenden Beitrag zur Regionalentwicklung“, der in den fränkischen Gebieten zu gut 10 000 neuen Arbeitsplätzen geführt habe(8a).

 

Der „Franken-Ring“, der 1980 als parteipolitisch und konfessionell neutrale Vereinigung gegründet wurde und der sich die „Wahrung, Förderung und Vertretung fränkischer Belange auf allen Gebieten“ zum Ziel gesetzt hat, sieht seine vordringliche Aufgabe – neben der Unterstützung von Kunst und Kultur, des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalsschutzes“ – in der Beseitigung der Benachteiligung Frankens auf dem Arbeitsmarkt. Er wies darauf hin, dass in Franken im Vergleich zu Südbayern die Arbeitslosenquote beträchtlich höher lag und liegt: Im August 1983 betrug die Arbeitslosenquote in Franken 8,5% gegenüber in Südbayern 6,3%, im Januar 1984 war das Verhältnis gar 11,8% Franken gegenüber nur 9,1% Südbayern. Franken, das einstige Industriezentrum Bayern, ist inzwischen eindeutig vom Großraum München überholt worden. Verantwortlich für diese für Franken negative Entwicklung macht der „Franken-Ring“, die verfehlte Wirtschafts- und Strukturpolitik der Regierung in München(9).

 

Diesem harten Urteil schloss sich der Erlanger Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Karl Heinz Hirsemann an, der in der Benachteiligung Frankens durch die Bayerische Staatsregierung die Ursachen für den überdurchschnittlichen Arbeitsplatzabbau in der mittelfränkischen Region sieht, wie er vom Arbeitsamt Nürnberg in einer „Nürnberger-Studie“ Anfang April 1984 konstatiert wurde. Allein in der Metallindustrie in Nürnberg waren zwischen 1974 und 1982, 14 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Hiersemann forderte in der gleichen Pressekonferenz weiter: „ Man muss verhindern, dass alles, was im Dienstleistungsbereich denkbar ist, in München konzentriert wird“(10).

 

Neuerdings setzt sich sogar Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Urschlechter massiv mit der Münchner Staatsregierung auseinander, indem er die Benachteiligung Nürnbergs beim Finanzausgleich beklagt, da Nürnberg nur „ein um 39 vom Hundert höheres Finanzbedarf pro Einwohner, München jedoch ein solches von 46 vom Hundert zugebilligt wird“(11). Allein durch diese offensichtliche und durch nichts zu rechtfertigende Benachteiligung entgehen der Stadt Nürnberg 15 Millionen DM pro Jahr. Urschlechter fordert, dass die fränkische Metropole bei der Berechnung der Schlüsselzuweisungen genauso behandelt wird wie die Landeshauptstadt. Denn nach Meinung des Oberbürgermeisters erfüllt Nürnberg in Franken die gleichen überörtlichen Funktionen und Aufgaben wie München in Südbayern, weshalb Nürnberg auch der gleiche Finanzbedarf zugemessen werden müsse. Urschlechter ist der Meinung, dass Nürnberg durch die vielen überörtlichen Aufgaben tendenziell sogar noch stärker belastet wird als München, da dort kostenträchtige Aufgaben namentlich im kulturellen Bereich und in der Krankenversorgung durch staatliche Einrichtungen teilweise abgedeckt werden, während diese in Nürnberg ausschließlich durch die Stadt wahrgenommen werden müssen. Er spielt dabei auf die Tatsache an, dass in München rund 5000 Krankenbetten in staatlichen Kliniken zur Verfügung stehen, in Nürnberg dagegen kein einziges, und dass München mit seinen Ausgaben für kulturelle Belange unter den Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern in Deutschland an vorletzter Stelle steht. So errechnete der „Franken-Ring“ für das Jahr 1966, dass Westberlin für kulturelle Aufgaben pro Kopf der Bevölkerung 109.- DM ausgegeben hat, Frankfurt 100.- DM, Hamburg 93.- DM, Nürnberg 61,10 DM, München dagegen nur 20,73 DM(12). Verursacht wird dieser niedrige Satz durch die in München angesiedelten staatlichen Einrichtungen, voran die Staatstheater und die vielen Museen. Allein die Staatsoper in München kostet den Freistaat Bayern 60 Millionen, das Deutsche Theater in München 48 Millionen und die Pinakothek 105 Millionen Mark. „Münchens Kultur zahlt die Provinz“, stellt der „Franken-Ring“ lapidar fest(13). In seinem Schreiben an Minister Streibl macht Oberbürgermeister Urschlechter weiterhin darauf aufmerksam, „dass Nürnberg prozentual stärker mit den Investitionskosten des Flughafens, des Messewesens und des regionalen Personenverkehrs(S-Bahnbau) belastet ist als München“(14). Er spielt dabei auf die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs an, die sich 1979 für Bayern auf 600 Millionen Mark belief, von denen allerdings 400 Millionen sogleich München zugute kamen – der Rest blieb in der Provinz(15).

Bezüglich des Ausgleichs für Sozialhilfe, bei dem sich Nürnberg wiederum durch den Berechnungsmodus um 6 Millionen betrogen fühlt, will die ehemalige Reichsstadt sogar in einem Normenkontrollverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof festgestellt wissen, dass die Verordnung rechtswidrig ist(16).

In dem Zusammenhang all der Klagen und Vorwürfe gegenüber München wird auch stets darauf hingewiesen, dass die besondere liberale und soziale Tradition Frankens sowie seine kulturelle Eigenständigkeit und Eigenart von den Zentralisten in München missachtet werden und das noch immer – und bei der letzten Gebietsreform habe es sich erneut erwiesen – der absolutistische Geist Montgelas in München vorherrsche und regiere. – Der „Fall Ermershausen“, das um seine Selbständigkeit kämpft, sei nur erwähnt.

 

 

Die Okkupation und Integration Frankens

 

Um das gespannte Verhältnis zwischen Franken und Altbayern verstehen zu können – es ist dies auch mit eine Folge der unterschiedlichen Mentalitäten – ist es notwendig, sich noch einmal die Ausgangslage vor Augen zu halten, wie sie zu Beginn des 19.Jahrhunders bestand, als die Integration Frankens in den neuen bayerischen Staat erfolgte. Dabei müssen wir insbesondere die liberalen und „reichischen“ Traditionen in Franken und ihr Fortleben aufgezeigt werden; denn sie allein boten Ansätze für mehr Freiheit und für größere Selbstständigkeit gegenüber der Staatsmacht Bayern. Allein die fränkische Freiheitsbewegung im Vormärz hatte einige Aussichten auf Anwendung und Realisierung des vielzitierten föderativen Prinzips auch innerhalb des Königreichs Bayern(17).

 

Als am 28.Januar 1792 der mit vizeköniglichen Vollmachten ausgestattete Dirigierende Minister Karl August Freiherr von Hardenberg die beiden zollerischen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth nach dem überraschenden Thronverzicht des beliebten Markgrafen Karl Alexander für den König von Preußen in Besitz nahm, schien die weitere Zukunft Frankens entschieden zu sein. Denn Hardenberg machte keinen Hehl daraus, dass er von Ansbach-Bayreuth aus die übrigen fränkischen Gebiete erobern wollte und dann mit einer geschlossenen, modern  verwalteten und militärisch abgesicherten preußischen „Provinz Franken“ ein Gegengewicht in Süddeutschland gegen Kurbayern und gegen das Habsburgerreich schaffen wollte(18).

 

Als erster suchtt er die Reichsritterschaft in Franken zu unterwerfen und selbst die altehrwürdige Reichsstadt Nürnberg war zur Unterwerfung unter preußische Oberhoheit bereit. Doch lehnte der König in Berlin die Übernahme ab, da ihm die Nürnberger Schulden mit 12 Mill. Gulden zu hoch waren. Dann versuchte Hardenberg, die geistliche Territorien Bamberg, Würzburg und Eichstätt zu säkularisieren und zu annektieren um damit Preußens Position in Süddeutschland abzurunden und abzusichern(19).

 

Aber dieses Vorhaben rief den großen Konkurrenten im Kampf um Franken auf den Plan – nämlich Kurbayern, das sich letztendlich im Streit um den Fränkischen Kreis als der große Sieger erweisen sollte. Montgelas, der Schöpfer des neuen Bayern, wurde zum offenen Gegenspieler  Hardenbergs und seiner Politik in Franken. Montgelas suchte und fand dabei die Unterstützung Napoleons und auch den Zaren von Russland, die Preußen territoriale Ausdehnungspläne nach Süddeutschland ablehnten. Damit war Preußens Machtpolitik in Franken gescheitert. Die preußischen Provinzen Ansbach und Bayreuth blieben vorerst nur ein entferntes Außenwerk ohne weitere Bedeutung, und Hardenberg wurde 1798 von Minister Haugwitz, der Preußens Ausdehnung in Norddeutschland betrieb und die Süddeutschlandpolitik ablehnte, nach Berlin abberufen(20). So war das Feld frei geworden für Montgelas und seine Absicht, Bayern zur stärksten Macht in Süddeutschland auszubauen, vor allem durch den Zugewinn der fränkischen Gebiete.

 

Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 sicherte sich Bayern die geistlichen Gebiete Würzburg und Bamberg(21), die es Monate zuvor schon unter massiven Rechtsbruch militärisch okkupiert hatte(22), und mit dem Untergang des Alten Reiches 1806 auch die Reichstädte, Reichsritter, Reichsgrafen und Reichsfürsten in Franken(23). Allerdings musste Bayern für einige Jahre wieder das“ Großherzogtum Würzburg“ herausgeben, da Ferdinand von Toskana ein Bruder des Kaisers, standesgemäß versorgt werden musste(24). Dafür jedoch bekam Bayern das preußische Fürstentum Ansbach zugewiesen und schließlich 1810 auch noch Bayreuth, das bis dahin von Napoleon als militärische Versorgungsbasis ausgelaugt worden war(25). Damit war die militärische Eroberung und Inbesitznahme ganz Frankens durch Bayern vollzogen – das neue Königtum Bayern war zu einer wirklichen Mittelmacht aufgestiegen. Preußen war endgültig aus Süddeutschland verdrängt, und sein Nachfolger war – mit Unterstützung der europäischen Großmächte Frankreich und Russland – das neue Königreich Bayern der Wittelsbacher geworden.

 

Die militärische Eroberungen und Besitzergreifungen waren nur der erste Schritt für die Neugestaltung Frankens. Gleichermaßen wichtig war die schwierige Aufgabe, das Agglomerat von weltlichen und geistlichen Kleinstaaten oder gar Zwergstaaten unterschiedlichster staatlicher Qualität administrativ in das „Reich“ der Wittelsbacher einzugliedern und mit den altbayerischen Stammlanden zu verbinden. Durch eine „Revolution von oben“ wurde die „territoriale Flurbereinigung“ straff zentralistisch vollzogen, wobei auf althergebrachte Rechte und Privilegien, auf kommunale Autonomie oder konfessionelle Verhältnisse  in Franken keinerlei Rücksicht genommen wurde. Die Gebiets- und Verwaltungsreform in Franken unter Montgelas war ein brutaler und gewaltsamer Akt(26). Deshalb waren auch trotz reibungslosem Herrschaftswechsel die anfänglichen Widerstände und antibayerischen Ressentiments in Franken nicht zu übersehen. So herrschen in Würzburg wie in Bamberg eisige Ablehnung, als die Besitzergreifung durch Bayern erfolgte. Überwiegend war die fränkische Bevölkerung der Meinung, dass „das freye Frankenland nun einem fremden Fürsten unterworfen“ sei(27).

Besondere Verbitterung gegenüber der bayerischen Herrschaft erwuchs in Stadt und Land durch die rücksichtlosen Säkularisationsmaßnahmen(28). Bereits wenige Tage nach der bayerischen Zivilbesitzergreifung wurden die Bettelordenklöster geschlossen, und bald wurden die bayerischen Besitzergreifungspatente auch an die alten, reichen und kulturell blühenden Klöster, wie Michelberg, Ebrach und Banz, angeschlagen. Der konfiszierte Haus- und Grundbesitz wurde entweder versteigert oder für staatliche Zwecke verwendet, wobei vor allem die ausgedehnten Klosterwälder den bayerischen Staatswald beträchtlich vergrößerten. Gebäude, die nicht als Pfarrkirchen, Amtsgebäude, Kasernen oder Gefängnisse Verwendung fanden, wurden abgebrochen oder verfielen, wie beispielsweise die prächtige Balthasar-Neumann-Kirche in Münsterschwarzach(29). Zu Schleuderpreisen und bloßem Materialwert versteigerte man wertvolle Kulturgüter und Kunstschätze, voran liturgische Geräte aus Gold und Silber. Allein in Würzburg erbrachte die Versteigerung der Diamanten aus kirchlichem Besitz 48 130 fl. und für die Veräußerung von Monatranzen und Kelchen wurden 17 593 fl. eingenommen(30). Die kostbare Monstranz des Bischofs Konrad von Gemmingen aus dem Eichstätter Dom, deren Wert bereist 1610 auf über 60 000 Gulden geschätzt wurde, wurde zunächst 1805 zur Deckung der französischen Kriegskontributionen verpfändet und kam dann als Pfand an den Münchner Hofbankier Seeligmann. Als für den neuen bayerischen König auch neue Kroninsignien angefertigt werden mussten, zerbrach man die wertvolle Gemmingen-Monstranz und verwendete das Geld und die Perlen für die Insignien des Königreiches. Die wertvollen Kunstschätze und Reliquien wurden ausgesondert und in die Landeshauptstadt gebracht, wie etwa aus Bamberg der Lebrock Kaiser Heinrichs und die Krone der Heiligen Kunigunde(31) oder aus Würzburg das prestigeträchtige fränkische Herzogsschwert und aus Aschaffenburg die Grünwald-Bilder(32). In Ebrach entdeckte der wittelsbachische Kunstexperte Christian von Mannlich unter anderem „eine vollständige Sammlung von Albrecht Dürers Werken und mehrere schöne Handzeichnungen von diesem“, die er für München in Beschlag nahm(33).

Aus den reichen Stifts- und Klosterbibliotheken sonderte der fachkundige Sonderkommissär Johann Christoph von Aretin die wertvollsten Handschriften und Inkunabeln aus und schaffte sie in die kurfürstliche Hofbibliothek nach München. Der Rest wurde zentnerweise verschleudert(34). Allein aus dem Gebiet des Bistums Bamberg sollen aus den Kirchenbibliotheken mindestens 1100 Handschriften, 3000 Inkunabeln und rund 45 000 Bücher konfisziert worden sein, die heute größtenteils in der Bayerischen Staatsbibliothek in München eingesehen werden müssen(35). Auch wurden alle Urkunden in Franken, die vor 1400 entstanden waren, nun nach München ins „Reichs-Archiv“ gebracht. Die reichen Münzsammlungen aus Bamberg und Banz aber bildeten fortan den Kern der Bayerischen Staatlichen Münzsammlung in der Landeshauptstadt(36).

In Nürnberg wurde der städtische Silberschmuck mit dem berühmten Tafelaussatz von Wenzel Jamnitzer verschleudert(37). Das wertvolle Bronzegitter im Rathaussaal aus der Werkstatt Peter Vischers, die „Zier und Schönheit des Saales“, wurde als Bruchmessing verkauft. Nur 4 Originalstücke von figürlichen Teilen des Gitters sind heute noch erhalten und werden im Schloß Montrottier in Hochsavoyen aufbewahrt(38). Selbst das Sebaldusgrab war gefährdet und konnte nur mit großer Mühe vor der Zerschlagung und dem Verkauf gerettet werden(39). Verkauft und abgebrochen aber wurden die Siechköbel St.Peter und St.Leonhard, St.Johannis und St. Jobst. Die Barfüßerkirche ging für 500 fl. an den Kaufmann Bestelmeier, der sie abreißen ließ, und die Dominikanerkirche wurde 1750 fl. an den Fabrikanten Neikam verkauft. Die Salvatorkirche des Karmelitenklosters wurde dem bayerischen Oberpostamt Nürnberg zugewiesen, das Deutschordenhaus der Militärverwaltung, die Moritzkapelle wurde in ein Heumagazin umgewandelt(40). Verständlicherweise tauchten bald Schmähschriften und Pamphlete in Franken auf, in denen die verhaßten bayerischen Kommissäre, die für die rücksichtlosen Säkularisierungs- und Mediatisierungsmaßnahmen verantwortlich waren, aber auch die Mitglieder der Regierung in München als „Spitzbuben und Gauner“ tituliert wurden(41).

 

Noch am 21.September 1837 notierte der Dichter Karl Immermann im Tagebuch seiner „Fränkischen Reise“: Man hätte…bei der Säcularisation der fränkischen Bisthümer die Sachen mit Sammetpfötchen anfassen sollen, da der Regierungswechsel ohnehin schon für die Verhälnisse der Leute drückend ausfallen musste. Aber die bayerische hohe Administration war damals vom Geld- und Aufklärungseifer besessen. Die Kirchen und Klöster wurden aufgehoben, die Stifter und Domcapitel auf’s genaueste beschnitten. Überdies kamen drei oder vier Commissarien von München daher; die nahmen alles Gold und Silber und die Edelsteine aus den Kirchen weg bis auf das zum Cultus unumgänglich Nothwendige. Sobald man diese Saite berührt, strömen alle Lippen scheulos über; denn die Wunde blutet in der Erinnerung dieser kirchlich gesinnten Leute noch immer frisch fort. Dann zeigen sie einem die zwölf hölzernen Apostel, die dazumal von Gold gewesen sein sollen, die leeren Pflöcke, an denen sonst die kostbarsten Messgewänder gehangen haben, die Monstranzen, aus denen die Steine gebrochen sind. So hat Bayern in der Fruchtkammer des Reichs, wie Franken heißt, selbst sein Spiel verdorben, und das Regieren wäre doch gewiss hier sehr leicht gewesen“(41).

 

Ohne die zahllosen okkupierten Kunstschätze aus Franken aber wäre der steile Aufstieg Münchens zu einem kulturellen Zentrum von europäischen Rang kaum möglich gewesen, während die immensen Verluste und Abgaben zur noch heute heftig beklagten kulturellen Provinzialisierung Frankens ganz entscheidend beigetragen haben. Erst seit einigen wenigen Jahren ist ein gewisses Umdenken in der bayerischen Kulturpolitik zu beobachten, wird im Zuge einer Dezentralisierung die zuvor leergeplünderte „Provinz“ wieder etwas stärker berücksichtigt und bedacht(42).

 

Auch der Übergang der beiden protestantischen Markgraftümer Ansbach und Bayreuth sowie vor allem der evangelischen fränkischen Reichstädte an das katholische Königreich Bayern vollzog sich keineswegs unter dem Jubel der Bevölkerung. Als im Winter 1805 erstmals Gerüchte von einem Wechsel an Bayern auftaten, da trafen in Berlin zahlreiche Bittschriften aus Ansbach und Bayreuth ein. Sie flehten „mit blutendem Herzen“ zu ihrem König er möge „das heilige und ehrwürdige Band, welches die Vorsehung seit einem Jahrtausend zwischen den biederen Einwohnern von Anspach und Baireuth und en Brandenburgischen Beherrschern knüpfte“, nicht gewaltsam lösen(43). Bald tauchten eilig gedruckte Schmähzettel auf, auf denen zu lesen stand: „Vivat Preußen! Pereat der lumpige König von Bayern!“(44). In Nürnberg erklärte die Frau des Handelsvorstandes Paul Wolfgang Merkel weinend ihren Kindern: „Jetzt seid ihr Fürstenknechte“, als bayerischen Truppen unter Glockengeläut am 15.September 1806 in die ehemalige Reichstadt einmarschierten(45). – Der Verlust der bisherigen Autonomie und das brutale Vorgehen des aus Ansbach stammenden Polizeidirektors Wurm ließen in Nürnberg die Abneigung gegen das neue Regiment ansteigen. Dazu kamen die verhaßten Konskriptionen der jungen Nürnberger zur bayerischen Armee und die Einstellung der Zinszahlungen an die Bürger für ihre Kapitalien, die sie dem bisherigen Stadtregiment geliehen hatten. Weiterhin wurde mit der Schließung der reichsstädtischen Universität Altdorf das Selbstbewusstsein und der Stolz der Nürnberger empfindlich getroffen(46).

 

Im Fürstentum Bayreuth, das unter französischer Besatzung stand, wuchs indessen die Feindschaft gegen Napoleon und seinen Verbündeten Bayern, eine Einstellung, die sich in gelegentlichen lokalen Ausschreitungen äußerte. Wie groß die Ablehnung Frankreichs und Bayerns war, zeigte sich, als die „Fränkische Legion“, die von dem Freischärler Graf von Nostitz im Frühjahr 1809 aufgestellt wurde, auftauchte. In Bayreuth wie in Bamberg wurde die „fränkische Legion“ mit großem Jubel von der Bevölkerung aufgenommen(47). In Nürnberg entlud sich der aufgestaute Hass sogar in einer offenen Revolte gegen das bayerische Regiment, als die „Kaiserlichen“ vor den Toren erschienen. Die aufrührerischen Nürnberg stürmten die Einquartierungsbüros der Bayern rissen die bayerischen Wappen ab, die an den öffentlichen Gebäuden angeschlagen worden waren. Vor allem aber verfolgten sie „mit Koth und Steinwürfen und auch mit Fußtritten“ den bayerischen Generalkommissär Graf von Thürheim, was der wegen seiner spitzen Zunge gefürchtete Ritter von Lang voll Schadenfreude schilderte und ausmalte. Als die „Fränkische Legion“ nach zwei Tagen abzog, nahm sie Graf Thürheim, Polizeidirektor Wurm und mehrere führende Nürnberger Kaufleute als Geiseln mit nach Bayreuth, wo sie jedoch bald befreit wurden. Wurm konnte sein Amt in Nürnberg wieder antreten, doch Graf Thürheim musste die Stadt verlassen(49).

 

Als am 30.Juni 1810 das Fürstentum Bayreuth dem König von Bayern übergeben wurde, da suchte der Erlanger Theologe Ammon in seiner Festpredigt seine Gemeinde damit zu trösten, dass sie nun mit dem „guten Vater Max“ wieder einen „teutschen Landesvater“ habe und der Bürger endlich wieder wüsste, „wem er angehörte, nachdem er von dem geliebten König von Preußen aufgegeben war“(50). In verklärten Rückerinnern gedacht man der Epoche unter Hardenberg, der kurzen „preußischen Ära“ in Franken, als einer „goldenen Zeit“, und selbstverständlich spielte auch – trotz bayerischem Toleranzedikt – das konfessionelle Moment eine nicht zu unterschätzende Rollen. Denn Preußen galt fortan als Schutzmacht des fränkischen Protestantismus.

Im Verlauf des Befestigungskrieges gegen Napoleon häuften sich in München die Beschwerden und Klagen über die unsichere Haltung der fränkischen Bevölkerung, voran in den evangelischen Gebieten. So musste der bayerische Oberpostmeister Axthelm konstatieren: „In den nördlichen Provinzen kenne man nur zwei Gesinnungen, entweder für Preußen oder für Österreich“(51). Wenn die Russen als Befreier nach Franken kämen, dann sei mit Volksaufständen gegen Bayern zu rechnen. Vor allem verdichteten sich die Gerüchte, General Blücher würde einen Vorstoß nach Franken unternehmen und Ansbach-Bayreuth sowie Nürnberg für Preußen zurückerobern(52). Erst die politische Wende in München auf die Seite der Gegner Napoleons machte den Gerüchten und auch vielen Hoffnungen in Franken ein Ende; Franken musste sich mit dem bayerischen Regiment abfinden.

Nachdem auf dem Wiener Kongress 1815 der territoriale Bestand und die Souveränität Bayerns endgültig und äußere Aufbau des „Reiches Bayerns“ abgeschlossen waren, galt es nun, die neuen Landesteile mit „bayerischem Nationalgefühl“ zu beseelen und auch die „Neubayern“ in Franken zur überzeugten, aktiven Mitarbeit beim Aufbau des modernen Bayern zu gewinnen. Am leichtesten gelang dies bei der Beamtenschaft, die bis auf wenige Ausnahmen in den bayerischen Staatsdienst übertrat und fortan loyal diente. Als Beispiele für die Beamtenkarriere in bayerischen Diensten können etwa Ritter von Lang und der Nürnberger Ratskonsulent Dr.Karl Roth, der zum Präsidenten des bayerischen Oberkonsistoriums aufstieg genannt werden(53).

 

Große Erwartungen und Zustimmung fand die bayerische Herrschaft auch beim wirtschaftenden Bürgertum, voran in der ehemaligen Reichstadt Nürnberg(54), da man dem größeren Wirtschaftsraum Bayern einen deutlichen ökonomischen Aufschwung versprach, der auch wenig später mit Eisenbahnbau und Industrialisierung einsetzte und Franken zum Wirtschaftszentrum und Hauptsteuerzahler im Königreich Bayern werden ließ.

 

 

Der fränkische Frühliberalismus – Demagogenverfolgenungen

 

Neue bayerische Staatsgesinnung erwuchs in Franken aber insbesondere in dem Kreis um Kronprinz Ludwig, dem nach dem Ende des toskansichen Großherzogtums die Schlösser in Würzburg und Aschaffenburg zur Residenz zugewiesen wurden, nicht zuletzt deshalb, um die noch immer antibayerisch gestimmte Bevölkerung in Franken zu gewinnen und auszusöhnen, was dem jungen Kronprinzen tatsächlich gelang(55). Um den „teutschen“ Ludwig sammelten sich bald alle Anhänger der nationalen und konstitutionellen Bewegung aus dem fränkischen Adel und dem frühliberalen Bürgertum, voran aus der Professorenschaft und der studentischen Jugend, die an den Befreiungskämpfen gegen Napoleon teilgenommen hatten. Ludwigs engster und vertrautester Freund war unbestritten der fränkische Standesherr Franz Erwein Graf von Schönborn-Wiesentheid, der von gleicher nationaler Begeisterung war wie der Kronprinz.

Mit Kronprinz Ludwig und seinem frühliberalen Freundeskreis aber wurden auch die noch immer lebendigen Nachwirkungen des Reichspatriotismus in Franken in die bayerische Verfassungsbewegung eingebracht(56). Nicht umsonst fand die liberale bayerische Konstitution vom 26.Mai 1818 ihre begeisterten Anhänger und Publizisten gerade in Franken, wo man endlich große Hoffnungen erfüllt sah. So begrüßte der Erlanger Staatswissenschaftler Harl überschwänglich die Verfassung als Freiheitsbrief, mit dem in der bayerischen Geschichte eine neue Periode begründet werde(57). Selbst der kritische Präsident des Appellationsgerichts in Ansbach, Anselm von Feuerbach, war davon überzeugt, dass erst die Verfassung die von Montgelas gewaltsam vollzogene Staatseinheit in Bayern auch emotional vollendet habe. „Erst mit der Verfassung hat sich unser König Ansbach, Bayreuth, Würzburg und Bamberg und alle anderen fränkischen Lande erobert“(58), schrieb er, und wenig später an seine Freundin: „Es ist in sehr vieler Beziehung jetzt eine große Freude, Bayern anzugehören: der Himmel ist heiter, die Lüfte wehen frisch, die Sümpfe sind bewegt und die Nachteulen fliegen in den Finsternis. Jetzt sollte man einmal kommen und uns zumuten, eine andere Farbe als blau und weiß zu tragen“. (59)

 

Franz Erwein Graf von Schönborn, der liberale Freund des Kronprinzen feierte sogar die Verfassung als „bayerische Magna Charta,…als größte und wirksamste Tat, welche die Geschichte Bayerns und seiner Regenten aufweisen kann“.(60) Zur bleibenden Erinnerung an die Verfassungsverkündigung ließ Graf Schönborn von dem berühmten Architekten Leo von Klenze auf dem Sonnenhügel bei Gaibach eine 30 Meter hohe „Konstitutionssäule“ erreichten, deren Grundsteinlegung am 26.Mai 1821 unter Teilnahme des Kronprinzen Ludwig und der gesamten Prominenz aus Franken stattfand. Die beiden romantischen Freunde, Kronprinz Ludwig und Graf Schönborn, erneuerten den „Bunde für die Verfassung auf Leben und Tod“ und ließen das große Ereignis der Grundsteinlegung im Bilde festhalten.(61)

Aber es fanden sich in Franken auch Stimmen, die der Verfassung zwar nicht ihre grundsätzliche Anerkennung versagten, die sie jedoch für verbesserungswürdig hielten. So wurden im bayerischen Landtag bald die Abgeordneten aus Franken neben den noch radikaleren Pfälzern mit zu den Hauptvertretern des Konstitutionalismus und Liberalismus, wie etwas der gemäßigtere Rudhart aus Weismain(62) und vor allem die herausragenden Wortführer der liberalen Opposition in München, Professor Wilhelm Josef Behr aus Würzburg(63) und Bürgermeister Hornthal aus Bamberg(64).

 

Bild 1 (Mainfränk. Museum Würzburg)Wilhelm Joseph Behr(1775-1851) Staatsrechtler, Bürgermeister und Politiker

Auf dem ersten Landtag 1819 in München gaben Behr und Hornthal bald den Ton an. Die Forderungen der Liberalen aus Franken waren: die Vereidigung des Heeres auf die Verfassung, die Trennung von Justiz und Verwaltung, das Gesetztinitiativen für die 2.Kammer, die Ministerverantwortlichkeit, die Einführung der uneingeschränkten Pressefreiheit, die Mündlichkeit und Öffentlichkeit der Gerichtsverfahren und die Einführung der Gewerbefreiheit(65). Es waren dies also die üblichen Forderungen der süddeutschen Liberalen im Vormärz, die auf die vollständige Ausfüllung der Verfassung und ihrer Möglichkeiten pochten. Außerdem protestierten Behr und Hornthal gegen die finanzielle Bevorzugung Münchens und gegen die Benachteiligung der „äußeren Teile des Staatskörpers“. Behr, dessen Vorlesungen seit den Karlsbader Beschlüssen die Polizei überwachte, wurde 1821 von der Würzburger Bevölkerung demonstrativ zum Bürgermeister gewählt. Um weiterhin als Abgeordneter der Universität im Landtag bleiben zu können, richtete er an den Innenministerium das Gesuch, sein Lehramt beibehalten zu dürfen, was jedoch ohne Angabe von Gründen abgelehnt wurde. Als er im nächsten Landtag dann als Abgeordneter der unterfränkischen Städte einziehen wollte, wurde ihm als Gemeindebeamten hierfür der Urlaub verweigert(67). Selbstverständlich erregte das auch juristisch äußerst fragwürdige Vorgehen der Münchner Ministerialbürokratie in Franken größtes Aufsehen und tiefe Verärgerung.

Helle Empörung schuf dann in Franken die gewaltsame Zerschlagung des sog. „Jünglingsbundes“, der im Frühjahr 1821 gegründet worden war und offenkundig unter dem Einfluss vor allem französischer Liberaler und Republikaner stand. Als Zweck des Bundes hielten die Statuten ausdrücklich „den Umsturz der bestehenden Verfassungen“ fest, „um einen Zustand hereinzuführen, worin das Volk durch selbstgewählte Vertreter sich eine Verfassung geben kann“(68).

Eines der eifrigsten Mitglieder dieses verfassungsfeindlichen Bundes war der Burschenschaftler Johann Georg Eisenmann, ein angehender Mediziner aus Würzburg. Er war schon 1817 unter den Teilnehmern an dem berühmten Wartburgfest der national – gesinnten studentischen Jugend gewesen, und er nahm auch an den Bundestagen des „Jünglingsbundes“ in Bubenreuth und auf dem Kyffhäuser teil. Im Sommer 1823 flog dieser etwas schwärmerische Geheimbund auf, und zwar durch Verrat eines seiner Mitglieder, des Kandidaten der Theologie Johann Andreas Dietz aus Thurnau, der plötzlich Angst bekommen hatte. Auf der Grundlage  der Karlsbader Beschlüsse, die von Metternich nach dem Mord an den Dichter Kotzebue durch den Studenten Ludwig Sand aus Wunsiedel im Deutschen Bund durchgedrückt worden waren, wurden die Mitglieder des „Jünglingsbundes“ verhaftet. Darunter befanden sich – neben Johann Georg Eisenmann – Karl Wilhelm Feuerbach, Professor in Erlangen, Christoph Friedrich Sauber, Pfarramtsverweser in Lipprichtshausen, August Friedrich Wagner. Lehrer in Ortenburg, Stanislaus Fischer, Hofmeister in Ansbach sowie Pfarrvikar Plank aus Weißenburg, dazu noch zahlreiche Studenten aus Erlangen und Würzburg. Erst nach langen Verhören und mehr als einem Jahr Untersuchungshaft wurden die Verdächtigen entlassen. Sie konnten nachweisen, dass es sich bei dem „Jünglingsbund“ nur um ungefährliche, schwärmerische „Jugendsünden“ handelte. Die Entlassung aus dem Gefängnis erfolgte allerdings nur auf Bewährung, was Dr.Eisenmann bald wieder zu spüren bekommen sollte.

Die öffentliche Meinung und insbesondere die Liberalen in Franken setzten nun alle ihre Hoffnungen auf die Thronbesteigung des verehrten Kronprinzen Ludwig. Von ihm erwartete man in Franken einen grundlegenden Wandel der bayerischen Politik, der in den ersten Jahren unter König Ludwig auch vollzogen wurde. Doch die Julirevolution in Paris 1830 und die „Dezemberunruhen“ der Studenten in München ließen den bisher liberalen König Ludwig um seine Thron fürchten, weshalb er dem Drängen Metternichs nachgab und zu einer reaktionären Politik mit Demagogenverfolgungen überwechselte. Aus dem „roten Prinzen“ – so Metternich – war der „schwarze Reaktionär“ geworden. Jetzt häuften sich auch aus Franken die Nachrichten der bezahlten Spitzel über „gefährliche liberale“ oder gar „demokratische“ Umtriebe und Bewegungen(69).

Zu beachtenswerten Aktionen kam es in Franken allerdings erst, als im Frühjahr 1831 die Pressezensur wieder eingeführt wurde und außerdem die drei fränkischen Abgeordneten Behr, Hornthal und Bestelmeyer erneut von der Regierung unter fadenscheinigen Gründen vom Landtag ausgeschlossen wurden(70). In Bittschriften und Adressen an den König bekannten sich Tausende von Würzburgern, Bambergern und Nürnbergern zu ihren gewählten Abgeordneten. Der Magistrat und die Gemeindebevollmächtigten von Nürnberg bezeichneten das Ausschlussdekret glattweg als „verfassungs- und eideswidrig“ und sprachen von „gänzlicher Missachtung der Forderungen der Zeit und des konstitutionellen Regierungssystems“(71). Der radikal-liberale Dr.Victor Amadeus Coremans, der Herausgeben der „Freien Presse“ in Nürnberg, die durch die bayerische Zensur verboten war, ließ nun eine Flugschrift „Die Volksstimme“ erscheinen, die er mit einem Trauerrand umgab. Darin forderte er, dass die gesamte bayerische Camarilla wegen des Ausschlusses der fränkischen Liberalen zur Rechenschaft gezogen werden müsste(72). Noch schärfer reagierte Dr.Gottfried Eisenmann in Würzburg. In seinem „Bayerischen Volksblatt“ schrieb er, dass das Königreich in Bayern nun kein verfassungsmäßiger Staat mehr sei. Selbst das böse Wort von dem „Despoten“ fiel, während die vom Landtag ausgeschlossenen Abgeordneten als politische Märtyrer gefeiert wurden(73).

Dies war eine offene und durchaus ernstzunehmende Sprache aus Franken, die in München einige Bestürzung auslöste. Die Verwirrung wurde noch größer, als aus Franken eine anonyme Schrift bekannt wurde – als Verfasser argwöhnte man den Würzburger Bürgermeister Behr -, in welcher die Gründung einer bürgerlichen Sicherheitsgarde verlangt wurde. Datiert war diese Broschüre unter dem 1.Oktober im 1.Jahr der Republik Franconia“. Gemeint war sicher die Französische Republik, aber die „Republik Franconia“ konnte auch auf eine fränkische Separatistenbewegung bezogen werden, und in München waren weite Kreise willens, diese zweideutige Anspielung auch so zu verstehen und zu interpretieren, vor allem nachdem Würzburger Studenten ihren verehrten Professor Behr nach einer Faschnachtsveranstaltung mit „Vive l’empereur“ gefeiert haben sollen(74).

Einen Höhepunkt erreichte die befürchtete Autonomiebewegung und Separation in Franken mit dem Gaibacher Verfassungsfest im Jahr 1832, das in der liberalen Geschichtsschreibung oftmals sogar mit dem bekannten Hambacher Fest verglichen wird. Am 27.Mai fand die der Konstitutionssäule im Park des Schlosses zu Gaibach die übliche Feier zur Erinnerung an die bayerische Verfassung statt. Das Fest stand unter der Schirmherrschaft des Grafen Schönborn, der als enger Freund des Kronprinzen Ludwig sich durch besondere Loyalität zum Königshaus der Wittelsbacher ausgezeichnet hatte. Teilnehmer waren rund 6000 Bürger und Bauern aus allen Teile Frankens sowie fast alle fränkischen Abgeordneten(75). Nach dem feierlichen Feldgottesdienst sprach zunächst Hornthal über die Verfassungsbewegung speziell in Bayern, und dann hielt Behr ein kurze improvisierte Rede, in welcher er die bayerische Verfassung als dies schlechteste aller existierenden bezeichnete(76). Der Tag war sehr heiß, Graf Schönborn hatte Freibier gestiftet und die Zuhörer waren in Stimmung. Sie packten schließlich Behr und trugen ihn um die Konstitutionssäule, wobei sie angeblich ausriefen: „Dieser soll unser Frankenkönig sein“. Die offizielle Untersuchung ergab später, dass die Versammelten seit dem frühen Morgen „auf das Wohl der ganzen Welt getrunken hatten“(77). Als ernstzunehmende Aktion mit dem erklärten Ziel der Lostrennung Frankens oder gar der Errichtung einer eigenen Fränkischen Monarchie war das Gaibacher Konstitutionfest, auf dem Alkohol eine große Rolle gespielt hatte, keineswegs zu werten. Doch in München sah man die Vorgänge in Franken anders und reagierte überaus empfindlich. Bürgermeister Behr wurde verhaftet und wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung angeklagt und bis 1847 eingesperrt. Vor allem gegen die Universität Würzburg, „als den Feuerherd der Revolution“, richtete sich nun die ganze Wucht der Demagogenverfolgung. Man wollte sogar die Universität  für einige Jahre schließen, bis wieder Ruhe eingekehrt sei, beließ es dann aber doch bei der Suspendierung „aller schädlichen Professoren“, voran des Rektors Cucumus, des Juristen Seuffert und der berühmten Mediziner Schönlein und Textor. Auch der liberale Zeitungsverleger Dr.Eisenmann wurde verhaftet und musste vor dem Bildnis des Königs Abbitte leisten. Auch er wurde erst 1847 aus der Festungshaft entlassen.

Doch nicht nur in Unterfranken gärte es, auch aus Oberfranken kamen beängstigende Nachrichten. So wurde im September 1832 in Kronach, das sich als besonders widerspenstig erwies, der Student Ziegenfelder aus Judenbach verhaftet, da er in Küps die dortigen Arbeiter aufzuwiegeln versuchte, indem er im Wirtshaus die „Sechs Gebote der Deutschen Bundestages“ vorlas. Wegen „Majestätsbeleidigung“ wurde er zur Abbitte vor dem Bild des Königs, zu 10 Rutenhieben und zu einem Jahr Arbeitshaus verurteilt. Trotz der drakonischen Strafen an dem jungen Liberalen bildeten sich in Kronach und Wunsiedel Widerstandsgruppen im Untergrund, die dann in der Revolution 1848 offen an die Oberfläche kamen. Im Herbst 1832 wurden dem Bürgermeister Brandenburg in Wunsiedel mehrere Exemplare der verbotenen Schrift „Die politische Reform Deutschlands“ zugespielt, die der radikale Demokrat Dr. Wirth in Straßburg drucken ließ, da er Oberfranken und Nürnberg hatte verlassen müssen. In Kronach erhielt der Kaufmann Schüttinger ganze Paket mit revolutionären Schriften zugesandt, die er, als Einwickelpapier für seine verkauften Waren unauffällig unter das Volk brachte. Auch gegen den jüdischen Pelzhändler Loppel Rau in Küps wurde ein Verfahren wegen Verbreitung demokratischer Schriften eingeleitet. Besonders hat ging man gegen den Flößer Fillweber vor, der im Juli 1832 im Harmoniegarten in Kronach das Königshaus der Wittelsbacher angegriffen, ja sogar alle 32 deutschen Fürsten „zum Teufel“ gewünscht hatte. (79)

Nur mit Gewalt und Bespitzelungen konnten oppositionelle, ja antimonarchische Stimmen in Franken ausgeschaltet und mundtot gemacht werden. Entschieden schwieriger wurde dies im Verlauf des sog. „Kniebeugestreites“. Es war dies der Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen der katholisch-reaktionären Regierung Abel in München und dem Protestantismus in Franken, wobei sich die Theologische Fakultät in Erlangen als ganz besonders widerspenstig erwies. Als 1838 eine königliche Anordnung verlangte, dass künftig auch protestantische Soldtaten in militärischen Formationen bei Feldgottesdiensten und bei der Fronleichnamsprozession vor dem Allerheiligsten niederknien müssten, da brach der offen Streit aus(80). Die Generalsynoden von Ansbach und Bayreuth beschlossen, eine offizielle Verfassungsbeschwerde einzureichen, unterließen dies dann aber ängstlich, als die Generalkommissäre von Mittel- und Oberfranken dies untersagten. Weniger kümmerten sich um solche Verbote die militanten Protestanten Graf Carl von Giech(81) und Hermann Freiherr von Rotenhan(82) sowie der Erlanger Theologe Professor Adolf Harleß, der Mitbegründer der „Erlanger Theologie“. Harleß war für das akademische Jahr 1844/45 von der Universität Erlangen demonstrativ zum Prorektor gewählt worden, doch verweigerte König Ludwig, auf Betreiben Abels, sein Bestätigung. Seiner Strafversetzung zum Konsistorialrat in Bayreuth konnte sich Harleß nur durch die Annahme eines Rufes nach Leipzig entziehen(83). Graf Giech, der Regierungspräsident von Mittelfranken und Wortführer der Protestanten, berichtete frei und rückhaltlos über „die sehr üble Stimmung aller protestantischen Bewohner von Mittelfranken“ nach München, was ihm ungnädigsten Tadel eintrug. Seiner Entlassung aus dem Amte kam er durch den freiwilligen Rücktritt zuvor(84). Sein Entlassungsgesuch wurde zugleich zu einer Generalabrechnung mit München, wobei er besonders das eklatante Missverhältnis zwischen den von München zugewiesenen Geldern und den übertragenen Aufgaben hinwies sowie von offenkundigen Benachteiligungen Mittelfrankens beim Straßen- und Wohnungsbau sprach und vor allem bei den verschiedenen Bildungseinrichtungen, angefangen von der Universität Erlangen bis zu den Elementarschulen auf dem Lande(85).

Erst 1845 fand sich der König zur Zurücknahem seines Kniebeugeerlasses beriet, und zwar aus finanzpolitischen Gründen. Denn ein neuer Landtag war ausgeschrieben worden, von dem der König mehr Geld für seine Bauten bewilligt haben wollte, wozu er vor allem die Gelder aus Franken brauchte. Außerdem hatten König Ludwig und Abel einsehen müssen, dass sie zu weit gegangen waren. So mussten sie hinnehmen, dass bei Bauernunruhen vor dem Rathaus in Feuchtwangen die zur Niederschlagung abkommandierten Chevaulegers aus Ansbach den Befehl verweigerten. Sie erklärten, sie dächten nicht daran, auf ihre protestantischen Landsleute zu schießen(86).

 

 

Die Revolution von 1848/49 – Aussöhnung

 

Während der Kniebeugestreit und auch die Vorgänge um das Gaibacher Fest rein innerbayerische Angelegenheiten waren, können die Ereignisse der 48er Revolution in Bayern nur in einem gesamtdeutschen Zusammenhang gesehen werden(87). Die vielzitierte Lola-Montez-Affäre brachte die Revolution in München nur zum Ausbruch, die wahren Beweggründe lagen viel tiefer. In Franken muss neben den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Unruhen der Revolution auch das starke Nachleben der reichischen Tradition berücksichtigt werden, insbesondere in den ehemaligen Reichstädten, voran in Nürnberg, das auf einmal eine Chance sah, sogar Hauptstadt des Reiches und Sitz der Reichsregierung zu werden(88).Unübersehbar waren aber auch die in Franken im Verlauf des Kniebeugestreits angewachsenen Hoffnungen auf Preußen als der Schutzmacht des Protestantismus, während man sich von Bayern und Wittelsbacher hintergangen fühlte.

Relativ ruhig verhielten sich während der Unruhen 1848/49 die geruhsamen Beamtenstädte Würzburg, Bayreuth und Ansbach. Hier hatte die meist aus Altbayern stammende Beamtenschaft der Regierungsstellen eine entscheidende Veränderung der Gesellschaftsstruktur wie auch der politischen Gesinnung herbeigeführt. Anders dagegen in Aschaffenburg, Schweinfurt, in Nürnberg und vor allem in Bamberg. In der Bischofstadt feierte man nicht einmal die Proklamation der liberalen Märzfreiheiten durch den neuen König, und wer es wagte, die bayerische Fahne zu zeigen, dem wurden die Fensterscheiben eingeworfen.

Nachdem sich München im Sommer 1848 von den ersten Schrecken langsam erholt hatte, begann es mit Hilfe zuverlässiger altbayerischer Beamten, die nach Franken versetzt wurden, und insbesondere mit Militär aus Altbayern die Unruhen in Franken einzudämmen und zu unterdrücken. „Ihr lutherischen Hunde!“ „Ihr verdammten Ketzer!“ sollen die oberbayerischen Soldtaten in Weißenburg bei einer Wirtshausschlägerei ausgerufen haben(89).

Im Frühjahr 1849 eskalierten wiederum die Spannungen zwischen München und Franken und erreichten ihren absoluten Höhepunkt. Im Landtag gingen  die fränkischen Demokraten, die eine starke Fraktion bildeten, offen zur Opposition über. Sie verlangten vom König die Annahmen der Grundrechte und die Anerkennung der Beschlüsse der Paulskirche. Falls es dies ablehnen sollte, drohten die fränkischen Abgeordneten mit der Lostrennung Frankens von München. Die fränkische Zeitung „Der freie Staatsbürger“ schrieb: „Tausendmal eher wird Franken seine Blicke nach Norden wenden und an ein an für sich gar nicht beliebtes nordisches Königtum sich anschließen, bevor es sich noch einmal unter die erniedrigende Herrschaft jener ekelhaften und verächtlichen Pfaffenpartei beugt… .Die Franken werden sich erinnern, welche Segnungen ihnen die Herrschaft der Dynastie Wittelsbach gebracht hat… und wie man im protestantischen Teil Frankens den protestantischen Geist schmählich unterdrückt“(90). In Nürnberg nannte der radikale Demokrat Diezel, der Begründer des aktiven Politischen Vereins, die wichtigste Aufgabe der Volksbewegung in Franken „die Stärkung des fränkischen Standesbewußtseins auf der Basis des Deutschtums gegenüber dem Baiernthum“(91). Doch der neue bayerische Minister Ludwig von der Pfordten, der aus Franken stammte *– er wurde in Bayreuth geboren -, erteilte der Paulskirche und der Reichsverfassung Ende April 1849 eine entscheidende Absage, indem er auf die besondere Stellung Bayern in Deutschland infolge seiner tausendjährigen Geschichte hinwies.

 * Verräter gab es schon immer

Daraufhin formierten sich in Franken die letzten Kräfte für Deutschland und gegen München. „Wir Franken wollen vor allem freie Deutsche sein, und ferne sei es von uns, Anhänglichkeit an die Sondergelüste eines Herrscherhauses zu heucheln“, hieß es in der Protestadresse an den neuen König Max aus Bamberg. Und weiter: „ Vorwärts ihr Männer von Franken. Die Franken müssen Bayern deutsch und frei machen“. In einem Aufruf an das fränkische Volk, der an allen Straßenecken Bambergs angeschlagen wurde, wurde das „undeutsche und freiheitsfeindliche Treiben der Regierung in München“ angeprangert und gefordert, Franken solle sich von Bayern lösen und direkt der Nationalversammlung unterstellen. Für München war dies Hoch- und Landesverrat und man stellte sich auf einem bewaffneten Aufstand in Franken ein.

Auf einem „Frankentag“ am 13.Mai 1849 in Nürnberg fanden sich schließlich 30 000 Teilnehmer ein, die mit dem Abfall Frankens drohten, falls der König den gewählten radikalen Landtag auflösen sollte. Danach ging man friedlich auseinander; die vorsorglich in Nürnberg stationierten 17 000 altbayerischen Solldaten brauchten nicht einzugreifen(92). In Unterfranken fand auf dem Schwanberg am 17.Mai 1849 ein ähnlicher „Frankentag“ statt; mancherorts kam es sogar zu Volksbewaffnungen, und die Würzburger Studenten stürmten das Rektorat, wo die Gewehre aufbewahrt wurden(93). In Oberfranken dagegen blieb es verhältnismäßig ruhig, weil preußische Truppen an der Grenze einmarschbereit standen. Nur in Wunsiedel machte ein Kaufmann aus Swinemünde, der in Karlsbad zur Kur weilte, von sich reden. Der Landrichter von Bayreuth entsandte gleich 2 Kompanien, um ihn verhaften zu lassen. Die Auflösung des linken Landtags am 19.Juni 1849 durch König Max machte dann aller Opposition ein Ende.

In der letzten Juniwoche 1849 trat das neue Königspaar eine Huldigungsreise durch Franken an, wodurch der Friede mit Franken wiederhergestellt und öffentlich dokumentiert werden sollte(94). Auf dieser Reise wurden die Historiker in Franken angewiesen, verstärkt in ihr Forschungs- und Lehrprogramm die bayerische, d.h. die altbayerisch – wittelsbachische Landesgeschichte einzubeziehen. Die Schulbücher wurden dahingehend revidiert, dass Franken nur ein Teil des ehemaligen bayerischen Nordgaus sei und deshalb mit Fug und Recht wieder nach Bayern heimgeholt wurde(95).

 

In diesen Wochen wurden aber auch zahlreiche führende Demokraten in Franken verhaftet und in Hochverratsprozessen abgeurteilt(95a). Der Würzburger Kaufmann Gätschenberger wurde schon deshalb verurteilt, weil er es in einer Broschüre gewagt hatte, die wirtschaftliche Benachteiligung Frankens anzuprangern. Vor allem wurden alle politischen Vereine aufgelöst, und die freiheitliche Presse in Franken verfiel der Zensur(96).

Bald aber erfolgte die Aussöhnung zwischen Bayern und Franken, und die Einheit zwischen Alt- und Neubayern hielt fortan stand. So blieb die Staatseinheit auch im Bruderkrieg von 1866 ungefährdet, wenn auch das konfessionelle Element nochmals in den Vordergrund rückte. So sollen katholische Bauern im Bezirksamt Ebermannstadt ihren protestantischen Mitbürgern gedroht haben: „Wenn der Österreicher siegt, müsst ihr alle katholisch werden“.  Und in Unterfranken sollen jetzt sogar Pfarrer gepredigt haben: „Wer einen Preußen erschlägt, kommt sofort in den Himmel“(97). In den protestantischen Städten Nürnberg und Bayreuth dagegen wurden die einmarschierenden preußischen Truppen von der Bevölkerung begeistert empfangen, in Nürnberg vom Bürgermeister sogar im Amtsornat. In München war man empört über das Verhalten der fränkischen Protestanten, die sich daraufhin von den Preußen eigens bestätigen ließen, dass sie nicht mehr als nötig gejubelt hätten. Überhaupt schlug auch in den protestantischen Landesteilen unter dem Druck der preußischen Einquartierungen die Stimmung rasch um(98). Die Loyalität, ja Anhänglichkeit gegenüber München wuchs im Verlauf des Krieges spürbar an. Die in München befürchtete und andernorts erwartete „fränkische Irredenta“ blieb aus, das Band zwischen Altbayern und Franken wurde sogar noch enger.

Die Einheit von Franken und Bayern wurde jetzt auch von außen respektiert. So lehnte Bismarck die Lostrennung Frankens von Bayern ab, da er die vielfachen Verflechtungen zwischen Nord- und Südbayern vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet für unauflösbar ansah(99). Die wirtschaftliche Entwicklung in Bayern, Handel, Gewerbe und Industrie setzten ein geschlossenes Staatbayern voraus und machten einen Rückfall in „altfränkische Kleinstaaterei“ illusorisch. Lediglich den Familienerinnerungen des preußischen Königs wurde dadurch Rechnung getragen, dass Hohenzollern und Wittelsbacher ein gemeinsames Wohnrecht auf der Nürnberg Burg eingeräumt wurde und fortan die preußische und die bayerischen Fahne auf der Kaiserburg wehte(100).

Die Einheit von Franken und Bayern hielt auch in den nachfolgenden Jahrzehnten, obwohl gerade der fränkischen SPD, die in Karl Grillenberger, Löwenstein, Dr. Süßheim und Segitz ihre herausragenden Parteiführer hatte, immer wieder der Vorwurf gemacht wurde, sie sei Initiator und Träger einer „Los-von-München“- Bewegung(101). Auch nach der Revolution von 1918/19, als die Regierung der „Ordnungzelle Bayern“ unter von Kahr mehrmals mit einer Trennung von Bayern vom Reich liebäugelte, war es erneut die fränkische SPD, die mit einem Abfall Frankens von Bayern drohte, um die konservative Regierung in München gegenüber der Reichsregierung in Berlin gefügig zu machen. Aber letztlich war dies alles nur verbale Kraftmeierei, wenn auch Gerüchte schon Dr. Luppe von Nürnberg als Staatspräsidenten der künftigen „Republik Franken“ feierten. Oberbürgermeister Dr. Luppe selbst hielt von der „Republik Franken“  überhaupt nichts(102). Bezeichnenderweise war die Regierung Hoffmann in den Wirren der Münchner Revolution im Frühjahr 1919 nach Bamberg geflohen und hatte dort Schutz gefunden. Franken war zu einem sicheren und zuverlässigen Bestandteil des Freistaates geworden.

Alt Nürnberg_by_Marion_pixelio.de

Franken in München

Kennzeichnend für die innere, nachhaltige Aussöhnung zwischen Franken und Bayern seit Mitte des 19.Jahrhunderts ist die Tatsache, dass die Altbayern den Franken das Regieren in Staatsbayern überließen. Obwohl der Bevölkerungsanteil Frankens nur rund ein Drittel betrug, stellten die Franken im Königreich doch genau 43% der zivilen Staatsminister und Ministerverweser in München(103). Die sprichwörtliche Behaltung, dass Bayern von Franken regiert werde, trifft also zu. Denn der „Vorsitzende im Ministerrat“ – erst 1918 wurde der Titel Ministerpräsident eingeführt – wurde seit 1848 praktisch in ununterbrochener Reihenfolge von Franken gestellt.

Es begann mit Ludwig von der Pfordten, der aus einer evangelischen fränkischen Adelsfamilie stammte, in Nürnberg das Melanchthon-Gymnasium besuchte und als Staatsrechtler an der Universität in  Würzburg lehrte. Erst die Kriegswende von 1866 machte seine Trias-Politik unmöglich, die Bayern zur Vormacht in Süddeutschland machen wollte(104). Die Neuordnung der bayerischen Politik brachte den preußenfreundlichen Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, einen fränkischen Standesherrn, an die Spitze der Regierung in  München. Er stieg schließlich über die Statthalterschaft auf(105). 1880 wurde der heftig umstrittene liberale Johann Lutz, ein Lehrersohn aus Münnerstadt, an die Spitze des Münchner Kabinetts berufen. Seine 10jährige Regierungszeit, war ausgefüllt mit heftigen Kulturkampfauseinandersetzungen mit der katholischen Kirche und er Zentrumsmehrheit im Landtag(106). Als er aus Krankheitsgründen zurücktreten musste, folgte ihm Krafft von Crailsheim, ein evangelischer fränkischer Freiherr, der bis in 20.Jahrhundert hinein die Regierungsgeschäfte in München leitete(107).

Unter den fränkischen Ministerpräsidenten wurden auch vorwiegend Franken in das Kabinett berufen, so dass um die Jahrhundertwende fast alle Ministerposten mit Franken besetzt waren. So wirkte von 1881 bis 1907 Max Freiherr von Feilitzsch als Innenminister, der fränkische Pfarrerssohn Emil von Riedel war sogar von 1877 bis 1904 als Finanzminister tätig und Leopold Freiherr von Leonrod leitete von 1877 bis 1902 das Justizministerium(108). Allein das Kriegsministerium blieb einem Altbayern vorbehalten. Die Armee konnte man erst mit Otto Freiherr Kreß von Kressenstein einem Franken überlassen, als es im Weltkrieg ernst wurde(109). Auch die Hof- und Staatsbibliothek vertraute man nur ungern einem Franken an(110) und schon überhaupt nicht das Reichsarchiv oder gar das wittelsbachische Hausarchiv. Hinter die letzten Türen wollte man in München die Franken nicht sehen lassen. Ein etwas anderes Bild als bei den Vorsitzenden des Ministerrates und den Ministern ergibt sich bei der Herkunft der Ministerialreferenten oder leitenden Ministerialbeamten. Hier stellten die Altbayern im 19.Jahrhundert mit gut 50% die weitaus stärkste Gruppe, ihnen folgten die Franken mit 32% und schließlich die Schwaben mit nur 6% (111). Das bedeutet, dass die Franken zwar die politisch verantwortlichen Ministerposten erringen konnten, dass ihnen aber das Eindringen in die Ministerialbürokratie auf breiter Ebene verschlossen blieb, was sowohl politisch wie verwaltungstechnisch nicht ohne Folgen bleiben konnte.

Bei den kirchlichen Spitzen, und zwar bei den katholischen Bischöfen und den protestantischen Oberkonsistorialpräsidenten, war Franken wiederum weit über seinen prozentualen Bevölkerungsanteil vertreten. So überraschte es nicht, dass von den 9 Oberkonsistorialpräsidenten 5 aus dem evangelischen Franken kamen(112). Von den 50 Bischöfen und Erzbischöfen der 8 bayerischen Diözesen in dem Jahrhundert zwischen 1818 und 1918 stammten 16 aus Altbayern, aber bereits genauso viele aus Franken, was konfessionsproportional einen unverhältnismäßig großen Anteil der Franken ausweist. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die soziale Herkunft der Bischöfe: 4 Fünftel der Bischöfe kamen aus dem Bürgertum, 12 stammten aus Handwerkerkreisen, 1 aus einer Hirtenfamilie und 2 aus Soldatenfamilien(113). Die Adelskirche des Alten Reiches war mit der Säkularisation zu Ende gegangen.

Für die politische Einstellung und Haltung Frankens im Bismarck-Reich können am besten die Wahlergebnisse Aufschluss geben. So stellten zur Reichstagswahl von 1881 in den kreisunmittelbaren Städten Mittelfrankens die Liberalen 99,7% der Wahlmänner, in Oberfranken 72% und in dem überwiegend katholischen Unterfranken immerhin noch 68%. In Oberbayern stellten zur gleichen Wahl dagegen die bayerisch-konservative Patriotenpartei 91% der Wahlmänner und in Niederbayern sogar 93% (114). In den Wahlergebnissen werden nochmals die verschiedenen konfessionellen, sozi-ökonomischen und historischen Verhältnisse erkennbar, denn in Franken schlug immer wieder die Erinnerung an die „Reichsfreiheit“ durch. So wurde Franken ganz selbstverständlich zu einem Sammelbecken des Liberalismus der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung. Von dem gebürtigen Ansbacher Karl Brater(115) wurde 1863 die „Deutsche Fortschrittspartei in Bayern“ gegründet, ein Akt, der ihm große  Anfeindungen aus München einbrachte. Die „Deutsche Fortschrittspartei in Bayern“ entsandte schon nach den Wahlen im Gründungsjahr 16 Abgeordnete in den bayerischen Landtag, die fast alle aus dem protestantischen Mittel- und Oberfranken kamen. So wurden in München zu den Wortführern einer liberalen und deutschen-nationalen Politik(116).

Während des Streites um Schleswig-Holstein 1863/64 rückten die Liberalen in Erlangen sogar in den Mittelpunkt des politischen Lebens in ganz Deutschland. Denn auf die Initiative der Professoren Marquardsen und Stintzig sowie des liberalen Abgeordneten Professor Hofmann wurde in Erlangen der „Schleswig-Holsteinische Verein“ gegründet, dem zahlreiche Bürger und Studenten der Universitätsstadt, aber auch Nationalgesinnte von außerhalb beitraten. Bis zu 2000 Teilnehmer erschienen zu den Großveranstaltung(117). Aber auch im Münchner Landtag setzten die Liberalen aus Franken in der Fortschrittspartei ihre Politik erfolgreich fort. So waren sie maßgeblich an der Verabschiedung der Reform- und Sozialgesetzt beteiligt, welche die Gewerbefreiheit, eine spürbare Erleichterung des Heimatrechtes und der Verheiratung sowie der Armenunterstützung brachten. Vor allem forderten die Franken in der Fortschrittspartei energisch den Anschluss an den Norddeutschen Bund, wobei sie auf den erbitterten Widerstand der Alt-Bayerischen Patriotenpartei stießen, die sogar den Eintritt in das Bismarckreich verhindern wollte(118).

Im Deutschen Reich nach 1871 gab es keine liberale Partei, die alle liberalen Kreise in Franken zusammenfasste. Im Reichstag schloss sich die Fortschrittspartei den Nationalliberalen an. Im bayerischen Landtag unterstützte die Fortschrittspartei, die ihren Schwerpunkt in Mittelfranken hatte, die Politik der Ministerial-Regierung. Der staatsparteiliche Honoratioren-Charakter der Liberalen war dabei unverkennbar(119).

Der bedeutendste Politiker im fränkischen Liberalismus war Franz Schenk Freiherr von Stauffenberg(1834-1900)(12), ein geborener Würzburger. Er war 1866 als Abgeordneter Ansbachs in die Zweite Bayerische Kammer gewählt worden, der er bis 1890 angehörte. Von 1871-77 war er sogar Präsident der bayerischen Abgeordnetenkammer. Zugleich war er als Abgeordneter des Wahlkreises Fürth-Erlangen im Reichstag in Berlin, wo er in den Jahren 1878/79 als 1.Vizepräsident des Reichstages amtierte. Als Bismarck zur Schutzzollpolitik und zur Sozialistengesetzgebung überwechselte, versagten ihm die mehr linken Nationalliberalen aus Süddeutschland die Gefolgschaft: Stauffenberg und er Nürnberger Abgeordnete Crämer gründeten 1884 in Nürnberg die „Deutsche Freisinnige Partei“. Der linke Flügel des Liberalismus hatte nun seine Hochburg im protestantischen Franken. In der Reichstagwahl 1893 brach die „Freisinnige Partei“ jedoch über die Caprivische Heeresvorlage auseinander, woraufhin Stauffenberg den Vorsitz des fränkischen Flügels der „Freisinnigen Partei“ niederlegte. Crämer stellte sich der linken Gruppe, der „Freisinnigen Volkspartei“, als Ehrenpräsident zur Verfügung. Aber schon 1904 wurde im „Nürnberger Programm“ die Wiedervereinigung mit dem rechten Flügel, der sog. „Freisinnigen Vereinigung“, vorbereitet, die schließlich auch 1910 in der „Fortschrittlichen Volkspartei“ unter dem Bayreuther Casselmann zustande kam. Der linksliberale Flügel hatte sich letztlich nicht behaupten können, er war von der Sozialdemokratie überflügelt worden(121).

Die Spaltung im fränkischen Liberalismus führte zur entscheidenden Schwächung der liberalen Bewegung insgesamt und zum Verlust zahlreicher Mandate, endgültig dann nach der Wahlreform von 1905. Denn nur aufgrund eines veralteten und längst überholten Wahlrechts sowie aufgrund einer geschickten Wahlkreisgeometrie hatten sich die Liberalen bei den Kommunal- und Landtagswahlen an der Macht halten können. Denn im Gegensatz zu den allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen zum Reichstag war etwa das Gemeindewahlrecht in Nürnberg nur den eingeschriebenen Bürgern vorbehalten, die jedoch nur einen geringen Teil der Einwohner ausmachten. Vor allem blieben die vielen neuzugezogenen Einwohner, die als Arbeiter in der aufstrebenden Industrie ihr Auskommen fanden, von den Wahlen ausgeschlossen, da das Bürgerrecht die Voraussetzung für das kommunale Wahlrecht war und anderseits das Bürger- und Heimatrecht nur gegen ungewöhnlich hohe Gebühren erworben werden konnte. So konnten im Jahr 1871 in Nürnberg von den insgesamt 83 633 Einwohnern zwar 20908 an den Reichstagswahlen teilnehmen, für die Kommunalwahl waren aber nur 6980 Bürger wahlberechtigt(122). Doch nach dem Bündnis von Zentrum und SPD in Bayern 1905 gegen die sog. „liberalen Wahlrechtsräuber“ verloren die Liberalen auf Landesebene mehr als die Hälfte ihrer Sitze im Landtag(123), und selbst in einer so traditionsreichen liberalen Hochburg wie Erlangen ging das Mandat an die SPD verloren. Letztlich hatte sich der bürgerliche Liberalismus in Franken in inneren Auseinandersetzungen und Zersplitterungen geschwächt und aufgebraucht.

 

Frankens Anteil an der Kultur und Wirtschaft Bayerns

 

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Die Abordnung von führenden Politiker und Ministerialbeamten war aber keineswegs die einzige Leistung Frankens im 19. und 20 .Jahrhundert für Gesamtbayern. Auch für die Kunst und Kultur Bayerns kann Franken eine ganze Reihe hervorragender Vertreter vorweisen. Ich erinnere nur an die Dichter und Schriftsteller Jean Paul Richter, Platen, Friedrich Rückert, Jacob Wassermann, Ernst Penzoldt, Leonhard Frank, Leo Weismantel oder Hermann Kesten. Aber sie lassen sich nicht allein mit fränkischen Maßstäben messen, auch wenn heimatliche Themen und Probleme immer wieder anklingen oder sogar abgehandelt werden. Auch Hugo Distler, der Erneuerer der evangelischen Kirchenmusik, komponierte keine „fränkische“ Musik. Gleiches gilt für die Baukunst: Die vorherrschenden Baustile, wie Klassizismus, Neogotik und Jugendstil, waren internationale Bewegungen. Die für die Kunstlandschaft Frankens im Alten Reich so typische Vielfalt und unverkennbare Eigenständigkeit wich jetzt in Staatsbayern einer Nivellierung und Verarmung. Nur in Nürnberg und Würzburg konnte sich noch eine gewisse eigenständige Schultradition erhalten, etwa um Johann Dietrich Carl(1804-1867) und Philipp Wirt(1808-1878). Bemerkenswert ist vielleicht die Entdeckung der fränkischen Landschaft in der Literatur bei Tieck und Wackenroder und in der Malerei durch Rudolf Schiestl, desgleichen die romantische Entdeckung Nürnbergs und vor allem Rothenburgs als altfränkische Idyllen(124).

Entschieden gewichtiger waren ohne Zweifel die Leistungen Frankens auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik. Im Mittelpunkt des geistigen Schaffens standen dabei die Universitäten, von denen Montgelas nur Würzburg und Erlangen hatte bestehen lassen. Würzburg zeichnete sich vor allem durch hervorragende Mediziner aus: hier wirkten etwa Lukas Schönlein, der Begründer der modernen Diagnostik, der Pathologe Virchow und vor allem David Röntgen, der Entdecker der nach ihm benannten Strahlen.

Die Universität in Erlangen, die beinahe Kant berufen hätte und Fichte zumindest kurzzeitig zu ihren Professoren zählte, genoss im 19.Jahrhundert internationalen Ruf auf philosophischen und philologischen Gebiet. Schließlich rückte die „Erlanger Theologie“ in den Vordergrund, die sich der Erneuerung des Luthertums zum Ziele gesetzt hatte. Namen wie Hofmann, Harleß, Höfling und Thomasius verschafften der „Erlanger Theologie“ weltweiten Ruhm(125). Gleiches gilt auch für die Diakonische Arbeit Wilhelm Löhes.

Dem unverkennbar praktischen Sinn der Franken und der langen handwerklich-gewerblichen Tradition eröffneten die moderne Technik und die Industrie ein dankbares Betätigungsfeld. Es sei hier nur auf einige herausragende Industriepioniere hingewiesen: Wilhelm Sattler(126), bekannt geworden durch sein „Schweinfurter Grün“, die Druckmaschinenfirma König & Bauer in Würzburg, Karl Linde mit seinen Kältemaschinen, Lothar von Faber(127) als Unternehmer in der Bleistiftindustrie, die Maschinenbauer Spaeth und Kramer-Klett in Nürnberg(128), Sigmund Schuckert(129) in der Elektroindustrie, Reiniger, Gebbert und Schall in der Fertigung elektro-medizinischer Geräte sowie Hutschenreuther und Rosenthal in der Porzellanindustrie. Sie alle hatten wesentlichen Anteil daran, dass Franken zum industriellen Zentrum Bayerns wurde. Franken war der Ausgangsraum bedeutender industrieller Innovationen, wohingegen Alt-Bayern bis in die Jahre der Weimarer Republik überwiegend agrarisch strukturiert blieb.

Der eigentliche Durchbruch oder, wie man heute sagt, der Take-off der Industrialisierung in Franken setzte jedoch mit dem Eisenbahnbau ein. Zwar wollte Bayern zunächst mit dem Bau des Ludwig -Donau – Main – Kanals(1837-1846) Anteil am Handel zwischen Nordsee und Schwarzem Meer gewinnen, doch für Schiffe mit nur maximal 120 t Tragfähigkeit war der Kanal, wenn auch eine technische Großtat seiner Zeit, der Konkurrenz der Eisenbahn bald nicht mehr gewachsen. 1835 fuhr die erste Eisenbahn in Deutschland zwischen Nürnberg und Fürth(130). Initiiert wurde diese technische Pioniertat von einer Aktiengesellschaft aus Nürnberger und Fürther Kaufleuten, voran Johannes Scharrer und Georg-Zacharias Platner. Doch schon 1840 erklärte sich König Ludwig von Bayern bereit, den Eisenbahnbau in staatliche Regie zu übernehmen. Ludwig hatte die zukunftsweisende Bedeutung des Eisenbahnbaus erkannt, auch wenn er weiterhin an seiner Lieblingsidee, dem Kanal, festhielt. In den Jahren 1842-1848 wurde die Strecke Hof-Bamberg-Nürnberg-Augsburg-Lindau als „Ludwigs-Süd-Nord-Bahn“ erreichtet, in den Jahren 1852-1854 folgte die Westverbindung Bamberg-Schweinfurt-Würzburg-Frankfurt. Die vorrangige Verbindung nach Mittel- und Westdeutschland ergab sich aus den Gegebenheiten und Erfordernissen des Deutschen Zollvereins, wohingegen die Verbindung nach Wien erst mit deutlicher Verspätung zustande kam. Die Oberpfalz und die ehemaligen Reichstädte am Westrand Bayerns, Dinkelsbühl und Rothenburg, bekamen bald zu spüren, dass an ihnen der Eisenbahnbau vorbeiging(131). Dagegen entwickelten sich im Zuge des Eisenbahnbaus in Nürnberg und Fürth, in Schweinfurt und Aschaffenburg, in Bamberg und in Hof neue Industrien, die den fränkischen Städten wirtschaftlichen Aufschwung verliehen.

Der Eisenbahnbau, der entscheidende Anstoß für die „industrielle Revolution“ in Bayern, war zwar von fränkischen Kaufleuten initiiert worden, wurde dann aber in Staatsregie durchgeführt, wobei Franken im Rahmen eines gesamtbayerischen Konzepts berücksichtig wurde. Als Durchgangsland profitierte Franken besonders frühzeitig und reich von Eisenbahnbau; Franken hat diese neue Chance zu nutzen gewusst.

Doch nicht die Industrieregion Franken und seine Metropole Nürnberg erhielten die dringend erforderliche Technische Hochschule, sondern eine Allerhöchste Verordnung wies sie 1864 der Residenzstadt München zu, und zwar mit der Begründung, dass die Technische Hochschule als Stätte der exakten Wissenschaften in das Zentrum der wissenschaftlichen Forschung, der Sammlungen und Bibliotheken gehöre(132).

Um die Jahrhundertwende sah sich infolge des technisch – industriellen Fortschritts und des hohen Bedarfs an Ingenieuren die Regierung gezwungen, entweder die Münchner Technische Hochschule auszubauen oder eine zweite Technischen Hochschule in Bayern einzurichten. Sogleich ergriff Nürnbergs Oberbürgermeister Dr.Schuh die Initiative, um erneut Nürnberg als Standort ins Gespräch zu bringen. Doch diesmal scheiterte er – und damit sind wir bei eigentlichen „fränkischen Problem“ – nicht an München, sondern an der fränkischen Eifersüchtelei. Denn kaum hatte man von dem Vorstoß Nürnbergs erfahren, als auch schon die Universität Würzburg eine Petition einreichte und darin vorschlug, statt eine eigene TH in Nürnberg zu erreichten, besser eine Technische Fakultät der Universität Würzburg anzugliedern, was entschieden billiger wäre. Daraufhin wollte auch Erlangen nicht zurückstehen und wies nun seinerseits darauf hin, welche Vorzüge eine Technische Fakultät in Erlangen bieten würde(133). Jedenfalls lag – wegen mangelnder fränkischer Solidarität und Einigkeit – die Entscheidung wieder einmal bei München, und um niemanden in Franken wehzutun, entschied man sich für einen Ausbau der Technischen Hochschule in München. Franken bekam als Trostpflaster 1907 ein Technikum in Nürnberg zugestanden.

 

Frankens Probleme

 

Damit sind wir beim entschiedenen Problem in Franken und auch im Verhältnis von Franken und Bayern – es gab und gibt kein einheitliches Franken. Franken kann gegenüber München nicht mit einer Stimme reden und die gesamtfränkischen Belange mit dem nötigen Nachdruck vertreten.

Es ist das historische Erbe, das die fränkische Mentalität bis auf den heutigen Tag geprägt hat. Es ist das Erbe der vielen großen und kleinen Territorien, der geistlichen und weltlichen Fürstentümer, der Grafschaften und Reichsstädte sowie der Zwergstaaten der Reichsritter mit ihren wenigen Hintersassen, die alle ängstlich darauf bedacht waren, nichts von ihren Rechten und Privilegien zu verlieren. Seit der Reformation hat dann auch noch die unterschiedliche Konfession selbst unmittelbare Nachbardörfer zu oft erbitterten Feinden werden lassen. Der Fränkische Reichskreis war nur ein lockeres Band, das die vielen unterschiedlichen Herrschaften in Franken zusammenschloss und ein gesamtfränkisches Bewusstsein und Selbstverständnis bestenfalls in Ansätzen erwachsen ließ. Freilich haben gerade diese Vielfalt und Heterogenität den kulturellen Reichtum Frankens bewirkt und ausgemacht.

Erst unter der harten und rigorosen Politik Montgelas die keinerlei Rücksichten auf historisch  gewachsene Strukturen und Verhältnisse nahm, wurde Franken im Königreich Bayern enger zusammen gezwungen und damit zugleich nivelliert. Der Zwerg- und Vielstaaterei wurde beseitigt und erst jetzt erwuchs Franken, insbesondere in der liberalen Bewegung des Vormärz zu größerer Einheit zusammen. Doch mit der Einrichtung der drei Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken(134) 1837 wusste München sehr geschickt die Einheit Frankens nicht zu weit voranschreiten zu lassen. Fortan konnte stets ein Bezirk gegen den anderen ausgespielt werden, und das Regierungsprinzip von „Divide et Impers“ funktioniert bestens. Nicht einmal ein gesamtfränkischer Geschichtsverein kam zustande. Als Hans von Aufseß, der Gründer des Germanischen Nationalmuseums, einen „Historischen Gesamtverein für Ostfranken“ schaffen wollte, erhielt er von den bereits bestehenden Historischen Vereinen Mittelfranken, Unterfranken und Oberfranken sogleich definitive Absagen. Der Historische Verein von Mittelfranken erklärte, in der „Constituierung eines historischen Vereins von Ostfranken“ sehe man nicht den richtigen Weg für die Zukunft, da „die Centralisation die freie Bewegung“ nur hemmen würde(135).

Selbst unter den Nazis, als auf den angeblichen „fränkischen Stamm“ so viel Wert gelegt wurde, verbot der selbsternannte „Frankenführer“ Julius Streicher den Oberfranken im „Gau Ostmark“ auch nur die Verwendung des Namens fränkisch(136).

Die innerfränkische Teilung wiederholte sich 1945, als wiederum die politische Einheit Frankens nicht zustande kam. Es blieben die 3 Regierungsbezirke im Freistaat Bayern weiterhin bestehen, und die bayerische Regionaleinteilung von 1975 hat Franken sogar in 7 Regionen aufgeteilt.

Die eine, große weitgehend autonome „Region Franken“, ja sogar das „eigene Bundesland Franken“, das immer wieder gefordert wurde und noch wird, bleibt eine Illusion(137). Die „Region Franken“ scheitert nicht nur am Widerstand Münchens, sie scheitert vor allem an der fränkischen Zerstrittenheit, Uneinigkeit, Eigenbrötelei und Eifersucht. Zu ängstlich schielt jede Region auf die andere oder sogar jede Stadt auf die Nachbarstadt und passt genau auf, dass sie selbst ja nicht zu kurz kommt. Ich erinnere nur an den Streit um den Standort der neuen Universität in Oberfranken, bis sich schließlich München salomonisch für Bamberg und Bayreuth entschied. Kennzeichnend ist auch der jüngste Streit um den Lithotripter, den Nierensteinzertrümmerer, um den sich Nürnberg und Erlangen sowie Würzburg und Schweinfurt erbitterte Kämpfe lieferten, so dass angesichts der Uneinigkeit wieder einmal München frei entscheiden konnte. Auch auf das von fränkischen Industrie geforderte und massiv finanziell geförderte Zentrum für Mikroelektronik erhoben sofort Nürnberg, Erlangen und Fürth Anspruch, bis schließlich doch die Vernunft siegte und man überein kam, in aller Ruhe den künftigen Standort im mittelfränkischen Ballungsraum auszuwählen(138). Oder, um einen anderen Bereich aufzugreifen, welcher fränkische Regierungsbezirk würde heute auf sein Staatsarchiv verzichten, um einem Fränkischen Hauptarchiv Platz zu machen? Und wo sollte dieses Fränkische Zentralarchiv untergebracht werden? In Nürnberg, in Würzburg oder in Bamberg? Oder wo sollte die Fränkische Landesbibliothek eingerichtet werden? In Bamberg, wie Hanns Meinhart vorschlug? (139) Das würde mit Sicherheit einen Sturm der Entrüstung in Würzburg, Erlangen und Nürnberg hervorrufen.

Welche Region oder welche Stadt wäre heute bereit, auf ihr Kunst- oder Heimatmuseum zugunsten eines Gesamtfränkischen Museums zu verzichten? Wäre diese Vereinheitlichung und Zusammenfassung an einen Ort in Franken nicht genauso unhistorisch wie die Ausstellung fränkischer Kunstschätze und Kulturgüter in München?

Grundsätzlich gefragt: Welche Stadt sollte zur Hauptstadt Franken werden? Selbst der Anspruch Nürnbergs als volksreichste und größte Stadt auf eine führende Rolle in Franken stößt bei anderen Regionen auf heftigsten Widerstand. Für Unterfranken ist Nürnberg – so formuliert es einmal unmissverständlich der dortige Regierungspräsident – „nur ein Verkehrshindernis, nur ein Ärgernis auf dem Weg nach München“ (140), und viele Ober- und Unterfranken teilen diesen Standpunkt. Aber das ist eben typisch fränkisch und macht letztlich Franken aus: seine Uneinigkeit und Eigenbrötelei, seine Eigenwilligkeit und Vielfalt.

München hat diesen fränkischen Charakterzug erkannt und ihn lange Zeit dazu ausgenutzt, um die innerfränkischen Rivalitäten zu pflegen. Neuerdings aber – und dies muss anerkannt werden – beginnt man in München die Vielfalt Frankens in wachsenden Maße zu respektieren und zu akzeptieren. Dies hat zu einer spürbaren Dezentralisierung oder Regionalisierung im kulturellen Bereich geführt, etwa in der Denkmalpflege, im Archivwesen(141) oder in der vielfältigen Museumslandschaft(142), in der sogar drei neue Zweigmuseen(Windsheim, Weißenburg, Kronach) entstanden sind. Für die neuen Galerien und Sammlungen hat man sogar die Magazine und Bestände in  München geöffnet, so dass mancher prähistorische Fund oder Kunstgegenstand wieder in seine Heimat zurückkam.

Nutzen wir die neuen Erkenntnisse und kulturpolitischen Vorstellungen und Leitlinien der Staatsregierung in München und holen wir nach Franken zurück, soviel nur möglich ist. Aber bleiben wir dabei Realisten: Ein einheitliches Franken mit einem gesamtfränkischen Bewusstsein wird es wohl nie geben. Leider wird auch weiterhin vorerst in Geltung bleiben, dass Ober-, Unter- und Mittelfranken nur in München zusammenkommen können. Bleibt nur zu hoffen, dass es in München – wie schon früher – genügend Franken geben wird, die die Belange Frankens adäquat zu vertreten wissen.

Sehr geehrte Blogbesucher,

gestatten Sie mir hier noch folgenden Hinweis. Ich habe absichtlich die alte deutsche Schreibweise übernommen, um das Original nicht zu ändern. Deshalb stören Sie sich nicht daran, wenn manches ungewohnt erscheint.

Die Fußnoten müssen natürlich sein, damit es mir hier nicht so ergeht wie Karl Theodor zu Guttenberg. Es war für mich sehr wertvoll diese Fußnoten minuziös abzutippen, denn dies allein gab viel Aufschluß über die Geschichte unseres Frankenlandes. Von vielen sogenannten „Experten“ wurde mir die letzten Jahre immer wieder gesagt, wie verarmt Franken zu dieser Zeit war. Allein die Fußnote 22 sagt genau das Gegenteil aus. Franken wurde ganz fies ausspioniert und dann ausgeraubt. Das ist die Wahrheit. Aber die will seit über 200 Jahren keiner hören. Selbst die „Bayernfranken“ fühlen sich schon angeekelt, wenn man diese Tatsachen im Gespräch erwähnt. Diese Verhaltensweise ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Bildnachweis

 

Stadtarchiv Erlangen. Bild 4,5 und 11

Firmenarchiv Siemens: Bild 9

Maifränkisches Museum in Würzburg: Bild 1

Photo – Gundermann, Würzburg: Bild 3

Stadtarchiv Bamberg: Bild 2

Firmenarchiv Koenig & Bauer: Bild 6

Stadtarchiv Nürnberg: Bild 7,8 ,10

Bundesbahndirektion Nürnberg: Bild 12

 

*)Erweiterte Fassung eines Vortrags vor der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft, dem Frankenring und dem Frankenbund in Nürnberg.

 

1)       Vgl. hierzu: Franken – Bayerns zweite Garnitur? – Tutzing 1967.(Tutzinger Studien 3, hrsg. Von der Evangelischen Akademie Tutzing).

2)       Siehe die umfangreichen Zusammenstellungen bei H. Meinhart: Franken in Bayern – ein Problem. Nürnberg 1949, S.42 ff.(Schriftenreihe der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft H.1).

3)       So hat München 6 große Staatliche Museen und 5 Staatliche Sammlungen, während sich Franken mit 3 kleinen Zweigmuseen zufrieden geben muss.

4)       Im bayerischen Archivwesen wird seit einigen Jahren eine Dezentralisierungspolitik betrieben, die im deutlichen Gegensatz zur bisherigen Praxis steht. Siehe W.Jaroschka: Beständebereinigung mit Franken. – Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern 20. 1974, S.2-21.

5)       Vgl. die Beiträge in den Nürnberger Nachrichten vom 26.07.1979, 28.07.1979, 09.08.1979, 22.08.1979 und in der Nürnberger Zeitung vom 16.02.1980(Die Wittelsbacher, Mörder und Poeten. Franken ist auch hier im Nachteil).

6)       „Nürnberg soll Hauptsitz(des BR) werden. Wunsch nach einem Zentrum für Nordbayern als Gegenpol zu München für Südbayern“(Nürnberger Nachrichten vom 23.01.1979). „Franken kommt im Rundfunk zu kurz“(Nürnberger Nachrichten vom 30.01.1980). „Das Fernsehen stellte Franken in den Schatten. Nürnberger Kulturreferent protestiert“.(Nürnberger Nachrichten vom 21.03.1984).

7)       Rundbrief des „Franken-Rings“ vom 29.05.1984; vgl. auch Nürnberger Nachrichten vom 27.09.1984: „Der Kulturminister soll sich stärker einsetzten“.

8)       Nürnberger Nachrichten vom 25.07.1977

8a)  Nürnberger Nachrichten vom 05.12.1984

9)       Rundbrief des „Franken-Rings“ vom 29.05.1984 mit Beilagen. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass die Wirtschaftsstruktur Mittelfrankens veraltet ist, da Mittelfrankens Wirtschaft noch immer ganz wesentlich von den traditionellen Branchen geprägt ist, also  von der Elektrotechnik, vom Maschinenbau, von der Eisen- und Blechverarbeitung und den Metallwaren. Die zukunftsweisende Technik aber liegt vor allem in der Mikroelektronik und in jungen, innovativen Unternehmen, wofür im Wirtschaftsraum Mittelfranken ein Nachholbedarf besteht, wenn auch bereits der Strukturwandel sich beschleunigt hat. Vgl. Jahresbericht der Industrie- und Handelskammer vom 03.09.1984.

10)   Nürnberger Nachrichten vom 10.04.1984

11)   Nürnberger Nachrichten vom 28.05.1984, AZ vom 28.05.1984

12)   Rundbrief des „Franken-Rings“ – Informationen

13)   Ebda.

14)   Nürnberger Nachrichten vom 28.05.1984

15)   Aufstellung im Rundbrief des „Franken-Rings“ vom 29.05.1984

16)   Nürnberger Nachrichten vom 06.08.1984

17)   Vgl. hierzu R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“ – Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg(=MVGN) 51.1980, S. 157-183.

18)   R. Endress: Die preußische Ära in Franken. In: Expansion und Integration. Zur Eingliederung neugewonnener Gebiete in den preußischen Staat. Hrsg. Von P. Baumgart. – Köln 1984. S.169-194.

19)   R. Endress: Territoriale Veränderungen, Neugestaltung und Eingliederung Frankens in Bayern. – In: Handbuch der bayerischen Geschichte III/1. – 2. Aufl. München 1979. S.249 ff.

20)   K. Süssheim: Preußens Politik in Ansbach-Bayreuth. – Berlin 1902, S. 301 ff.

21)   Mit der Übernahme von Würzburg legte sich Kurfürst Max Joseph auch sogleich den Titel eines „Herzog von Franken“ zu, wogegen Hardenberg zwar heftig, aber ergebnislos protestierte. R. Endress: Die Eingliederung Frankens in den bayerischen Staat. – In: Wittelsbach und Bayern. Katalog der Wittelsbacher – Ausstellung. München 1980, Bd. III/1, S.83-94.

22)   Bereits im Frühjahr 1802 war der Major Ribaupierre im Auftrage Monteglas auf einem Erkundigungsritt durch Franken, wobei er feststellen konnte, dass Franken eines der reichsten Gebiete in Deutschland sei; daraufhin wurde die Entscheidung zur Okkupation Frankens in München gefällt. Vgl. H. H. Hofmann:…..sollen bayerisch werden. Die politische Erkundung des Majors von Ribaupierre durch Franken und Schwaben im Frühjahr 1802. – Kallmünz o.J.(1954).

23)   Eingehend hierzu H. H. Hofmann: Adelige Herrschaft und souveräner Staat. Studien über Staat und Gesellschaft in Franken und Bayern. – München 1962, bes. S. 211 ff.

24)   A. Chroust: Das Großherzogtum Würzburg(1806-1814). – Würzburg 1914.

25)   E. Deuerling: Das Fürstentum Bayreuth unter französischer Herrschaft und sein Übergang an Bayern 1806-1810. Erlangen 1932.

26)   R. Endress (wie Anm.21), S. 83-88.

27)   Ebda. S. 88 f.

28)   A. M. Scheglmann: Geschichte der Säkularisation im rechtsrheinischen Bayern. Regensburg 3 Bde., 1903-1908; D. Stutzer: Die Säkularisation 1803. – Rosenheim 1978(Franken wird nicht berücksichtigt).

29)   A. Wendenhorst: Der Untergang der alten Abteilkirche Münsterschwarzach 1803-1841 – Würzburg 1953(Mainfränkische Hefte17). E. Schneider: Die barocke Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Neustadt a. d. Aisch 1984.

30)   L. Günther: Der Übergang des Fürstbistums Würzburg an Bayern. – Leipzig 1910, S.125 ff.

30a)H. Ottomeyer: Die Kronissignien des Königreichs Bayern. – München 1979. S.8.

31)   M. Pfeiffer: Beiträge zur Geschichte der Säkularisation in Bamberg. – Bamberg 1907. S.42 f.

32)   G. Hartmann: Die kurmainzischen Kunstschätze des Schlosses zu Aschaffenburg. Aschaffenburg 1933; vgl. auch H. Kreisel, Die Münchner Schatzkammer, mit fränkischen Augen gesehen, in Frankenland 16, 1964, S. 164-178.

33)   P. Weissenberger: Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Maifränkischer Benediktinerklöster. – Mainfränkisches Jahrbuch 2. 1950, S. 288 ff.; F. Friedrich: Dokumente, Gemälde und Reliquienschrein aus dem Nachlass des Ebracher Abtes Eugen Montag. – 113. Berichte des Histor. Verein Bamberg 1977, S. 181 ff.

34)   In Würzburg wurde aus dem Verlauf konfiszierter Bücher ein Erlös in Höhe von 603 120 fl. Erzielt, der nach München überwiesen wurde. L. Günther: Der Übergang des Fürstbistums Würzburg an Bayern. – Leipzig 1910. S. 125 f.

35)   I. Wolf: Die Säkularisation der Stifts- und Klosterbibliotheken im Gebiete des Erzbistums Bamberg. Diss. Erlangen 1952(mschr.).

36)   A. M. Scheglmann: Geschichte der Säkularisation. Bd. 3. Regensburg 1908. S. 280; vgl. auch E. Eichhorn, Fränkische Kunst in der Alten Pinakothek, in: Frankenland 17, 1965, S. 71-92; A. von Reitzenstein, Fränkische Führung durch das Bayerische Nationalmuseum, in: Frankenland 16, 1964, S. 170-178.

37)   Bei der Versteigerung der Kunstschätze im Rathaus wurde der Tafelaufsatz von dem kunstverständigen Marktvorsteher Paul Wolfgang Merkel von Nürnberg für 1250 fl. Erworben. K. Pechstein: Der Merkelsche Tafelaufsatz von Wenzel Jamnitzer.  – MVGN 61. 1974, S.100

38)   Das bedeutende Kunstwerk wurde am 04.November 1806 öffentlich versteigert und für 53 fl. 32 kr. Pro Zentner Bruch von dem Händler Fränkel in Fürth erworben, der das Gitter nach Frankreich weiterverkaufte. J. Lincke: Planungen und Maßnahmen zur Wiederinstandsetzung des Innenraums(Großer Rathaussaal) ab 1977.  – Nürnberger Altstadtberichte 5. 1980, S. 32 ff.(mit Abbildungen).

39)   J. P. Priem: Geschichte der Stadt Nürnberg. – Nürnberg 1875. S. 320.

40)   Ebda. S. 318 ff.; W. Schwemmer: Die Stadt Nürnberg(Kurzinventar). 3. Aufl. Nürnberg 1983, passim.

41)   L. Günther: Der Übergang des Fürstbistums Würzburg an Bayern. – Leipzig 1910, S.133-135.

41a)Zitat in: Würzburg. Eine Geschichte in Bilddokumenten. Hrsg. Von A. Wendenhorst. – München 1981, S. 91 f.

42)   Besonders im Bereich der Denkmalpflege wird Franken, nach Aussage von Finanzminister Streibl, nicht vernachlässigt: Die Staatliche Schlösserverwaltung wendet in den Jahren 1979 und 1980 in Franken rund 35 Millionen auf, für das übrige Bayern rund 39 Millionen. – Nürnberger Nachrichten vom 25.März 1980.

43)   Siehe U. Thürauf: Die öffentliche Meinung im Fürstentum Ansbach-Bayreuth zur Zeit der französischen Revolution und der Freiheitskriege. – München 1918. S. 91 ff.

44)   G. Hirschmann: Das Haus Wittelsbach und Franken im 19.Jahrhundert. – Neujahresblätter der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 38. 1984, S. 8.

45)   Ebda. S.6.

46)   E. Endress: Der „Fränkische Separatismus“. _ MVGN 51. 1980, S. 161 f.

47)   A. Ernstberger: Die deutschen Freikorps 1809 in Böhmen. – Prag 1942. S. 299-345.

48)   K.H. Ritter von Lang: Memoiren, Bd.II, 1842, S.122, Nachdruck Erlangen 1984, mit einer Einleitung von H. von Mosch.

49)   G. Hirschmann: Ära Wurm in Nürnberg 1806-1818.- MVGN 48. 1958, S.286.

50)   Erlangens Huldigung bei der Übergabe des Fürstentums Bayreuth an die Krone Baiern in der Hauptkirche Erlangen, gehalten von Dr.Ch. Fr. Ammon. – Erlangen 1810

51)   M. Doeberl: Bayern und die deutsche Erhebung wider Napoleon I.- München 1907, S. 410 f., Beilage 1.

52)   L. Rieger: Die Stimmung und Haltung der fränkischen Provinzen im Jahr 1813. Diss. München 1921(mschr.).

53)   W. Schärl: Die Zusammensetzung der bayerischen Beamtenschaft von 1806 bis 1918. – Kallmünz 1955. Nr. 369 und Nr. 561.

54)   Vgl. R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“. – MGVN 51. 1980, S. 163-166.

55)   Siehe hierfür: Unterfranken zur Zeit König Ludwigs I. – Ausstellungskatalog 1964; Unterfranken im 19.Jahrhundert. – Würzburg 1965(mainfränkische Heimatkunde 13 mit Beiträgen von M. Hofmann, M. H. von Freeden, O. Meyer u.a.). G. Hirschmann: Das Haus Wittelsbach und Franken im 19.Jahrhundert. – Neustadt a. d. Aisch 1984, S. 10 f.

56)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1844 in Franken. – Würzburg 1951, S. 87 ff.

57)   J.P. Harl: Über einige der wichtigsten Vortheile und Vorzüge der neuen Verfassungs-Urkunde des Königreichs Baiern. 1818.

58)   M. Doebler: Ein Jahrhundert bayerischen Verfassungslebens. – München 1918. S. 58 f.

59)   Zitiert bei G. Radbruch: Paul Johann Anselm Feuerbach. – Göttingen 2.Aufl. 1957, S. 141; siehe auch R. Endress: Mittelfranken und sein Historischer Verein. – 89. Jb. Des Historischen Vereins für Mittelfranken, 1977/1981. S. 1-17.

60)   M. Hofmann: Staat und Bürger im bayerischen Unterfranken. – In: Unterfranken im 19.Jahrhundert. Würzburg 1965. S. 68 f.

61)   R. Endress: Die Eingliederung Frankens(wie Anm.21), S. 91 f.

62)   F. Köppel: Ignaz von Rudhart. – In: Lebensläufe aus Franken V. Erlangen 1936) S.297-310.

63)   M. Domarua: Bürgermeister Behr. Ein Kämpfer für den Rechtsstaat. – Würzburg 1971.

64)   O. Kreuzer: J. P. von Hornthal. – In: Lebensläufe aus Franken III. Würzburg 1927. S.244-277.

65)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1848 in Franken. – Würzburg 1951. S. 104-111.

66)   So führte der Bamberger Abgeordnete Hornthal auf dem Landtag von 1822 aus: „Wenn die Gelder alle von den äußeren Teilen des Königreiches auf einen Punkt zusammenströmen, wenn nicht die Einrichtungen getroffen wird, dass sie in gehörigem Ebenmaße wieder hinausfließen, so werden die äußeren Teile des Staatskörpers krank, kommen herab, der Körper nimmt nach und nach ab und stirbt.“ Lebensläufe aus Franken 3. Würzburg 1927. S. 255.

67)   M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 23 ff.(Siehe Anm. 63).

68)   H. Hoffmann: Johannes Gottfried Eisenmann. Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer. – Würzburg 1967, S. 12-17(Mainfränkische Hefte 49).

69)   R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 168.(Siehe Anm. 17).

70)   Gemeindebeamte mussten aufgrund von § 44 des Edikts über die Ständeversammlung um Urlaub für die Landtagssession beim König nachsuchen.

71)   E. Franz: Bayerische Verfassungskämpfe. – München 1926, S. 160.

72)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung. S. 129.(Siehe Anm. 56).

73)   F. L. von Hornthal(Hrsg.): Broschüren zum bayerischen Landtag von 1831. München 1832.

74)   M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 154 ff.(Siehe Anm. 63).

75)   Hgl. M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 167 ff(siehe Anm. 63); L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung, S. 138 ff.(Siehe Anm.56).

76)   Die Rede erschien im Druck unter dem Titel: „Die vom Hofrat Dr. Wilhelm Joseph Behr am 27.Mai in Gaibach gesprochenen Worte“, Würzburg 1832. Der Würzburger Drucker Thein wurde dafür verhaftet.

77)   Die Untersuchung hatte der Schönbornsche Herrschaftsrichter Joseph Habersack angestrengt, der sich dafür eine Karriere im bayerischen Staatsdienst versprach, was ihm auch gelang. Vgl. M. Domarus: Bürgermeister Behr, S. 172. (Siehe Anm. 63).

78)   H. Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann, S. 28-52. (Siehe Anm. 68).

79)   E. Herrmann: Liberale Bewegungen im frühen 19.Jahrhundert in Oberfranken. – Archiv Oberfranken 60. 1980, S. 151-185.

80)   Graf Carl von Giech: Die Kniebeugung der Protestanten vor dem Sanctissimum der katholischen Kirche in dem bayerischen Heere und in der bayerischen Landwehr. – Ulm 1841. Die Schrift erschien anonym, doch konnte bald als Verfasser Graf Carl von Giech, der Regierungspräsident von Mittelfranken, ausfindig gemacht werden.

81)   Siehe H. Gollwitzer: Graf Carl von Giech 1795-1863. Eine Studie zur politischen Geschichte des fränkischen Protestantismus in Bayern. – Zeitschrift für bayer. Landesgeschichte 24. 1961, S. 102-162.

82)   W. Uhde: Hermann Freiherr von Rotenhan. – München 1933.

83)   F. W. Kantzenbach: Die Erlanger Theologie. – München 1960. S. 115 ff.; Th. Kolde: Die Universität Erlangen unter dem Hause Wittelsbach 1810-1910. Erlangen 1910, S. 352 f.; G: Hirschmann: Das Haus Wittelsbach und Franken im 19.Jahrhundert. – Neustadt a. d. Aisch 1984, S. 18 f.

84)   Siehe R. Endress: Mittelfranken und sein Historischer Verein. S. 10 f.(Siehe Anm. 59).

85)   Graf Carl von Giech: Darlegung der Motive meines Austrittes aus dem Staatsdienst. – Stuttgart 1840. Die Rechtfertigungsschrift ließ Graf Giech in Stuttgart drucken und entzog sie so der bayerischen Zensur.

86)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung, S. 225. (Siehe Anm. 56).

87)   Vgl. die eingehende Darstellung bei L. Zimmermann, Ebd. S.237 ff.; R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 171 ff.(Siehe Anm. 17).

88)   G. Hirschmann: Fortleben reichsstädtischen Bewusstseins in Franken nach 1806. – Jahrbuch für fränkische Landesforschung 34/35. 1975, S. 1041-1058.

89)   L. Zimmermann: Die Einheits- und Freiheitsbewegung, S. 422. (Siehe Anm. 56).

90)   Ebda., S. 384.

91)   G. Diezel: Bayern und die Revolution, Stuttgart 1849, S. 242

92)   R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 173 f.(Siehe Anm. 17).

93)   A. Huth: Preßfreyheit oder Censur. Würzburg 1975, S. 127 f.

94)   J. H. Wichern(Gesammelte Schriften II, Hamburg 1901, S. 35 ff.) schildert den mehr als nur ergebenen Empfang in Erlangen.

95)   H. Meinhart: Franken in Bayern – ein Problem, S. 77 f. (Siehe Anm. 2).

95a)B. Zinner: Zur Revolution 1848/49 in Oberfranken. „Schwarze und weiße Listen“ der Regierung über das politische Verhalten der Bevölkerung.  – Archiv Oberfranken 63. 1983, S. 97-124.

96)   Hurt: Preßfreyheit oder Censur, S. 153 ff. (Siehe Anm. 93).

97)   E. Ecke: Franken 1866. – Nürnberg 1972, S. 169.(Nürnberger Werkstücke 9).

98)   R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 175 f.(Siehe Anm. 17).

99)   Q. von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen, Bd. 2, Nachdruck 1952, S.327:“….aber gewiss ist, dass 1866 der König auf Ansbach und Bayreuth noch schwerer verzichtete als auf Österreich- Schlesien, Deutsch-Böhmen und Teile von Sachsen“.

100) R. Endress: Die Erbabreden zwischen Preußen und den fränkischen Markgrafen. – Jahrbuch für fränkische Landesforschung 25. 1965, S. 87

101) R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S. 180 f.(Siehe Anm. 17).

102) H. Hanschel: Oberbürgermeister Herrmann Lupe. Nürnberger Kommunalpolitiker in der Weimarer Republik. – Nürnberg 1977, S. 117 -162.(Nürnberger Forschungen 21).

103) Die Zahlen sind entnommen W. Schärl: Die Zusammensetzung der bayerischen Beamtenschaft von 1806 bis 1918. – München 1955, S. 79-83.

104) E. Franz: Ludwig Freiherr von der Pfordten. München 1938.

105) Ch. Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst: Denkwürdigkeiten. 2Bde., Stuttgart 1907; F.Rachfahl: Fürst Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst, in: Lebensläufe aus Franken 2. Würzburg 1922. S. 215-228.

106) W. Grasser: Johann Freiherr von Lutz(1826-1890). – München 1967; F. Frhr. von Rummel: Das Ministerium Lutz und seine Gegner 1871-1882. Ein Kampf um Staatskirchentum, Reichtstreue und Parlamentsherrschaft in Bayern, – München 1935.

107) M. von Crailsheim: Krafft von Crailsheim. – In: Lebensläufe aus Franken 5. – Erlangen 1936. S. 38-61.

108) W. Schärl: Die Zusammenfassung der bayerischen Beamtenschaft(Kurzbiographien). (Siehe Anm. 53).

109) H. Rumschröttel: Das bayerische Offizierkorps 1866-1914. – Berlin 1973.

110) Siehe die Lebensläufe der Direktoren bei Schärl, S. 227-233. (Siehe Anm. 53).

111) W. Schärl, S. 48-52. (Siehe Anm. 53)

112) Ebda., S.77 f.

113) Ebda., S. 75-77.

114) D.Thränhardt: Wahlen und politische Strukturen in Bayern 1848-1953. Historisch-soziologische Untersuchungen zum Entstehen und zur Neuausrichtung eines Parteiensystems. – Düsseldorf 1973, S. 85-89.

115) NDB 2. S. 538

116) Th. Schneider: Die Deutsche Fortschrittspartei in Bayern und die deutsche Frage 1863-1871. – München 1936.

117) H. Hirschfelder: Der „Schleswig-holsteinische Verein“ in Erlangen. – In: Erlangen. Von der Strumpfer- zur Siemens-Stadt. Hrsg. Von J. Sandweg und Richter. Erlangen 1982. S. 223-227.

118) A. Kraus: Geschichte Bayerns von den Anfängen bis zur Gegenwart. – München 1983, S. 533 ff.; J. Schmidt: Bayern und das Zollparlament. – München 1973.

119) D. Thränhardt: Wahlen, S. 87-89. (Siehe Anm. 114).

120) S. Günther: Franz Frhr. Schenk von Stauffenberg. – In: Lebensläufe aus Franken II. Würzburg 1922. S. 437-440.

121) D. Tränhardt: Wahlen, S.94-96. (Siehe Anm. 114).

122) R. Endress: Der „Fränkische Separatismus“, S.179 f. (Siehe Anm. 17). E. Eckert: Liberal- und Sozialdemokratie. – Stuttgart 1968, S.30 ff.; G. Pfeiffer: Das Nürnberger Gemeindebevollmächtigtenkolleg 1818-1819. – MVGN 65. 1978, S. 372-374.

123) D. Tränhardt: Wahlen, S. 348. (Siehe Anm. 114).

124) L. Grote: Die romantische Entdeckung Nürnbergs. – München 1967.

125) Vgl. W. von Loewenich: Die „Erlanger Theologie“. – In: Erlangen. Die Geschichte der Stadt. Hrsg. Von A. Wendehorst und G. Pfeiffer. – München 1984, S. 119-125.

126) Vgl. P. Utsch: Wilhelm Sattler. – In: Fränkische Lebensbilder IV. – Würzburg 1971. S. 230-242.

127) Th. Bitterauf: Lothar Freiherr von Faber. – In: Lebensläufe aus Franken I. München, Leipzig 1919. S. 90-94.

128) Siehe G. Eibert: Unternehmenspolitik Nürnberger Maschinenbauer (1835-1914). – Stuttgart 1979.

129) J. Cassimir: Johann Sigmund Schuckert. – In: Lebensläufe aus Franken II. Würzburg 1922. S. 399-406.

130) Aus der Fülle der Literatur sei verwiesen auf H. Strössenreuther: Nürnberg Eisenbahnverkehr seit 1935. – In: Verkehrsentwicklung Nürnberg im 19. und 20. Jahrhundert. Nürnberg 1972 (Nürnberger Forschungen 17); U. O. Ringsdorf: Der Eisenbahnbau südlich Nürnbergs 1841-1849. – Nürnberg 1978.

131) Vgl. R. Endress: Der Funktionswandel der Messestadt Nördlingen und er Reichsstädte Dinkelsbühl und Rothenburg. – In: Schriftenreihe des Zentralinstituts für Fränkische Landeskunde und allgemeine Regionalforschung an der Universität Erlangen- Nürnberg, Bd. 25, Neustadt 1984, S. 15-27.

132) A. Kluckhohn: Über die Gründung und bisherige Entwicklung der Kgl. Technischen Hochschule zu München. – München 1879; siehe auch G. Pfeiffer: Vier Jahrhunderte Nürnberger Hochschulbestrebungen. – In: Die Nürnberger Hochschule im fränkischen Raum. Hrsg. Von F. W. Schobert. Nürnberg 1955, S. 22 ff.

133) R. Endress: Der „Fränkische Separatismus““, S. 178 f. (Siehe Anm. 17).

134) Regierungsblatt für das Königreich Bayern 1837, Sp. 794.

135) Siehe R. Endress: Mittelfranken und sein Historischer Verein (wie Anm. 59), S. 6-10.

136) M. Hofmann: Vom Ursprung des fränkischen Bewusstseins. – Die Stimme Frankens 27. 1961, H. 2, S. 48

137) Siehe „Die Stimme Frankens“ (Mitteilungsblatt der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft), Nr. 19. – Nürnberg 1977 oder zahlreiche Wandanschriften in Nürnberg.

138) Nürnberger Nachrichten vom 15. August 1984.

139) M. Meinhardt: Franken in Bayern – ein Problem. 1949, S. 86 f. (Siehe Anm. 2).

140) Franken . Bayerns zweite Garnitur? (wie Anm. 1), S. 68.

141) Vgl. W. Jaroschka: Beständebereinigung mit Franken. – Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern 20. 1974

142) So sieht das neue Museumsentwicklungsprogramm der bayerischen Staatsregierung eine stärkere Dezentralisierung vor. Nürnberger Nachrichten vom 08/09. März 1980.

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Thema: Frankens Geschichte

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19 Kommentare

  1. 1
    Bernd Klempner der Badener 

    Guten Tag,
    ich habe den Artikel sehr aufmerksam gelesen und sehe durchaus die Parallelen des Ihren Volkes mit dem Unserem.
    Wir als stolze Badener müssen uns ebenfalls ein Land teieln, obwohl ich bezweifel, dass Ihr Volk eine vergleichsbar schlimme Vergangenheit hatte als das unsere geliebte und geschätze Baden!!
    Ich sage ja immer, dass man die alten Grenzen wieder aufleben lassen sollte. Somit hat jedes Volk seinen Lebensraum. Ich höre es vorallem immer wieder von der Jugend!! Das Interesse ist da!!!!

    Liebe Grüße und ein Hoch auf die Kulturen!!

    Bernd Klempner (der Badener)

  2. 2
    intern 

    Danke für Ihren Kommentar. Es wäre schön, wenn die Stämme wieder Ihre Freiheit bekommen würden.

  3. 3
    Josef Ott 

    Lieber Badener Bernd,
    der gravierendste Unterschied von Badenern/Württembergern und Franken/Baiern ist doch der dass es sich bei Euch um Stammesverwandte handelt und dort wirklich um eine ganz verschiedene Herkunft. Von welchem schlimmen Schicksal Badens redest Du da ? Baden entstand erst 500 Jahren nach der Landnahme durch Alemannen. Ich als „bay. Schwabe“ zähle mich übrigens auch zu diesem Kreis, ich will auch kein Baier sein. Die Stärke der Baiern liegt m.E. in ihrer Geschlossenheit und die Schwäche zwischen Lech und Rhein ist der uralte Hang sich nach innen von anderen abzugrenzen, obwohl man zusammengehört. Schade. Vielleicht müssen uns die (geschlossen auftretenden) Franken erst etwas vormachen bevor wir aufwachen. Besinnen wir uns doch lieber auf Gemeinsamkeiten als dauernd auf Ressentiments herumzureiten.
    Freundliche Grüße von der Iller an den Rhein !

  4. 4
    intern 

    Lieber Herr Ott,
    danke für Ihren Kommentar. Ich weiß nicht wer Bernd ist, trotzdem will ich Ihnen kurz auf Ihren Kommentar antworten. Ich kann Ihnen recht geben, wenn Sie von der Geschlossenheit der Baiern sprechen. Das Sie uns Franken als geschlossen auftreten sehen ist leider nicht die Wirklichkeit, denn wir Franken sind uns seit der Teilung durch Baiern(1859 wurde dies mit Absicht ausgeführt) sehr selten einig.

  1. […] alleine Besser können. Wer’s immer noch nicht glaubt, dem empfehle ich eine Betrachtung von Franken und Bayern im 19. und 20.Jahrhundert. Dies wäre dann der letzte Versuch […]

  2. […] Sie schon, dass… Franken mit seinen vom Bayernkönig nach München verschleppten fränkischen Kulturgütern wesentlic…  (wenn Sie diesen Beitrag gelesen haben, dann gehen Ihnen die Augen auf, über dass Unrecht, dass […]

  3. […] Königsberg in Bayern. Bei Bezeichnungen wie dieser wendet sich der echte Franke mit Grausen. Nichts… […]

  4. […] Franken werden die Baiern nie verstehen, da können sie noch so lange versuchen, uns zu regieren. Wir werden nie verstehen, wie man zum Frühstück eine Weißwurst essen und mit einem Weißbier […]

  5. […] den allermeisten von Euch bekannt, wurde Franken von den Baiern und Napoleon im Jahr 1806 hinterhältig überfallen und ausgeraubt. Jetzt im Jahre 2013 ist es uns Franken […]

  6. […] Viele fränkische Bürger haben in den letzten Jahren aber erkannt, was sich da für ein Filz – besonders in den letzten 50 Jahren – breit gemacht hat, und haben einen Schritt unternommen und eine fränkische Partei(seit 2009) “Partei für Franken – Die Franken” gegründet. Jeder Franke der sich nur einmal eine Stunde mit der Geschichte Franken – Bayern auseinander setzt wird sofort erkennen, dass da vieles im Argen is… […]

  7. […] Franken und Bayern im 19 und 20.Jahrhundert […]

  8. […] Erinnerung Nr.12 […]

  9. […] Franken und Bayern im 19. und 20.Jahrhundert […]

  10. […] Erinnerung Nr.12 […]

  11. […] Meine Hoffnung ist, dass bei der nächsten Wahl mindestens siebenmal mehr dieser kleinen fränkischen Kraft Ihre Stimme geben, um den Einzug in den Landtag zu schaffen(5% + x). […]

  12. […] Franken und Bayern im 19. und 20.Jahrhundert […]

  13. […] Die geschichtlichen Fakten wurden aus dem Heft von Prof. Rudolf Endres „Franken und Bayern im 19. … […]

  14. […] München zu mächtig und gefährlich. Lesen Sie dazu Franken in Bayern – ein Problem und Franken und Bayern im 19. und 20. Jahrhundert. Dann dürfte Ihnen vieles klar […]

  15. […] Lesen Sie hier einmal einen Auszug aus dem Büchlein von Prof. Rudolf Endres „Franken und Bayern im 19. und 20. Jahrhundert“ Seite 98 bis […]

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